Canon EOS 5D Mk III und 1D Mk IV mit Canon EF 20-35 von Christian Zahn
In diesem Bericht geht es um die Verwendung eines ca. 30 Jahre alten Zoomobjektivs an digitalen Spiegelreflexkameras mit Vollformat- bzw. mit APS-H-Sensor.
Das Objektiv wurde 1993 vorgestellt, es war ein relativ preiswertes Superweitwinkelobjektiv, das für die Verwendung mit Kleinbildfilm gerechnet wurde. Es ist kein hochpreisiges „L“-Objektiv und hat auch keinerlei Sondergläser oder asphärische Linsenflächen. Nachdem Canon nach 2000 die ersten digitalen Spiegelreflexkameras mit Sensoren vorstellte, die kleiner als Vollformat waren, war das Zoom eine Zeitlang relativ beliebt, weil es noch hergestellt wurde, sowohl neu als auch gebraucht erschwinglich war und es noch keine Objektive speziell für kleinere Sensoren gab.
Nachdem Canon die ersten Zooms der 18-55mm-Klasse baute, ließ das Interesse am 20-35 deutlich nach. Erst die „Volks-Vollformatkamera“ EOS 5D ließ das Interesse eine Zeitlang wieder steigen, bis die für digitale Kameras entwickelten Zooms 17-40 L oder das 16-35 L IS erschienen, die aber erheblich teurer waren (doppelter bis vierfacher Einstandpreis).
An APS-H-Sensoren wie der EOS 1D Mark IV ergibt sich eine äquivalente Brennweite von 26-46mm, an APS-C-Kameras 32-56mm.
Canon Zoom Lens EF 20-35mm 1:3,5-4,5 Ultrasonic
Wie erwähnt stammt es aus dem Jahr 1993 und wurde bis etwa 2005 oder 2008 neu verkauft. „Ultrasonic“ bezieht sich auf den leisen und schnellen Ultraschall-Autofokusmotor.
Der schmale Entfernungsring läuft bei manueller Fokussierung relativ schwer und hat Umkehrspiel, beim automatischen Fokussieren steht er still. Die eingestellte Entfernung ist in einem Fenster sichtbar, dort befinden sich auch die Infrarot-Entfernungsmarken. Schärfentiefenangaben hingegen fehlen.
Die Naheinstellgrenze von 0,34 Metern ist recht gut, der Maßstab beträgt dann 1:7,7, d. h., das kleinste Bildfeld ist ca. 28x18 cm groß. Canon-EF-typisch ist kein Blendenring eingebaut, die Verstellung erfolgt immer durch die Kamera, es sind nur 5 Lamellen eingebaut. Der optische Aufbau besteht aus 12 Elementen in 11 Gruppen. Einziges elektrisches Bedienelement ist der Umschalter zwischen AF und MF, denn ein Bildstabilisator ist nicht eingebaut.
Das nicht mitdrehende Filtergewinde beträgt 77 mm, das Objektiv hat einen Durchmesser von 84 mm, eine Baulänge ab Bajonett von 69 mm und wiegt 340 Gramm. Weder beim Zoomen noch beim Fokussieren verändert es die Baulänge.
Die Streulichtblende EW-83II rastet in ein Bajonett und mußte extra gekauft werden, sie ist aber unbedingt erforderlich. Zwar ist direkt hinter der Frontlinse ein Rahmen eingebaut, der das eventuelle Streulicht der Frontlinse etwas eindämmt, aber das Objektiv ist trotzdem sehr empfindlich gegen Fremdlichteinfall, es kommt durch die enorm große Frontlinse schnell zu Reflexionen und mehr oder minder flauen Bildern. Die Blende ist blütenförmig und darum maximal ausgeformt, ihr Inneres ist mit samtartigem Material zur effektiven Reduktion von Reflexionen „totmatt“ ausgekleidet. Wenn beim heutigem Gebrauchtkauf die Blende nicht dabei ist: der aktuelle Nachkauf ist teilweise sehr teuer, da es keine billigen Nachbauten als Neuware mehr gibt und gebrauchte oder „New Old Stock“, also originalverpackte und unbenutzte Blenden für bis zu 80 Euro angeboten werden.
