Olympus Camedia C-4000 Praxisbericht von Christian Zahn

Die Olympus Camedia C-4000 von 2002 war das letzte Modell im Design der im Jahr 1999 mit der C-2000  eingeführten Gehäuseform, die Nachfolgekameras erhielten überarbeitete Gehäuse.

Spezifikationen:

  • Die 2002 vorgestellte Olympus Camedia C-4000 Zoom ist 110 x 77 x 67 mm groß und wiegt 295 Gramm.
  • Der 1/1,8“ CCD-Sensor (7,2 x 5,3 mm) löst maximal 2288 x 1712 Pixel  = 3,9 Megapixel auf. Der Pixelpitch beträgt 3,0µm. Mit der ISO-Automatik oder manuell sind 100 bis 400 ASA einstellbar. Kurze QuickTime-Videos sind mit 320x240 Pixeln möglich. Bilder werden als JPEG oder TIFF auf SmartMedia-Karten (max. 128 MB) gespeichert.
  • Das Objektiv ist ein 6,5-19,5 mm/1:2,8 3-fach Zoom, die kb-äquivalente Brennweite beträgt 32-96 mm. 
  • Das Motiv wird über einen abschaltbaren 1,8“ TFT LCD Monitor mit 114.000 angezeigt, der auch die Menüsteuerung übernimmt. Zusätzlich ist ein optischer Realbildsucher vorhanden, der aber nicht das gesamte aufgenommene Bild zeigt. Zusätzlich ist ein LCD-Status-Schulterdisplay vorhanden.
  • Entfernungseinstellung Einzel-Autofokus (AF-S), kontinuierlicher Autofokus (AF-S) oder manueller Fokus, Ermittlung durch Kontrasterkennung des Bildsensors
  • Belichtungssteuerung durch Programmautomatik, Zeitautomatik, Blendenautomatik, manueller Modus, Matrixmessung, Spotmessung oder mittenbetont integral. Belichtungszeiten 16s bis 1/1000 sek., Selbstauslöser mit 10s Vorlaufzeit
  • eingebauter Blitz mit ca. Leitzahl 8
  • Weißabgleich automatisch oder manuell
  • keine Bildstabilisierung
  • Energieversorgung durch 4 Mignonzellen

Besonderheiten

Viele digitale Kamera von Olympus hießen „Camedia“, vermutlich ein Kofferwort aus „Camera“ und „Media“. Die C-4000 Zoom ist eine nur unwesentlich „abgespeckte“ Version der C-4040, die etwa ein halbes Jahr früher erschien und ungefähr das Doppelte kostete. Das Gehäuse ist nun silberfarben statt schwarz, das Objektiv wurde mit Offenblende 1:2,8 statt 1:1,8 lichtschwächer, ist dafür aber mit 32 statt 35 mm etwas weitwinkliger und die C-4000 kann nicht fernbedient werden. Bei der C-4040 befindet sich der IR-Empfänger an der Stelle, auf die bei der C-4000 der runde Aufkleber „4,0 Megapixel“ platziert ist.

Die C-4000 ist eine Amateur-Bridgekamera. Die Griffwulst, in der die Akkus Platz nehmen, ist deutlich ausgeformt. Die Mignonzellen sind fast überall erhältlich. Sowohl Batterien als auch Akkus können verwendet werden. Ein Satz damaliger NiMH-Akkus hielt relativ lange, heutige Akkus, wie beispielsweise Eneloops schaffen noch viel mehr Bilder, auch bei Verwendung des internen Blitzes und des Displays sind Hunderte von Aufnahmen möglich.

Die Angabe „4 Megapixel“ ist leicht aufgerundet, 2288 x 1712 Pixel sind nur 3,9 Megapixel, jedoch hat der Sensor 4,1 Millionen Rohpixel. Wie bei vielen Olympus-Digitalkameras gibt es im System-Menu einen Eintrag „Pixelkorrektur“, damit werden Hotpixel (dauerhaft leuchtende Bildpunkte) und Deadpixel („tote“ = defekte Pixel) erkannt und zukünftig herausgerechnet.

