Canon EOS M5 mit EF-M 15-45mm, Praxisbericht von Christian Zahn

In diesem Bericht geht es um die Verwendung eines ca. 10 Jahre alten Zoomobjektivs an einer digitalen Systemkamera mit APS-C-Sensor und 24 Megapixeln. Ich hatte die Kamera hier bereits ausführlich vorgestellt.

Ralf Jannke hat dieses Objektiv auf der EOS M10 ebenfalls präsentiert.

Canon Zoom Lens EFM 15-45mm 1:3,5-6,3 IS STM

Dieses Objektiv erschien 2015 zusammen mit der EOS M10. Passend zur Farbe der Kameragehäuse wurde es in silber/ und dem hier gezeigtem „Profischwarz“ angeboten. Es konnte einzeln oder als Kitobjektiv zusammen mit diversen EOS-M-Kameras erworben werden.

Weil von Canon das EOS-M-System 2023 zugunsten des RF-s-Bajonetts eingestellt wurde, sind EOS-M-Objektive seit dem in einer technologischen Sackgasse gelandet, denn sie passen nur an Kameras mit EF-m-Bajonett, es kann aus mechanischen Gründen (Auflagemaß und Durchmesser) keine Adapter auf RF-s geben. Darum werden die Set- bzw. Kit-Objektive heutzutage meist sehr preiswert angeboten.

Das EF-M 15-45 entspricht an den APS-C-Kameras der EOS-M-Linie mit Cropfaktor 1,6 in etwa einem 24-72mm-Objektiv, es ist also weitwinkliger als die üblicherweise verkauften 18-55mm-Kitobjektive. Daß es nur 45 statt 55mm Telebrennweite hat, ist ein nur geringer Verlust, der Unterschied im Bildwinkel zwischen 45 und 55mm ist gering (72 statt 88mm), der Unterschied zwischen 15 und 18mm hingegen ist groß (24 statt 29mm ergibt „wesentlich mehr drauf“).

Das Objektiv ist konsequent auf Miniaturisierung ausgelegt, es ist in eine kleine Transportstellung versenkbar, zum Fotografieren muß es allerdings ausgefahren benutzt werden. Aus Kostengründen hat es bis auf den Entriegelungsschieber keine mechanischen Bedienteile, der Ring zum manuellen Fokussieren ist ein Encoder, die Fokussierung erfolgt immer motorisch, das ist einfacher und billiger herzustellen als eine Umschaltung zwischen elektrischer und manueller Fokussierung.
Die an anderen Canon-Objektiven vorhandenen Schalter für Bildstabilisator und manuelle Fokussierung konnten weggelassen werden, denn sie sind im Kameramenu vorhanden. Am Tele-Ende ist das Objektiv mit Offenblende 1:6,3 sehr lichtschwach, die 18-55er von Canon haben dort 1:5,6.

Der schmale Entfernungsring läuft leicht, denn er ist wie erwähnt ein Encoder ohne mechanische Kopplung. „STM“ steht für den Stepper-Antriebsmotor, der schnell und leise seinen Dienst verrichtet. „IS“ verweist auf den im Objektiv eingebauten „Image Stabilizer“, den Bildstabilisator durch eine beweglich gelagerte Linsengruppe. Laut Canon erzielt er etwa 3,5 Blendenstufen längere verwacklungsfreie Belichtungszeiten.

Die Naheinstellgrenze von ca. 0,25 Metern ist gut. Beim Fokussieren verändert sich die Baulänge dank Innen-Fokussierung nicht. Canon-EF-typisch ist kein Blendenring eingebaut, die Verstellung erfolgt immer durch die Kamera, es sind 7 Lamellen eingebaut. Der optische Aufbau besteht aus 10 Elementen in 9 Gruppen, darunter 3 asphärische Flächen.

Das nicht mitdrehende Filtergewinde beträgt 49 mm, das Objektiv hat einen Durchmesser von 61 mm, eine Baulänge ab Bajonett von 41 mm und wiegt 130 Gramm. Zum Benutzen muß es aus der Transportstellung bewegt werden, dabei verlängert es sich um 15mm. Beim Zoomen wird es nochmals ca. 7 mm länger. Die Streulichtblende EW-53 rastet in ein Bajonett und mußte extra gekauft werden. Sie ist ein „Must-Have“, denn das Objektiv ist recht streulichtempfindlich.

