Das Meyer Optik/Pentacon 30mm Lydith auf der Revueflex 5000 EE geladen mit Fomapan 100 SW Negativfilm von Christian Zahn

In diesem Erfahrungsbericht geht es um ein etwa 40-50 Jahre altes Manuellfokusobjektiv, das ich bereits am digitalem Vollformat verwendet hatte.

Nun also in seinem eigentlichem Element, also bei der Fotografie auf analogen Film. Da ich momentan sehr gerne auf den eher „klassischen“ Film Fomapan 100 fotografiere und weniger auf die moderneren Ilford FP4+ / Delta 100 oder Kodak T-Max, nutzte ich den gutmütigen tschechischen Schwarzweißfilm auch diesmal. Als Kamera verwende ich bei M42 fast ausschließlich die Revueflex 5000, weil sie eine Zeitautomatik hat, man also nicht mit Arbeitsblendenmessung und manueller Abgleichmessung arbeiten muß.

Revueflex 5000 EE

Die Kamera wurde von 1976 bis etwa 1978 von Foto Quelle, Nürnberg für 800 DM zusammen mit einem 1,4/50mm-Normalobjektiv verkauft. Hersteller war Chinon aus Nagano, Japan; die Kamera wurde auch als Chinon Memotron II angeboten und unter diversen anderen Markennamen und Bezeichnungen von anderer Vertriebsfirmen verkauft. Der Unterschied zwischen der Chinon und der Revueflex ist marginal: Die Memotron heißt so, weil sie eine Taste für die Belichtungsmeßwertspeicherung hat, die der Revue fehlt (an der Stelle ist eine Abdeckung montiert).

Mir ist als M42-Zeitautomat nur die Memotron bzw. ihre Ableger bekannt, alle anderen M42-Kameras in meiner Sammlung arbeiten entweder ohne eingebaute Belichtungsmessung oder mit Arbeitsblendenmessung, d. h., mit einem Knopf, einem Schieber oder einer Taste wird die Blende des Objektivs geschlossen und das Meßwerk eingeschaltet. Nun muß der Fotograf Zeit und/oder Blende so verstellen, daß das Meßwerk einen Abgleich signalisiert, in dem entweder eine Nadel auf eine bestimmte Position zeigt oder eine LED aufleuchtet.

Die Memotron funktioniert anders: Dank schneller Lichtmeßzellen auf Siliziumbasis statt der damals noch recht verbreiteten relativ trägen CdS-Meßzellen reicht der Kamera die Zeit vor der Auslösung, um die notwendige Zeit zu ermitteln. Der Ablauf beim Drücken des Auslösers ist folgender:
- Schließen der Objektivblende auf den Arbeitsblendenwert
- Messen der Belichtung = Festlegung der Belichtungszeit
- Spiegel hochklappen
- elektronische Steuerung des Verschlußablaufs mit der vorher gemessenen Zeit
- Öffnen der Blende, herunterklappen des Spiegels

All das geschieht, während der Fotograf den ungewöhnlich langen Auslöser in einer einzigen Bewegung herunterdrückt. Also genauso bequemes Fotografieren wie mit allen anderen Zeitautomatik-Spiegelreflex-Kameras mit Offenblendenmessung! Und darum ist die Revueflex 5000 EE meine Lieblings-M42, obwohl sie mit 760 Gramm deutlich schwerer als viele andere Kameras in meinem Besitz ist. Der Vorteil der „Jederzeit-schnell-Auslösen-können“-Zeitautomatik überwiegt den Gewichtsnachteil. Auch die Stromversorgung ist problemlos: keine inzwischen nicht mehr zu bekommende Quecksilberbatterien, sondern eine 6-Volt-Alkaline oder Lithiumbatterie treibt die Kamera an.

Einziges Problem ist die Aktivierung der Belichtungsmessung im Inneren der Kamera, der Auslöser drückt über eine Umlenkung dünne Kontaktzungen zusammen, die die Messung ein- bzw. ausschalten; und diese Kontakte korrodieren im Lauf der Jahrzehnte gerne, so daß sich die Kamera elektrisch „tot“ stellt.

Die Reparatur ist eigentlich recht einfach: Bajonett vorne abschrauben, Blechabdeckung dahinter entfernen, die Kontakte befinden sich links vom Bajonett. Die Kontaktflächen vorsichtig von Korrosion befreien (freikratzen) und ganz leicht einölen (wirklich nur ganz wenig, nicht zu viel!). Dann sollte die Kamera wieder etliche Jahre funktionieren. Einziges Problem: Chinon hat das Auflagemaß jeder Kamera individuell justiert, unter dem Bajonettring befinden sich mehrere dünne Bleche. Es ist wichtig, die Position jedes einzelnen dieses Bleches beim Zerlegen zu dokumentieren und beim Zusammenbau exakt wieder so zu positionieren, wie es zuvor lag. Fehlt eines der Bleche oder wird falsch eingebaut, stimmt das Maß zwischen Bajonettauflagefläche und Filmebene nicht mehr.

