Nikon D80 Praxisbericht von Christian Zahn

Hier stelle ich eine Nikon-Spiegelreflexkamera für Amateure vor. Sie war der Nachfolger der D70s und basiert in vielen Features und Funktionen auf der D200 (die ungefähr das Doppelte kostete).

Spezifikationen

  • Die 2006 vorgestellte Nikon D80 ist 132 x 103 x 77 mm groß und wiegt 540 g.
  • Der APS-C große CCD-Sensor (23,6x15,8 mm) löst maximal 3872 x 2592 Pixel  = 10,2 Megapixel auf. Der Pixelpitch beträgt 6,0µm. Automatisch oder manuell sind 100 bis 3200 ASA einstellbar. Videos sind nicht möglich. Bilder werden als JPEG oder NEF (RAW) auf SD/SDHC-Karten (max. 32 GB) gespeichert.
  • Das Objektiv-Bajonett ist das Nikon-AF-Bajonett
  • Das Motiv wird über einen Spiegelreflexsucher mit superheller Mattscheibe angezeigt, zusätzlich ist ein 2,5“ TFT LCD Monitor mit 230.000 Subpixeln vorhanden, der auch die Menüsteuerung übernimmt. Außerdem gibt es ein beleuchtbares SW-LCD-Schulterdisplay zur Anzeige wichtiger Aufnahme- und Kameraparameter. Live-View ist nicht möglich.
  • Entfernungseinstellung Einzel-Autofokus (AF-S), kontinuierlicher Autofokus (AF-C), automatischer Autofokus (AF-A, schaltet selbst zwischen AF-S und AF-C um) oder manuelle Scharfstellung, Ermittlung durch Phasenkontrastsensor im Spiegelkasten, mittels teildurchlässigem Hauptspiegel und Hilfsspiegel abgegriffen. 11 Linien- bzw. Kreuzsensoren, aktives AF-Feld im Sucher dauerhaft schwarz markiert, bei Dunkelheit kurz rot aufleuchtend
  • Belichtungssteuerung durch Programmautomatik, Zeitautomatik, Blendenautomatik oder manuelle Nachführmessung, 10 Zonen-3D-Matrixmessung, mittenbetont integrale oder an aktiven AF-Punkt gekoppelte Spotmessung. Belichtungszeiten 30s bis 1/4000 sek. , Belichtungskorrektur +/-5 Blenden, Selbstauslöser mit 2, 5, 10 oder 20 s Vorlaufzeit
  • ausklappbarer Blitz mit Leitzahl 13, der auch als Master für drahtlos gesteuerte Systemblitze dienen kann. Zusätzlich Norm-Blitzschuh mit TTL-Zusatzkontakten
  • Weißabgleich automatisch oder manuell
  • Bildstabilisierung nicht im Gehäuse, Objektive mit eingebauter eigener Bildstabilisation werden unterstützt
  • Energieversorgung durch Lithium-Akku