Das gesamte Objektiv macht keinen allzu hochwertigen Eindruck, das gesamte Objektiv besteht äußerlich vollständig aus Kunststoff, sichtbar aus Metall sind nur die elektrischen Kontakte und die Befestigungsschrauben am Bajonettanschluß; auch im Inneren dürfte kaum Metall vorhanden sein. Aber: Der ausfahrbare Tubus wackelt kaum, man sollte aber darauf achten, mit der Streulichtblende nicht irgendwo anzustoßen, dann dann können die empfindlichen Kunststoffführungen im Inneren brechen, der Tubus wackelt dann stärker und die Bildecken werden danach nicht mehr alle gleichscharf sein.

Das Objektiv verzeichnet recht deutlich (ca. 3,5%). Je nach Motiv kann das stören, jedoch ist die Verzeichnung heutzutage sehr einfach digital „wegzurechnen“. Bei den JPEGs erledigt der Kameraprozessor aller EOS-M-Kameras das bereits während des Live-View, bei RAW die entsprechenden Konverter am heimischem Computer. Am Cropsensor der EOS M5 und Offenblende ist das 15-45 IS STM in der Bildmitte bereits sehr gut, die Ecken fallen etwas ab, bei 15mm prinzipbedingt am stärksten. Abblenden auf 8 steigert die Schärfe, danach kommt es bereits zu allgemeiner Unschärfe durch Beugungseffekte.

Die bei Offenblende vorhandenen chromatischen Aberrationen verschwinden ab ca. Blende 8-11 größtenteils, bei JPEGs aus der Kamera sind sie niemals vorhanden, sie werden vom Bildprozessor eliminiert.
Die Vignettierung ist bei weit geöffneten Blenden besonders im Weitwinkelbereich enorm (bei 15mm sind die äußersten Ecken ca. 3 Blendenstufen dunkler, also nur 1/8 so hell wie die Bildmitte), auch hier: JPGs aus der Kamera werden korrigiert, RAWs am Computer. Bei 15mm reduziert die EOS M5 die Vignettierung nicht komplett, es verbleibt aber ein nur bei einfarbigen Bildflächen auffallender geringer Rest der Randabdunklung.
Selbst bei Arbeitsblende 8-11 beträgt die wahre Vignettierung bei 15mm noch etwa eine Blendenstufe, diese wird von der Bildaufbereitung komplett eliminiert.

Das EF-M 15-45 hat laut diversen Berichten im Internet eine recht hohe Serienstreuung, so daß man das Objektiv nur mit Rückgaberecht kaufen sollte, um eine „Gurke“ mit unscharfen Bildecken sofort wieder zurückgeben zu können. Das hier gezeigte Exemplar ist ein gutes, alle vier Ecken sind gleich scharf.Das Objektiv kostete neu etwa 300 Euro, inzwischen ist es fast nur noch gebraucht erhältlich. Die wenigen Neuware-Händler versuchen teilweise, die UVP zu erzielen, die Gebrauchtpreise schwanken je nach Zustand, Farbe und Lieferumfang zwischen circa 25 und 85 Euro. Fehlt die Streulichtblende, so muß für eine originale etwa 20 Euro ausgegeben werden, neue Nachbauten sind für ca. 5 bis 10 Euro erhältlich.

Beispielfotos

Alle Beispielaufnahmen entstanden freihand mit Programm- und ASA-Automatik, wurden gespeichert als CR2, gewandelt mit Canon DPP 4 und bearbeitet mit Photoshop CS4. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten sowie Schärfe wurden korrigiert, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In alle Aufnahmen sind 100%-Ausschnitte einmontiert sowie die Aufnahmeparameter.

Fazit

Das EF-M 15-45 ist erstaunlich scharf, bereits ab Offenblende ist es durchaus nutzbar, die maximale Schärfe erzielt es bei 1:8. Wichtig ist, daß man ein gutes Exemplar bekommt, denn es gibt auch Exemplare mit schlechter Montage der einzelnen Linsenelemente, dann sind meist ein bis zwei Bildecken wesentlich unschärfer als die anderen.

Das Objektiv ist klein und leicht, ich hatte zuvor ein EF-s 18-55 STM an einem Adapter EF-s/EF-M verwendet, diese Kombination ist erheblich größer. Statt 139mm beträgt die Länge von Okular bis Streulichtblende 187mm, das Gewicht von Kamera und Objektiv steigt von 580 auf 715 Gramm. Und das 15-45 hat eine Anfangsbildwinkel eines 24mm-Objektivs, das bedeutet: viel mehr vom Motiv auf dem Bild.

Ich werde meine EOS M5 zukünftig standardmäßig mit dem 15-45 nutzen, den Adapter EF-s/EF-m benötige ich dann nur noch für das EF-s 10-22 USM und das EF-s 55-250 IS STM, die entsprechenden EF-m-Objektive gibt es zwar auch, sie sind mir aber bislang zu teuer.

Christian Zahn, März 2026

 

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