Concord EyeQ Ir Kurzbericht von Christian Zahn
Hier zeige ich eine sehr simple Kompaktkamera, eine der frühen OEM-Dutzendkameras. Sie wurde möglicherweise von Nokia vertrieben bzw. der Hersteller bekam von Nokia die Genehmigung, einen Nokia-Aufkleber anbringen zu dürfen. Ralf Jannke hat sein funktionsfähiges Exemplar hier bereits vorgestellt.
Spezifikationen:
- Die vermutlich 2001 vorgestellte Concord EyeQ Ir ist 114 x 50 x 28 mm groß und wiegt ohne Akku und Speicherkarte 105 Gramm.
- Der CMOS-Sensor unbekannter Größe löst maximal 640 x 480 Pixel = 0,3 Megapixel auf. 100 ASA sind unveränderlich. Videos sind nicht möglich. Bilder werden als JPEG auf MMC-Karten (max. 1 GB) oder in einen internen 1MB-Flashspeicherbaustein gesichert.
- Das Objektiv ist eine 1:3/6 mm Festbrennweite mit fest eingestellter Offenblende, die kb-äquivalente Brennweite beträgt ca. 42 mm.
- Das Motiv wird über einen einfachen Durchsichtsucher angepeilt, ein Bilddisplay ist nicht eingebaut, nur ein SW-Statusdisplay.
- Die Entfernungseinstellung entfällt, weil Fixfokus
- Belichtungssteuerung durch Zeitautomatik, die Belichtungszeiten sind unbekannt, Selbstauslöser mit 10 s Vorlaufzeit
- im Gehäuse integrierter Blitz mit ca. Leitzahl 6
- Weißabgleich automatisch
- keine Bildstabilisierung
- Energieversorgung durch 2 Mignon-Batterien
- eingebaute Infrarotschnittstelle nach IrDA-Norm
Besonderheiten
Die amerikanische Firma Concord Camera Corporation (aus Hollywood in Florida, nicht in Los Angeles, Kalifornien) ist vor allem dadurch bekannt gewesen, daß sie ehemals klangvolle Markennamen kaufte, um unter diesen Labels billige OEM-Kameras zu vertreiben, beispielsweise als „Jenoptik" oder „Polaroid“. Die Geräte wurden unter anderem ebenfalls von Wal-Mart (USA), Aldi/Medion, Carrefour (Frankreich) oder Metro verkauft (teilweise mit eigenem Label bedruckt), aber auch als Concord Eye-Q gelabelt. 2008 beendete Concord seinen Geschäftsbetrieb.
Hergestellt wurde die Kamera als Billigproduktion in China.
Der rückseitige Aufkleber „Nokia OK“ ist entweder von Nokia lizensiert gewesen oder er weist ohne Genehmigung aus Finnland einfach nur darauf hin, daß die Concord kompatibel zu Nokia Featurephones war. Ob Nokia die Kamera offiziell selbst vertrieben hat, läßt sich heutzutage nicht mehr ermitteln. Es soll jedoch Bundles gegeben haben, bei denen der Nokia Communicator 9210 und die Concord EyeQ Ir gemeinsam verkauft wurden, aber das kann sowohl der Fach- oder Versand-Handel gemacht haben als auch Nokia selbst.
Viele technische Daten sind nicht bekannt, die oben aufgeführten sind teilweise selbst ermittelt bzw. errechnet, denn die originale Anleitung schweigt sich über fast alles aus und beschränkt sich mit sparsamen drei Seiten auf die Bedienung und die Garantiebedingungen.
Die Kamera verwendet 2 fast überall erhältliche Mignonzellen, Akkus und Batterien können benutzt werden.
Der Gehäuseblitz ist fest eingebaut. Die Blitzbelichtungsmessung erfolgt vermutlich TTL mittels Vorblitz oder es gibt keine Blitzbelichtungsmessung.
Das Objektiv wird als „Hybrid Lens“ auf der Kamera bezeichnet, was möglicherweise darauf hindeuten soll, daß sowohl Kunststoff- als auch Glaslinsen verbaut wurden. Auch die restlichen Komponenten stammen aus der „untersten Schublade“, im Jahr 2001 waren 640x480-Pixel schon veraltet, der Sensor und das Objektiv dürften für Webcams entwickelt worden sein. Der Verschluss wird rein elektronisch gebildet, denn einen mechanischen Verschluss brauchen Webcams nicht. Ebenso fehlt eine verstellbare Blende.
