Fuji X-Pro1 Praxisbericht von Christian Zahn
In diesem Erfahrungsbericht geht es um eine etwa 14 Jahre alte spiegellose Systemkamera mit 16 Megapixel und der Fuji-eigenen speziellen Farbmatrix auf dem Bildsensor.
Fujifilm hat früh angefangen, eigene Sensortechniken zu entwickeln, die nicht auf dem Bayer-Pattern beruhen: den Super-CCD mit wabenförmiger Pixelstruktur und verschieden großen Sensorpixeln oder den in der hier vorgestellten Kamera arbeitenden X-Trans-Sensor. Dieser hat kein Bayer-Pattern (mit 2x2-Pixel-Matrix) wie fast alle anderen Sensoren der anderen Kamerahersteller, sondern das Fuji-X-Trans-Pattern, bei dem sich die Farben in einer 6x6-Matrix wiederholen, außerdem sind in jeder Matrix vier grünempfindliche Pixel (im Quadrat angeordnet) vorhanden. Moiré soll so ohne Anti-Aliasing-Filter vor dem Sensor vermieden werden, außerdem wird das Rauschen bei höheren Empfindlichkeiten verringert.
Die beiden Sensorformen/-anordnungen:
- https://www.digicammuseum.de/fileadmin/_processed_/1/4/csm_SensorSchachbrettBayer_23ef813145.jpg
- https://www.digicammuseum.de/fileadmin/_processed_/2/e/csm_SensorSchachbrettXTrans_95c575249d.jpg
Die vorgestellte X-Pro1 gehört zur ersten Generation dieser Kameralinie. 2026 aktuell ist die fünfte Generation mit 26 und 40 Megapixeln.
Spezifikationen
- Die 2012 vorgestellte Fujifilm X-PRO1 ist 140 x 81 x 43 mm groß und wiegt ohne Akkus und Speicherkarte 400 Gramm.
- Der APS-C (23,6 x 15,6 mm) CMOS-Sensor löst maximal 4896 x 3264 Bildpunkte = 16 Megapixel auf. Mit der ISO-Automatik oder manuell sind 200 bis 25600 ASA einstellbar. Videos sind mit 1920x1080 Pixeln möglich. Bilder werden als JPEG oder RAF (RAW-Format) auf SD/SDHC/SDXC-Karte (maximal ca. 2 TB) gespeichert.
- Das Motiv wird über einen Hybrid-Sucher mit 0,46“-Display und 1,4 Millionen Subpixeln (800x600 Farbtripel) sowie optischem Galilei-Durchblicksucher angezeigt. Zusätzlich ist ein 3“ TFT LCD Monitor mit 1.230.000 Subpixeln (640 x480 Farbquadrupel) vorhanden, der auch die Menüsteuerung übernehmen kann.
- Das Bajonett ist das Fujifilm-X-Bajonett (nicht kompatibel zum alten Fujica-X-Bajonett)
- Entfernungseinstellung Einzel-Autofokus (AF-S) oder kontinuierlicher Autofokus (AF-C) mit 49 AF-Feldern
- Belichtungssteuerung durch Programmautomatik, Zeitautomatik, Blendenautomatik oder manuellen Modus, keine Motivprogramme. Mittenbetont integrale, Spot oder Matrixmessung. Belichtungszeiten 30 s bis 1/4000 sek. durch mechanischen Verschluß, Selbstauslöser mit 2 oder 10 s Vorlaufzeit
- Norm-Blitzschuh mit Mittenkontakt und TTL-Kontakten
- Weißabgleich automatisch oder manuell
- optische Bildstabilisierung nicht im Gehäuse, sondern nur mit entsprechend ausgestatteten Objektiven.
- Energieversorgung über Lithiumakku
Besonderheiten
Die X-Pro1 war die erste Kamera der X-Linie, mit ihr führte Fuji ein neues Bajonett ein, dessen Spezifikationen und Objektive auf den Cropfaktor 1,5 hin konzipiert wurden. Vollformat ist aufgrund des Durchmessers nicht möglich, war aber von Anfang an auch nicht vorgesehen. Statt dessen erschien 2017 eine weitere Kameralinie, die einen 50-Megapixel „Mittelformatsensor“ mit 44x33 mm und Cropfaktor 0,8 aufweist.
Die X-Pro1 orientiert sich im Design stark an alten analogen Kameras, in Verbindung mit dem links seitlich eingebautem Sucher schaut sie mit einem kleinen AF-Festbrennweiten-Objektiv fast wie eine alte Leica-Meßsucherkamera aus. Von hinten betrachtet verschwindet der klassische Look natürlich sofort, anhand des großen Displays ist sie dann sofort als Digitalkamera erkennbar.
Auch der Tragegurt ist in einem hübschen „alten“ Design, er ist aus echtem Leder mit Kratzschutzstücken um die Gurtösen. Fuji legt sogar ein kleines Plastikteil bei, mit dessen Hilfe die Metall-Schäkel in die Öffnungen der Kamera montiert werden können, ohne die Fingernägel abzubrechen oder einen Schraubendreher zu suchen.
Die Kamera hat ein sehr "klassisches" Bedienkonzept: Es gibt kein Moduswahlrad, sondern ein Zeitenrad mit der Zusatzstellung "A", die meisten Fuji-Objektive haben einen Blendenring (ebenfalls mit zusätzlicher "A"-Stellung) und hinter dem Auslöser sitzt ein satt rastendes Belichtungskorrekturrad.
Für Programmautomatik stellt man Zeitenrad und Blendenring auf "A", für Blendenautomatik wählt man die gewünschte Belichtungszeit am Zeitenrad vor und stellt den Blendenring auf "A", für Zeitautomatik umgekehrt. Diese Bedienungsweise hat etliche Tester irritiert, weil sie nur noch die bei Digitalkameras übliche Umschaltung per Moduswahlrad kannten. Älteren Fotografen hingegen ist dieses Konzept schon lange vertraut, es fand sich bereits 1977 an der Minolta XD7, 1978 in der Canon A1 oder 1983 an der Nikon FA.
