JVC GR-DVL100 Camcorder Kurzbericht von Christian Zahn
Diesmal stelle ich keine Digitalkamera vor, sondern einen digitalen Camcorder, der auf Videos miniDV-Kassetten aufzeichnet und eine Fotofunktion hat, bei der 6 Sekunden lange Standbilder aufgenommen werden.
Spezifikationen:
- Der 1999 vorgestellte JVC GR-DVL100 ist 80 x 96 x 170 mm groß und wiegt mit Akku und Kassette 560 Gramm.
- Der 1/4“ CCD-Sensor (3,6x2,7mm) löst maximal 720 x 576 Pixel = 0,4 Megapixel (0,8 Megapixel Rohdaten) auf. Die Motion-JPG-Filme werden mit Stereo-Ton auf MiniDV-Kassetten gespeichert (Datenrate ca. 17 GB pro Stunde) gespeichert.
- Das Objektiv ist ein 1:1,8/3,6+36 mm 10fach-Zoom, die kb-äquivalente Brennweite beträgt ungefähr 35-350 mm
- Das Motiv wird über einen 0,4“ TFT SW Video-Monitor mit angezeigt, der auch die Menüsteuerung übernimmt. Zusätzlich ist ein dreh- und schwenkbares 2,5“-Farbdisplay vorhanden.
- Entfernungseinstellung kontinuierlicher Autofokus (AF-C), Ermittlung durch Kontrasterkennung des Bildsensors
- Belichtungssteuerung durch Vollautomatik
- im Gehäuse integrierte Videoleuchte
- Weißabgleich automatisch oder manuell
- Bildstabilisierung rein elektronisch
- Bild-Schnappschußmodus für 6 Sekunden-Standbilder (Aufzeichnung auf Kassette)
- Energieversorgung durch Lithium-Ionen-Akku
Besonderheiten
Die Victor Company of Japan, Yokohama wurde bereits 1927 gegründet und ist der Erfinder des VHS-Standards und dessen verbessertem Nachfolgers S-VHS. JVC war seit 1954 ein Schwesterunternehmen von Panasonic und gehörte zum Matsushita-Konzern, 2007/8 erfolgte der Verkauf an Kenwood.
MiniDV ist ein um 1996 eingeführter digitaler Videostandard, die Aufzeichnung erfolgt zwar immer noch wie bei den analogen Camcordern auf ein Magnetband, aber die Daten werden digital codiert. miniDV nutzt eine wesentlich kleinere Kassette als das damals im Fernsehbereich genutzte professionelle DV. Die digitale Codierung beider Systeme ist gleich, die Auflösung und Bildrate entspricht dem PAL-Fernsehbild, also 720x576 Pixeln und 50 Halbbildern pro Sekunde. Der Ton wird ebenfalls digital aufgezeichnet, entweder mit CD-Qualität in Stereo oder in reduziertet Qualität, dafür aber mit 4 Tonkanälen gleichzeitig.
Bis etwa 2009 waren Camcorder für den Heimanwender auf dem Markt, sie wurden laufend kleiner und billiger, die letzten Geräte waren kaum größer als 4 Kassettenhüllen. Da das Videoaufzeichnungverfahren digital ist, lassen sich die Videos nahezu verlustfrei schneiden und kopieren, darum haben viele miniDV-Camcorder nicht nur einen analogen Videoausgang zum Ansehen der Filme auf dem Fernseher, sondern einen FireWire-Anschluß zum Überspielen der Filme auf den Computer. Apple-Computer von etwa 2000 bis 2012 hatten einen solchen Anschluß ab Werk eingebaut, in Windows-Computer mußte eine Schnittstellenkarte nachgerüstet werden, heutzutage gibt es Adapter für USB-C auf FireWire.
Die Videoqualität von miniDV ist dem VHS-System weit überlegen, sie ist auch besser als Super-VHS und theoretisch sogar besser als die Aufzeichnung, die auf Video-DVDs zum Einsatz kommt. Limitierender Faktor für die Bildqualität ist der Aufnahmesensor und die Autofokus- und Helligkeitssteuerung des Camcorders, professionelle Broadcast-Geräte für Fernsehanstalten sind den Amateur-Camcordern deutlich überlegen gewesen.
