Adapterumbau EOS-auf-M42 für Zuiko FTL-Objektive von Christian Zahn

Bevor Olympus die inzwischen legendäre M1-Spiegelreflexkamera und das zugehörige neue Bajonett 1972 auf der Photokina in Köln vorstellte und kurz danach in OM-1 umbenennen mußte, vertrieben sie für etwa ein Jahr eine Kamera mit M42-Schraubgewinde. Weil alle Ressourcen für die Entwicklung der OM-Kameras und OM-Objektive gebunden war, entschied sich Olympus, die FTL und sämtliche Objektive und Zubehör bei einem OEM-Hersteller zuzukaufen und lediglich den Vertrieb zu übernehmen. Wer der wahre Hersteller war, ist bis heute nicht endgültig geklärt, es gibt Gerüchte über Canon, Miranda oder Minolta, wobei die Minoltas der damaligen Zeit Auslöser und Aufzugshebel an stark abweichenden Stellen haben und Miranda damals Objektive nicht mehr selbst herstellte, sondern vermutlich bei Tokina bezog. Die Canon FTb käme von Lage der Bedienelemente, Gewicht und sogar der Bezeichnung der FTL recht nahe. Für Miranda spricht zwar, daß die Belichtungsmessung der meisten FTL-Kameras heute defekt ist, was bei Miranda-SLRs auch so ist, weil deren Meßzelle in den Schwingspiegel eingelassen ist und die bei jedem Bild bewegten Kabel im Laufe der Jahre brechen. Aber laut Demontageanleitungen von Anwendern ergibt sich, daß die FTL-Meßzelle möglicherweise im Sucherokular eingebaut ist.

Andere Vermutungen sagen, daß Olympus nur die Entwicklung der Kamera und der Objektive erworben hat und alles selbst herstellte. Auch die Aussagen des damaligen Olympus-Chefentwicklers Yoshihisa Mitani zur Herkunft sind nicht eindeutig, eine klare Aussage konnte oder wollte er in einem Interview im Jahre 1976 nicht geben. Er spricht davon, das Kamera und Objektive kein Olympusdesign seinen und zugekauft wurden, was sich sowohl auf das Design oder aber die fertigen Kameras und Objektive beziehen kann.

Fazit: nichts genaues weiß ich nicht und eine Kamera habe ich nicht in meinem Besitz, nur zwei Objektive lagen mir für knapp zwei Wochen vor, so daß ich obige Vermutungen nicht konkretisieren kann.

Zum Namen: Olympus baute in den 1960er Jahren Halbformat-Spiegelreflexkameras, unter anderem die Pen F und Pen FT, da lag FTL nahe. Wofür die Buchstaben stehen, weiß ich leider nicht.

"F" vielleicht für (Re-)F-lex?

Das FTL-M42 Schraubgewinde und seine Offenblendenübertragung

Besonderheit der Olympus FTL und ihrer Objektive ist das M42-Schraubgewinde, das sowohl die Springblende betätigt (was viele andere M42-Kameras auch können, weil die Betätigung quasi genormt ist) als auch die am Blendenring eingestellte Blende an die Belichtungsmessung übergeben wird, so daß nicht wie bei den meisten M42-Spiegelreflexkameras die Belichtung bei Arbeitsblende gemessen wird, sondern bei Offenblende. Ähnliche Systeme gibt es von Pentax, Fuji und Pentacon/Practika. Alle Systeme sind zueinander inkompatibel, Pentacon machte es beispielsweise nicht mechanisch, sondern mit einem Potentiometer im Objektiv, dessen drei Kontakte elektrisch an die Kamera gekoppelt werden. Die Systeme von Fujica und Pentax funktionieren ähnlich wie bei der FTL, aber die Übertragungselemente befinden sch an anderen Stellen. Während die Praktica-eletric-Objektive an allen M42-Kameras und heutigen M42-Adaptern verwendet werden können, weil die drei Übertragungsstifte gefedert sind und komplett im Objektiv verschwinden können, kollidieren die M42-Offenblend-Objektive mit mechanischer Übertragung alle mehr oder minder heftig mit dem Bajonettring der anderen Kameras bzw. M42-Adaptern.

Damit die Position der FTL-Zuikos in der Kamera exakt gewährleistet ist, weil nur so die Offenblenden-Übertragung korrekt funktioniert, wird das Objektiv durch einen Stift im Kameragehäuse und einer Nut im Objektiv fixiert, diese stört an anderen Kameras oder Adaptern nicht.

