Medion MD6000 Kurzbericht von Christian Zahn

Hier stelle ich eine weitere Kompaktkamera vor. Auch dieses Exemplar meiner Sammlung ist nicht mehr einwandfrei.

Spezifikationen

  • Die Ende 2002 vorgestellte Medion MD6000 ist 116 x 73 x 62 mm groß und wiegt ohne Akku und Speicherkarte 105 g.
  • Der CCD-Sensor (1/1,8“) löst maximal 2272 x 1704 Pixel  = 4 Megapixel auf. 100 ASA sind unveränderlich. Videos sind nicht möglich. Bilder werden als JPEG auf CompactFlash-Karten (max. ca 512 MB) gespeichert.
  • Das Objektiv ist ein 8-24 mm/1:3,4-3,6 3-fach Zoom, die kb-äquivalente Brennweite beträgt 38-114 mm.
  • Das Motiv wird über einen abschaltbaren 1,8“ TFT LCD Monitor mit 48.400 Subpixeln angezeigt, der auch die Menüsteuerung übernimmt. Zusätzlich ist ein optischer Realbildsucher sowie ein SW-LCD-Schulterdisplay vorhanden.
  • Entfernungseinstellung Einzel-Autofokus (AF-S), Ermittlung durch Kontrasterkennung des Bildsensors
  • Belichtungssteuerung durch Vollautomatik, Matrixmessung. Belichtungszeiten 2s bis 1/500 sek., Selbstauslöser mit 10 s Vorlaufzeit
  • im Gehäuse integrierter Blitz mit ca. Leitzahl 10
  • Weißabgleich automatisch
  • keine Bildstabilisierung
  • Energieversorgung durch 4 Mignon-Batterien

Besonderheiten

  • Die MD6000 (MD = Medion Digitalkamera) ist eine OEM-Auftragsproduktion, hergestellt in Taiwan für die Medion AG, Essen, vertrieben bei Aldi Nord, Essen. (Kameras bei Aldi Süd, Mülheim, wurden auch von Medion importiert, liefen aber lange Zeit unter dem abweichenden Markennamen „Traveler“.)
  • Der Hersteller war Scanhex. Die Kamera wurde auch als Jenoptik JD4100, Minolta Dimage 2330, Rollei D23, Medion MD9700, Maginon SX41 OZ, LifeTec LT5995 und Scanhex SX41 OZ verkauft. Alle Varianten unterscheiden sich nur in Gehäusedetails, technisch sind sie alle gleich.
  • Die Kamera verwendet 4 fast überall erhältliche Mignonzellen, Akkus und Batterien können benutzt werden.
  • Der Gehäuseblitz ist fest eingebaut. Die Blitzbelichtungsmessung erfolgt vermutlich TTL mittels Vorblitz.
  • Das Objektiv beginnt bei dem für Billigkameras durchaus normalem Weitwinkel von 38mm und reicht nur bis 114 mm.
  • Das Display ist nicht durch eine Schutzscheibe vor mechanischen Beschädigungen geschützt. Die Auflösung mit nur knapp 50.000 Subpixeln war damals nicht mehr klassenüblich, eine Schärfenbeurteilung ist damit völlig unmöglich, die Belichtungskontrolle schwierig, es reicht gerade so, um den Bildausschnitt zu wählen.
  • Es sind nur die allernotwendigsten Tasten vorhanden, das Modusrad hat auch nur vier Stellungen: „Aufnahme“, „Wiedergabe“, „PC-Verbindung“ und „Setup“. Das Steuerkreuz wird auch zum Zoom-Verstellen benutzt.
  • Das Display ist zu Stromsparmaßnahmen abschaltbar, dann kann mit einem Realbildsucher ohne Bildfeldmarken und Parallaxmarken, aber immerhin mit zwei Kontroll-LEDs für AF und Blitz. Zur Unterstützung gibt es ein Schulterdisplay mit Restbildanzeige, Batteriestatus und Blitzmodus-Anzeige.
  • Die USB-Buchse ist für eine Kamera "die falsche", es ist eine Buchse eingebaut, die normalerweise im Computer vorhanden ist. Somit ist zur Verbindung ein Spezialkabel mit zwei gleichen Steckern an beiden Enden erforderlich. Für Video- und Netzteilbuchse können hingegen handelsübliche Kabel benutzt werden.
  • Die Kamera wurde in einem Komplettset bestehend aus Kamera, Aufbewahrungstasche, 4 Mignon-Akkus, kleiner Speicherkarte (vermutlich 16 MB), USB-Kabel und Akkuladegerät verkauft.
  • Im Jahr 2020 finden sich über die Kamera im Internet nur wenig Informationen, zum einen gibt es bei Medion und diversen anderen Anleitungssammel-Seiten die Anleitung zum Herunterladen sowie jede Menge Verkaufsangebote in diversen Verkaufsportalen für gebrauchte Exemplare.
  • Die UVP der MD6000 betrug ca. 300 Euro. Dafür konnte man damals nur die unterste Geräteklasse herstellen.
  • Bei meinem Exemplar ist entweder der Sensor oder die Bildaufbereitung-Elektronik nicht mehr in Ordnung, teilweise sind feine senkrechte Striche in den Bildern und es sind deutliche Farbverfälschungen vorhanden. Dünne senkrechte schwarze Linien werden blau dargestellt, dünne waagrechte Linien hingegen blau, Kanten von Objekten ähnlich. Somit sind keine sinnvollen Aufnahmen mehr möglich.
  • Ich habe 2017 die vorgestellte Kamera in einem Konvolut von ca. 10-15 Digitalkameras auf einer Fotobörse ungeprüft aus der Restekiste eines Fotohändlers gekauft (Stückpreis deutlich unter 5 Euro), allerdings ohne Zubehör.

Beispielfotos

Alle Aufnahmen entstanden bei 100 ASA, gespeichert als JPEG, bearbeitet mit Photoshop CS4. Die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. Schärfe, Verzeichnung, Vignettierung, Gradationskurve usw. wurde nicht bearbeitet, es sind also fast unveränderte Bilder „Out of the Cam“. Weil die Kamera defekt ist, zeige ich nur zwei Beispielaufnahmen.

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Das Gehäuse der Medion MD6000 ist komplett aus Kunststoff. Lediglich um das Objektiv ist ein Zierring aus Metall angebracht. Die Batteriefachklappe hat erfreulicherweise noch alle Häkchen, die die Klappe verschließen.

Die Kamera gehört zur Klasse der einfachsten Kompaktkameras. Eine Bildqualitätsbeurteilung geben ich nicht ab, da mein Exemplar defekt ist.

Die Verzeichnung und Vignettierung werden durch den Bildprozessor nicht korrigiert, bei 38mm ist die Verzeichnung deutlich sichtbar. Bei diesem Bildbeispiel sind die Farbverschiebungen des Sensors besonders gut erkennbar.

Fazit: eine digitalkamerahistorisch nur wenig interessante Kamera (weil frühe Dutzendware), heutzutage zum ernsthaften Bildermachen nicht mehr geeignet.

Christian Zahn, Januar 2021

Museum für alte Kameras sowie Fotogalerie:
http://www.ChrZahn.de
Dort auch Tipps zum Entwickeln von Farb- und SW-Dias

 

 

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben