Apple iPhone 12mini Praxisbericht von Christian Zahn
Hier stelle ich ein Smartphone vor, das zum Verkaufszeitpunkt zu den kleinsten erhältlichen Geräten dieser Klasse zählte. Es war nur von 2020 bis 2021 erhältlich, dann wurde es von iPhone 13mini abgelöst, mit dem diese Displaygröße bei Apple endete, weil sich die „Minis“ nur recht überschaubar verkauft hatten.
Spezifikationen
- Das im September 2020 vorgestellte Apple iPhone 12 mini ist 132 x 64 x 7 mm groß und wiegt 133 Gramm. Parallel erschienen größere und teurere Versionen, beispielsweise das iPhone 12 oder 12 Pro.
- Die rückseitig belichteten CMOS-Sensoren lösen maximal 4032 x 3024 Pixel = 12,2 Megapixel auf. Automatisch oder manuell werden 25 bis 6400 ASA eingestellt (je nach Kameramodul sind die minimale und maximale Empfindlichkeit geringer bzw. größer). Videos sind mit bis zu 3840x2160 Pixeln (4K) möglich. Bilder werden als JPEG oder HEIC im internen Flash-Speicher abgelegt. Außerdem können die Fotos als RAW-Datei im DNG-Format aufgenommen werden.
- Das Weitwinkel-Objektiv ist eine Festbrennweite mit fester Blende 1:1,6/4,2 mm (7 Elemente, darunter asphärische Elemente), die kb-äquivalente Brennweite beträgt 26 mm
- Das Super-Weitwinkel-Objektiv ist eine Festbrennweite mit fester Blende 1:2,4/1,55 mm (5 Elemente, darunter asphärische Elemente), die kb-äquivalente Brennweite beträgt 14 mm
- Das Tele-Objektiv ist eine Festbrennweite mit fester Blende 1:2,2/7,5 mm (6 Elemente, darunter asphärische Elemente), die kb-äquivalente Brennweite beträgt 64 mm
- Das Motiv wird über einen 5,4“ Monitor mit 2340 x 1080 Pixeln und Multitouch-Funktion ausgewählt.
- Autofokus durch Kontrasterkennung auf dem Bildsensor
- Belichtungssteuerung durch Zeitautomatik mit ISO-Automatik, Belichtungszeiten ca. 3 bis 1/16000 sek., Selbstauslöser mit einstellbarer Vorlaufzeit
- mehrere im Gehäuse integrierte superhelle LEDs als Blitzersatz (mit zwei unterschiedlichen Farbtemperaturen)
- Weißabgleich automatisch
- optische Bildstabilisierung der Weitwinkel-Kamera durch beweglichen Sensor, rein elektronische Stabilisierung der Superweitwinkelkamera
- Energieversorgung durch fest eingebauten Lithium-Akku
Besonderheiten
Apple ist ein Hersteller von Computern, Smartphones, Tabletts und elektronischen Gadgets (z. B. Apple Watch oder HomePod). Den Smartphone-Markt läutete Apple 2007 mit dem erstem iPhone ein, danach verschwanden etliche der zuvor großen Mobiltelefonhersteller vom Markt (beispielsweise Siemens, Motorola, Nokia usw.).
Das iPhone 12 mini bediente die Kunden, die ein aktuelles leistungsfähiges Smartphone haben wollten, denen die anderen Modelle aber entweder zu groß, zu schwer oder zu teuer waren. Jedoch waren die „kleinen“ von Apple nicht allzulange erhältlich, die Kunden entschieden sich meist für größere und teurere Modelle, so daß ab der 14er-Modellreihe keine „Minis“ mehr produziert wurden. Lediglich das technisch teilweise weitaus ältere Modell SE Modelljahr 2022 entsprach ungefähr der Mini-Baugröße, hatte aber aufgrund der größeren Ränder ein noch kleineres Display.
Die Bildqualität ist trotz der sehr kleinen Sensor-“Größen“ recht beeindruckend, nicht zuletzt aufgrund der rückseitig belichteten CMOS-Sensors und weil die Bildsensoren im Vergleich zum Vorgängermodell iPhone 11 vergrößert und die Blendenzahlen verkleinert wurden, die Module stammen möglicherweise aus dem iPhone 11 Pro. Weil die Auswerteelektronik auf der „anderen“ Seite der lichtempfindlichen Schicht sitzt, können die einzelnen Bildpunkte größer sein und somit mehr Photonen einfangen als klassische Sensoren, bei denen die Leiterbahnen zwischen den Bildpunkten liegen.
