Olympus Camedia C-770 UltraZoom Praxisbericht von Christian Zahn

Hier stelle ich eine Olympus Ultra-Zoom-Kamera vor, die erste der UZ-Camedia-Serie, die Lithium-Akkus statt Mignonzellen einsetzt und Videos als MPEG4-Dateien aufnehmen kann.

Ralf Jannke hat gleich drei Praxisberichte über die Olympus C-7xx Ultra Zoom Reihe erstellt:

Spezifikationen

  • Die 2004 vorgestellte Olympus Camedia C-770 Ultra Zoom ist 104 mm x 60 mm x 68 mm groß und wiegt 300 g.
  • Der 1/2,5“ CCD-Sensor (5,8 x 4,3 mm) löst maximal 2272 x 1704 Pixel  = 4 Megapixel auf. Der Pixelpitch beträgt 2,5µm. Mit der ISO-Automatik oder manuell sind 64 bis 400 ASA einstellbar. QuickTime-Videos sind mit 640x480 Pixeln möglich. Bilder werden als JPEG oder TIFF auf xD-PictureCards (max. 2GB) gespeichert.
  • Das Objektiv ist ein 6,3-63 mm/1:2,8-3,7 10-fach Zoom, die kb-äquivalente Brennweite beträgt 38-380 mm.
  • Das Motiv wird über einen Videosucher mit Dioptrienkorrektur und 230.000 Sub-Pixeln angezeigt. Zusätzlich ist ein 1,8“ TFT LCD Monitor mit 114.000 Subpixeln angezeigt, der auch die Menüsteuerung übernimmt.
  • Entfernungseinstellung Einzel-Autofokus (AF-S), kontinuierlicher Autofokus (AF-S) oder manueller Fokus, Ermittlung durch Kontrasterkennung des Bildsensors
  • Belichtungssteuerung durch Programmautomatik, Zeitautomatik, Blendenautomatik, manueller Modus, Motivprogramme, Matrixmessung, Spotmessung oder mittenbetont integral. Belichtungszeiten 16s bis 1/1000 sek., Selbstauslöser mit 10 s Vorlaufzeit
  • manuell ausklappbarer Blitz mit ca. Leitzahl 7,7, zusätzlich Norm-Blitzschuh mit Olympus-TTL-Kontakten
  • Weißabgleich automatisch oder manuell
  • keine Bildstabilisierung
  • Energieversorgung durch Lithium-Ionen-Akku

Besonderheiten

Viele digitale Kamera von Olympus hießen „Camedia“, vermutlich eine Zusammenziehung aus „Camera“ und „Media“.

Die C-770 ist eine Superzoom-Kamera, der Brennweitenbereich reicht von 38 mm bis 380 mm. Die C-770 benutzt erstmals in der UZ-Serie Lithium-Akkus statt der fast überall erhältlichen Mignonzellen. Der verwendete Akku Li-10B paßt auch in einige andere Camedias, z. B. die C-50. (Link auf Bericht)

Der Gehäuseblitz ist fest eingebaut und klappt nur auf Tastendruck auf. Als Besonderheit sind zwei Blitzröhren und zwei Blitzreflektoren verbaut, die obere mit großem Leuchtwinkel wird bei Weitwinkelaufnahmen gezündet, die untere mit engerem Leuchtwinkel bei Teleaufnahmen. Dieses Prinzip hat Olympus bereits bei den analogen Brigdekameras der iS-Serie angewandt, z. B. der iS-1000. (Link:http://www.optiksammlung.de/OM/IS1000.html)

Die Blitzbelichtungsmessung erfolgt TTL mittels Vorblitz. Zusätzlich ist ein Blitzschuh mit TTL-Zusatzkontakten vorhanden, alle System-Blitze des FT- / mFT- und E-Systems lassen sich benutzen.

Die Kamera hat keinen optischen Sucher, sondern man blickt auf ein kleines LCD-Display. Die Umschaltung auf den rückseitigen Monitor erfolgt nur auf Tastendruck. Sowohl Videosucher als auch Monitor lösen nur sehr grob gerastert auf, eine Schärfenbeurteilung ist mit beiden unmöglich, sie können nur zur Bildausschnitts-Wahl benutzt werden. Die Umschaltung zwischen beiden Displays erfolgt durch einen Taster, nach jedem Kamera-Einschalten ist zunächst das hintere große Display aktiv.