Nach Druck auf die „Q“-Taste wird ein Quickmenu angezeigt, mit dem sich viele Kameraparameter schnell durch Steuerkreuz und Daumenrad einstellen lassen. Weitere Bedienelemente sind:
An der Oberseite das in der Automatikstellung verriegelte Zeitenrad, das Belichtungskorrektorrad (+/-2 Blendenstufen), der Auslöser mit Drahtauslösergewinde und eine definierbare Funktionstaste. Die Rückseite wird vom Display dominiert, links davon drei Tasten für den Aufnahmemodus (Einzelbild, Serienbild, Schwenkpanorama, Video usw.), die Belichtungsmeßart (mittenbetont, Matrix, Spot), AF (zur Anwahl des aktiven AF-Feldes aus 49 möglichen). Links darüber der Sucher mit dem Umschaltsensor, rechts davon die Taste zum Umschalten des Suchermodus. Rechts neben dem Display das Drehrad mit Druckfunktion, in der Daumenwulst je eine Taste für AE-/AF-Lock und das Quickmenu, das Steuerkreuz mit Doppelbelegungen (nach oben zur Aktivierung des Makromodus, die zentrale Taste für OK und System-Menu) sowie eine taste zum Umschalten der Sucher-/Duisplayanzeige-Elemente. Auf der Vorderseite die Umschaltung zwischen AF-S, AF-C und manuellem Fokus sowie der Sucher-Modus-Umschalthebel.
Die Kamera ist recht kantig, auch das als Reminiszenz an die Leica M-Modelle. Aber sie hat für Rechtshänder Anfaßhilfen: vorne eine gummierte Griffandeutung, hinten eine vorspringende Daumenwulst und relativ rutschfeste Gummierung vorne und hinten. Trotzdem ist die Kamera mit schweren Objektiven ohne einen untergeschraubten Zusatzgriff nicht sicher zu halten, diese Griffe gab es in diversen Bauformen von der Zubehörindustrie, meist aus eloxiertem Aluminium und oft so geschickt konstruiert, daß die Klappe für Akku und Speicherkarte zugänglich blieb, Arca-kompatible Stativaufnahmen für Normal- und Hochformat vorhanden waren sowie ein in der optischen Achse liegendes Stativgewinde.
Der Sucher ist sehr speziell, er ist sowohl ein Durchsichtsucher mit elektronischen Bildfeldrahmen als auch ein reiner Videosucher. Unterstehend erkläre ich diesen Sucher ausführlich.
Der mit der Kamera zusammen eingeführte Akku NP-W126 wird auch in etlichen anderen Fuji-Kameras der X-Reihe verwendet, er hat zwar einen eingebauten Datenchip, aber alle meine günstigen Nachbauten „laufen“ in der Kamera und im originalen Ladegerät.
In der Kamera ist kein Blitz eingebaut, nur ein Norm-Blitzschuh mit TTL-Zusatzkontakten und eine PC-Buchse für den Anschluß von Studioblitzgeräten.
Als Speichermedium dienen SD-/SDHC-/SDXC-Karten bis ca. 2 TB Kapazität (256 GB habe ich bislang als größte Karte eingesetzt). Akku und Speicherkarte werden an der Unterseite der Kamera eingesetzt, beim Stativeinsatz ist dieses Fach nicht zugänglich, weil das Stativgewinde nicht mittig, sondern direkt neben der Klappe eingebaut ist.
Bei der Aufnahme als JPEG kann die Kamera die Bildanmutung etlicher alter Fujifilme (Velvia = intensive Farben, Provia = neutrale Farben, Acros = Schwarzweiß, weichen Portraitnegativfilm usw.) simulieren.
Die Kamera kann Full-HD-Videos mit 1920x1080 Pixeln und 60 Bildern/sek „drehen“. Allerdings ist keine dedizierte Videostarttaste vorhanden, sondern der Videomodus verbirgt sich unter den Einstellungen für die Aufnahmeart nach Druck auf die „Drive“-Taste (Einzelbild, Serienbild, Bracketing, Video). Also einfach mal eben „schnell“ ein Video starten, wenn sich kurzfristig eine Szene ergibt, ist somit leider nicht möglich. Im Falle des Falles dauert es etliche Sekunden, bis die Aufnahme beginnen kann.
Die Serienbildrate läßt sich auf 3 oder 6 Bilder pro Sekunde einstellen, im Serienbildmodus gibt es aber keine Möglichkeit zu Blitzen, das geht nur in der Einzelbildschaltung.
In den EXIFs speichert die Kamera neben den üblichen Angaben wie Brennweite, Objektivtyp, aktuelle Blende, Blitzmodus, usw. auch Details wie die Anzahl der erkannten Gesichter, die Verwackelungswarnung, den Filmsimulationsmodus, die Seriennummer von Kamera und Objektiv uvm. In RAFs (dem Fuji-RAW-Format) werden noch viele weitere undokumentierte Parameter abgelegt, die zur Korrektur der Objektivfehler wie Verzeichnung, Vignettierung, chromatischer Aberration usw. vom Software-Raw-Konverter am Computer genutzt werden können und zum Aufnahmezeitpunkt vom Objektiv an die Kamera übermittelt werden. (Das funktioniert natürlich nicht mit Objektivadaptern und alten Manuellfokus-Objektiven, es sei denn, man verwendet Leica-M-Objektive und den originalen Fuji-Adapter für diese Objektive.)