Die Preisentwicklung der Kamera ist hochinteressant, vom Neupreis um 800 DM mit Normalobjektiv fiel ihr Gebrauchtpreis stark ab, weil Manuellfokus-Objektive und insbesondere solche mit M42-Schraubgewinde nach dem Aufkommen der AF-SLRs nur noch ein Nischendasein führten. Und das Aufkommen von Digitalkameras ab 2000 ließ den Preis noch weiter purzeln, so daß man die Kamera quasi „nachgeschmissen“ bekam, als kostenlosen Rückdeckel zu manchem Objektiv. Seit es ein analoges Revival gibt, also wieder verstärkt (Hobby-) Fotografen auf Film aufnehmen und die Produktionsmengen der Filmproduzenten wieder jedes Jahr steigen, wurde auch die Memotron bzw. ihre Ableger wieder deutlich teurer.

Ich erinnere mich nicht mehr so ganz genau, aber ich kaufte die Kamera 2018 zusammen mit irgendeinem weitwinkligerem M42-Objektiv zusammen in einem Fotogeschäft aus der reichlich bestückten Gebrauchtecke und bezahlte vermutlich weniger als 50 Euro. Zwar kann man noch Glück haben und eine Kamera für diesen „Kurs“ ergattern, aber die meisten Angebote sind inzwischen deutlich teurer, vor allem, wenn der Verkäufer die Kamera als „Getestet und funktionsfähig“ anbietet. Defekte oder ungetestete Kameras sind billiger, erfordern aber die oben erwähnte Reparatur. Zu beachten ist, daß die verkauften Stückzahlen eher klein waren, denn 1976-1978 war M42 bereits ein „Auslaufprodukt“ denn begehrte Ware, so daß Käufer für 800 DM lieber eine Kamera mit Bajonett erwarben, so daß man möglicherweise eine Weile nach einer gut erhaltenen preiswerten Revueflex 5000 EE suchen muß.

Pentacon 3,5/30mm, Meyer Optik Görlitz Lydith 3,5/30 

Das Objektiv wurde Anfang der 1960er Jahre für die Pentina von Meyer Optik in Görlitz entwickelt, einer damals neuartigen Kleinbild-Spiegelreflexkamera des VEB Pentacon mit Zentralverschluß und Blendensteuerung im Gehäuse. Deshalb bekam die später auf den Markt gebrachte Version mit M42 keine Springblende, sondern eine Vorwahlblende. Das blieb so bis zum Produktionsende, auch als das Fassungsdesign in den 1970ern modernisiert und der Hersteller auf Pentacon umbezeichnet wurde. Vermutlich hatte es Kostengründe, denn das 3,5/30mm-Objektiv mit seinen 5 einzelnen Elementen war günstiger im Verkauf als das aufwendigere 2,8/29mm Pentacon-Weitwinkel mit Springblende. In der Variante für die Pentina kostete es 142 Mark (DDR), in der Version mit M42 150 Mark (DDR).

Das gezeigte Objektiv ist nach 1975 gebaut worden, denn es hat die Kreuzrändelung des Fokusringes, die damals eingeführt wurde.

Das Objektiv verzeichnet etwas (siehe Mast Bildbeispiel 2), je nach Motiv stört dieser Objektivfehler. Die unscharfen Bildecken bei Offenblende treten auch auf Film auf, sie liegen also nicht am „Corner-Smearing“ durch den Filter vorm Sensor, sondern sie sind dem Objektiv immanent. Aber Abblenden auf ca. 1:8 ergibt auf Film Aufnahmen, bei denen die Ecken fast so gut wie die Mitte sind. Nachteilig ist höchstens die Tatsache, daß „30mm“ etwas geschönt ist, man also mit einem 31mm-Objektiv fotografiert, was im Gegensatz zu einem „echten“ 28er schon einen Ausschnittunterschied ergibt.

Zwei Beispielfotos

Alle Aufnahmen entstanden freihand bei 100 ASA, Zeitautomatik bei Offenblende bzw. Blende 5,6, aufgenommen auf Fomapan 100, entwickelt mit Tetenal Ultrafin T-Plus, bearbeitet mit Photoshop CS4. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten sowie Schärfe wurden korrigiert, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert.

Fazit

Man muß das Seifenblasen-Bokeh des Objektivs bei Offenblende mögen, aber es ist nicht einfach, Motive für diese spezielle Art der Unschärfen-Darstellung zu entdecken, zum Einen muß mit Offenblende fotografiert werden, zum Zweiten müssen im Hintergrund geeignete Motivdetails vorhanden sein, idealerweise sind es starke Hell-Dunkel-Kontraste, beispielsweise Licht, daß durch Blätter strahlt oder von der Sonne angestrahlte helle Tautropfen auf dunklen Pflanzen. Und im Gegensatz zu einem „28er“ ist das Bildfeld sichtlich kleiner, so daß manches Motiv seitlich beschnitten wird, wenn der Aufnahme-Standpunkt nicht verändert werden kann. Bei Blende 8 hingegen ist das 30er als „normales“ Weitwinkel brauchbar zu nutzen.

Christian Zahn, November 2026

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