Canon EOS 5D Mark III Funktionstest 2026 mit Canon 70-300 IS USM von Christian Zahn

Die semiprofesionelle Vollformatspiegelreflexkamera EOS 5D MK III hatte ich Anfang 2024 hier mit fast allen technischen Daten vorgestellt. Zum Jahreswechsel 2025/2026 habe ich sie wieder in Betrieb genommen und zeige auch ein Consumer-Telezoom, das seit vielen Jahren nicht mehr hergestellt wird.

Besonderheiten der Kamera

Die Canon EOS 5D Mark III mit 22 Megapixeln von 2012 ist nach der EOS 5D aus dem Jahr 2005 bzw. der 5D Mark II (2008) die dritte Version der 5D-Kameralinie, die 2016 mit der 5D Mark IV beendet wurde. Die Mark III konkurrierte mit der Nikon D800, diese schaffte weniger Bilder pro Sekunde und war nicht so lichtempfindlich, hatte dafür jedoch 36 Megapixel und einen eingebauten Blitz.

Das AF-Sensormodul der 5D Mark III mit 61 AF-Feldern (davon 36 Kreuz-Sensoren und 5 Dual-Kreuzsensoren, die auch diagonale Muster erkennen können) deckt nicht das gesamte Bildfeld ab, auch im Live-View läßt sich das frei verschiebbare AF-Feld nicht bis in die Bildecken bewegen. Auf Wunsch können die angewählten AF-Sensoren beim Wechsel ins Hochformat beibehalten werden, die 5D Mark III wählt dann das Feld, das nach dem Kameradrehen an der selben Motivposition sitzt wie vorher.

Zur Puffern der Kameraparameter und der Uhr ist im Kamera-Akkufach eine kleine Lithiumbatterie des Typs CR2016 vorhanden. Wenn die Kamera beim Akkuwechsel die Uhrzeit immer wieder vergißt, muß diese Batterie ersetzt werden.

Der Spiegel kann sich entweder schnell bewegen (für höchste Bildanzahl) oder langsamer, dann ist das Auslesegeräusch und die maximale Bildfrequenz niedriger, außerdem sind die Erschütterungen durch den Spiegelschlag geringer.

Die ersten Exemplare der Kamera hatten ein Problem mit der Displaybeleuchtung, diese strahlte in den Belichtungsmeßsensor im Prisma, so daß sich in dunklen Umgebungen bei aktivierter Displaybeleuchtung die gemessenen Belichtungszeiten mitunter stark verringerten. Canon hat dieses Problem vermutlich während der Produktion oder durch Rückruf gelöst, mein Exemplar kann auch mit auf das Display gerichteten starker Taschenlampe nicht „aus dem Tritt“ gebracht werden.

Die UVP der EOS 5D Mark III betrug ca. 3300 Euro. Der aktuelle Gebrauchtpreis liegt bei etwa 200-550 Euro je nach Zustand, Zahl der Auslösungen und Lieferumfang.

Canon Zoom Lens EF 70-300mm 1:4-5,5 IS USM

Dieses Objektiv erschien 2005 als Nachfolger des noch für Film gerechnetem EF 75-300 IS USM, die Verwendung an digitalen Vollformat-Kameras war bereits im Pflichtenheft. Erst 2016/2017 kam ein Nachfolger auf den Markt, das Objektiv wurde somit über 10 Jahre gebaut.

Beim Starten des Stabilisators und wenn dieser wieder abschaltet, gibt das Objektiv ein klickendes Geräusch ab, das ist jedoch normal. Im abgeschalteten Zustand wird die bewegliche Linsengruppe mechanisch fixiert, das Lösen erfolgt durch einen kleinen Elektromotor. Während der Bildstabilisator arbeitet, ist ein sirrendes Geräusch hörbar, es handelt sich dabei nicht um sich schnell drehende Gyrosensoren (wie sie z. B. in der Olympus OM-D E-M5 oder Pen F eingebaut sind), sondern das Geräusch stammt von der Bewegung der Linsengruppe, die auch ohne Bewegung der Kamera durch die Antriebe „in der Schwebe“ gehalten werden muß.