Der Videosucher hat eine Dioptrienkorrektur, im Gegensatz zu heutigen Exemplaren erkennt man allzudeutlich, daß man mit einer Lupe auf ein Mini-LCD schaut, da man bei genauem Hinsehen den „Tunnel“ um das Display erkennen kann. Außerdem ist das Suchergehäuse nicht 100% dicht, bei meinem Exemplar sitzt Staub auf dem Display und läßt sich durch Schütteln nicht beseitigen. Kräftig auf den Tisch klopfen möchte ich die Kamera nicht, weil sich dann evtl. die Zentrierung einzelner Objektiv-Elemente verändert.

Das Display hat keine Kratzschutzscheibe vor dem eigentlichen Bildschirm. Es sollte also durch das Aufkleben einer Folie vor mechanischem Beschädigungen geschützt werden.

Die Kamera hat recht viele Tasten und Knöpfe sowie ein Modusrad. Gezoomt wird kompaktkamera-typisch mit einem Hebel, der um den Auslöser angeordnet ist. Die Umschaltung zwischen Zeitautomatik, Blendenautomatik und manuellem Belichtungsmodus wird im Menu durchgeführt, auf dem Modusrad gibt es nur eine Stellung für diese drei Methoden. Der Hauptschalter ist ein Schieber, er schaltet zwischen Wiedergabe, Foto- und Video-Modus um.

Das Objektiv beginnt bei damals nicht mehr ganz zeitgemäßem Weitwinkel von 38 mm und reicht in den damals enormen Telebereich von 380 mm. Hinter dem recht imposanten Objektiv sitzt erstaunlicherweise nur ein winziger Kompaktkamerasensor. Da kein Bildstabilisator verbaut ist, sind unverwackelte Aufnahmen im Telebereich nur bei Sonnenschein möglich.

Die große Frontlinse ist ungeschützt, da im Lieferumfang der Kamera keine Streulichtblende enthalten war. Diese mußte zusammen mit einem Filteradapter-Tubus extra gekauft werden.

Die Bildparameter wie ASA-Wert, Farbsättigung, Scharfzeichnung, Kontrast, Rauschminderung, Belichtungskorrektur usw. können recht fein eingestellt werden. Allerdings werden nach jedem automatischen oder manuellen Abschalten der Kamera alle diese Einstellungen „vergessen“, auch die Bildqualität stellt sich auf das höher komprimierte „HQ“, die niedrigere, also bessere Kompression „SHQ“ und alle anderen Bildparameter müssen jedesmal aufs neue ausgewählt werden.

Die ISO-Automatik arbeitet sehr konservativ, die Kamera schaltet nur sehr zögerlich von 100 ASA auf eine höhere Stufe.

Auf Wunsch können (wie damals allgemein üblich) die 4 Megapixel kameraintern auf fast doppelte Pixelzahl 3200x2400 Pixel (=7,7 Megapixel) hochinterpoliert werden. Sinn machte das damals schon nicht, da echte 8-Megapixel-Kameras bessere Bildergebnisse erzielten als die aufgeblasenen 4-auf-8-Megapixel-Bilder der C-770, heutzutage ist die entsprechende Bildvergrößerung am Computer dank moderner Algorithmen sinnvoller.

Die Kamera speichert die Bilder als JPEG in verschiedenen Größen und Kompressionsstufen, außerdem können unkomprimierte TIFFs gespeichert werden. Beim TIFF ist die Kamera jedoch sehr behäbig, je nach verwendeter Speicherkarte dauert es mehr als 10 Sekunden, bis die Kamera für das nächste Bild bereit ist.

Die Videos mit maximal 640x480 Pixeln können entweder im damals üblichen Motion-JPEG-Kodierungsverwahren als QuickTime-MOV gespeichert werden oder im damals neuen und platzsparenden MPEG4-Verfahren.

Als Speichermedium dienen xD-PictureCards (kompatibel mit allen meinen Karten von 16 MB bis 2 GB).

