Nikon F2, die wahrscheinlich beste je gebaute vollmechanische Spiegelreflexkamera der Welt feiert(e) im September 2021 einen runden Geburtstag: 50!

Im Kreis ihrer Vorgänger, Nachfolger und Mitbewerber

Die mechanische Leica M3/M4 war "nur" eine Messsucherkamera, die von den Brennweitenmöglichkeiten mit der Nikon F2 nicht konkurrieren konnte. Einziger ernstzunehmender Nikon F2-Gegner war die Canon F1. Und die Pentax? Bewusst neben der Nikon F2 verkleinert. Für mich war die kernige, brachiale Rollfilm Mittelformat SLR Pentax 6x7 immer eine "aufgepumpte" Nikon F2 ;-) So sehr passte das Konzept der Nikon F2 auch auf die Pentax 6x7.

Eh ich mich jetzt seitenlang mit den Einzelheiten und Besonderheiten der Nikon F2 auslasse …

… verweise ich doch sehr gerne auf Wikipedia. Unter diesem Link hat Wikipedia wohl so ziemlich alles zusammengetragen, was man über die Nikon F2 wissen sollte.

Auf keinen Fall zu vergessen, die großartige englischsprachige Seite "Modern Classic SLRs Series: Nikon F2 - Camera Body and Features - Part I", die satte 10 Seiten über die Nikon F2 berichtet.

Nikon Geschwister

Meine längst verflossene Nikon F2 mit Photomic DP-2 Sucher und Motor MD-2/Batterieteil MB-1 …

Nikon über alles – zumindest in den 1970er Jahren

Und – huch – eine Kamera, die da "eigentlich" nicht reingehört. Nikons spiegellose Profi-DSLM Z6. Großartig, wenn es um den Einsatz der uralten Nikon-Objektive (*) geht! Und trotz Nikon Z6 wurde die F2 mit SW-Filmgeladen und damit fotografiert. Dazu mehr weiter hinten!

(*) Nikon Altglas

  • Nippon Kogaku NIKKOR-UD Auto 1:3.5 f=20mm (1968-1971)
  • Nippon Kogaku NIKKOR-S Auto 1:2.8 f=35mm (1967-1971)
  • Nikon Zoom NIKKOR-C Auto 1:4.5 f=80-200mm (1973-1975)
  • Nippon Kogaku NIKKOR-P 1:2.5 f=105mm (1966-1971)

Selbstverständlich war auch Schweden Nikon Land!

Die beiden Schlagwörter "finesser" und "förmögenhet" lassen sich auch ohne Schwedisch-Kenntnisse übersetzen ;-)

"Vilka finesser! – Men den kostar en förmögenhet" "Was für Finessen/Möglichkeiten! Aber sie kosten ein Vermögen". Im schwedischen Beitrag wurde eine F2(S) mit Photomic-Sucher DP-2, Motor, Blendensteuerung DS-1 und Netzgerät MA-4 gezeigt, das Fernsteuerung ermöglicht. Mehr Nikon ging in den 1970er kaum. Die letzte Erweiterung hätte in den Langfilm Magazin-Rückwänden MF-1 und MF-2.

Der Fotograf in der gelben Regenjacke dürfte heute Dauergast beim Orthopäden oder Chiropraktiker sein ;-)

Was für eine Konstruktion aus zwei gekuppelten und motorisierten F2-Gehäusen, die der Mann da an Hals und Schulter hängen hat. Und dazu noch ein drittes F2-Gehäuse – irre!

Das nenne ich ausbaubare Systemkamera!

Immer dicht auf den Fersen!

Das Pendant zur Nikon F2, die Canon F1. Genauso ausbaufähig. Aber die 1970er gehörten ganz klar Nikon …

Nikon 1948 bis 1980

Und doch …

Was für ein Leben im "Altersheim" Sammlervitrine :-( Dort fristen tausende F2-Gehäuse, die nie kaputt gehen ein trauriges Dasein …

Ja meine beiden F2-Gehäuse liegen auch viel mehr, als dass ich sie benutze. Aber der 50. Geburtstag der Nikon F2 war ein toller Anlass, die F2/DP1 mit in die Sommerferien zu nehmen. Und neben 95+x Prozent digital ganz wie früher analog auf Film zu fotografieren.

Meine Sommerferien 2021 Nikon F2 ;-)

Die lichtstarken Objektive 1,4/35 und 1,2/55 und das 4/20 mm "Pancake"-Nikkor kamen dann doch nicht zum Einsatz. Im roten Kreis markiert die "analoge Programmierung" der Lichtstärke in den Photomic DP-1. Beim 1,2/55 mm Nikkor wird zuverlässig f/1,2 im Fenster angezeigt. Der DP-1 muss ja schließlich wissen, welche Lichtstärke das angesetzte Nikkor hat! 

Die gezeigten SW-Fotos wurden ausschließlich mit dem kompakten 2,8/35 mm und zum ersten 3,5/20 mm UD Nikkor in Retrofokusbauweise aufgenommen. Weitwinkel, um genügend Schärfentiefe zu haben. Denn manuelles Fokussieren bereitet meinen Augen ohne moderne DSLM und ihre Kantenanhebung (Fokus Peaking) hroße Probleme. Dieses 20er kam nach dem 4/2,1 cm Nikkor, bei dessen Einsatz der Spiegel hochgeklppt und verriegelt werden muss.

Die ISO 100 Fomapan SW-Filme wurden am Urlaubsort selbst entwickelt und mit dem Minolta Dimage Scan Dual II AF-2820U vor Ort digitalisiert.