Für das 26mm-Objektiv gibt es eine optische Bildstabilisierung, das 14mm-Superweitwinkelmodul muß mit rein elektronischer Stabilisierung auskommen. Außerdem ist der Sechskern-Prozessor des iPhones erheblich leistungsfähiger als die in damaligen Systemkameras eingebauten Bildprozessoren. Zusätzlich werden zur Bildverbesserung auch die Kerne des Grafikprozessors und eine vielkernige „Neural Engine“ mitbenutzt. Die Auswertesoftware kann tief in die Software-Trickkiste greifen, um das aufgenommene Bild zu verbessern. Allerdings sind die Eingriffe teilweise deutlich sichtbar, so ist beispielsweise bei stark aufgehellten Schattenpartien das Rauschen auch bei 32 ASA Sensorempfindlichkeit erkennbar und erheblich stärker als bei den korrekt belichteten Bildpartien.
Weil das iPhone 12mini einen eingebauten GPS-Empfänger hat, werden die Bilder automatisch mit Standortdaten versehen. Außerdem schreibt die Kamera-App viele weitere Daten in die EXIFs, darunter den kompletten Objektivnamen, die Brennweite, die Kleinbild-äquivalente Brennweite, die wahre Belichtungszeit (nicht auf übliche Werte gerundet), die Empfindlichkeit, die Belichtungsmeßmethode uvm, wobei der Umfang der eingebetteten EXIF-Daten von der genutzten App abhängt bzw. bei der Apple-Foto-App von der Betriebssystem-Version.
Als Auslöser dient entweder eine Schaltfläche auf dem Touchdisplay, eine der beiden mechanischen Lautstärketasten an der Schmalseite oder ein per Bluetooth gekoppelter Fernauslöser. Die Funktion der Lautstärketasten können bei der originalen Apple-Kamera-App so eingestellt werden, daß „Lauter“ Serienbilder anfertigt und „Leiser“ Videos. Im Serienbildmodus sind je nach Helligkeit der aufgenommenen Szene und verwendetem Kameramodul weitaus mehr als ein Dutzend Aufnahmen pro Sekunde möglich.
Das Display ist im Vergleich zu denen in damaligen Kompakt- oder System-Kameras extrem scharf und hochauflösend, es löst feiner auf, als das menschliche Auge bei normalem Betrachtungsabstand zu erkennen vermag.
Die aufgenommen Fotos können entweder als JPEGs oder platzsparende HEIC-Bilder gespeichert werden. Letztere werden beim Export der Bilder zu einem angeschlossenem Computer optional automatisch in JPEGs gewandelt. Videos können entweder als MP4-Dateien mit H.264-Codec oder als HEVC-Videos aufgenommen werden, auch hier ist die automatische Wandlung beim Export einstellbar.
Das iPhone 12mini bietet die Möglichkeit, die Bilder als RAW-Datei aufzunehmen und die Bildaufbereitung am Computer vorzunehmen. Das Aufnahmeformat im RAW-Modus ist das universelle Adobe DNG-Format, optional können DNGs und JPGs bzw. HEICs parallel aufgenommen werden oder ein hochaufgelöstes JPG direkt in das DNG eingebettet werden.
Die mitgelieferte Kamera-App von Apple hatte beim 2020 erschienenen iOS nur recht wenige Einstellmöglichkeiten, es konnten Bilder im 4:3 bzw. im 1:1 - Format aufgenommen werden oder „live“ während der Aufnahme zusammengesetzte Schwenkpanoramas bzw. FullHD-Videos. Des Weiteren gab es Zeitraffer/TimeLapse-Videos bzw. Zeitlupen-Videos und den Portrait-Modus. Mittels Tippen auf eine Stelle auf dem Touchdisplay konnte der Autofokus-Punkt festgelegt werden. Optional wurden mehrere Aufnahmen zu einem HDR-Bild zusammengerechnet werden bzw. mehrere High-ISO-Aufnahmen zu einem rauschärmeren. Eine weitere Option waren „Live-Fotos“, dabei wird zu jedem Standbild eine kurze Videosequenz aufgezeichnet und beim Abspielen zuerst gezeigt, um dann im hochaufgelöstem Standbild zu enden.Inzwischen hat die Apple-Kamera-App viele Funktionen kommerzieller Apps übernommen und ist wesentlich leistungsfähiger geworden und bietet viel Einstellmöglichkeiten mehr, so gibt es jetzt einen künstlichen Horizont, Gitterlinien, uvm.