Die C-4000 stammt aus einer Kameralinie, die mit der 2-Megapixel C-2000 1999 aufgelegt wurde, mit der 3-Megapixel C-3030 fortgesetzt und mit der C-4000 2002 beendet wurde. Zusätzlich gab es noch weitere Modelle (C-2020, C-2040, C-3000, C-3030, C-3040), die sich im Funktionsumfang, im Objektiv und in der Gehäusefarbe sowie im Verkaufspreis unterschieden. Die erste Stelle der Typenbezeichnung gibt immer die Megapixelzahl an, die dritte Stelle ist eine reine Unterscheidungszahl. Je höher sie ist, desto besser ausgestattet ist das jeweilige Modell.
Mit der C-5050/C-7070/C-8080 wurde eine neue Gehäuselinie eingeführt.

Diese Praxisberichte gibt es:

Der Gehäuseblitz der C-4000 ist fest eingebaut. Die Blitzbelichtungsmessung erfolgt TTL mittels Vorblitz. Die C-4000 hat sogar einen Anschluß für einen externen Blitz, unter der geschraubten Buchsenabdeckung ist eine Olympus-TTL-Buchse. Zwar können die auch heute noch an den PENs und OM-Ds genutzten Blitze verwendet werden, das erforderliche Spezialkabel ist jedoch schon lange aus der Produktion genommen worden und heutzutage dementsprechend teuer.

Die Kamera hat einen optischen Realbildsucher, der allerdings ohne Parallaxenausgleich und ohne Parallax-Marken auskommen muß. Demzufolge weicht das aufgenommene Bild besonders im Nahbereich von Sucherbild ab. Zwar ist Live-View über das Display möglich, aber der Sensor und die Batterien erwärmen sich dadurch stark und die Akkulaufzeit wird reduziert. Neben dem Sucher mit Dioptrienkorrektur sind zwei LEDs für Fokus- und Blitzkontrolle vorhanden sind und das Schulterdisplay informiert über die Zahl der noch möglichen Aufnahmen.
Das Displaypanel sitzt hinter einer stabilen Schutzabdeckung aus transparentem Kunstoff und ist dadurch gut gegen mechanische Beschädigung geschützt.

Das Moduswahlrad ist sehr „aufgeräumt“, da die Modi mit Vorwahl (Zeitautomatik, Blendenautomatik, manueller Modus) in einer Position zusammengefaßt sind; der jeweilige Modus wird im Kameramenü ausgewählt. Auch die Menüprogramme und die Videoaufzeichnung teilen sich eine Rastung des Wahlrades, das gewünschte Motivprogramm wird über ein auf dem Farbdisplay eingeblendetes virtuelles Menürad ausgewählt.

Das Display ist mit 114.000 Subpixeln grob gerastert, eine Beurteilung der Bildschärfe ist völlig unmöglich. Lediglich der Bildausschnitt kann sicher erfaßt werden. Somit muß man sich auf den Autofokus verlassen, es ist zwar manueller Fokus möglich, jedoch eigentlich sinnlos. Allerdings waren höher auflösende Displays im Jahr 2002 noch sehr teuer und wesentlich höherpreisigen Kameras vorbehalten.

Das Objektiv beginnt bei damals durchaus üblichem Weitwinkel von 32 mm und reicht zu „zahmen“ 95 mm. Merkwürdigerweise kann mein Exemplar die angegebenen Brennweiten von 6,5 bzw. 19,5 mm nicht anfahren, es wird nur von 6,8 bis 19,1 mm gezoomt. Da dieses Verhalten aber auch meine C-4040 aufweist, scheint es so zu sein, daß die Brennweitenangaben der Objektive von Olympus „geschönt“ oder gerundet angegeben wurden, so daß sie etwas imposanter wirkten.