Zum Minolta Filmscanner

Im Beitrag "2018: 90 Jahre Minolta" wird die Geschichte Minoltas erzählt. Scanner fanden in dem Beitrag allerdings keine Würdigung. Deshalb jetzt ein kleines bisschen Wiedergutmachung. Mit dem Minolta Dimage Scan Dual II AF-2820U.

Dessen Nachfolger Scan Dual III kam 2002 auf den Markt. Also dürfte der Scan Dual II AF-2820U zwischen 2000 und 2002 produziert worden sein. Die Scanner Bedienungsanleitung ziert auch ein (c) 2000 Minolta. Ob es einen Vorgänger Scan Dual (I) gab, habe ich nicht weiter recherchiert. Sehr wohl gab es die Nachfolger Scan Dual III und IV. An der Modellbezeichnung ist schnell zu erkennen, dass der Minolta Dimage Scan Dual II AF 2820U mit 2820 dpi Auflösung scannen kann. Mit einer Tiefe von 8 oder 12 bit pro Farbkanal.

Die technischen Daten des Minolta Dimage Scan Dual II AF-2820U

Auch wenn die deutschsprachige Seite ScanDig mit dem Scan Dual II den eingescannten Negativen/Dias eine miserable Bildqualität attestiert, habe ich ohne zu zögern zugegriffen. Denn auf der Internetseite photographyreview.com war zu lesen: "The bundled software produces horrible scans." — "Die mitgelieferte Software erzeugt schreckliche Scans." Lag es nur an der Minolta-Software? Die heute sowieso nicht mehr läuft. Möglicherweise.

Die Lösung heißt VueScan

Die (sonst) englischsprachige Internetseite schreibt: "Können Sie keinen Treiber für Ihren Scanner finden? VueScan kann Ihnen helfen! Wir haben über 6500 Scanner rückentwickelt und Treiber in VueScan integriert, damit Sie den bereits vorhandenen Scanner weiterhin verwenden können." Der Download der Vuescan-Vollversion war mir die 69,95 Euro absolut wert! Zum Probieren, gibt es Trial-Versionen!

Das Digitalisieren der SW-Negative war richtig "Arbeit", "Kampf". Denn die ersten beiden SW-Filme waren mehr oder weniger unbrauchbar. Wobei die "Hauptfehlerquelle" wie fast immer hinter der Kamera lag. Die Knopfzellen im Boden der Nikon F2 halten durchaus jahrelang. Aber eben nicht ewig! Ein schneller Check hätte klargemacht: Unbedingt Knopfzellen wechseln! Die Belichtungsanzeige kann nicht stimmen. Und ich hätte es besser wissen müssen. Denn in Grenzen funktioniert diese simple Regel immer: Filmempfindlichkeit in ASA/ISO bei viel Sonne (Mittagszeit +/- 3 Stunden) gleich Verschlusszeit bei Blende f/16. Also f/16 und 1/125 s bei ISO 100. Oder f/11 1/250 s oder f/8 1/500 s und so weiter und so weiter. So waren die ersten beiden SW-Negative so dicht, dass der Minolta Scanner nicht "durchschauen" konnte.

Im zweiten Anlauf ist es dann gelungen der Nikon F2 2021 ein paar aktuelle SW-Fotos abzuverlangen: Aufnahmeobjektive 2,8/35 mm und 3,5/20 mm mit aufgeschraubtem Grünfilter

In den letzten Urlaubstagen wurde die F2 dann noch mit abgelaufenen AGFA ISO 400 Colornegativfilmen (Ablaufdatum 2013) geladen 

Die dann in Deutschland im Drogeriemarkt entwickelt und dann von mir digitalisiert wurden. Mit Farbe — ob Negativ oder Dia — haben die Filmscanner wenig Probleme, weil das fein verteilte elementare Silber aus der Schicht raus ist! Ich war aber faul und habe einfach nur die 10 x 15 cm Abzüge digitalisiert … Zur Entwicklung per Drogeriemarkt brauchte es aber Geduld! 2 1/2 Wochen hat es von der Abgabe bis zum Abholen die Filme/Fotos gedauert!

AGFA ISO 400 Colornegativ (Ablaufdatum 2013)

Wollte ich mit der Nikon F2 heute "ernsthaft" in Farbe fotografieren, würde selbstverständlich ISO 100 Diafilm eingelegt. Zur Demonstration sollten die alten Negativfilme gereicht haben! In diesem Fall wurden die 10 x 15 cm Abzüge gescannt.

Irgendwoher müssen die Schulterschmerzen ja kommen …

Finale

Zurück in analoge Zeiten?

Nie mehr! Und damit ist dem 50-jährigen Geburtstagskind Nikon F2 dann wirklich genug gehuldigt.

Ein Gutes hatte frühere und und heute gelegentliche SW-Fotografie auf Film aber. Es ist sehr hilfreich zu wissen, wie ein richtiger SW-Film abbildet, "körnt". Um den Himmel etwas besser zu differenzieren, saßen auf den Objektiven entsprechende Grünfilter. Auf Verwendung des noch stärker wirkenden Orange- oder Rot-Filters habe ich verzichtet. Aber das je gemacht zu haben, hilft bei der Umsetzung von Farbe nach SW in der digitalen Fotografie mit Hilfe von Adobe Lightroom, Photoshop und Mitbewerbern ungemein!

Und die Überlegung beim Umgang mit der analogen Spiegelreflex und 36 Bildern pro Film: "Löse ich aus oder nicht? Lohnt das Motiv?"

Ralf Jannke, September 2021

 

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