Die Zahl der Auslösungen steht nicht in jedem aufgenommenem Bild (wie z. B. bei etlichen Sony und fast allen Nikon Digitalkameras), es gibt auch kein Servicemenü, das über eine bestimmte komplizierte Tastensequenz erreicht werden kann (z. B. Panasonic oder Olympus). Es gibt auch keine von Freaks programmierte Software, die die Auslösungen per USB auslesen kann (wie z. B. bei vielen Canon-Kameras). Laut einem Händler und etlichen Foren-Einträgen kann nur der Fuji-Service die Auslösungen ermitteln.
Sofern das Kameraservicemenü unter „Dateinamen“ nicht umgestellt wurde, zählt die Kamera die Bilder aber auch beim Speicherkartenwechsel kontinuierlich hoch und alle 1000 Bilder wird ein neuer Ordner angelegt, so daß man (sofern der Zähler nicht irgendwann bewußt oder unbewußt zurückgesetzt wurde) aus Ordnernummer und Bildnummer auf die Zahl der Auslösungen schließen kann: Der Ordner trägt die 1000er-Stellen in sich (beginnend mit 100_FUJI) und das Bild die letzten vier Stellen. „118_FUJI“ als Ordner und „DSCF8857.JPG“ als Bildname bedeutet also 18.857 Aufnahmen, die hochgezählt wurden.
Die Kamera sollte auf den aktuellen Firmwarestand gebracht werden, damit sie alle bis 2020 auf den Markt gebrachten Objektive kennt. Neuere funktionieren aber auch, denn im elektronischen Protokoll zwischen Objektiv und Kamera wird bei jeder Auslösung ein Parametersatz übertragen, der unter anderem die Korrekturwerte für Vignettierung und Verzeichnung enthält, die X-Pro1 benötigt also keine interne Objektivdatenbank.
Die ISO-Automatik ist sehr gut konfigurierbar, die niedrigste und höchste Empfindlichkeit können vorgegeben werden und die maximal möglich längste Belichtungszeit. Beispielsweise 200-800 ASA mit maximal 1/60s oder 400-1600 ASA mit maximal 1/250s.
Die Kamera ist nicht, viel viele andere Kameras anderer Hersteller, in einem Billiglohnland wie Thailand oder China gefertigt worden, sondern sie wurde im Fuji-Kamerawerk in Japan gebaut. Diese Tatsache steht nicht auf dem Typenschild auf der Akkufachklappe, sondern prägnant auf der Rückseite unterhalb des Blitzschuhs. Die Typenbezeichnung auf der Oberseite ist in die Deckkappe eingelassen und mit weißer Farbe ausgelegt, außerdem findet sich ein Symbol „Fujinon Lens System“, dessen Gestaltung an die analogen Fuji-Kameras erinnern soll.
Die X-Pro1 hat drei Schnittstellen: eine USB-Buchse mit Fuji-Spezialanschluß, genormte Mini-HDMI-Buchse und im Auslöser ein Drahtauslösergewinde, wie es von analogen Kameras her gewohnt ist. Das Erfühlen der ersten Auslöserstofe mit den Drahtauslöser ist je nach Auslösertyp etwas schwierig, allzuleicht löst man aus, statt nur zu fokussieren. Am besten beobachtet man entweder das Display genau, bis die Fokusanzeige grün wird oder man läßt das AF-Bestatigung-Piepen eingeschaltet, dann kann man die erste Stufe hören.
Die UVP der X-Pro1 betrug ca. 1600 Euro, ein Objektiv mußte extra dazugekauft werden. Der aktuelle Gebrauchtpreis variiert je nach Zustand und Lieferumfang zwischen 250 und 500 Euro.
Hybrid-Sucher
Das Sucherkonzept der Kamera ist etwas ganz Besonderes: Von Fuji als „Hybridsucher“ bezeichnet ist er eine Kombination aus Durchsichtsucher mit zwei Vergrößerungen und elektrisch erzeugten Sucherrahmen und rein elektronischem Videosucher. Die Betriebsart „Durchsicht“ orientiert sich am klassischem Prinzip der Meßsucherkamera, die beispielsweise Leica seit den 1950er Jahren baut. Während die Leica-M-Modelle einen optischen Entfernungsmesser haben und die Bildfeldrahmen analog erzeugt in den Sucher einspiegeln, hat sich Fuji für ein flexibleres System entschieden.
Die Anzeige der Rahmen für das aktuelle Bildfeld geschieht elektronisch, d h., ein kleines OLED-Display stellt diese dar und wird durch ein teilreflektierendes Prisma in den Durchblicksucher eingespiegelt. Weil das eingespiegelte Bild keine fest vorgegebene Rahmen sind, kann prinzipiell jedes Objektiv mit passenden Rahmen versehen werden und der Rahmen je nach eingestellter Entfernung passend zur Parallaxe verschoben werden. Und zusätzlich werden auch die Angaben für Belichtungszeit, Blende, Empfindlichkeit usw. eingespiegelt, wobei der Anwender die Informationsfülle im Systemmenü individuell einstellen kann und somit das Display entweder „Vollpacken“ oder fast frei von ablenkenden Anzeigen halten kann.
Der Durchsichtsucher ist für die Abbildung des 18=27mm-Objektivs vorgesehen, denn es paßt der entsprechende Rahmen gut in ihn hinein. Für das 35=53mm-Objektiv wird die Sucheranzeige optisch vergrößert, motorisch wird eine zusätzliche Linse vor den gesamten Sucher geschoben, so daß der Normalobjektiv-Rahmen den Sucher gut ausfüllt. Wird eine Festbrennweite zwischen 35 und 60mm angesetzt (entweder eines der Fuji-X-AF-Objektive oder ein manuelles Objektiv über die entsprechende Einstellung im Systemmenü), so schiebt die X-Pro1 die Lupe automatisch vor den Sucher, bei Zooms kann die Lupe manuell aktiviert werden, in dem der Sucherhebel für einige Sekunden betätigt wird.
