Nikon Z5 mit Porst Color Reflex Auto 2,8 55mm Praxisbericht von Christian Zahn

In diesem Erfahrungsbericht geht es um ein etwa 50 Jahre altes Manuellfokusobjektiv adaptiert an die spiegellose 24-Megapixel-Systemkamera Nikon Z5. Es wurde von Photo Porst vertrieben und stammt von Cosina. Zwischen ca. 1973 und 1978 verkaufte Porst eine Kamera zusammen mit 3 Objektiven im Set für 498 DM, die Porst Reflex TL (Version 2) zusammen mit einem lichtschwachem Normalobjektiv 55mm, einem 35mm-Weitwinkel und einem 135mm-Teleobjektiv. Die beiden Wechselobjektive wurden bei Enna in München hergestellt, Porst konnte diese vollständig in Kunststoff gefaßten Objektive günstiger bekommen als die damals teureren japanischen Objektive in Metallfassung.

Das 55mm-Objektiv habe ich als originales Cosinon hier schon gezeigt.

Porst Color Reflex Auto 2,8 55mm

Das Objektiv ist zwischen 1973 und 1978 gebaut worden, denn in diesen Porst-Katalogen findet sich die Kamera bzw. das Kameraset. „Auto“ steht für die Springblende, damals wurden teilweise noch Objektive mit Vorwahlblende verkauft, die der Fotograf selbst vor jedem Auslösen von Offenblende auf die gewünschte Arbeitsblende umstellen mußte, obwohl diese umständliche Technik in den 1970ern bereits als überholt galt.

Das gezeigte 2,8/55mm ist ein einfachvergütetes Objektiv, ein Herstell-Land ist nicht angegeben, die Kamera im Set ist mit „Made in Japan“ graviert und stammt ebenfalls von Cosina. Das Objektiv ist ein Tessartyp mit 4 Elementen in 3 Gruppen. Die „krumme“ Brennweite von 55mm ist der Tatsache geschuldet, daß die Hinterlinse nicht mit dem Spiegel der Kamera kollidieren darf, kürzere Brennweiten erfordern zusätzliche optische Elemente für die dann nötige Retrofokus-Bauart, das hätte das Objektiv verteuert.

Der gummierte Entfernungsring im „Berg und Tal - Design“ läuft aufgrund der Schmiermittelalterung ein wenig strammer als üblich. Der Einstellweg ist mit etwa 200° recht lang. Die Naheinstellgrenze ist mit 0,9 Metern nichts Besonderes. Der Blendenring rastet ganzstufig, es sind 5 Lamellen eingebaut, nicht alle Blendenzahlen sind ausgeschrieben, aus Platzgründen ist zwischen 2,8; 5,6; 11 und 22 jeweils nur ein Punkt für 4, 8 und 16. Die Streulichtblende wird in das nicht mitdrehende Filtergewinde 49mm eingeschraubt. Da die recht kleine Frontlinse relativ tief in der Objektivfassung liegt, kann zur Not auf eine Streulichtblende verzichtet werden, ohne daß es gleich zu Reflexen im Bild kommt. Die Blendenansteuerung kann nicht zwischen automatischer Springblendenbetätigung durch die Kamera und dauerhaft geschlossener Blende umgeschaltet werden.

Das Objektiv hat einen Durchmesser von 61 mm, eine Baulänge ab Bajonett von 36 mm und wiegt 155 Gramm. Beim Fokussieren auf die Nahgrenze wird es ca. 1 mm länger.

Das gesamte Objektiv macht keinen hochwertigen Eindruck, es ist zwar vollständig aus Metall hergestellt, aber alles ist preisorientiert einfach gestaltet. An der Entfernungs-Skala sind keine Tiefenschärfemarkierungen vorhanden, der Index für die Infrarotfotografie fehlt ebenfalls.

Das Objektiv ist am Vollformatsensor der Z5 und Offenblende unscharf und vignettiert sichtbar, außerdem überstrahlt es etwas. Abblenden auf 8 steigert die Schärfe, für beste Bildschärfe der Bildränder muß auf 11 abgeblendet werden. Die bei Offenblende vorhandenen sehr geringen chromatischen Aberrationen verschwinden ab Blende 4 quasi vollständig.

Das Objektiv verzeichnet nur gering, in den Bildern ist dieser Bildfehler praktisch nicht sichtbar. Weil die Naheinstellgrenze für eine formatfüllende Abbildung meines Testblattes leider nicht ausreicht, ist die Abbildung etwas unscharf.

Das Objektiv kostet heutzutage je nach Zustand und Lieferumfang zwischen 1 und 20 Euro. Zusammen mit einer Kamera kostet es meist weniger als einzeln, denn die Verkäufer des Sets bieten es fast immer als „ungeprüft“ an, während die solo verkauften Exemplare meist ausführlich getestet und beschrieben werden. Ich bekam das hier gezeigte Exemplar Anfang 2026 geschenkt, vielen Dank dafür!

Zu diesem Porst Objektiv kann ich noch die eigene Erfahrung: "Nikon Z6/7 Olympus OM-D E-M5 Sony NEX-6 AUTO REVUENON 1:2.8 f=28mm PORST COLOR REFLEX AUTO 1:2.8/55mm" beitragen.

Und der Vollständigkeit halber noch eine mehr als doppelt so lichtstarke Variante: "Olympus OM-D E-M5 PORST COLOR REFLEX AUTO 1:1.8/50mm"

Woher meine Porst-Linsen sind, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich Flohmarktware … (Ralf Jannke)

Beispielaufnahmen

Alle Beispielaufnahmenentstanden freihand bei ASA-Automatik, Zeitautomatik, mit eingeschaltetem Bildstabilisator und bei Blende 8, gespeichert als NEF, gewandelt mit Nikon Capture NX-D und bearbeitet mit Photoshop CS4. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten sowie Schärfe wurden korrigiert, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In alle Aufnahmen sind 100%-Ausschnitte vergrößert einmontiert.

Fazit

Das japanische Tessartyp-Objektiv zeigt alle typischen Eigenschaften dieser Bauart: geringe Verzeichnung, Unschärfe und Überstrahlung bei Offenblende und randscharfe Bilder an der Z5 erst ab Blende 8 bis 11. Früher auf Film genutzt sah es anders aus, bei dem auf schräge Randstrahlen gutmütiger reagierendem Film war in Verbindung mit den damals üblichen kleinen Vergrößerungen auf 7x11, 9x13 oder 11x15 cm reichte meist schon die Offenblende des Color Reflex Auto für das Fotoalbum völlig aus, gute Bilder ließ man sich damals aus Kostengründen lediglich auf 13x18 abziehen, 20x30 war schon teurer Luxus.

Christian Zahn, März 2026

 

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