Die xD-Picture-Card war der stabilere Nachfolger der von Olympus und Fuji eingesetzten SmartMedia-Karte, genau wie diese hat die Karte keinen Speichercontroller, dieser sitzt in der Kamera und beschreibt die Flash-Zellen direkt und kümmert sich auch um das Wear-Leveling.

Für die Schnittstellen ist kein gerne verlorenes Spezialkabel erforderlich, sondern Videobuchse, USB-Buchse und Netzteilbuchse sind standarisierte Steckverbindungen.

Die C-770 war in der gezeigten Silberfarbe und auch in „Profischwarz“ erhältlich. Dies unterscheidet sie von den meisten anderen Camedias der UZ-Serie, die nur in Amateur-Silber verkauft wurden.

Der UVP der Olympus Camedia C-770 Ultra Zoom betrug etwa 750 Euro. Mitgeliefert wurde nur eine recht kleine xD-PictureCard mit 32 MB Kapazität. Größere Speicherkarten, Filteradapter-Tubus und Streulichtblende mussten extra gekauft werden.

Ich habe meine Kamera im Sommer 2020 aus der Restkiste eines Gebrauchthändlers für etwa 10 Euro bekommen, allerdings bis auf den Akku und den Trageriemen ohne Zubehör.

Beispielfotos

Alle Aufnahmen entstanden bei 64 ASA, gespeichert als JPEG, bearbeitet mit Photoshop CS4. Die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. Schärfe, Verzeichnung, Vignettierung, Gradationskurve usw. wurde nicht bearbeitet. In die Beispiele sind 100%-Ausschnitte einmontiert, die Aufnahmeparameter sind in die Bilder eingefügt.

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Das Gehäuse der Camedia C-770 Ultra Zoom ist größtenteils aus Metall gefertigt, allerdings nur aus dünnem Aluminiumblech. Lediglich die Akkufach/Speicherkarten- und Schnittstellen-Klappen sind aus Kunststoff.

Die Kamera gehört zur Klasse der Superzoom-Kameras, zu den Bridgekameras kann sie aufgrund der nicht vorhandenen Griffwulst eigentlich nicht gerechnet werden, jedoch hat sie viele Merkmale dieser Kameraklasse wie Blitzschuh, Histogrammanzeige, Belichtungskorrektur usw. Die Tatsache, daß die Kamera praktisch alle Bildparametereinstellungen beim Abschalten „vergißt“, ist hingegen Einsteigerkompaktkara-typisch.

Die objektivseitigen vorhandenen Bildfehler wie Verzeichnung, chromatische Aberrationen und Vignettierung werden durch den Bildprozessor nicht weggerechnet, bei 38mm ist die Verzeichnung deutlich sichtbar, aber je nach Motiv tolerierbar.

Die Bildergebnisse entsprechen dem, was von einem 1/2,5“-Zwergensensors mit 4 Megapixeln erwartet werden kann. Die Schärfeleistung des Objektivs ist gut auf den Sensor abgestimmt, die „normalen“ Bildparameter für Schärfe, Kontrast usw. sind von Olympus vernünftig ausgewählt. Bei höheren ASA-Zahlen werden die Bilder etwas unschärfer, da der Entrausch-Algorhythmus Details unterdrückt. Allerdings liegt das Maximum von 400 ASA nur knapp 3 Blendenstufen über der Nennempfindlichkeit, so daß die Ergebnisse noch halbwegs ansehnlich sind.

Die Bildqualität der C-770 ist heutzutage nicht mehr als gut zu bezeichnen. Bei 4 Megapixeln und „Schönwetter“ ISO100 / ISO 64 sind die Aufnahmen zwar ansehnlich und die Farbabstimmung Olympus-typisch sehr gut, aber die Auflösung von 4 Megapixeln ist heute ziemlich „mager“ und der Videosucher entspricht heutigen Ansprüchen überhaupt nicht mehr. Ich habe mit der Kamera einen Fotorundgang gemacht und werde sie vermutlich nicht mehr einsetzen.

Fazit: eine digitalkamerahistorisch interessante Kamera (ein Exemplar der Olympus Camedia UZ Serie sollte in jede Digitalkamerasammlung!), heutzutage zum ernsthaften Bildermachen nicht mehr geeignet, 4 Megapixel haben inzwischen fast immer zu wenig Auflösung.

Christian Zahn, Frühjahr 2021

 

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