Kostenpflichtige Apps von Drittanbietern haben oftmals erheblich noch mehr Funktionen, bei diesen kann z. B. teilweise die JPEG-Kompression eingestellt werden oder es können TIFF-Bilder gespeichert werden. Je nach verwendeter Kamera-App kann eine Wasserwaage für Neigung und Drehung eingeblendet werden, je nach App kann das Erreichen der waagrechten Ausrichtung durch Rückmeldungen der „Taptic Engine“-Einheit signalisiert werden, der Fotograf spürt dann, wenn das iPhone korrekt ausgerichtet ist. Manche Apps ermöglichen es auch, die in der Apple-Kamera-App verwendeten Bildverbesserungen der „Deep Fusion“ genannten KI (künstlichen Intelligenz) zu benutzen.
Die eigentlichen Kameraoptiken aus blankgepreßten Hochleistungskunststoffen sitzen hinter glatten vergüteten und kratzfesten Schutzscheiben aus Saphirkristall, diese stehen aus dem dünnerem Gehäuse hervor. Da man das Handy dauernd in der Hand hält, faßt man allzuoft darauf. Das Problem läßt sich mit einer Schutzhülle elegant umgehen, außerdem schützt diese die recht kratzempfindliche Handy-Rückseite aus Glas. Des Weiteren liegt das iPhone 12mini mit einer Schutzhülle besser in der Hand, da die Edelstahl- und Glasoberfläche recht rutschig ist, die Gehäusekanten abgerundet sind und das Smartphone deshalb allzuleicht aus der Hand gleitet.
Die Schutzabdeckungen aus Saphirglas erzeugen in der Nacht ein Problem: helle Lichtquellen spiegeln sich in ihnen, ggf. weil sie vom ersten Linsenelement reflektiert und durch die Innenseite des Glases wieder in die Optik gespiegelt werden. Bei längeren Belichtungszeiten sind die „Geister“-Lichtpunkte nicht als einzelner Punkt erkennbar, sondern als mehr oder minder gerade Lichtspur. Daran läßt sich der Grad der Verwacklung erkennen, je länger und gewundener die Spur, desto mehr hat der Fotograf bei der Aufnahme gewackelt.
Tagsüber sind die Schutzgläser ebenfalls störend erkennbar, seitliche Sonneneinstrahlung wird als runde grünliche Halo sichtbar, die Färbung kommt von der Mehrschicht-Vergütung des Schutzglases. Abschatten der Kamera-Optik mit der Hand ist sinnvoll, jedoch beim Superweitwinkel meist schwierig, allzugleich taucht die Hand im Bild auf. Streulichtblenden, wie sie für Kameraobjektive zahlreich vom Zubehörhandel zu kaufen sind, helfen dem iPhone 12 nicht, denn es gibt zum einen keine Befestigungsmöglichkeit und zum zweiten müßten sie beim Kameramodul-Anwählen ständig gewechselt werden. Schutzhüllen für das Smartphone helfen meist kaum, denn sie stehen selten weit genug vor, um eine Abschattung zu bewirken. Und wenn die Hülle transparent ist, taugen sie sowieso nicht als „Sonnenschutz“
Das Kameramodul ist dicker als bei den Vorgängern, zum einen ist ein quadratischer Vorsprung aus mattiertem Glas vorhanden, aus diesem stehen die Objektive nochmals heraus. Die Abdeckung der „Blitz“-LEDs ist bündig im Kameraquadrat eingelassen. Das iPhone 12mini liegt deswegen nicht gut auf, sondern wackelt, weil die Objektivgruppe außermittig angebracht ist.
