Nikon Z5 mit Enna Porst macro Weitwinkel MC Auto 2,8/35 Praxisbericht von Christian Zahn

In diesem Erfahrungsbericht geht es um ein etwa 45 Jahre altes Manuellfokusobjektiv adaptiert an die spiegellose 24-Megapixel-Systemkamera Nikon Z5. Es stammt aus einer Bauserie, von der ich ein 135er bereits zeigte.

Foto Porst ließ es bei Enna in München herstellen. Es dürfte sich um eines der letzten dort bezogenen Objektive handeln, denn in den 1980er Jahren verlagerte sich der Fertigungsschwerpunkt von Enna weg von der Objekivherstellung.

Der rote Ring an der Fassung ist mit Sicherheit nicht original, sondern von einem der Vorbesitzer angebracht worden, weil der Kunststoffring für die Umschaltung zwischen fester und Springblende brach. Glücklicherweise ist das Objektiv trotzdem noch lichtdicht, die Blendenmechanik jedoch nicht mehr staubgeschützt.

Porst macro Weitwinkel MC Auto 2,8/35

Das Objektiv ist ca. zwischen 1975 und 1985 gebaut worden, denn es ist ein fast vollständig in Kunststoff gefasstes Objektiv. Diese Technik hatte ISCO aus Göttingen bereits 1963 vorgestellt, die Enna-Werke in München begannen erst nach 1970 mit dieser Technologie zur Herstellung sehr preiswerte Objektive, um dem japanischen Konkurrenzdruck standhalten zu können. Aus Metall sind nicht viele Teile, beispielsweise der M42-Gewindeanschluß besteht daraus. Allerdings ist er nicht wie üblich aus verchromtem Messing gefertigt, sondern nur aus unbehandeltem Aluminium.

ENNA wurde 1920 von Alfred Neumann gegründet, ENNA steht für die gesprochenen Anfangsbuchstaben seines Namens in bayrischer Reihenfolge (man sagt dort „der Neumann Alfred“ statt „Alfred Neumann“). Nach 1945 übernahm der Schwiegersohn Dr. Werner Appelt das Werk, das später unter „Enna-Werk Dr. Appelt GmbH und Co. KG“ firmierte.

Das gezeigte 2,8/35mm ist ein mehrfachvergütetes Objektiv, die Gravur lautet „Lens Made in W-Germany“. Die optische Rechnung basiert vermutlich auf den Exemplaren aus den 1950er und 1960er Jahren.

Verkauft wurde das Objektiv bis auf die Beschriftung baugleich auch von Foto Quelle als Revuenon, im Foto-Porst-Katalog von 1980 ist das 35er mit 89 DM gelistet. Daß beide Fotohäuser bei Enna bezogen, dürfte an der Tatsache gelegen haben, daß die Objektive billiger als die japanischen Varianten waren und trotzdem ein werbewirksames „Lens Made in W-Germany“ tragen konnten.

Mitgeliefert wurde kein teuer zu fertigender Kunstlederköcher, sondern eine zweiteilige Spritzguß-Aufbewahrungsdose, in die das Objektiv eingeschraubt wird, deshalb mußte auch kein Objektiv-Rückdeckel mitgeliefert werden. „Porst“ ist als gedruckter Papieraufkleber an der Unterseite der Dose angebracht, auch hier: Kostenreduktion durch einheitliche Spritzgußform für alle Weiterverkäufer.

Der geriffelte Entfernungsring läuft inzwischen aufgrund des nun fehlenden Schmiermittels viel zu leicht. Der Einstellweg ist mit etwa 330° erfreulich lang. Die Naheinstellgrenze ist mit 0,25 Metern sehr kurz, es wurde darum als „macro“ bezeichnet. Der Blendenring rastet halbstufig, es sind 6 Lamellen eingebaut. Die Streulichtblende wird in das nicht mitdrehende Filtergewinde 52mm eingeschraubt. Die Springblende kann zwischen „A“ Automatik und „M“ manuell umgestellt werden. Für den Betrieb an einem Balgengerät ist ein Gewinde für einen Drahtauslöser angebracht, damit die Blende vor dem Kamera-Auslösen geschlossen werden. 

Das Objektiv hat einen Durchmesser von 65 mm, eine Baulänge ab Bajonett von 44 mm und wiegt 160 Gramm. Beim Fokussieren auf die Nahgrenze wird es ca. 8 mm langer.

Das gesamte Objektiv macht keinen hochwertigen Eindruck, es ist fast vollständig aus Kunststoff hergestellt und recht leicht. An der Entfernungs-Skala sind Tiefenschärfemarkierungen vorhanden, ein Index für die Infrarotfotografie fehlt.

Das Objektiv ist am Vollformatsensor der Z5 und Offenblende unscharf und vignettiert sichtbar, außerdem überstrahlt es etwas. Abblenden auf 8 steigert die Schärfe, für beste Bildschärfe der Bildränder muß auf 11 abgeblendet werden. Die bei Offenblende vorhandenen geringen chromatischen Aberrationen verschwinden ab Blende 5,6 fast vollständig.

Das Objektiv ist heutzutage erstaunlich teuer, je nach Zustand und Zubehör liegt es zwischen 20 und 40 Euro. Ich bekam das hier gezeigte Exemplar Anfang 2026 geschenkt, vielen Dank dafür!

Beispielaufnahmen

Alle Beispielaufnahmen entstanden freihand bei ASA-Automatik, Zeitautomatik, mit eingeschaltetem Bildstabilisator und bei Blende 8, gespeichert als NEF, gewandelt mit Nikon Capture NX-D und bearbeitet mit Photoshop CS4. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten sowie Schärfe wurden korrigiert, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In alle Aufnahmen sind 100%-Ausschnitte vergrößert einmontiert.

Fazit

Ich werde das Objektiv nicht mehr benutzen, ich habe optisch bessere 35er im Bestand. Vielleicht probiere ich es noch an einer Kamera mit APS-C und/oder mFT-Sensor, die nur die bessere abbildende Mitte des Objektivs nutzen.

Christian Zahn, März 2026

 

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