Für alle Objektive zwischen 18 und 60mm wird der Sucherrahmen passend eingespiegelt, bei kleineren Brennweiten wird im Sucher ein Hinweis angezeigt, daß der Bildausschnitt größer ist als das angezeigte Bild; das gesamte Bildfeld des Suchers entspricht in etwa einem 15-mm-Objektiv, so daß das XC 16-50 durchaus ohne den Einsatz des Videosuchers genutzt werden kann.
Bei Brennweiten größer als 60mm wird der eingeblendete Sucherrahmen rot, weil er dann zu klein wäre, um den Bildausschnitt präzise wählen zu können. Die Sucherrahmen sind etwas kleiner als das aufgenommene Bild, sie entsprechen etwa 90% des effektivem Bildfeldes. Es ist also immer etwas „mehr drauf und drumrum“, als man gemeint hat. Das dient der Sicherheit gegen abgeschnittene Bilddetails.
Aber es gibt ja den zweiten Suchermodus: durch kurzes Betätigen des Sucherhebels wird der Einblick von Vorne durch einen motorisch angetriebenen Schieber verschlossen, so daß kein Umgebungslicht den elektronischen Videosucher verlagert. Dann funktioniert der Sucher wie bei jeder anderen Kamera mit Videosucher, d. H., man sieht durch das Objektiv das Bild, daß der Sensor aktuell registriert, in diesem Modus sind alle Objektiv-Brennweiten sinnvoll nutzbar. Und nur in diesem Modus machen alte adaptierte Manuellfokus-Objektive Sinn, es sei denn, man nutzt Weitwinkel-Objektive mit Arbeitsblenden um 8 und verläßt sich auf die Entfernungseinstellungen am Objektiv.
Der Sucher schaltet auf Wunsch durch einen Näherungssensor automatisch zwischen Display und Videosucher um. Beide lösen sehr fein auf, der Videosucher hat 1,4 Millionen Subpixel, das 3 Zoll große Display 1,23 Millionen, jedoch ist es fest eingebaut und kann weder geklappt, gedreht oder geschwenkt werden. Die hohe Pixelzahl ist der Tatsache zu verdanken, daß es je Bildpunkt vier Subpixel hat, neben Rot, Grün und Blau auch einen weißen Bildpunkt, deshalb ist es sehr hell und kann auch bei heller Umgebung gut erkannt werden.
Die Kamera hat eine elektronische Wasserwaage, die optional eingeblendet werden kann (nur für Kameradrehung, nicht für Neigung), dank des Hybridsuchers in beiden Suchermodi, also auch bei Verwendung des Durchsichtsuchers.
Die Umschaltung von Bildwiedergabe und Helligkeit sowie Ort der Menuanzeige ist etwas versteckt. Die Helligkeit wird im Systemmenü eingestellt, es gibt aber keine separaten Menüpunkte für Sucher und Display. Viel mehr ist es so, daß man den Wert für das Anzeigenelement einstellt, mit dem man das Menu ansieht! Auf dem Display angezeigt, stellt man die Display-Helligkeit ein, sieht man das Systemmenü im Sucher, dann stellt man auch die Sucherhelligkeit ein! Ähnlich verhält es sich mit der Bildanzeige, will man, daß eine Bildwiedergabe immer auf dem Display erscheinen soll, dann stellt man diesen Ort in der Wiedergabe durch Druck auf die „Vievmode“-Taste ein. Alternativ kann man diese Wiedergabe aber auch auf den Sucher legen, dann erscheint nach Druck auf die grüne Pfeilförmige Bildwiedergabetaste das angezeigte Bild immer im Sucher. Steht dieser im Durchsichtsmodus, schaltet die Kamera automatisch auf Wiedergabe um, solange das aufgenommene Bild wiedergegeben wird. Durch Druck auf den Auslöser wird dann der Videosuchernodus automatisch beendet.
Die Helligkeit der im Realbildmodus eingeblendeten Rahmen wird der Umgebungshelligkeit angepaßt, in dunklen Umgebungen dunkelt das eingespiegelte Display ab, bei heller Umgebung leuchtet es passend heller.
Zwischen Display und Sucher kann mit einem Augensensor umgeschaltet werden, es gibt drei mögliche Einstellungen: nur Display, nur Sucher oder automatische Umschaltung. Leider gibt es für Wanderungen keinen vierten Modus, den ich schmerzlich vermisse (Display aus, Sucher nur an, wenn Kamera am Auge). Man muß sich dann mit recht kurzer Standby-Zeit behelfen, damit nach 30 Sekunden oder einer Minute der Sucher abgeschaltet wird, damit die Kamera den Akku nicht leert, wenn zwischen zwei Aufnahmestandorten die Kamera nicht abgeschaltet werden soll.
Der Dioptrienausgleich ist leider umständlich: aus Platzgründen ist keine Dioptrienverstellung eingebaut, statt dessen müssen Korrekturlinsen mit 19mm-Gewinde eingeschraubt werden. Ab Werk wird eine gummierte Klarglasscheibe mitgeliefert, es ist darauf zu achten, daß sie gut festgeschraubt ist, sonst kann sie unterwegs herunterfallen und ist dann nicht mehr auffindbar.
19mm-Korrekturlinsen gab es von Nikon für beispielsweise die FE, FA, FM oder FM3a, die Linsen für die Profi-Nikons (F4, F5 usw.) passen nicht. Außerdem gab es um 2005 herum eine Kamera von Cosina für Rollfilm mit umstellbaren Formaten (6x4,5; 6x6 und 6x9), die in Deutschland von Voigtländer und in Japan von Fuji vertrieben wurde, deren Korrekturlinsen passen ebenfalls. Bei Nikon-Korrekturlinsen muß darauf geachtet werden, daß die Dioptrienzahl der Linse von dem echten Wert abweicht, bei einer Sehstärke von +4 ist eine Nikonlinse von +3 zu kaufen, hat die eigene Brille -3, so muß die Korrekturlinse -4 erworben werden. Also von der Brillenstärke immer eine Dioptrie abziehen, um die passende Nikonlinse zu erhalten. Das liegt daran, daß die Nikonsucher ab Werk bereits 1 Dioptrie korrigiert sind.