Besonderheiten

  • Die Stromversorgung erfolgt durch einen Lithium-Akku EN-EL 3e. Er wird auch in etlichen anderen Nikon-dSLRs benutzt, z. B. der D200, der D300 oder der D700. Die alten schwarzen EN-EL 3 Akkus aus der D70 bzw. D50 hingegen passen nicht, sie haben keinen eingebauten Speicherchip und eine etwas andere Form.
  • Unter die Kamera kann ein Batteriegriff mit Hochformatauslöser MB-D80 geschraubt werden. In Ihm können entweder zwei Akkus oder sechs Mignon-Zellen Platz finden. Außerdem hat er ein weiteres Daumenrad und eine Taste.
  • Auch die Kamera selbst hat viele Tasten und Bedienelemente, so finden sich z. B. sowohl ein vorderes Fingerrad als auch ein hinteres Daumenrad und eine frontseitige, frei belegbare Funktionstaste und ein ausführliches beleuchtbares Schulterdisplay zur Kameraparameter-Anzeige..
  • Der im EN-EL 3e eingebaute Chip gibt auch eine Aussage über dessen Allgemeinzustand (Skala von 0 bis 4, wobei 0 „Neu“ bedeutet und 4 „Akku nicht mehr benutzbar“). Im Laufe der Alterung sowie durch jedes Laden und Entladen sinkt bekanntlich die Kapazität von Lithium-Akkus, die Statusanzeige des im Akku eingebauten Ladecontrollers soll das widerspiegeln.
  • Im Sucher befindet sich unterhalb der eigentlichen Mattscheibe eine grün hinterleuchtete LCD-Anzeige. Dort finden sich Angaben zu Blitz, Belichtungszeit, ASA-Wert, Blende, Lichtwaage, etliche Bildparameter, Fokuskontrolle uvm.
  • Die Mattscheibe ist sehr hell, sie wird komplett von einer vollflächigen LCD-Folie bedeckt, mit deren Hilfe der oder die aktiven AF-Felder dauerhaft schwarz markiert werden (und bei Dunkelheit sogar kurz rot aufleuchten). Auch bei ausgeschalteter Kamera benötigt diese Folie immer etwas Akkustrom, ohne eingesetzten Akku dunkelt der Sucher insgesamt stark ab.
  • Auf Wunsch kann im Sucher auch ein Gitterlinien-Netz eingeblendet werden, ideal zum Gerade-Ausrichten der Kamera bei Architektur-Fotos.
  • Die Kamera hat ein „echtes“ und darum helles Pentaprisma, keine Dachkant-Spiegelkonstruktion wie in den meisten anderen Einsteiger- und Amateur-dSLRs. Das Sucherbild ist wesentlich größer als bei den Vorgängern D70 / D70s. Das Okular hat eine Dioptrienkorrektur, die Bildfeldabdeckung des Suchers beträgt ca. 95%.
  • Die Speicherung erfolgt auf SD-Karten bis 2 GB und erstmals in einer Nikon-dSLR auch auf SDHC-Karten bis 32 GB.
  • Der Gehäuseblitz ist fest eingebaut, er klappt nach Druck auf eine Entriegelungstaste nach oben heraus und muß auch manuell wieder eingeklappt werden. Die Blitzbelichtungsmessung erfolgt TTL mittels Vorblitzen. Der Gehäuseblitz kann zum drahtlosen Ansteuern von Systemblitzen benutzt werden, vor der eigentlichen Auslösung werden dann codierte Blitzabfolgen ausgesendet, die die im Raum verteilten Blitzgeräte auswerten und sich entsprechend den Anweisungen der Kamera verhalten.
  • Die Vorblitze werden bei übrigens geschlossener Blende, aber noch mit heruntergeklapptem Spiegel ausgesendet, weil der Blitzsensor neben den AF-Sensoren im Spiegelkastenboden angebracht ist. Man kann die Vorblitze darum im Sucher sehen.
  • AF-Objektive ohne eingebauten Motor werden unterstützt, da ein AF-Motor in der D80 eingebaut ist. AF-S-Objektive mit eingebautem Motor können ebenfalls benutzt werden, AF-G-Objektive ohne Blendenring auch, die neuen AF-P-Objektive mit Pulsmotor und elektrisch angetriebener Blende können jedoch nicht verwendet werden. Objektive mit eingebautem Bildstabilisator (VR) funktionieren.
  • Objektive ohne CPU (also z. B. alte Nikkore mit Ai bzw. Ai-S) können zwar angesetzt werden, da die D80 aber keinen Blendenmitnehmer hat, ist lediglich die manuelle Belichtungssteuerung möglich. Es gibt auch keine Nachführmessung, so daß die Belichtung mit einem externen Belichtungsmesser gemessen werden muß oder anhand des Histogramms der gerade gemachten Aufnahme vom Fotografen nachgeregelt werden muß. Immerhin leuchtet bei manuellen Objektiven der Schärfenindikator unterhalb des Bildfeldes im Sucher bei korrekt eingestellter Entfernung auf.
  • Ein Anschluß für einen elektrischen Fernauslöser ist vorhanden, es gibt zusätzlich einen Empfänger für eine (nicht mitgelieferte) Infrarot-Fernbedienung.
  • Das Display kann weder gedreht noch geschwenkt werden. Das eigentliche Display ist durch eine Kratzschutzscheibe vor mechanischer Beschädigung geschützt. Weil eine dSLR aber bei Wanderungen die ganze Zeit vor dem Körper herumhängt und dabei mehr oder minder heftig Kontakt zu Jackenknöpfen oder Ähnlichem hat, legte Nikon eine weitere Kunststoff-Schutzscheibe bei, die einfach aufgeklipst wurde. War diese dann verkratzt, kaufte man einfach eine Neue. Alternativ kann man auch eine Schutzscheibe aus gehärtetem Glas aufkleben, die die Zubehörindustrie in passenden Größen im Angebot hat.
  • Die Custom-Funktions des Kamera-Systemmenüs sind programmierbar, der Benutzer kann von ihm nicht verwendete Unterpunkte ausblenden und sich so mehr Übersicht schaffen.
  • Alle Schnittstellen sind hinter unverlierbaren Abdeckungen verborgen, die meisten Buchsen entsprechen der jeweiligen Norm, so daß keine Spezialkabel erforderlich sind. Nur der Anschluß für das Netzteil und den Fernauslöser erfordern ein Spezialkabel.
  • Die Kamera wurde aus Kostengründen nicht im japanischen Nikon-Kamerawerk hergestellt, sondern stammt aus der thailändischen Nikon-Fabrik.
  • Die NEFs-Dateien enthalten etwas mehr Pixel, als die meisten Konverter ausgeben, um Reservepixel des Randbereichs zur Korrektur der Objektiv-Verzeichnung nutzen zu können. Freie Konverter geben bis zu 3900 x 2613 Pixeln aus. Der Sensor ist mit dem aus der D200 praktisch identisch, jedoch ist die Auswertung etwas eingeschränkt: Die NEFs werden immer leicht verlustbehaftet komprimiert gespeichert, die Bit-Anzahl ist fest auf 12 Bit eingestellt (die D200 kann auf 14 Bit geschaltet werden) und die Auslese-Elektronik benutzt nicht vier, sondern nur zwei parallele Kanäle (einer liest die grünen Pixel aus, der zweite die blauen und roten).
  • Die Kamera schreibt viele interessante Details in den MakerNotes-Teil der EXIFs, ich zähle hier nicht alle auf:
  • den Weißabgleich, die Belichtungskorrektur, die Kamera-Seriennummer, den VR-Status, alle Bildparameter, die Zahl der Verschlußauslösungen, den Objektivnamen, die RAW-Kompressionsart, die wahre Blende und Brennweite des Objektivs (interessant vor allem bei „langem“ und „kurzem“ Ende von Zooms und bei Festbrennweiten), Daten der Blitzsteuerung inkl. allen Parametern der drahtlosen Blitzsteuerung, die Pixelgröße in µm, viele Einstell-Parameter wie Gitterlinieneinblendung, Werte der externen Blitzszuereung (Kanal, Gruppen, Belichtungsart, Belichtungskorrektur) uvm.
  • Daten zur Korrektur der Objektivfehler wie Vignettierung, chromatischen Aberrationen oder der Verzeichnung sind nicht in den EXIFs der RAWs enthalten, alle RAW-Konverter auf dem Computer haben dazu ihre eigene Datenbank.
  • Die Nikon D80 hat einen Konstruktionsfehler: An der Spiegelmechanik ist ein Kunststoff-Zahnrad angebracht, mit Hilfe dessen die Kamera erkennt, ob der Spiegel unten oder hochgeklappt ist. Am Zahnrad sind zwei kleine Stifte angespritzt, diese drehen einen Schleifkontakt. Wenn die dünnen Stifte brechen, bewegt sich der Schleifkontakt nicht mehr mit, somit weiß die Kamera nicht mehr, ob der Spiegel unten oder oben ist und meldet „ERR“ im Display.
  • Eine Reparatur ist möglich (nicht mehr durch Nikon, sondern nur noch durch Fremdfirmen), übersteigt aber inzwischen den Zeitwert der D80.
  • Der UVP der Nikon D80 betrug etwa 970 Euro. Ich erwarb mein Exemplar im Sommer 2019 für ca. 70 Euro, der Vorbesitzer hatte lediglich 2200 Auslösungen damit gemacht.