Der schmale Entfernungsring läuft recht leicht, er dreht sich beim automatischem Fokussieren leider mit. Im Gegensatz zu vielen anderen Canon-USM-Objektiven kann nicht jederzeit in die Fokussierung eingegriffen werden, ein explizites Umschalten auf „MF“ am Objektiv ist nötig. „USM“ steht für den eingebauten ringförmigen Ultraschallantriebsmotor, der eigentlich schnell und leise seinen Dienst verrichtet, im vorgestellten Objektiv ist er recht laut und langsam.

Die Leistung des Bildstabilisators entspricht der Herstellzeit und kann mit aktuellen Systemen dieser Art nicht verglichen werden, im besten Fall schafft das 70-300 IS USM eine etwa zwei bis drei Blendenstufen längere Freihandgrenze als ohne aktivierten Stabilisator.
Der Bildstabilisator kann abgeschaltet oder auf einen „Mitziehmodus“ umgestellt werden, bei der nur das Objektivwackeln nach oben und nach unten ausgeglichen wird, Bewegungen links/rechts jedoch nicht. Diesen Modus benötigt man, wenn man quer zur Kamera laufende Tiere, Sportler oder Fahrzeuge verfolgt und den Bildausschnitt parallel zu ihnen bewegt, so daß der Hintergrund bewegungsunscharf ist, während das Motiv scheinbar stillzustehen scheint und darum scharf abgebildet werden kann, ohne daß es Bewegungsunschärfe zeigt.

Die Naheinstellgrenze von ca. 1,5 Metern ist bei 200 und 300mm gut, bei 70mm etwas lang. Es gibt keine Entfernungsskala, somit auch keine Infrarotmarken. Beim Fokussieren verändert sich die Baulänge um ca. 19mm, beim Zoomen um ca. 54mm. Canon-EF-typisch ist kein Blendenring eingebaut, die Verstellung erfolgt immer durch die Kamera, es sind 8 Lamellen eingebaut. Der optische Aufbau besteht aus 15 Elementen in 10 Gruppen, darunter eine UD-Linse. Canon nannte die Mehrschichtvergütung „Super Spectra Coating“. Damit sich das Objektiv beim Tragen der Kamera nicht durch die Schwerkraft selbst ausfährt, kann es mit einem Schieber bei 70mm verriegelt werden.

Das mitdrehende Filtergewinde beträgt 58 mm, das Objektiv hat einen Durchmesser von 77 mm, eine Baulänge ab Bajonett von 143 mm und wiegt 630 Gramm. Die Streulichtblende rastet in ein Bajonett und mußte extra gekauft werden. Leider dreht sich die Streulichtblende beim Fokussieren mit, man muß aufpassen, sie nicht festzuhalten! Weil sie sich dreht, ist sie ein rundes Rohr und nicht blütenförmig. Man sollte das Objektiv nicht ohne die Blende benutzen, denn es ist sehr streulichtempfindlich.

Freihand ist die Kombination aus Kamera und Objektiv mit der zweiten Hand nur bis zum Zoomring stabilisierbar, alle andere nach Vorne dreht sich beim Fokussieren mit, also muß der AF-Antrieb die Kombination als Fakusring, Fronttubus und Streulichtblende antreiben; das belastet den Motor und darum ist der AF auch recht langsam.
Die Benutzung auf einem Stativ erfordert das Abschalten des Bildstabilisators, außerdem macht sich das Fehlen einer Stativschelle bemerkbar, das Objektiv und die Streulichtblende ragen immer weit nach Vorn.

Das gesamte Objektiv macht einen relativ wertigen Eindruck, das Bajonett ist aus Metall, die Kunststoffe der Fassung wirken keinesfalls „billig“. Lediglich das Wackeln des vorderen Tubusteils erwartet man eher bei einem Einsteiger-Kitzoom.