Bei den FTL-Zuikos steht ein runder Stift zur Blendenwertübertragung etwa 1,2 mm über die Auflagefläche vor. Somit läßt sich das Objektiv nicht komplett in den Adapter eindrehen, es steht zu weit heraus und sitzt außerdem etwas schief, weil es verkantet. Aufnahmen mit unendlicher Entfernungseinstellung sind deshalb nicht möglich. Als Radikal-Methode könnte der Stift abgefeilt werden, aber das ist aus Sammlersicht ein Sakrileg. Somit bleibt nur, den Adapter zu modifizieren.

Umbau eines M42-auf-EOS-Adapters

Der Besitzer der beiden Zuikos kaufte einen Adapter M42-Canon EOS mit Chip, damit die Canon-Spiegelreflexkameras ein Objektiv erkennen und somit die Fokus-Bestätigung im Sucher bei Scharfstellung aktivieren. Nebennutzen: durch Adaptieren des EOS-Anschlusses kann er das Objektiv auch an spiegellosen Systemkameras nutzen, ohne weitere Adapter verändern zu müssen. Zwar muß dann „Doppelt-Adaptiert“ werden, aber das funktioniert gut.

Die Differenz der beiden Auflagemaße beträgt 45,46 mm (M42) zu 44 mm (Canon EOS), also gerade einmal 1,46 mm. Dementsprechend dünn ist der Adapter, und somit ist nicht viel „Fleisch“ für die mechanische Bearbeitung des Adapters. Weil die Steigung von M42 1mm beträgt, dreht sich der Blendenmitnehmer beim Befestigen des Objektivs im Adapter um 432 Grad, also mehr als eine Umdrehung. Es reicht also nicht aus, lediglich ein Stück des Adapters zu verändern, sondern es muß eine umlaufende Ringnut in den Adapter eingebracht werden. Das kann mit Fräsen oder Drehen gemacht werden, ich entschied mich für Fräsen mit einem Werkzeug, das etwas breiter ist als der Stift am Objektiv. Zwar hätte ich die Tiefe der Einfräsung passend zur jeweiligen Eindringtiefe des Stiftes anfertigen können, aber aus Bequemlichkeit beließ ich es bei eine gleichbleibenden Tiefe.

Weil der Adapter so extrem dünn ist, so daß ich ihn nicht sicher in einem Dreibackenfutter halten konnte, befestigte ich in einfach auf einem Adapter für EOS-auf-NikonZ, dieser ließ sich gut einspannen.

Wie man sieht, ist genug Aluminium übriggeblieben, um den äußeren und den inneren Adapterteil noch miteinander verbunden zu haben. Das langt, um die geriffelten äußeren Teil anzufassen und Adapter mit montiertem Objektiv von der Kamera zu lösen.

Olympus FTL-Zuikos

Egal, wer die Objektive entworfen und gebaut hat, sie gelten als sehr gute Vertreter des riesigen M42-Objektivangebots. Ihr äußeres Erscheinungsbild ist deutlich als 1960er-Jahre-Design erkennbar, erst die OM-Zuikos wurden moderner gestaltet. Trotzdem haben die FTL-Zuikos schon etwas, das die OM-Zuikos auch aufweisen: An jedem Objektiv ist eine Abblendtaste vorhanden, diese ist nicht wie bei den meisten anderen Spiegelreflexkameras mit Bajonett in der Kamera eingebaut.

Die rückseitigen Objektivdeckel sind clever entworfen: zur Objektivseite hin haben sie einen kurzen zylindrischen Teil ohne Gewinde, so lassen sie sich am Objektiv ansetzen und ohne Verkanten festschrauben. Die meisten anderen Deckel muß man immer erst ein Stück linksrumdrehend, damit sich die Gewindeanfänge von Deckel und Objektiv zueinander positionieren und dann der Deckel festschrauben läßt.

Fazit

Die Modifikation des Adapters ist eigentlich einfach, lediglich aufgrund des geringen Auflagemaßunterschids zwischen M42 und EOS diffizil. Wer einen Adapter M42 auf eine spiegellose Systemkamera verändert, hat es möglicherweise einfacher, denn diese Adapter sind viel dicker. Vielleicht ist es auch gar nicht nötig, weil der M42-Gewindering drehbar in die Adapter eingelassen ist und die eigentliche Fassung je nach Adapter weit genug zurückliegt, so daß der Olympusstift nicht mit der Adapterfassung kollidiert.

Zur Qualität der Objektive kann ich leider nichts sagen, nachdem der Adapter fertig war, holte ihn der Besitzer zusammen mit den Objektiven ab, bevor das Wetter einen Fotoausflug zuließ.

Christian Zahn, November 2026

 

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