Staeble Choro 38mm Reparaturbericht von Christian Zahn
In diesem Erfahrungsbericht geht es um die Reparatur eines etwa 70 Jahre alten Manuellfokusobjektivs. Hersteller war die Firma „Optisches Werk Dr Staeble & Co“ in Altenstadt bei Schongau, Oberbayern (in der Nähe von Kaufleuten). Ursprünglich 1908 in München gegründet, wurde das Werk in Altenstadt 1969 an die Agfa-Gevaert AG verkauft, die bereits zuvor etliche Objektive von Staeble für ihre Kameras bezog. 2003 erfolgte die Betriebs-Verlagerung nach Peiting.
Staeble hat im Laufe der Jahre Objektive für viele andere Firmen hergestellt, teilweise unter eigenem Namen, aber auch oft mit der Kundenbezeichnung gelabelt. So stammen beispielsweise fast alle Novoflex-Objektive von Staeble. Das hier gezeigte Weitwinkel entstand für die Carl Braun Nürnberg Paxette II, eine Meßsucherkamera mit M39-Schraubgewinde, die aber ein anderes Auflagemaß als die Schraubleicas hat, denn die Paxette benötigt Platz für ihren Zentralverschluß, während die Leica einen Gummituch-Schlitzverschluß hat.
Ich bekam das Objektiv zur Reinigung, diese erwies sich aber als unnötig. Sämtliche Verschmutzung betraf nur die beiden äußersten Linsenflächen und die „duftige“ Unschärfe des Objektivs resultiert nicht aus „Lensfog“, Glaspilz oder jahrzehntealtem „Schmodder“, sondern das einfach aufgebaute Weitwinkel ist eben nicht besonders scharfzeichnend.
Die Paxette-Meßsucherkameras galten in den 1950ern als die „Volksschullehrer-Leica“, denn sowohl die Kamera als auch die Wechselobjektive waren erheblich günstiger als die Erzeugnisse aus Wetzlar. Es gab eine Variante mit 35 und eine mit 38 mm Brennweite, beide sind sich sehr ähnlich.
Ralf Jannke mit seiner 35 mm Variante HIER fotografiert.
Staeble Choro 1:3,5/38
Das Choro ist ein dreilinsiges einfachvergütetes Objektiv. Das 35er leuchtet den für Kleinbild nötigen Bildkreis nicht ganz aus, das 38 hingegen schon. Während beim 35er Choro deshalb die Bildecken heftig vignettieren, ist das 38er wesentlich gefälliger, was Randabdunklung und Eckunschärfe angeht. Allerdings muß immer bedacht werden, daß heutige Vollformatsensoren die Auflösung der Kleinbildfilme von 1950 erheblich übersteigen, damals hatte ein niedrigempfindlicher Film (25-50 ASA) weniger Auflösung und mehr Korn als heutzutage ein 100-ASA-Film. Bei den damals üblichen Vergrößerungen von 7x9 bis meist nur 13x18 cm reichte ein solch einfaches Objektiv völlig aus.
Der extrem schmale Entfernungsring läuft nach all den Jahrzehnten noch gut. Der Blendenring ist klein und weil er sich beim Fokussieren mitdreht, hat er zwei Skalen und zwei Markierungen, damit man eine immer von Oben sehen kann. Da die Paxette einen Meßsucher hat, benötigt das Objektiv keine Springblende, der Blendenring schließt die fast kreisrunden Lamellen direkt auf den eingestellten Wert.
Weil die winzige Linse tief im Objektivkörper sitzt, wird keine Streulichtblende benötigt, außerdem hat das Objektiv kein Filtergewinde. Die Naheinstellgrenze von 0,8m ist für ein Weitwinkel der 1950er Jahre durchaus beeindruckend kurz.
Das Objektiv ist klein und winzig, es wiegt ungefähr 50 Gramm.
Reparatur
Wie erwähnt, war es gar nicht nötig, das Objektiv vollständig zu zerlegen, darum beschränkte ich mich auf einige Schritte. Beim Zerlegen ist es wichtig, daß man sich Maße notiert, die das Objektiv bei Unendlich hat, denn der Ring, der den Unendlichkeitsanschlag darstellt, muß man abschrauben und kann ihn beim Zusammenbau beliebig anschrauben, so daß die eingravierte Entfernung nicht mehr mit der einzustellenden übereinstimmt. Das ist an heutigen Systemkameras zwar egal, denn dort fokussiert man direkt mit dem Bildsensor, aber vielleicht will man später noch einmal mit einer Palette ein paar Bilder auf Kleinbildfilm aufnehmen und dann sollte das Objektiv richtig zusammengebaut sein, ansonsten gibt es unscharfe Fotos.
Wie man sieht, wurde das Objektiv recht einfach konstruiert: Die M39-Fassung trägt innen ein Feingewinde zum Fokussieren, die Linsenfassung hat Außen das Gegenstück, die Friktion entsteht durch das Schmierfett und der Entfernungsanschlag ist ein eingeschraubter Gewindestift. Einfach, preiswert, funktionell! Das Zerlegen der Blenden- und Linsenbaugruppe ist wesentlich aufwendiger, beim Zusammenbau der Blendenlamellen ist feinmechanisches Geschick erforderlich.
Qualitäts- und sonstiger Eindruck
Das Objektiv hat seinen eigenen Charakter, man muss es mögen. Das 38er ist erheblich schärfer als das 35er, denn ich fand Bildbeispiele im Internet, die die dürftige Unschärfe wesentlich weniger stark zeigen, insbesondere bei Abblendung auf 1:8 bis 1:11.
Christian Zahn, April 2026
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| Autor: | Christian Zahn |
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| Erstellt: | 27.04.2026 |












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