Die Objektive haben keine verstellbare Blende, es wird immer mit der Offenblende aufgenommen. Ein mechanischer Verschluss ist ebenfalls nicht vorhanden, die Verschlußzeiten werden rein elektronisch gebildet, „Rolling-Shutter“-Effekte sind die Folge. Die Kamerasteuerung nutzt als Belichtungssteuerung eine Kombination aus Zeit- und ISO-Automatik, die Belichtungsmessung kann entweder eine Mehrfeld-Matrixmessung oder eine an die AF-Fokusstelle gekoppelte Spotmessung sein.
Es ist kein echter Blitz eingebaut, zur Aufhellung dunkler Szenen dienen mehrere verschiedenfarbige weiße superhelle LEDs, die auch als Taschenlampe genutzt werden. Im Blitzmodus werden sie kurzzeitig mit erhöhter Spannung versorgt und leuchten etwas heller als im Dauerlichtmodus. Da die LEDs leicht unterschiedliche Färbungen aufweisen (Kaltweiß und Warmweiß), kann das „Blitzlicht“ der Farbtemperatur des Umgebungslichtes angeglichen werden. Apple nennt diese Technologie „True Tone“-Blitz.
Das „Blitzlicht“ der Selfiekamera wird anders realisiert: Der Bildschirm zeigt kurzzeitig ein extrem helles weißes Bild an.
Es gibt einen Digitalzoom, der dank der küntlichen Intelligenz der Bildverbesserungsprozessoren im Vergleich zu den Vorgänger-iPhones durchaus brauchbare Bildergebnisse erzeugt. Jedoch dürfen keine Wunder erwartet werden, bei 100%-Ansicht am Computerbildschirm erkennt man, daß es ein „Dazuerfinden“ der Bildpunkte gibt. Heutige Computer-Softwaretools wie „Super Resize“, Topas Sharpen AI oder ähnliche ergeben meist bessere Ergebnisse beim Vergrößern als das iPhone 12mini.
Für „Selfies“ bzw. Videokonferenzen ist auf der Displayseite eine zweite Kamera eingebaut, diese kann FullHD-Videos sowie 12-Megapixel-Fotos aufnehmen. Außerdem ist ein 3D-IR-Punktasterprojektor und eine IR-Auswertekamera verbaut, diese Kombination dient zum einen zum Entsperren des Smartphones mit „Face ID“, zum anderen werden die Tiefeninformationen bei Porträits-Selfies zur genaueren Freistellung des Hintergrunds durch KI-berechnete Unschärfe verwendet. Im Display ist oben dazu eine „Notch“ eingelassen, d. h., der obere Bildschirmrand ist nicht gerade, sondern in der Mitte fehlt oben etwas Anzeigefläche, in der die Technik verbaut ist. Links und rechts der „Kerbe“ werden die Uhrzeit, der Batteriezustand, die WLAN- bzw. die Mobilfunk-Qualität und einige weitere Symbole des Betriebszustands angezeigt, so daß der Platz unterhalb der Kerbe für die Apps freibleibt.
Die Apple-Kamera-App erzeugt beeindruckende Schwenkpanoramas, während der Aufnahme erscheint das zusammengerechnete Bild simultan als kleine Einblendung im Display, die „Mittellinie“ des Panoramas wird ebenfalls angezeigt und ein Pfeil, dessen Position oberhalb oder unterhalb der Mittellinie anzeigt, ob man das Gerät nach vorn oder hinten neigen muß. Bei zu schneller oder zu langsamer Schwenkbewegung erfolgt ein Hinweis, die Geschwindigkeit anzupassen.
Sofern sich keine bewegten Objekte im Bild befanden und die Schwenkbewegung in der richtigen Geschwindigkeit erfolgte, werden die Panoramas recht gut zusammengefügt, „Stitch-Fehler“, also fehlerhafte Verbindungsstellen der Einzelaufnahmen kommen nur selten vor. Die Bildhöhe wird automatisch beschnitten, so daß schwarze Bildteile ohne Inhalt nur selten vorkommen.
Das iPhone wird bei den Panoramaaufnahmen im Hochformat benutzt, deshalb beträgt die Bildhöhe meist mehr als 3000 Pixel, die Bildbreite weit über 20.000 Pixel.
Der von früheren iPhones her bekannte „Home“-Button mit Fingerabdrucksensor zum Entsperren des Gerätes ist seit dem iPhone X entfallen, statt dessen kann auf die Rückseite des Handys getippt werden, wobei für zwei und drei Tipper jeweils eine Funktion ausgewählt werden kann. Des weiteren gibt es eine Standby-Taste, zwei Lautstärketasten und einen „Lautlos“-Schalter. Die gesamte weitere Bedienung erfolgt über das Touch-Display. Die Rückmeldung erfolgt durch die Taptic Engine, ein bewegliches und federgelagertes Metallstück, das Elektromagneten in Bewegung versetzen und sowohl den „Tastenklick“ simulieren als auch mit komplexen Bewegungsmustern z. B. in Spielen genutzt wird.
Es ist nur eine einzige elektrische Schnittstelle eingebaut, die Lightning iPod-/iPhone-Schnittstelle mit USB, digitalem Ton-Ein- und -Ausgang sowie Akku-Lademöglichkeit. Die 3,5mm-Kopfhörerbuchse gibt es seit dem iPhone 7 nicht mehr, Kopfhörer mit Klinkenstecker erfordern einen nicht im Lieferumfang enthaltenen Adapter von Lightning auf Klinke, bei dessen Benutzung sich das iPhone aber nicht laden läßt, da der Adapter keine Lightningbuchse hat. Jedoch gibt es Adapter von Fremdherstellern mit Lightning- und Klinkenbuchse. Alternativ können Audiogeräte und Kopfhörer auch kabellos über Bluetooth gekoppelt werden, was inzwischen die meistbenutzte Art der Verbindung sein dürfte.
Das Akkuaufladen kann entweder über die Lightning-Buchse erfolgen oder drahtlos mittels Ladeschalen, die dem „Qi“-Standard entsprechen. Aufgrund der induktiven Übertragung durch im Ladegerät und in der Smartphone-Rückseite eingebauten Spulen ist der Wirkungsgrad allerdings erheblich schlechter als das kabelgebundene Laden über die Buchse. Apple hat zusätzlich magnetische Ringe in die Rückseite eingebaut, diese Technik heißt „Mag Safe“. Entsprechende Ladegeräte können mehr Energie übertragen, da die Sende- und die Empfangsspule durch die magnetische Halterung perfekt zueinander ausgerichtet sind und die Verluste somit geringer als bei der Qi-Kopplung durch einfaches Auflegen und manuelles Ausrichten.
Das iPhone 12mini ist nach IP68 zertifiziert worden, kann also eigentlich mindestens 30 Minuten unter Wasser ohne Beschädigungen „überleben“. Apple gibt aber keine Garantie auf dieses Feature und nach jedem Öffnen des Gehäuses durch nicht von Apple zertifizierte Reparaturwerkstätten ist dieser Schutz oftmals nicht mehr gegeben, da die Dichtungen vor jedem Zusammenbau komplett getauscht werden müssen, um die Dichtigkeit wieder herstellen zu können. Deshalb weisen Anbieter von „Refurbished“-Geräten oder „wiederaufgearbeiteten“ iPhones häufig darauf hin, daß ihre Smartphones nicht wasserdicht sind.
Der Akku ist fest eingebaut und läßt sich vom Benutzer nicht auswechseln. Somit ist für längere Touren keine Mitnahme eines geladenen Zweitakkus möglich, sondern es muß eine USB-Powerbank mitgenommen werden, über die der Handy-Akku unterwegs wieder aufgeladen werden kann.
