Durst Neonon 50mm Vergrößerer-Objektiv: Reinigung, Reparatur. Test auf der Nikon Z5 von Christian Zahn
In diesem Reinigungsbericht geht es um die Reinigung und Benutzung von einem etwa 30-40 Jahre alten Vergrößerungs-Objektiv an der Nikon Z5, einer spiegellosen Systemkamera mit 24 Megapixeln und eingebautem Bildstabilisator.
Die Firma Durst wurde 1929 in Brixen, Südtirol gegründet, das bis 1920 zu Österreich und seitdem zu Italien gehört. Wurden zunächst vor allem Vergrößerungsgeräte für Kleinbild-, Mittel- und Großformatnegitive gebaut, so hat die Durst AG seit 1981 auf den digitalen Bereich spezialisiert. So entwickelte sie beispielsweise den ersten Laserbelichter für Fotopapier und eine Zeitlang auch Laserbelichter für die Ausgabe von digitalen Daten auf analogen Film. Inzwischen ist die Hauptsparte die Herstellung von Industrie-Inkjet-Druckern für Spezialanwendungen, z. B. für das Bedrucken von Fliesen vor dem Brennprozeß oder das Aufdrucken der Holzfurnier-Dekore auf MDF-Platten für die Möbelproduktion.
Das Neonon stammt aus japanischer Produktion, es wurde von Pentax hergestellt und ist bis auf die Beschriftung baugleich zu dem 2,8/50mm Pentax CE Rokkor. Das Design ist klar als Pentax-Formansprache erkennbar, die Kleinbild-Objektive der 1980er Jahre sahen sehr ähnlich aus, beispielsweise das 1,8/50 Rokkor-M. Zuvor hatte Durst seine Vergrößerungs-Objektive in Deutschland bei Schneider-Kreuznach bzw. Rodenstock fertigen lassen, der Wechsel des Lieferanten dürfte eine Folge der gestiegenenEinkaufspreise gewesen sein, die Pentax-Vergrößerungsobjektive waren günstiger als die „Made-In-Germany“-Objektive, denke sie optisch aber nicht nachstehen.
Hinweis: zum leichteren Arbeiten in der Dunkelkammer bei wenig Licht hat das Neonon eine beleuchtete Blendenskala, mittels eines Kunststoff-Lichtleiters wird das Licht des Vergrößerer durch die Blendenskala geleitet und erhellt diese, so daß die Blendenzahlen gut ablesbar sind. Beim Einsatz als Aufnahmeobjektiv muß diese Skala abgedeckt werden, da ansonsten Fremdlicht auf den Bildsensor gerät und das Bild verschleiert. Ein kurzer Streifen schwarzes Isolierband hat sich bei mir bewährt. Sollte er unterwegs abfallen, eine Rolle Isolierband und eine Schere sorgen „On Location“ für schnellen Ersatz.
Leider muß man sich beim Verändern der Objektivblende an den Rasten der Skala orientieren, denn sehen kann man die Skala ja nun nicht mehr.
Einstellschnecke zum Scharfstellen
Vergrößerungsobjektive haben keine eigene Fokus-Schnecke. International haben sich fast alle Hersteller auf das Leica-Gewinde M39 als Befestigungsgewinde geeinigt, so daß nur eine Einstellschnecke mit M39 Gewinde erworben werden muß, um das Vergrößerungsobjektiv an einer digitalen Systemkamera scharfstellen zu können. Von der chinesischen Zubehörindustrie gibt es das in unzähligen Varianten.
Reinigung
Das Objektiv hat ein bis zwei Jahrzehnte auf einem Dachboden bei wechselnden Temperaturen zwischen unter 0 und über 50 Grad Celsius verbracht, dadurch sind alle Linsenflächen mehr oder minder kräftig beschlagen. Die Luftverschmutzung des Ruhrgebiets in den ersten Jahren und das Verdunsten der Schmiermittel aus seinem Inneren haben zu milchig-trübem Belag auf fast allen Linsenoberflächen gesorgt, diese mußten deshalb gründlich gereinigt werden.
Eine erste Reinigung erfolgte im Rahmen eines Objektiv-Putz-Workshops auf einem Hobbyfotografen-Treffen, die zweite Reinigung habe ich etwa einen Monat später zuhause vorgenommen, weil wieder Belag aufgetreten war bzw. er beim ersten Putzen nicht ganz beseitigt worden war.
Der Belag erwies sich durch die Temperaturen in sommerlich erhitzen Dachboden als so hartnäckig „eingebrannt“, daß Reinigen mit Isopropanol und Mikrofasertüchern nicht ausreichte, ich habe auch noch mit feuchten Brillenputztüchern die einzelnen Linsen kräftig abgerieben, bis sich der Belag endlich von den Linsen ablöste. Bei den Beispielbildern gibt es Fotos nach dem ersten Reinigungsdurchgang und nach der gründlichen Schlußreinigung.