Die Kamera kann die Bilder als JPEG in verschiedenen Größen und Kompressionsstufen aufzeichnen, außerdem können unkomprimierte TIFFs gespeichert werden. Dabei ist die Kamera jedoch sehr behäbig, es dauert mehrere Sekunden, bis die Kamera für das nächste Bild bereit ist.

Nach dem manuellen oder automatischen Kamera-Abschalten „vergißt“ die C-4000 wichtige Bildparameter immer wieder: die ISO-Automatik ist jedesmal eingeschaltet; als Bildformat ist das höher komprimierte „HQ“-JPEG statt des besseren „SHQ“-JPEGs oder des TIFFs eingestellt und der automatische Blitzmodus ist wieder eingeschaltet. Beste Bildqualität, feste Empfindlichkeit und abgestellter Miniblitz erfordert nach jedem Einschalten bzw. Aufwecken aus dem Ruhezustand erhebliche Tastendrückerei.

Als Speichermedium dienen SmartMediaKarten bis 128MB. Diese Flash-Speicherkarten hat Toshiba 1996 entwickelt, nur Olympus und Fuji haben diesen Kartentyp eingesetzt. Smart-Media-Karten haben keinen eigenen Speichercontroller, dieser sitzt in der Kamera und muß mit der eingelegten Kartenkapazität etwas anfangen können. In der Anfangszeit wurden Kameras verkauft, die nur 8 oder 16 MB-Karten kennen. Manche konnten durch ein (kostenpflichtiges) Update im Olympus-Service auf größere Kartenkapazitäten umgerüstet werden, andere nicht.
SmartMedia-Karten sind theoretisch bis 256 MB verfügbar, jedoch wurden nur Karten bis 128 MB produziert, da Toshiba, Olympus und Fuji auf das stabilere, kleinere und weniger für statische Aufladungen empfindliche xD-PictureCard-Format umstellten.

Da bei den SmartMedia-Karten die elektrischen Kontakte recht groß und vor allem ungeschützt sind, ist eine SM-Karte relativ anfällig für Verschmutzung der Kontakte und statische Aufladung. Während sich ersteres vom Anwender beheben läßt, kann letzteres die Speicherbausteine in der Karte zerstören. Schon alleine ein Reinigen der Kontakte mit einem ungeeigneten Tuch kann diesen Fehler hervorrufen. Außerdem sind die Karten extrem dünn, ein Verbiegen der Karte kann bereits zur Ablösung der außenliegenden Kontakte von den darunterliegenden Bauteilen führen, die Karte ist dann ebenfalls defekt.

Die Kartenfachklappe der C-4000 ist für die dünne SmartMedia-Karte recht groß ausgefallen. Für einige der Schnittstellen gibt es kein gerne verlorenes Spezialkabel, sondern Videobuchse und Netzteilbuchse sind standarisierte Steckverbindungen. Lediglich für die USB-Schnittstelle und den externen Blitz ist ein Olympus-Spezialkabel erforderlich. Im Jahr 2002 war USB allerdings in Computern noch recht wenig verbreitet, 1998 wurde USB im iMac G3 (dem blautransparenten Urmodell) erstmals in einem Computer serienmäßig eingesetzt.

Die Hauptschwachstelle dieser Camedia (und etlicher anderer Olympus-Kompakten der damaligen Zeit) ist die Batteriefachklappe. Zum Zuhalten werden einige winzige Plastiknasen benutzt, die im Laufe der Zeit dem Federdruck der Batteriekontakte nicht mehr standhalten, sobald sich der Weichmacher aus dem Kunststoff verflüchtigt und dieser versprödet. Dann brechen die Halteklammern und die Batterien fallen nach unten heraus. C-4000-Kameras mit funktionierenden Batteriefach sind selten, viele angebotene Exemplare haben diesen Schaden.
Zwar rettet es die Ehre von Olympus nicht, aber das Batteriefachproblem tritt auch bei etlichen Kameras anderer Hersteller auf.