Der UVP des Apple iPhone 12mini betrug 799, 849 bzw. 969 Euro (mit 64, 128 bzw. 256 GB internem Speicher). Nach der Einführung des iPhone 13mini wurden die Preise um jeweils ca. 120 Euro gesenkt, im Jahr 2022 wurde das 12mini beim Erscheinen der iPhone14-Generation vom Markt genommen. Ende 2026 ist der Gebrauchtpreis auf ca. 80 bis 200 Euro je nach Zustand, Gehäusefarbe und Speichergröße gefallen. Ich bekam das gezeigte Exemplar von einem Bekannten eines Bekannten für aufgerundete Versandkosten geschenkt, weil es zwar äußerlich sehr gut erhalten war, aber der Akku mit etwa 1600 Ladezyklen deutlich abgenutzt gewesen ist, die Handy-Eigendiagnose meldete 75% Restkapazität. Ich könnte zwar einen neuen Akku einbauen lassen, aber bei zertifizierten Werkstätten kostet das aktuell 99 Euro, so daß ich das iPhone12mini zunächst einfach mit dem Akku weiternutze und schaue, wie lange er noch brauchbar sein wird. Bei den Fotoausflügen habe ich eine Powerbank verwendet, so daß der interne Akku nicht genutzt wurde, bei „normalen“ Anwendungen wie ein wenig im Netz surfen, Mails lesen und schreiben, Wettervorhersage betrachten o. Ä. hält der Akku zur Zeit noch ausreichend lange durch.
Beispielfotos
Alle Aufnahmen entstanden bei ASA- und Zeit-Automatik und mit Hilfe einer Kauf-Kamera-App (mit manueller Fokuspunktwahl und Spotbelichtungsmessung) bzw. der Apple-Kamera-App von iOS 26, gespeichert als JPEG, bearbeitet mit Photoshop CS4. Die Größe ist bikubisch verkleinert. Schärfe, Verzeichnung, Vignettierung, Gradationskurve usw. wurde nicht korrigiert, es sind also fast unveränderte Bilder „Out of the Cam“. Belichtungszeiten- und Blenden-Angaben sowie 100%-Ausschnitte sind in die Bilder eingefügt.
Deep Fusion Nachtmodus
Diesen Modus gibt es seit dem iPhone 11, seitdem sind alle Smartphones von Apple mit genügend Rechenleistung dafür ausgestattet.
Bei Aufnahmen, die höhere und hohe Sensorempfindlichkeiten erfordern, werden vom iPhone 12mini viele Bilder mit veränderten Aufnahmeparametern in kürzester Zeit gemacht, quasi eine mehrere Belichtungsstufen durchlaufende Belichtungsreihe, außerdem vermutlich jede dieser Stufen mehr als einmal. Bei jeder dieser Aufnahmen ist das Bildrauschen anders, so daß durch Zusammenrechnen dieser Aufnahmen das Rauschen erheblich gemindert wird. Außerdem wird durch KI-Berechnung versucht, nicht vorhandene bzw. im Rauschen „untergegangene“ Bilddetails zu ermitteln und diese somit wiederherzustellen. Apple nennt diese Bildbearbeitung „Nachtmodus“. Durch die Belichtungsreihe ensteht gleichzeitig eine HDR-Aufnahme, so daß die tiefen Schatten und die hellen Spitzlichter Zeichnung erhalten und nicht „absaufen“ oder „ausbrennen“.
Eine Aufnahme im Nachtmodus dauert je nach Helligkeit der Szene zwischen einer und mehreren Sekunden. Es nicht unbedingt erforderlich, ein Stativ einzusetzen, Apple weist auf seiner Webseite jedoch darauf hin, daß ein Stativ die Aufnahmen verbessert. Mit Hilfe der Lagesensoren des iPhones dreht die Deep-Fusion-Software wenn nötig die Aufnahmen bzw. verschiebt sie, so daß alle Bilder deckungsgleiche Motivdetails aufweisen. Wenn das Telefon während der Aufnahme zu stark bewegt wurde, bricht das iPhone die Aufnahme ab und weist darauf hin, daß es ruhiger gehalten werden muß.
Man sollte darauf achten, daß das iPhone den Nachtmodus auch wirklich benutzt. Bei der originalen Apple-Kamera-App erscheint dann ein kleiner gelber Halbmond, zusätzlich werden die Sekunden eingeblendet, die die Aufnahme dauern wird, sofern eine Sekunde „Aufnahmezeit“ überschritten wird. Die Dauer der Sequenz kann von Hand verkürzt oder verlängert werden.
Bei der von mir genutzten Fremd-Kamera-App wird der Nachtmodus nicht explizit gekennzeichnet, es reicht, den „Smart“ - Schalter zu setzen, die diversen DeepFusion-Techniken werden von der Apple-Engine dann selbsttätig zu- oder abgeschaltet.