Auf dem ersten Bild kann man deutlich erkennen, wie beschlagen die Linsen waren. Die Demontage ist recht einfach, der beschriftete Ring muß aus dem Filtergewinde mit einem Silikontubis herausgedreht werden, weil er keinerlei Nuten oder Löcher hat. Alle anderen Fassungselemente haben Nuten, die mit geeigneten Werkzeugen leicht herausgedreht werden können.
Durst Neonon 1:2,8 f=50mm
Das Objektiv ist ab 1978 gebaut worden, nach 2000 erfolgte die Einstellung des Vertriebs, weil die Vergrößerer bei Durst ausliefen.
Das Objektiv ist 41 mm lang, hat einen Durchmesser von 47 mm und wiegt 90 Gramm. Das Objektiv ist fast vollständig aus Metall gefertigt, sein optischer Aufbau ist ein modifizierter Doppelgauß-Typ, es hat 6 Elemente in 4 Gruppen.
Das Filtergewinde hat 40,5 mm, die Streulichtblende wird eingeschraubt. Natürlich ist sie nicht original, denn bei Vergrößerungsobjektiven dient das Filtergewinde zum Einschrauben von Farb- oder Effektfiltern für die Dunkelkammerarbeit, darum bot Durst keine Streulichtblende an.
Der Blendenring rastet in ganzen Blendenstufen, Zwischenwerte sind problemlos möglich, weil die Rastung durch axiales Verschieben des Blendenrings abgeschaltet werden kann. Es sind 6 Lamellen vorhanden. Eine Vorwahlblende (wie z. B. bei Rodagonen) oder einen Blendenhebel (wie z. B. bei Schneider Kreuznach) hat das Neonon nicht, die Verstellung erfordert immer den Blick auf die Skala.
Verzeichnung ist praktisch nicht vorhanden, Vergrößerungsobjektive werden bei der Berechnung darauf abgestimmt, das Negativ möglichst nicht durch Vignettierung, Verzeichnung oder Aberrationen zu verschlechtern.
„Umgedrehte“ Linsengruppe
Auf dem Treffen haben wir irrtümlich eine der hinteren Linsengruppen verkehrt herum eingebaut, dadurch entstehen traumhafte Bilder mit scharfem Zentrum und deutlich weichgezeichneten Bildrändern. Diesen Fehler haben wir schnell korrigiert und die Linsen korrekt zusammengebaut.
Beispielaufnahmen
Die Aufnahmen entstanden freihand bei Arbeitsblende und Zeit- sowie ASA-Automatik und mit eingeschaltetem Kamera-Bildstabilisator, gewählt wurde Blende 8, gespeichert als NEF, gewandelt mit Nikon Capture NX und bearbeitet mit Photoshop CS6. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben sowie Lichter / Schatten wurden korrigiert, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In alle Aufnahmen sind 100%-Ausschnitte einmontiert.
Diese beiden Bildbeispiele entstanden nach der ersten Reinigung, das Bild war bereits deutlich verbessert worden.
Diese Aufnahmen entstanden nach dem zweitem Putzen, die Verbesserung ist bei den entstehenden Fotos vor allem bei hellen Bilddetails erkennbar, die am Belag noch deutlich Streulicht erzeugten.
Das Objektiv liefert wie zu erwarten bei unendlichen Motiven und Offenblende an den Bildecken keine gute Schärfeleistung (die Bildfeldwölbung ist für einen Abbildungsmaßstab 1:8 korrigiert und nicht für weiter entfernte Motive). Erreicht das Neonon beim Vergrößern seine beste Schärfeleistung bei Blende 5,6, sollte es bei der Anfertigungen von Fotos entfernter Motive auf 1:8 abgeblendet werden, stärkeres Abblenden ist nicht empfehlenswert, zwar steigt die Tiefenschärfe, aber die Beugung läßt das Bild in der Gesamtheit wieder weicher werden.
Die UVP des Objektives ist mir nicht bekannt, der aktuelle Zeitwert ist auf ca. 75-100 Euro je nach Zustand und Lieferumfang einzuschätzen. Zum Vergleich: deutsche Vergrößerungsobjektive sind meist teurer, die Neonone gelten als „Geheimtipp“, sie sind aber erheblich seltener als Rodagone oder Componone.
Fazit
Das Neonon läßt sich mit Hilfe einer Einstellschnecke als Aufnahmeobjektiv an aktuellen spiegellosen Systemkameras verwenden, an der Z5 ist auf 1:8 abgeblendet wie fast jedes meiner 6-linsigen Normalobjektive gut benutzbar, das Abkleben der Blendenskala darf aber nicht vergessen werden, da es ansonsten zu mehr oder minder starkem Streulicht kommt, was das Bild flau macht.
Christian Zahn, Juli 2026
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| Autor: | Ralf Jannke |
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| Erstellt: | 18.07.2026 |















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