Das gesamte Objektiv macht einen recht hochwertigen Eindruck, es besteht äußerlich vollständig aus Kunststoff, sichtbar aus Metall sind nur die elektrischen Kontakte und das Bajonett, aber nichts wackelt, zumal es keinen beweglichen Tubus gibt.
Das Objektiv verzeichnet recht deutlich, je nach Motiv kann das stören, jedoch ist die Verzeichnung heutzutage sehr einfach digital „wegzurechnen“.
Die bei Offenblende vorhandenen chromatischen Aberrationen verschwinden auch bei Blende 8-11 nicht, sofern JPGs direkt in der Kamera erzeugt werden, Canon DPP hingegen beseitigt sie bei allen Blendenwerten. Die Vignettierung ist bei weit geöffneten Blenden besonders im Weitwinkelbereich sichtbar, abgeblendet verschwindet sie größtenteils. DPP4 beseitigt diesen Objektivfehler komplett, genauso wie die Verzeichnung.
Die gesamte Bildschärfe ist bei Offenblende besonders im Weitwinkelbereich ziemlich schlecht, auf 8-11 abgeblendet ist sie durchaus brauchbar, wenn auch nicht hervorragend. Auch hier gilt: Der Einsatz vom RAW-Konverter Canon DPP4 ist Pflicht, denn dann werden auch bei 20mm die Bildecken brauchbar.Das Objektiv kostete neu etwa 480 Euro, Canon nennt in seinem virtuellem Museum einen Neupreis von 77.000 Yen, inzwischen ist es nur noch gebraucht erhältlich. Die Gebrauchtpreise schwanken je nach Zustand und Lieferumfang zwischen 100 und 200 Euro. Die Streulichtblende sollte direkt mitgekauft werden, denn wie erwähnt ist das Objektiv sehr empfindlich gegen Streulicht.
Beispielfotos mit der 1,3 Crop APS-H Sensor 16 Megapixel Canon EOS 1D Mark IV








Beispielfotos mit der 22 Megapixel Vollformat Canon EOS 5D Mark III
Alle Aufnahmen entstanden freihand mit Programm- und ASA-Automatik, wurden gespeichert als CR2, gewandelt mit Canon DPP 4 und bearbeitet mit Photoshop CS4. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten, Vignettierung und Verzeichnung sowie Schärfe wurden korrigiert, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In alle Aufnahmen sind 100%-Ausschnitte einmontiert sowie die Aufnahmeparameter.
Verwendet habe ich die EOS 5D Mark III sowie die 1,3-Crop APS-H-Kamera EOS 1D Mark IV. Canon DPP hat spezielle Lensprofiles für das Objektiv und schärft deshalb die Bildecken stärker nach als die restlichen Bildpartien, mit JPEGs direkt aus den Kameras bzw. mit beispielsweise Adobe Camera RAW gewandelt sehen die Aufnahmen insbesondere in den kritischen Ecken und Rändern erheblich schlechter aus und auch die chromatischen Aberrationen sind stärker erkennbar.
Qualitäts- und sonstiger Eindruck
Das EF 20-35 3,5-4,5 ist ein „Hidden Champion“ bzw. ein nicht ganz geheimer „Geheimtipp“. Allerdings erfordert es den Einsatz der kostenlosen Software Canon DPP4, die jedoch nur auf aktuellen Windows- bzw. Apple-Computern funktioniert. Andere kostenlos verfügbare bzw. käuflich erwerbbare alternative RAW-Konverter beschränken sich vielfach auf die Beseitigung der Verzeichnung und Vignettierung, die chromatischen Aberrationen werden oft nicht komplett beseitigt, das partielle Nachschärfen der Bildecken kennen diese Programme meist nicht.
Ich habe das Objektiv gekauft, um mit meinen Canon-Vollformat- und APS-H-Kameras größere Bildwinkel zu bekommen, die Alternativen waren mit zu teuer bzw. zu schlecht. Für etwa 100 Euro Einstandspreis kann ich dem Objektiv ein exzellentes Preis-Leistungsverhältnis bescheinigen. Wie man sehen kann, wurde das Objektiv fleißig benutzt, die elektrischen Kontakte weisen deutliche Anzeichen für häufigen Objektivwechsel auf.
Christian Zahn, September 2026
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| Autor: | Christian Zahn |
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| Erstellt: | 20.09.2026 |













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