Es sind nur die allernotwendigsten Tasten vorhanden, zwei Tasten für „Rauf-Runter“ und der Auslöser, der auch als „OK“-Taste dient. Es gibt nur ein SW-Statusdisplay, das über die noch mögliche Zahl der Restaufnahmen und einige wenige Bildparameter informiert. Ein Farbdisplay für die Bildwiedergabe wurde weggelassen.
Als Speichermedium dienen MMC-Karten bis 1 GB, diese Karten sind der Vorgänger der heute noch verwendeten SD-Karten. Jedoch fehlt MMC-Karten ein Kontakt und sie sind dünner, so daß SD-Karten mechanisch nicht in die Kamera hineinpassen. Zusätzlich hat die EyeQ Ir einen 1MB „großen“ internen Flashspeicher.
Die Kamera hat nur eine einzige Schnittstelle, die von außen allerdings kaum zu sehen ist. Unter einer für das menschliche Auge undurchsichtigen schwarzen Abdeckung befinden sich eine Infrarot-Sende- und eine IR-Empfangsdiode, diese bilden die IrDA-kompatible serielle Schnittstelle (Infrared Data Association). IrDA war 1993 entwickelt worden und um 2000 herum recht weit verbreitet, Laserdrucker, Laptops und Mobilfunktelefone konnten so kabellos Daten untereinander übertragen. Inzwischen ist diese Norm durch Bluetooth verdrängt worden, Gerätetreiber dafür fehlen in aktuellen Betriebssystemen.
Handy und Kamera müssen gekoppelt werden, dann können einzelne oder auch alle Bilder von der Kamera an das Telefon übertragen werden, erst dann kann der Fotograf sehen, was er aufgenommen hat. Die Auflösung 640x480 reichte damals mehr als aus, um Fotos für Webseiten oder eMails zu machen. Die Geschwindigkeit ist gemächlich, maximal 115 kBps werden bei guter Sicht zwischen Kamera und Handy erreicht, das entspricht ca. 10 Kilobytes pro Sekunde, somit dauert es etliche Sekunden, bis ein einzelnes Bild übertragen ist.
Zwar ist der MMC-Kartenstandard bis 1GB spezifiziert, aber meist hatten diese Karten lediglich 16 bis 128 MB, üblich waren 2001 sogar nur 16 bis 32 MB. Die Übertragung einer komplett gefüllten 32MB-MMC-Karte dauert bei der EyeQ Ir ungefähr eine Stunde!
Die UVP der Concord EyeQ Ir ist mir nicht bekannt, ebensowenig der heutige Gebrauchtpreis, der aber in die 1-5 Euro-Klasse fallen dürfte. Ralf Jannke hat ein zweites Exemplar dieser Kamera bekommen, daß er mir dankenswerterweise überlassen hat.
Beispielaufnahmen von 2019
Leider ist das gezeigte Exemplar defekt, weil Batterien in ihm vergessen wurden und die ausgelaufene Batteriesäure nicht nur die Akkukontakte beschädigt hat, sondern in die Elektronik eingedrungen ist. An der Kameravorderseite sieht man deutlich die Spuren, die die Säure am klarem Kunstoff hinterlassen hat, auch finden sich Säurekristalle im Inneren des Suchers. Somit ist es sinnlos, die Kamera zu öffnen und zu reinigen, denn die Säure hat mit Sicherheit die Platine und elektronische Bauteile unwiederbringlich beschädigt.
Darum zeigen ich hier nur zwei Fotos, die Ralf mit seiner funktionierende EyeQ Ir 2019 aufgenommen und mit Photoshop kräftig nachbearbeitet hat. Es ist also erheblich besser, wie es direkt aus der Kamera kommend aussieht.
Qualitäts- und sonstiger Eindruck
Das Gehäuse der EyeQ Ir ist komplett aus Kunststoff. Die Batteriefachklappe hat erfreulicherweise noch alle Häkchen, die die Klappe verschließen.
Die Kamera gehört zur Klasse der einfachsten Kompaktkameras. Die Bildqualität ist „unterste Schublade“, die Auflösung war 2001 bereits nicht mehr zeitgemäß, ebensowenig das Fehlen eines Farbdisplays. Das einzige, was diese Kamera aus der Masse der „Billigheimer“ heraushebt, ist die eingebaute Infrarotschnittstelle.
Fazit: eine digitalkamerahistorisch durchaus interessante Kamera (zwar frühe Dutzendware, aber aufgrund der Kopplung mit alten Mobiltelefonen erwähnenswert), heutzutage zum ernsthaften Bildermachen völlig unbrauchbar.
Christian Zahn, Juli 2026
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| Autor: | Christian Zahn |
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| Erstellt: | 1.07.2026 |









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