Beispielfotos

Alle Aufnahmen entstanden bei 100 ASA, gespeichert als NEF, gewandet mit Nikon Capture, bearbeitet mit mit Photoshop CS6. Die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. Schärfe, Verzeichnung, Vignettierung, Gradationskurve usw. wurde bearbeitet. Da die Bildqualität stark von den verwendeten Objektiven abhängt, habe ich auf Bildparameter-Angaben verzichtet.

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Das Gehäuse der Nikon D80 ist aus innerem Metall mit Kunststoff-Hülle und teilweise mit gummiartiger Kunststoff-Belederung überzogen. Das dafür verwendete Material neigt dazu, im Laufe der Zeit klebrig zu werden, da gewisse bei der Herstellung verwendete Substanzen ausdiffundieren. Dieser Vorgang ist unumkehrbar, die Belederung schrumpft dabei etwas (oder wird teilweise auch größer) und löst sich ab.

Die Handhabung sowie die Menüstruktur erscheint Nikon-Fotografen sofort vertraut, auch wenn es ausufernd ist, weil die Kamera sehr umfangreich einstellbar ist..

Die Kamera gehört zur Klasse der digitalen Amateur-Spiegelreflexkameras mit APS-C-Sensor. Die Kamera-interne „JPEG-Engine“ ist ziemlich gut. Allerdings ist zu berücksichtigen, daß Nikon wie in fast allen anderen seiner digitalen Spiegelreflexkameras mit dem Schärfen der JPEGs sehr zurückhaltend ist, „knackig“ scharfe Bilder erfordern Bildparameter-Einstellungen, die von den Defaultwerten abweichen. Eine automatische Korrektur von „abgesoffenen“ Schatten und „ausbrennenden“ hellen Stellen kann zugeschaltet werden, diese Funktion heißt bei Nikon „D-Lighting“. Man kann diese Funktion sogar nachträglich auf bereits gemachte Aufnahmen anwenden.

Bei Glühlampenlicht neigt der JPEG-Weißabgleich zu einem Farbstich, allerdings sind heutzutage diese Lampen fast komplett durch LEDs ersetzt.

Der Sensor schlägt sich bis 800 ASA recht gut. 1600 ASA sind noch halbwegs erträglich, 3200 ASA (von Nikon als „Hi“ bezeichnet und nicht in die genormte Stelle der EXIFs eingetragen, sondern nur in die MakerNotes) hingegen sollten wenig benutzt werden. Die Farben werden gut wiedergegeben.

Fazit: eine digitalkamerahistorisch eher uninteressante Kamera (weil eine von vielen Nikon-dSLRs), heutzutage zum ernsthaften Bildermachen durchaus gut geeignet. Auch die JPEGs sind brauchbar, man muß nicht unbedingt in RAW fotografieren.

Christian Zahn, Januar 2021

Museum für alte Kameras sowie Fotogalerie:
http://www.ChrZahn.de
Dort auch Tipps zum Entwickeln von Farb- und SW-Dias

 

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