Bei den Cosina/Voitländer-Korrekturlinsen stimmt eingravierte Wert mit der Wirklichkeit überein, eine Subtraktion ist nicht erforderlich.
Trotzdem kann man nicht einfach eine zur Brille passende Korrekturlinse kaufen, denn die virtuelle Schärfelage von Videosucher und Durchblickbild unterscheiden sich. Wer also im Alter eine Gleitsichtbrille trägt, muß ausprobieren, mit welcher Korrekturlinse er den Sucher am besten in beiden Modi einsieht. Bekommt man später eine neue Gleitsichtbrille, kann auch eine andere Korrekturlinse nötig sein.
Ich habe eine Gleitsichtbrille, mit ihr kann ich den Sucher im Durchsichtsmodus gut einblicken und die Nahzone der Brille ist unten, so daß dies untere Anzeige mit den Belichtungsabgaben ebenfalls scharf ist. Dafür ist der obere Bildteil im reinem Videosuchermodus für mich etwas unscharf, denn die virtuelle Bildebene des Videobildes ist nicht „Unendlich“, sonder etwas davor liegend.
Das Parallaxenproblem zwischen Sucher und Objektiv ist elegant gelöst. Zum einen wird die Position des AF-Feldes auf Wunsch zweimal angezeigt, einmal an der Stelle, die sie bei Unendlich hat und einmal bei minimaler Nahdistanz. Trotzdem ist es bei näherer Fokussierung oft nötig, zweimal zu fokussieren, bis die AF-Feld-Marke an der Bildstelle sitzt, die man auch scharf haben will. Makros macht man besser im Videosuchermodus, dann gibt es keine Bildfeldverschiebung zwischen Sucher und Objektiv.
Benutzung der X-Pro1 mit manuell zu fokussierenden Objektiven
Die Kamera unterstützt die Verwendung von alten Manuellfokusobjektiven durch eine farbliche Hervorhebung scharfer Bildkanten (Fokus-Peaking) im Videosuchermodus, leider nur in Weiß, nicht in Rot. Außerdem ist in der X-E2 kein interner Bildstabilisator eingebaut, analoge Schätzchen können somit nicht „entwackelt“ werden.
Von Fuji gibt es einen Adapter mit Chip für Leica-M-Objektive, mit Hilfe dessen Objektivfehler wie Verzeichnung, chromatische Aberrationen oder Vignettierung per Menu bereits während der JPG-Aufnahme korrigiert werden können bzw. bei RAWs dank eingetragener Korrekturparameter ohne spätere Objektivauswahl im RAW-Konverter.
Adapter ohne CPU für unzählige Bajonett-Typen sind preiswert von Drittanbietern erhältlich, bei deren Benutzung die genannten Objektivfehler aber nur später in der Bildbearbeitung am Computer korrigiert werden können, weil die entsprechenden Menüpunkte von Fuji gesperrt sind, wenn nicht der Fuji-Adapter angesetzt ist.
Im Kameramenü können 6 manuelle Objektive eingegeben werden, wobei die Brennweiten von Objektiv 1 bis 4 fest vorgegeben sind (21mm, 24mm, 28mm und 35mm), lediglich bei Objektiv 5 und 6 kann die Brennweite frei eingestellt werden. Es ist also nicht möglich, schnell zwischen 50, 135 und 200 mm umzuschalten, sondern für eine dieser Brennweiten muß man die mm-Angabe beim Objektivwechsel jedes mal umstellen.
Ich vermisse die von der digitalen mFT-Olympus Pen F her bekannte Funktion, dem Objektiv sowohl einen Namen zu vergeben (der dann in die Bild-EXIFs eingetragen wird) als auch die aktuell eingestellte Blende angeben zu können. Bei der X-Pro1 steht lapidar „1.0“ für die Blende in den Bilddaten, nur die ausgewählte Brennweite kommt in die EXIFs und der Objektivname bleibt leer. (Zur Ehrenrettung der Fuji Firmwareprogrammierer: Nikon ist noch radikaler, beim „Z“-System kann man bei den meisten Kameramodellen und Verwendung von Adaptern ohne Chip zwar Brennweite und Blende im Menu einstellen, aber in den EXIFs wird überhaupt nichts eingetragen!)
Ich habe einige Adapter „aus China“ gekauft, die von verschiedenen Anbietern unter eigenem Namen importiert wurden. Es hat mich zu Anfang gewundert, daß die Adapter fast alle „zu kurz“ waren, d. h., es konnte „hinter“ unendlich fokussiert werden. Zum einen kann man so Objektive mit defekten Unendlichanschlag nutzen, zum anderen kann der Adapterhersteller bei den Fertigungstoleranten weniger genau (=billiger) arbeiten.
Nur stört es mich, wenn ich unterwegs ständig für Unendlich-Aufnahmen nachfokussieren muß und nicht wie bei den alten manuellen SLRs gewohnt „auf Anschlag“ arbeiten kann. Ich habe meine Adapter durch Unterlegen von dünnen Metallblechen aus dem Werkzeugbau um die entscheidenden Hundertstel ausgeglichen, so daß ich wieder bei etlichen Motiven ohne Fokussierungskontrolle in der Sucherlupe arbeiten kann.
Außerdem hat ein fehlerhaftes Auflagemaß des Adapters eine üble Nebenwirkung bei der Benutzung etlicher sehr guter Objektive: Zur Korrektur der Bildfeldwölbung im Nahbereich haben diese Objektive „Floating Elements“ oder „CRC = Close-Range Correction“. Das funktioniert aber nur, wenn eingestellte Motiventfernung und tatsächliche Motiventfernung übereinstimmen! Erfordert der Adapter eine Einstellung von 2 Metern am Objektiv bei Unendlich des Motivs, gibt es insbesondere bei großen Blendenöffnungen unscharfe Bildecken. (Als Beispiel seien das 2,8/24 AI-Nikkor, das 2,0/28 MC-Rokkor oder das Olympus Auto-Macro 2/50 genannt.)
Des weiteren ist es mit zu kurzen Adaptern nicht möglich, sich auf die Entfernungsangaben der adaptierten Objektive zu verlassen, sondern bei jeder Aufnahme muß mit der Sucherlupe die Schärfe kontrolliert werden.
Benutzung der X-Pro1 mit originalen Fuji Autofokus-Objektiven
Zusammen mit der Kamera wurden drei Festbrennweiten vorgestellt, ein 2/18mm (27mm KB-äquivalent), ein 1,4/35 (53mm) und ein 2,4/60mm Makro (90mm). Inzwischen hat Fuji das Objektivangebot stark erweitert, von 8 bis 500mm gibt es Zooms bzw. Festbrennweiten, so daß KB-Äquivalenzen von 12 bis 750mm abgedeckt sind.
Die 18 bzw. 35mm-Objektive entsprechen klassischen Meßsucher-Objektiven, 28 und 50mm sind dort weit verbreitet, jedoch fehlte eine Entsprechung für das 35mm-KB-Weitwinkel anfangs, wurde aber mit dem 1,4/23mm-Objektiv bald nachgereicht.
Die Fokussierung erfolgt über Kontrasterkennung auf dem Bildsensor, erst die zweite Generation der X-Trans-Sensoren bekam Phasen-AF-Sensoren eingebettet. Für einen Kontrast-AF von 2012 ist die Kamera zwar recht flott, aber Actionszenen sind nicht ihr Metier, sondern eher Landschaft, Porträt oder die Streetphotografie.
Wie oben bereits erwähnt, hat die Kamera kein „Moduswahlrad“, wie man es von den meisten anderen Digitalkameras her kennt. In manchem zeitgenössischem Testbericht stieß das den Rezensenten übel auf, daß die Kamera nicht schnell von „A“ auf „P“ oder „Vollautomatik“ gestellt werden kann. Zwar ist das meiner Meinung nach Meckern auf hohem Niveau, denn das Konzept „P“ = „A“ am Objektiv und „A“ des Zeitenrads ist eigentlich logisch, denn das hatten ja schon die ersten Programmautomatikkameras der späten 1970er und frühen 1980er Jahre, z. B. die Minolta X-700 oder die Canon A-1.
Fuji-X-Objektiv und -Kamera tauschen sich über ein ausführliches digitales Protokoll aus, zum Aufnahmezeitpunkt werden alle Objektivparameter in den MakerNotes-Teil der EXIFs eingebettet, darunter alle nötigen Angaben, um Objektivfehler (z. B. Vignettierung oder Verzeichnung) digital „geradebiegen“ zu können. Bei vielen XF-Objektiven ist zusätzlich ein „LMO“ aktiv (Lens Modulation Optimizer), er soll unter anderem z. B. Unschärfe durch Beugung bei kleinen Objektivblenden und die Randunschärfe durch digitale Bildaufbereitung verringern. Prinzipbedingt funktioniert das aber nur mit kameraintern erzeugten JPEGs, nicht mit RAWs, die am Computer gewandelt werden, auch nicht mit dem offiziellen und kostenlosen Fuji-RAW-Konverter. Dieser ist nämlich sehr speziell, er „entwickelt“ die Bilder nicht mit dem Computerprozessor, sondern nutzt den Bildprozessor einer angeschlossenen Fuji-X-Kamera als „Entwickler“. Das funktioniert aber nur mit Kameras, die diesen Modus unterstützen (was die X-Pro1 nicht tut) und mit RAWs der zur Kamera passenden Sensorklasse (die keine X-Kamera hat, die zur externen RAW-Entwicklung genutzt werden kann).
Fuji hat zwei Objektivlinien XC (X Compact) und XF (X Fine?). Erstere sind kostenoptimierte Kitzooms, sie haben ein Kunststoffbajonett und werden in China hergestellt, letztere sind die besseren Fuji-Objektive, es gibt sowohl Zooms als auch Festbrennweiten, viele sind „Made in Japan“. XF-Objektive haben einen elektronischen Blendenring, mit dessen Hilfe die Blende vorgewählt wird. Da dieser Ring bei den XC-Linsen fehlt, muß man dafür das hintere Drehrad der Kamera nutzen. Die XC-Objektive kamen erstmals 2013 zusammen mit der preiswerten X-M1 auf den Markt, diese hat keinen eingebauten Sucher, sondern nur ein Display und wendet sich genauso wie die XC-Objektive an Einsteiger.
Es gibt zwei Arten von Blendeneinstellringen bei XF-Objektiven: de seltenere Art hat einen Umschalter zwischen A und manueller Blendenzahl sowie ein nicht beschriftetes Drehrad, die meisten Objektive habe eine A-Marke auf dem Blendenring und darauf stehende Blendenwerte. Aber in beiden Fällen erfolgt die Verstellung der Blende immer elektrisch, die Blendenringe sind ohne mechanische Verbindung zu den Blendenlamellen. Ebenso der Fokusring, bei manueller Scharfstellung erden immer elektrische Impulse an die AF-Motoren übertragen, es gibt keinerlei mechanische Verbindung zwischen Fokusruing und den zur Fokussierung bewegten Linsen.
