Nikon Z5 mit Beroflex 6,3/400mm mit T2-Anschluß Praxisbericht von Christian Zahn

In diesem Erfahrungsbericht geht es um ein etwa 45 Jahre altes manuell fokussiertes Supertele-Objektive mit 400mm Brennweite adaptiert an die spiegellose 24-Megapixel-Systemkamera Nikon Z5. Ein ähnliches Supertele mit 500mm Brennweite habe ich hier bereits gezeigt.

Beroflex wurde 1969 gegründet, vor allem um ostdeutsche Fotoerzeugnisse (Praktica Kameras, Pentacon Objektive, ORWO Filme usw.) in den Westen zu importieren. Standorte waren West-Berlin und Bad Kissingen, eingetragen war die Beroflex AG hingegen in Zürich. Geschäftsführer war Heinrich Manderman, dem auch Rollei (kurzzeitig), Schneider Kreuznach, Pentacon und Orwo (1992 bis 1997) gehörten.

Im Vertriebsprogramm von Beroflex waren aber auch fernöstliche Objektive, vor allem die langen Brennweiten 300, 400 und 500 mm, die sehr preiswert angeboten wurden.

Das 8/500 mm Objektiv wird gerne als „Wundertüte“ bezeichnet. Diesen Namen hat Walter E. Schön in der Zeitschrift Colorfoto, Ausgabe 5/1980, geprägt. Er testete damals verschiedene 500mm-Teleobjektive verschiedener Hersteller, darunter auch ein solches Billigobjektiv (der Preis betrug damals 200 DM) und war überrascht, wieviel Leistung es lieferte. Zwar waren alle anderen Objektive im Test besser, kosteten aber auch durchaus das Zehnfache und mehr! Nachfolgende Tests, darunter von Barnim A. Schulze (BAS-Labor, abgedruckt im Fotomagazin 10/1985), kamen zu ähnlichen Bewertungen.

Das 6,3/400 entstammt der gleichen Fabrik wie das 8/500, die Bauähnlichkeit ist unübersehbar. Die optische Qualität ist auch vergleichbar. Im Gegensatz zum 500er scheint es das 400er nicht mehr als Neuware zu geben.

Beroflex 6,3 400mm 6°

Das gezeigte 6,3/400 mm Objektiv mit 4 einzelnen Linsen wird seit etwa 1970-1975 hergestellt. Die 6° (ausgesprochen als „sechs Grad“) sind der Bildwinkel, die das Objektiv an einer Kleinbildkamera abbildet.

Wer das Objektiv damals gebaut hat, ist nicht wirklich geklärt, die Gravur lautet „Lens Made in Japan“ und es hat den bekannten gelben ovalen „JCII passed“-Aufkleber des „Japanese Camera Inspection Institute“. Man konnte es als Beroflex, Soligor, Danubia uvm. kaufen. Im Laufe der Jahrzehnte hat es verschiedene Versionen gegeben, mit 72 und 67 mm Filtergewinde, teilweise sind sie nicht aus japanischer Produktion, sondern möglicherweise aus Korea. Bei diesem Objektiv gibt es Qualitätsunterschiede, halt eine „Wundertüte“, bei der man nicht weiß, was man bekommt. Beim Kauf empfehle ich Rückgabegarantie, falls das gekaufte Exemplar eine „Gurke“ ist. Es ist ein „klassisches“ Fernobjektiv, also sehr lang gebaut.

Der mit geriffeltem Gummi ausgelegte und recht breite Entfernungsring läuft nach all den Jahren immer noch perfekt. Der Einstellweg ist mit knapp 180° viel zu kurz für die Brennweite, präzises Scharfstellen mit Sucherlupe erfordert Fingerspitzengefühl und möglichst trotz Stativ einen kamerainternen Bildstabilisator, der ständig aktiv sein muß und nicht nur bei der Aufnahme. Die Naheinstellgrenze ist mit 7m für ein 400mm-Objektiv gerade noch gut. Es hat keine Springblende, was beim T2-Schraubanschluß prinzipbedingt nicht geht. Statt dessen hat es einen „Blendenöffnungsring“, einen zweiten Ring, die am Blendenring eingestellte Blende öffnet und schließt. Zum Scharfstellen dreht man den zweiten Ring in die „O“ = Open-Stellung, zum Fotografieren in die „C“ = Closed-Stellung. Das kann mit dem Auge am Kamerasucher gemacht werden, ohne auf den Blendenring sehen zu müssen.