Ähnlich wie bei VHS gibt es bei miniDV einen zwischen allen Geräten kompatiblen „SP“ = „ShortPlay“-Modus und einen inkompatiblen „LP“=„LongPlay“-Modus, bei dem die Kassette langsamer und somit länger läuft. Jedoch liegen dann die im Schrägspurverfahren mit rotierender Magnetkopftrommel aufgezeichneten Daten so dicht beieinander, daß fast immer nur der Aufnahme-Camcorder das Band lesen kann und kein anderes Gerät.
Im miniDV-Standard war eine digitale Aufzeichnung von Standbildern auf einen Speicher-Baustein in der Kassette vorgesehen, dieser wurde aber praktisch nie genutzt. An jeder miniDV-Kassette sind in der Nähe des grünen Überschreibschutzschiebers vier Vertiefungen zu erkennen, dort sollten Kamera und Kassette miteinander kommunizieren und Standbilder aufnehmen. Die Bilder sollten dann wie bei Digitalkameras über eine serielle Schnittstelle in den Computer übertragen werden.
Der hier gezeigte Camcorder nutzt statt dessen zur Aufnahme von Standbildern die normale Kassette und zeichnet 6 Sekunden lang ein Standbild auf, der Ton wird solange ganz normal über das eingebaute Mikrofon aufgenommen. Die Art des Standbildes ist änderbar, es gibt einen formatfüllenden Modus, einen mit einem Animation eines simulierten Verschlusses (inkl. eingeblendetem Spiegelreflex-Verschlußgeräusch), einen Modus mit einem Polaroidbild-Rahmen usw.
Die Bildqualität der Standbilder ist nicht gut, denn es werden ja nur Halbbilder aufgezeichnet, die horizontale Auflösung ist dadurch nur halb so groß wie im Videomodus. Darum haben die „Kamera“-Standbilder deutliche Treppenstufen an diagonalen Strukturen, die aus Videos extrahierten Einzelbilder wurden von der Wiedergabesoftware an meinem Rechner interpoliert, d. h., diese zeigte zwei aufeinanderfolgende Halbbilder als Standbild an.
Die Videoqualität bei der kontinuierlichen Wiedergabe erscheint besser als im Stehbldmodus, denn das menschliche Auge ist träge und kann bei Bewegungen auch nicht gut scharf sehen.
Die Stromversorgung erfolgt durch einen Lithium-Akku, der nur in JVC-Camcorder paßt. Den Akku gab es damals in verschiedenen Größen nachzukaufen, denn bei eingeschalteter Videoleuchte hält der mitgelieferte Akku nicht allzulange durch. Und es gab sehr große Akkus, die über ein Kabel mit der Kamera verbunden wurden und für viele Stunden Aufnahmebetrieb reichten.
Unter dem Akku ist die Netzteilbuchse angebracht, das mitgelieferte Akkuladegerät dient auch als Netzteil.
Die Kamera hat relativ wenig Bedienelemente, an der Oberseite befinden sich die Bedientasten für den Wiedergabemodus, neben dem hochklappbarem Videosucher der Zoomhebel (mit verschiedenen Geschwindigkeiten), der Standbildauslöser, eine Mode-Taste und ein Multifunktionsdrehrad mit Druckfunktion, das auch zum Aufrufen des Menüs dient. Hinten ist der Hauptschalter angebracht, er hat Stellungen für die Wiedergabe und vollautomatische sowie teilmanuelle Aufnahme und den roten Videostartknopf in seiner Mitte. Unter dem Klappdisplay ist der Schiebeschalter für die Videoleuchte angebracht. Dort finden sich auch die serielle Schnittstelle zur Standbild-Übertragung an den Computer und eine spezielle JVC-Fernsteuerbuchse, an die entweder die mitgelieferte Fernbedienung oder ein JVC-DV-Videorekorder angeschlossen werden kann.
Die Ausgänge für analog-Video, S-Video und FireWire sind neben dem Objektiv hinter einer Gummiklappe verborgen, daneben ist auch der Infratorempfänger angebracht.
Gehalten wird die Kamera entweder mit einer Handschlaufe, die so angebracht ist, daß der Daumen die Aufnahmetaste gut erreicht und der Zeigefinger den Zoomhebel und das Drehrad. Wie üblich: das geht nur mit der rechten Hand.
Außer dem wechselbarem Akku ist in der Kamera noch eine kleine Lithiumbatterie eingebaut, die Datum und Uhrzeit puffert, solange kein Akku angebracht ist. Diese Batterie und die Lampe der Videoleuchte kann nur der Service tauschen.