Fuji baut in fast allen X-Kameras keinen internen Bildstabilisator ein, dieser ist statt dessen in vielen Objektiven vorhanden. Diese OIS (Optical Image Stabilizer) in der Bezeichnung. OIS-II ist moderner und effektiver. Manche Objektive wurden in verschiedenen Versionen gebaut, manchmal unterscheiden sie sich nur in der Art des Bildstabilisators (OIS oder OIS II), manchmal in der Art der Abdichtung (wie beim 10-24 OIS, das es in der ersten Version ohne und in der zweiten Version „WR“ = „Weather Resistant“ mit Dichtungen gab, manchmal wie oben erklärt in der Art des Blendenringes (beispielsweise auch beim 10-24 R bzw. WR) oder in der verbesserten optischen Rechnung der Neuauflage.
Meine Erfahrung ist: wie bei allen Bildstabilisierungen (egal ob durch Sensorbewegungen oder durch bewegliche Linsen im Objektiv) sollte man den Herstellerangaben nicht blind trauen, sondern der alten Regel: „1 geteilt durch KB-äquivalente Brennweite = Belichtungszeit“ folgen und dann drei Belichtungsstufen „länger“ als noch brauchbar annehmen sowie immer mehr als ein Bild anfertigen, von dem dann hoffentlich eines scharf und unverwackelt ist.
Beispielaufnahmen
Alle Aufnahmen wurden gespeichert als RAF, gewandelt mit Adobe Camera RAW und bearbeitet mit Photoshop CS6. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten sowie Schärfe wurden korrigiert, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. Aufnahmeparameter und 100%-Ausschnitte sind einmontiert, verwendet habe ich das XC 16-50 OIS.
Qualitäts- und sonstiger Eindruck der Kamera
Das Gehäuse der Fujifilm X-Pro1 ist ein deutlich gehobenes Aufsteigermodell, es besteht fast komplett aus Metall, lediglich die Deckel für die Schnittstellen und das Akku-/Kartenfach sowie der „Handgriff“ vorne ist aus Kunststoff bzw. gummiartigem Material. Die verwendeten Materialen wirken wertig, jedoch ist die aufgebrachte Lackierung nicht abriebfest, bereits nach wenigen Blitzeinsätzen ist am Blitzschuh meiner Kamera an einer Stelle „der Lack ab“.
Mein 2026 gebraucht erworbenes Exemplar hatte eine unbekannte Zahl von Auslösungen beim Vorbesitzer machen müssen, zwar hat er die Bildnummerierung nicht umgestellt (die Kamera zählte kontinuierlich weiter), aber die Ordnernummer stand auf 999, was aber umwahrscheinlich ist, daß diese Nummer die Auslöserzahl repräsentiert, denn dann hätte die Kamera ja fast 900.000 Aufnahmen gemacht. Möglicherweise „verschluckt“ sich die Kamera beim längeren Liegen ohne Akku oder durch einen anderen Umstand, denn beispielsweise zeigt eine 2012 von Digitalkamera.de getestete Kamera ein identisches Verhalten, eine Aufnahme des Kameramonitors bei der Bildwiedergabe eines damals angefertigten Fotos lautet „999-9232“ und ist auch heutzutage noch einsehbar.
Mir hat das beim erstem Fotoausflug nach dem Kamerakauf erhebliche Probleme gemacht, nach etwas 1000 Bildern stellte die X-Pro1 den Dienst ein, mehr als die Fehlermeldung „Bild Nr. Voll“ war ihr nicht zu entlocken, auch das Wechseln der Karte half nicht. Die Kamera muß im Menu einmalig im Menu auf „Bildnummer Neu“ gestellt werden, ein Foto gemacht und danach auf „Bildnummer kontinuierlich“ zurückgestellt werden. Auf die Karte mit Bild „999-9999“ können aber keine weiteren Aufnahmen gemacht werden, auch wenn sie noch Platz haben sollte. Ich mußte eine andere Karte verwenden, um den Fotoausflug fortsetzen zu können. Gut, daß ich mehr als eine dabei hatte!
Der oben näher beschriebenen X-Trans-Sensor hat keinen Antialiasing-Filter, somit sollten die Bilder bereits im RAW sehr scharf sein, und Farbverfälschungen bei schräg auftreffenden Randstrahlen sollten ebenfalls nicht auftreten (insbesondere alte Weitwinkelobjektive für manuelle Spiegelreflexkameras sind nicht telezentrisch, d. h., die Randstrahlen treffen schräg auf den Sensor bzw. Sperrfilter und nicht senkrecht wie bei aktuell für digitale Kameras neu gerechnete Objektive).
Wie bei spiegellosen Kamera leider üblich: Der Verschluss ist beim Objektivwechsel offen, dann kann Staub und klebriger Pollen auf den Sensor gelangen. Ich habe recht oft Dreck auf Sensoren, den die kamerainterne Reinigung nicht wegbekommt, sondern nur eine „Naßreinigung“ mit Hilfe von Reinigungszubehör hilft. Außerdem ist der Verschluss auch beim Zoomen offen, so daß die „Luftpumpeneffekt“ der Zoomobjektive ebenfalls Staub auf den Sensor transportiert. Spiegelreflexkameras sind da im Vorteil, da der Verschluss und der heruntergeklappte Spiegel den Sensor die meiste Zeit schützen und der Dreck nur während der kurzen Belichtungszeit auf den Sensor gelangen kann.
Die neutrale Stellung des Belichtungskorrekturrades könnte stärker rasten als die anderen Einstellpositionen oder die Nullstellung sogar verriegelt sein. Ab und an verstellt sich das Rad ungewollt und die entsprechende Anzeige im Sucher kann im Eifer des Gefechts übersehen werden. Wer dann nicht RAW fotografiert hat, bekommt unter Umständen unbrauchbare Bilder.