Sollte bei der originalen Kamera-App die „Lauter“-Taste als Auslöser mit Serienbildfunktion aktiviert sein, dann schaltet sich der Nachtmodus beim Drücken dieser Taste aus, das iPhone nimmt dann Dutzende von Aufnahmen in einer Sekunde mit identischen Parametern auf, aber alle werden jeweils als einzelnes Bild abgespeichert, ein Zusammenrechnen erfolgt nicht. Diese Bilder rauschen deshalb erheblich stärker als diejenigen des Nachtmodus’.
Die EXIF-Angaben über Empfindlichkeit und Belichtungszeit sind vermutlich diejenigen, die ein ausgewogenes Bild einer Einzelaufnahme entsprechen, mit den Werten der aufgenommen Bilder werden sie wohl weniger zu tun haben.
Nachtmodus Beispielbilder
Alle Aufnahmen entstanden freihändig (ohne Stativ!) bei ASA- und Zeit-Automatik und mit Hilfe der Apple Kamera-App von iOS26, gespeichert als JPEG.
Wie man deutlich erkennt, verbessert der Nachtmodus die Aufnahmen erheblich. Das bei höheren Empfindlichkeiten extreme Rauschen der Sensoren wird durch schnell hintereinander angefertigte Mehrfachaufnahmen vermindert, indem diese überlagert werden. Zwar ist die effektive Auflösung geringer als bei der Grundempfindlichkeit der Sensoren, aber erheblich größer als die der aus dem einzelnen RAW erzeugten Bilder. Außerdem sind die DeepFusion - Aufnahmen meist schärfer als die Einzelaufnahmen aus einen RAW.
Wie zu erwarten, ist die nicht stabilisierte Superweitwinkelkamera dem anderem Modul mit optischer Stabilisierung unterlegen, obwohl die Deep-Fusion-Software die Lagesensoren des iPhones verwendet, um die Verschiebungen der einzelnen Aufnahmen zu erkennen.
Helle Lichtpunkte im Bild werden von den Saphirglas-Abdeckungen der Kameramodule reflektiert, so daß es zu grünlichen Lichtpunkten bzw. Halos kommt. Allerdings sind Lichtpunkte wesentlich weniger im Bild sichtbar, wenn das iPhone freihändig im Nachtmodus verwendet wird, weil die Lichtreflexe in den einzelnen Aufnahmen an verschiedenen Stellen im Bild erscheinen, so daß sie von der Bildaufbereitung weggerechnet werden können.
Qualitäts- und sonstiger Eindruck
Das Gehäuse des iPhone 12mini ist eine Kombination aus einem Edelstahl-Rahmen und gläserner Front- und Rückseite. Das Glas ist versiegelt und recht kratzunempfindlich, Stürze hält es allerdings nicht immer gut aus und zerspringt dann wie „normales“ Glas. Die Rückseite ist ebenfalls aus Glas, damit die drahtlose Ladetechnik „Qi“ funktioniert. Die Kameramodule „sitzen“ in einem quadratischem Vorsprung, der auch aus Glas ist, jedoch nicht in Hochglanzoptik wie die restliche Rückseite, sondern mattiert.
Das Handy war neben dem gezeigten Schwarz auch in anderen Farben erhältlich, darunter Rot, Silber, Grün und Blau. Mit 133 Gramm ist es es für seine Größe nicht allzu schwer. Ein Nachteil der kleinen Bauform ist der Akku mit geringerer Kapazität als im normalen iPhone 12, so daß die Betriebszeit wesentlich geringer ist als beispielsweise diejenige des 12 Pro Max, das allerdings auch fast das Doppelte wiegt. Auf dem Vergleichsfoto sieht man den Größenunterschied zwischen iPhone 12mini und 12ProMax und auch die Tatsache, daß die Kameramodule bei „Pro“ und „Normal verschieden groß sind.