Das Objektiv hat einen Durchmesser von 70 mm, eine Baulänge bis zum T2-Gewinde von 252 mm und wiegt 570 Gramm. Es hat Frontlinsen-Fokussierung und wird darum beim Einstellen auf die Nahgrenze nur ca. 16 mm länger. Die Streulichtblende wird in das mitdrehende Filtergewinde 67 mm eingeschraubt. An der Entfernungs-Skala sind Tiefenschärfemarkierungen vorhanden, ein Index für die Infrarotfotografie fehlt jedoch.

Das gesamte Objektiv macht einen relativ wertigen Eindruck, es ist vollständig aus Metall hergestellt. Die Stativschelle ist ein wenig „schwach auf der Brust“, früher übliche Spiegelreflexkameras mit Motor dürften sie überfordert haben, die leichten spiegellosen Digitalkameras von heute sollten keine Probleme verursachen. Allerdings liegt dann der Schwerpunkt von Kamera und Objektiv nicht in der Stativschelle, sondern etwas davor.

Das Objektiv ist am Vollformatsensor der Z5 durchaus brauchbar, die 24 Megapixel werden zwar nicht ganz ausgereizt, aber doch fast. Die chromatischen Aberrationen sind recht gering. Abblenden zur Schärfesteigerung ist notwendig, die ideale Blende liegt bei 11 bis 16, darüber sinkt die Bildschärfe durch die Beugung, bei 1:32 ist zwar die Schärfentiefe größer als bei 1:11, aber das gesamte Bild erheblich weicher.

Das Objektiv ist heutzutage meist recht günstig zu bekommen, je nach Zustand und Zubehör (mitgelieferter Streulichtblende und/oder T2-Adapter) liegt es zwischen 10 und 40 Euro. Ich bekam es Anfang 2026 geschenkt, vielen Dank an den Spender!

Beispielaufnahmen

Alle Beispielaufnahmen entstanden freihand bei ASA-Automatik, Zeitautomatik, mit eingeschaltetem Bildstabilisator und bei Blende 11, gespeichert als NEF, gewandelt mit Nikon Capture NX-D und bearbeitet mit Photoshop CS4. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten sowie Schärfe wurden korrigiert, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In alle Aufnahmen sind 100%-Ausschnitte vergrößert einmontiert.

Fazit

Bei den preiswerten Fernobjektiven der „Wundertüte“-Klasse gilt: Durchaus digitaltauglich, wenn in Ordnung. Das Beroflex soll zum Beschlagen der hinteren Linsen neigen und es gibt einige Berichte über unscharf zusammengebaute Objektive. Das hier gezeigte Exemplar kam in Bestzustand und mit guten optischen Eigenschaften.

An aktuellen spiegellosen Systemkameras macht sich die Vorwahlblende nicht negativ bemerkbar, man kann bei eingestellter Arbeitsblende 1:11 noch gut scharfstellen. Freihand ist entweder helle Umgebung mit passenden kurzen Belichtungszeiten oder ein guter kamerainterner Bildstabilisator nötig, die Verwendung eines stabilen Stativs ermöglicht auch Aufnahmen bei schlechteren Lichtverhältnissen. 400mm sind schon ziemlich viel Tele, an APS-C-Cropkameras entsprechen sie 600mm, an einer mFT-Kamera wird aus dem Beroflex ein 800mm-Supertele! Und darum werde ich bei Gelegenheit noch ausprobieren, wie das Objektiv an einer Olympus Pen F abschneidet.

Christian Zahn, März 2026

 

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