Das Objektiv hat einen zehnfachen Zoombereich und eine Offenblende von 1:1,8, zusätzlich gibt es noch Digitalzoom. Das Filtergewinde beträgt 37mm, eine Streulichtblende war nicht im Lieferumfang und auch nicht von JVC erhältlich, ich habe mir mit einem Adapter 37-49mm und einer Streulichtblende aus meinem Fundus beholfen.
Weil das Objektiv keinen richtigen Weitwinkelbereich hat, gab es einen einschraubbaren Weitwinkelkonverter GL-V0637 (0,6x).
Die Bildstabilisierung arbeitet rein elektronisch, der Sensor hat 0,8 Megapixel, das aufgezeichnete Bild 0,4 Megapixel. Der aktuelle Bildausschnitt des ausgelesenen Bildes wird durch den Bildprozessor so verschoben, daß das Videobild möglichst wenig wackelt. Weil das ohne Sensoren und nur durch Analyse des Bildes geschieht, ist dieses Verfahren nicht so effektiv wie eine optische Stabilisierung.
Ein Hinweis: es wird allgemein gewarnt, magnetische Medien in der Nähe von Magneten zu lagern. Ich bekam 7 bespielte Kassetten und wollte diese schnell löschen, indem ich sie auf ein Entmagnetisiergerät für den Maschinenbau legte, das schnell wechselnde starke Magnetfelder erzeugt. Es ist mir damit nicht gelungen, die fremden Aufnahmen unbrauchbar zu machen. Letztlich habe ich auf alle Kassetten jeweils eine Stunde lang ein weißes Blatt Papier aufgenommen.
Das heißt aber nicht, daß andere Magnetfelder miniDV auch nicht löschen, vermutlich habe ich nur das richtige nicht gefunden…
Die UVP des JVC GR-DVL100 betrug etwa 2000 DM / 1000 Euro, der Straßenpreis war Mitte 2000 auf etwa 1500 DM gefallen. Wer einen originalen JVC-Akku für 129 DM kaufte, bekam eine Kassette im Wert von etwa 15 DM gratis mitgeliefert.
Ich bekam mein Exemplar Anfang 2026 geschenkt, vielen Dank an den Stifter! Der Zeitwert ist auf etwa 10 bis 50 Euro je nach Zustand und Lieferumfang gesunken.
Qualitäts- und sonstiger Eindruck
Das Gehäuse des Camcorder besteht äußerlich komplett aus Kunststoff, im Inneren hingegen ist viel Metall verbaut, insbesondere für das Kassettenlaufwerk. Der Camcorder gehört zur Klasse der etwas gehobenen Einsteiger-Modelle, es gab damals einige günstigere und viele teurere Geräte.
Die Bild- und Videoqualität hat mich nicht überzeugt, die gedrehten Videos sehen nur auf dem eingebautem Display gut aus, am Computer angesehen erkennt man, daß der Kontrastumfang des Sensors gering ist, helle Motivdetail werden schnell überbelichtet und dunkle Bildteile sind mehr oder minder schwarz. Dementsprechend überzeugen auch die Standbilder nicht. Kein Wunder, daß die Camcorder Mitte der 2000er-Jahre ihr Ende fanden, denn die Qualität Video-Aufzeichnung der dann auf dem Markt befindlichen Digitalkameras schlug miniDV. 640x480 Pixel und 25 Vollbilder ist zwar theoretisch schlechter als miniDV, aber praktisch besser als das, was aus dem JVC-Camcorder kommt. Und dessen Standbilder waren bereits im Jahr 2000 veraltet. Und seit etwa 2008 gab es bereits Kompaktkameras, die 1280x720 Pixel-Videos drehen konnten.
Fazit: ein digitalkamerahistorisch durchaus interessantes Gerät (einen MiniDV-Camcorder sollte man in der Sammlung haben), heutzutage zum ernsthaften Bildermachen oder Videos drehen überhaupt nicht mehr geeignet.
Christian Zahn, März/April 2026
Kleiner Video-/Videostandbild-Nachtrag

Zum Jahreswechsel 2022/2023 ging mir eine Sharp VN-EZ1 mpeg-4 ins Sammlernetz.
Natürlich liegen zwischen Christians KVC GR-DVL100 und der Sharp VN-EZ1 mpeg-4 Welten, aber die Sharp-Standfotos und besonders das Video "Mäuse-Trash-Kino" wollte ich nicht vorenthalten.
Ralf Jannke
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| Autor: | Christian Zahn |
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| Erstellt: | 31.03.2026 |











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