Die ersten Exemplare des 70-300 hatten einen Serienfehler, es gab eine Rückrufaktion von Canon. Die betroffenen Objektive sind an der Seriennummer erkennbar, beginnt diese mit „xx0xxxxx“ bis „xx2xxxxx“ (xx steht für beliebige Zahlen), so können die Objektive den Fehler haben. Dieser bewirkt, daß die Aufnahmen bei Brennweiten von ca. 200 bis 300mm bei Hochformataufnahmen wesentlich unschärfer sind als im Querformat. Das gilt auch bei Aufnahmen mit den damaligen APS-C-Cropkameras wie 350D oder 30D sowie den APS-H-Kameras wie 1D Mark II. 
2006 und 2007 sorgte die „Reparatur“ der problembehafteten Objektive dafür, daß kaum Neuware verfügbar war (denn diese Reparatur war in Wirklichkeit ein Komplettaustausch, auf ein neues Objektiv wurde die Seriennummer des an Canon eingesandten Objektivs übertragen). Neukunden mußten oftmals Monate auf ihr bestelltes Exemplar warten. 

Das Objektiv verzeichnet leider recht viel. Bei 70mm ist das Bild 1,5% tonnenförmig, bei 300mm 2,5% kissenförmig verzerrt. Je nach Motiv kann das stören, jedoch ist die Verzeichnung heutzutage sehr einfach digital „wegzurechnen“.

Am Vollformatsensor der 5D Mark III und Offenblende ist das 70-300 IS USM bei allen Brennweiten außerhalb der Bildmitte nicht so scharf wie im Zentrum, Abblenden auf 8-11 steigert die Schärfe, danach kommt es bereits zu Beugungseffekten. Die bei Offenblende vorhandenen geringen chromatischen Aberrationen verschwinden auch ab ca. Blende 8 fast völlig. Die Vignettierung bei weit geöffneten Blenden kann per EBV gut korrigiert werden.

Das Objektiv kostete anfangs etwa 600 Euro, die Streulichtblende mußte extra erworben werden. Inzwischen ist das 70-300 IS USM nur noch gebraucht erhältlich, je nach Zustand und Lieferumfang ist es für 100-200 Euro zu bekommen.
Es darf nicht mit einem „L“-Objektiv verwechselt werden, das quasi die gleiche Typenbezeichnung aufweist (der Unterschied ist lediglich das „L“), dieses ist wesentlich teurer, schwerer und optisch besser. Erkennbar ist die „L“-Version am weißem Objektivtubus der professionellen Canon-Teleobjektive.
Außerdem gibt es noch ein 70-300 IS USM II, dieses ist an der digitalen Anzeige für die eingestellte Entfernung zu erkennen.


Alle Beispielaufnahmen entstanden bei 100 bis 200 ASA, gespeichert als CR2, konvertiert mit Canon DPP 4, bearbeitet mit Photoshop CS4 bis CS6. Die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert.

Fazit 2026

Die Inbetriebnahme der Kamera war problemlos möglich, Akku und Speicherkarte einlegen, Objektiv montieren und fotografieren. Datum und Uhrzeit waren dank der Pufferbatterie weitergelaufen, ich mußte aber manuell von Sommer- auf Winterzeit zurückstellen.

Serienbildrate und Speichergeschwindigkeit sind heutzutage nichts Besonderes mehr, aber bis zu 6 Bildern pro Sekunde reichen mir mehr als aus, ich fotografiere aber auch weder Sport-, Wildtier- oder Action-Motive, darum nutze ich fast ausschließlich den leiseren Modus mit 3 Bildern pro Sekunde, bei dem zusätzlich die Geschwindigkeit des Spiegels herabgesetzt ist, somit erzeugt er weniger Vibrationen beim Hochklappen. Und außerdem ist meine Kamera mit über 200.000 Auslösungen eine „alte Dame“ und will etwas geschont werden!

Der Bildpuffer ist ausreichend dimensioniert, 12 RAW-Fotos in Folge reichen mir aus, zumal die Kamera auch mit recht hoher Geschwindigkeit auf die Speicherkarte schreibt. Leider ist bei meinem Exemplar ein Kontakt des CF-Kartenschachts verbogen, so daß ich dessen Geschwindigkeit nicht probieren kann, aber der SD-Kartenschacht nutzt SDXC-Karten recht gut aus, wobei heutige Profi-Karten schneller sind, als die zum Herstellzeitpunkt der Kamera verfügbaren. Und trotzdem sind sie günstiger als die früher verkauften „Spitzenkarten“.

Die Kamera ist meine aktuell genutzte Canon-Vollformat dSLR, ich habe mir vorgenommen, sie 2026 mehrfach zu verwenden.

Christian Zahn, Januar 2026

 

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