Das hintere Daumenrad dreht sich zu leicht. Eigentlich hat es als Funktion im Auslieferungszustand der Kamera die Einstellung der Blende, sofern das Objektiv keinen Blendenring hat. Dummerweise liegt direkt „neben“ der „A“-Stellung für Blendenautomatik bzw. Programmautomatik die kleinste Blende. Aufgrund der Beugung sind dann die Bilder sichtbar unscharf und je nach Lichtverhältnissen auch noch verwackelt.
Ich habe darum dieses Rad per Systemmenü umgeschaltet und fotografiere mit meinen XC-Objektiven entweder im „Deppenmodus“ Programmautomatik oder mit Blendenautomatik bei Zeitvorwahl. Aber auch dann ist das Rad noch aktiv: es übernimmt den Program-Shift, also die Verschiebung der Zeit-Blendenkombinationen. Das ist im Sucher aber wesentlich besser erkennbar: die weiße Anzeige für Zeit und Blende in „Grundstellung“ wird bei aktiviertem Programmshift gelb.
Der Sucher hat eine leider zu kleine Gummiumrandung, ich als Brillenträger werde dann von Front- bzw. Seitenlicht stark gestört und muß teilweise sogar das Brillenglas mit der Hand abschatten, damit ich die Sucheranzeige ungestört betrachten kann. Bei anderen Kameras ist die Augenmuschel wesentlich ausgeprägter und schirmt Streulicht stärker ab.
Das Display ist fest eingebaut, also weder schwenk- noch drehbar. Es ist auch nicht berührungsempfindlich. Wie üblich sollte die Kratzschutzscheibe durch Aufkleben einer weiteren Folie aus dem Zubehörhandel gegen Beschädigungen gesichert werden.
Die Akkulaufzeit ist nicht besonders gut, zwar sind Sucher und Display sehr hell und auch bei Sonne gut zu erkennen, aber sowohl das ständige Sensorauslesen, der OIS der Objektive als auch der Videosucher / die Rahmeneinblendung in den optischen Sucher bzw. das Display „ziehen“ gewaltig am Akku. Ich habe immer mindestens zwei Ersatzakkus dabei und bei längeren geplanten Fototouren sogar drei, denn oftmals „reicht“ ein frischer Akku nur für 200 Aufnahmen, sofern der Videosucher oder das Display verwendet werden. Im Durchsichtsmodus steigt die Zahl der möglichen Aufnahmen, zwar ist das kleine Display im Sucher oft eingeschaltet, aber der Sensor und der Bildprozessor sind nur bei der Aufnahme aktiv, nicht während der Bildvorschau.
Der Serienbildmodus ist mit 3 oder 6 Bildern pro Sekunde durchaus ausreichend, aber beim Fotografieren im RAW-Modus ist der Bildpuffer nach etwa 10 Bildern gefüllt, danach sinkt die Schreibrate auf etwa ein Bild alle zwei Sekunden. Außerdem „hinkt die Kamera hinterher“, sie merkt sich zwei bis drei „Aufnahmewünsche“ des Fotografen und löst aus, auch wenn der Finger schon lange vom Auslöser weg ist. Viele Bilder vom Weg vor der Kamera oder dem Bauch des Fotografen entstehen auf diese Weise und verschwenden nur Platz auf der Speicherkarte.
Die Bildqualität der X-Pro1 ist sehr gut, 800 ASA sind problemlos nutzbar, auch 1600 ASA sind noch recht gut einsetzbar. Die maximalen 25.600 ASA sind hingegen nur ein Notbehelf.
Fazit
Die Fujifilm X-Pro1 ist zur Benutzung mit alten Manuellfokus-Objektiven recht gut geeignet. Die Kantenhervorhebung (das Fokus-Peaking) ist brauchbar, leider ist die Farbe nicht umstellbar.
Die Verwendung mit Autofokus-Objektiven ist ebenfalls ohne Fehl und Tadel, die AF-Trefferquote ist hoch und die AF-Geschwindigkeit für reine Kontrasterkennung recht flott, allerdings fotografiere ich keine Sportszenen, sondern vor allem statische Motive. Jedoch hatte ich einige Male Probleme nahe kleine Objekte vor weiter entferntem Hintergrund scharf zu stellen, obwohl ich den Videosucher nutze. Möglicherweise ist das AF-Feld einfach zu groß für meine kleinen Frontdetails gewesen.
Obwohl die Kamera bereits etliche Jahre alt ist (heutige Systemkameras sind dank schnelleren Prozessoren nochmals flotter) und „nur“ 16 Megapixel auflöst, ist sie heutzutage immer noch sehr gut für fotografische Zwecke einsetzbar (bis 1600 ASA), für die meisten Anwendungen sind keine 24, 36 oder gar 48 Megapixel erforderlich.
Die kamerainterne JPEG-Engine ist sehr gut, es muß nicht immer in RAW fotografiert werden. Die Belichtung „sitzt“ meist perfekt, ausgefressene helle Bilddetails kamen nur selten vor, aber dann reicht es ja, am Belichtungskorrekturrad zu drehen und eine weitere Aufnahme mit kürzerer Belichtungszeit zu machen.
Ich wollte schon immer eine Kamera aus der X-Pro-Serie kaufen, aber sie waren mir bislang erheblich zu teuer. Dank der Inzahlungnahme eines von mir nicht mehr genutzten schweren Telezooms der 1:2,8/70-200-Klasse konnte ich mir die Fuji aber gönnen und habe deshalb zugeschlagen, obwohl der Sensor eine Generation älter ist der aus als meiner ansonsten genutzten X-E2. Es macht Freude, mit dem optischem Sucher zu fotografieren, mein XC16-50 deckt er problemlos ab und eine elektronische Wasserwaage sowie Gitterlinien zeigt er als Einblendung auch an.
Christian Zahn, Oktober 2026
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| Autor: | Christian Zahn |
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| Erstellt: | 8.10.2026 |


















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