Bei meinem Exemplar ist dem Vorbesitzer leider einmal ein Batteriesatz ausgelaufen, ein damaliger Reinigungsversuch scheint nicht erfolgreich gewesen zu sein, zumal zwei der inneren Baterieandruckfedern dabei abbrachen. Glücklicherweise hat die ausgelaufene Batteriesäure keine elektronischen Teile zerstört, so daß eine Inbetriebnahme über die Netzteilbuchse möglich ist. Für den Fotoausflug habe ich eine Halterung für Mignon-Akkus mit einem passendem Stecker verbunden, so daß ein mobiler Kamerabetrieb möglich war, wobei ich die Akkuhalterung in der Fototasche belassen habe, das angelötete Kabel ist dafür lang genug.

Die C-4000 schreibt nur wenige Informationen in die MakerNotes, unter anderem die eingestellte Bildqualität, den Makromodus, die Bilddiagonale des Sensors im Millimetern (mit 3 Stellen nach dem Komma), Objektiv-Verzeichnungsparameter (mit der damaligen Olympus-Software konnten insbesondere die Weitwinkelaufnahmen so korrigiert werden, daß die störende Tonnenform beseitigt wurde) und einiges mehr.

Der UVP der Olympus Camedia C-4040 Zoom betrug etwa 650 Euro, der Straßenpreis lag wie üblich darunter. 2026 beträgt der Zeitwert je nach Zustand und Lieferumfang ca. 5 bis 20 Euro. Ich bekam mein Exemplar geschenkt, vielen Dank an den Stifter!

Beispielfotos

Alle Beispielaufnahmen entstanden bei 100 ASA, gespeichert als JPEG, bearbeitet mit Photoshop CS4. Die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. Schärfe, Verzeichnung, Vignettierung, Gradationskurve usw. wurde nicht bearbeitet, es sind also fast unveränderte Bilder „Out of the Cam“. Es sind 100%-Ausschnitte einmontiert, die Aufnahmeparameter sind im Bild als Text abzulesen.

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Das Gehäuse der Camedia C-4000 Zoom ist trotz des recht hohen Verkaufspreises größtenteils aus Kunststoff gefertigt. Nicht einmal das Stativgewinde ist aus Metall. Die verwendeten Materialen sind jedoch auch nach über 20 Jahren gut erhalten, der berüchtigte „Gummiauflagenschwund“ oder das „Verkleistern“ aufgespritzter Gummierungen ist (zumindest bei meinem Exemplar) bislang nicht aufgetreten.

Die Kamera gehört zur Klasse der Bridgekameras, die eine „Brücke“ bilden sollten zwischen der Kompaktkameraklasse und der Spiegelreflexklasse.

Die objektivseitigen vorhandenen Bildfehler wie Verzeichnung, chromatische Aberrationen und Vignettierung werden durch den Bildprozessor nicht weggerechnet, im Weitwinkelbreich ist die Verzeichnung deutlich sichtbar.

Der Sensor schlägt sich recht gut. Auch kritische Gegenlichtsituationen werden durchaus ansehnlich gemeistert. Bei höheren ASA-Zahlen rauscht der Sensor etwas, worunter die Bildschärfe aufgrund des Kameraprozessoreingriffs ein wenig leidet. Allerdings hat der Sensor maximal 400 ASA, was nur 2 Blendenstufen über der Nennempfindlichkeit liegt und in Verbindung mit den recht großen Sensor (Pixelpitch 3,0 µm) ist das Bild noch erträglich.

Die Bildqualität der C-4000 war damals sehr gut, heutzutage ist sie auch noch als gut zu bezeichnen. Bei 4 Megapixeln und „Schönwetter“ ISO100 sind die Aufnahmen zwar ansehnlich, aber bereits deutlich durch Schärfeartefakte des Bildprozessors „verbessert“ und die Auflösung für heutige Zwecke meist nicht mehr ausreicht.

Fazit: eine digitalkamerahistorisch interessante Kamera (eine Olympus Camedia C-2000, C-3030 oder C-4000 muß in jede Digitalkamerasammlung!), heutzutage zum Bildermachen eigentlich nicht mehr geeignet.

Christian Zahn, März 2026

 

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