Außerdem erkennt man die Verfärbung einer preiswerten Drittanbieterhülle, die laut Werbung im Onlineshop beim Kauf „niemals vergilben“ sollte. Aber wer billig kauft, kauft zweimal, ich habe 2023 eine der günstigsten Hüllen erworben, die umfassenden Stoßschutz an den Kanten bot. Es gibt zwei Auffassungen, ob man sein Smartphone durch eine Hülle schützen soll oder nicht. Ich gehöre zur „Doppelt gesichert hält besser“-Fraktion, ich habe bei Kollegen und Bekannten oft genug gebrochene Displays und Rückseiten gesehen, um nicht allein auf „unverkratzbares Gorillaglas“ zu vertrauen und stecke meine Telefone immer in eine Hülle mit vorstehenden Rändern, so daß weder das Display noch die Kameraschutzgläser direkt auf ebenen Flächen aufliegen, zusätzlich bringe ich ein Displayschutzglas auf, so daß meine iPhones ins Lauf der Zeit nur verstauben/verschmutzen, aber nicht verkratzen.
Die Kameramodule gehören zur Klasse der in Smartphones eingebauten Bildaufnahmegeräte, sie wurde teilweise auch in anderen Apple-Geräten eingesetzt. Bei der Verwendung der Deep-Fusion-KI werden die Bilder erheblich verbessert, sowohl High-ISO-Aufnahmen als auch Bilder mit hohem Kontrastumfang sind im DNG sichtlich schlechter als bei den von der KI verbesserten JPEGs. Bei niedrigem Umgebungslicht werden außerdem mehrere Aufnahmen in kurzem Abstand hintereinander gemacht mit unterschiedlichen Empfindlichkeiten / Belichtungszeiten gemacht und zusammengerechnet, wodurch der Kontrastumfang steigt und das Bildrauschen abnimmt.
Die Bilder im Portrait-Modus sind teilweise beeindruckend, teilweise erkennt man jedoch deutlich, daß der unscharfe Hintergrund lediglich berechnet erzeugt wurde und nicht durch eine hochgeöffnete Blende bei der Aufnahme entstanden ist. Glücklicherweise legt die Apple-Kamera-App das unbearbeitete Original und die Variante mit künstlich erzeugte Hintergrund-Unschärfe parallel ab.
Ohne KI sind die Bilder sind schon bei niedrigen ISO-Zahlen mit leichtem Farbrauschen überlagert, bei höheren ASA-Werten rauscht das Bild deutlich sichtbar. Bei Betrachtung auf dem Smartphone-Display oder ausgedruckt und mit dem üblichen Betrachtungsabstand angesehen sind die Fotos hingegen ansehnlich.
Mit Deep Fusion werden die Bilder deutlich verbessert, das Bildrauschen ist erheblich vermindert, der Kontrastumfang sichtlich vergrößert.
Die Schärfe ist abhängig von der verwendeten Kamera-App, die mitgelieferte komprimiert recht stark und schärft auch deutlich nach, Fremd-Apps bieten teilweise das bessere Bildergebnis, müssen aber die Apple-KI-Techniken unterstützen, da ihre Aufnahmen ansonsten gegenüber der Apple-App stark abfallen, wenn sie die unbearbeiteten reinen Sensordaten aufzeichnen. Ich nutze vorwiegend eine Fremd-App mit Deep-Fusion-Unterstützung, die Apple-Kamera-App nehme ich fast ausschließlich zum Anfertigen der Schwenkpanoramas bzw. der Portraits mit freigestelltem Hintergrund.
Das Weitwinkel-Objektiv hat entweder nur geringe Verzeichnung oder diese wird durch den Prozessor „weggerechnet“, die Aufnahmen sind fast perfekt, es bleibt nur eine geringe Rest-Verzeichnung sichtbar. Das Superweitwinkel-Objektiv hingegen hat eine deutliche tonnenförmige Verzeichnung und die Bildschärfe an den Bildrändern ist erheblich schlechter als in der
Bildmitte, außerdem gibt es in den Bildecken starke chromatische Aberrationen.
Die Digitalzoom-Funktion überzeugt mich nicht, man sollte besser auf ihre Verwendung verzichten.
Fazit: ein digitalkamerahistorisch unwichtiges Smartphone (weil eines von vielen), heutzutage zum Bildermachen für viele Zwecke immer noch gut geeignet.
Christian Zahn, Oktober 2026
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| Autor: | Christian Zahn |
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| Erstellt: | 21.10.2026 |






















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