Vivitar ViviCam S425 Kurzvorstellung

Hier stelle ich eine Kompaktkamera vor, über die es nur wenig Informationen im Netz gibt und die einen sehr exotischen Akku verwendet, für den ich nichts „kompatibles“ in meiner inzwischen sehr umfangreichen Sammlung habe. Meine Akkus sind entweder zu dick, zu breit, zu lang oder haben die Kontakte an der falschen Stelle. Auch die Suche nach einem „kompatiblem“ Akku im Internet förderte einen Vergleichstyp zutage.

Und nicht einmal ein Kontaktieren der tiefliegenden Akkukontakte mit Greifklammern und Anschließen eines 3,7-Volt-Netzteils brachte die Kamera sinnvoll „zum Leben“. Das Objektiv fährt aus, das Vivitar-Logo erscheint auf dem Bildschirm, das Objektiv fährt wieder ein und der Bildschirm wird schwarz. Sofort danach beginnt der Vorgang erneut.

Im Internet finden sich etliche Verkaufsangebote dieser Kamera mit der Beschreibung „dead / ohne Funktion / not Working“. Somit gehe ich von einem Serienproblem aus und der folgende Text ist eine „Trockenbeschreibung“ ohne Beispielbilder und ohne Funktionskontrolle.

Vivitar wurde 1938 als Ponder und Best, Inc., in Hollywood, USA gegründet und vertrieb zunächst vor allem deutsche Fotoartikel in der Region. 1945 wurde P&B offizieller Rollei-Vertrieb an der US-Westküste und verkaufte auch die ersten japanischen Objektive und Kameras. Als Ponder&Best 1963 die Vertriebsrechte von Rollei abgeben mußte, suchte sich das Unternehmen ein neues Standbein, indem man unter dem Markennamen „Vivitar“ japanische Spiegelreflexobjektive in Japan als OEM-Produktion in Auftragsfertigung herstellen ließ und weltweit verkaufte. Dabei handelte es sich anfangs um vom Lieferanten entwickelte Objektivrechnungen, später hatten Vivitar-Objektive amerikanische Rechnungen als Grundlage, die vom Lieferanten in reiner Lohnfertigung gebaut wurden. 1979 wurde Ponder&Best in Vivitar Inc. umfirmiert.

Vivitar entwarf auch andere Fotogeräte, z. B. einen Farbvergrößerer mit einer „Lightpipe“, einem Lichtleiter, der die Wärmestrahlung der Halogenlampe von Negativ fernhielt. Ab etwa 1980 gab es sehr viele gute Objektive von Mitbewerbern am Markt, so daß Vivitars Marktanteil allmählich sank und spätestens mit dem Aufkommen der Autofokus-Objektive begann der Abstieg. 1986 wurde das Unternehmen an den Konkurrenten Hanimex aus Australien verkauft, danach wechselten die Besitzer schnell und oft. Seit 2008 ist Vivitar nur noch ein Markenname der Sakar International und kein eigenständiges Unternehmen mehr. Als Distributor ist im Handbuch und auf der Verpackung „Sakar / Vivitar International, Edison, New York“ bzw. „Sakar / Vivitar UK, Coventry“ angegeben.

Spezifikationen

  • Die 2015 vorgestellte Vivitar ViviCam S425 ist 96 x 58 x 24 mm groß und wiegt 85 g.
  • Der CMOS-Sensor löst maximal 4608 x 3456 Pixel  = 16 Megapixel auf und entspricht vermutlich der 1/2 Zoll-Klasse oder ähnlich. Die Empfindlichkeit ist  automatisch oder manuell von 100 bis 400 ASA verstellbar. Bilder werden als JPEG auf SD-/SDHC-Karten (max. 32 GB) gespeichert.
  • Das Objektiv ist ein 1:3,0-4,5/6-24mm Vierfachzoom, das KB-aquivalent etwa 30-120mm (??) entspricht.
  • Das Motiv wird über einen 2,5“ TFT LCD Monitor angezeigt, der auch die Menüanzeige darstellt.
  • Entfernungseinstellung Autofokus durch Kontrasterkennung auf dem Bildsensor.
  • Belichtungssteuerung Vollautomatik mit Belichtungskorrektur +/- 3 Blendenstufen.
  • im Gehäuse integrierter Blitz mit ca. Leitzahl 5
  • Weißabgleich automatisch
  • ohne Bildstabilisierung
  • Energieversorgung durch Lithiumakku

Besonderheiten

Die Kamera gehört in die Klasse der Billig-Kompaktkameras „Made in Fernost“ und ist eine OEM-Produktion. Das bedeutet, dass der wahre Hersteller fertige Kameras entwickelt, die dann unter verschiedenen Namen international vertrieben werden.

Die Stromversorgung erfolgt mit einem exotischem Lithiumakku, dessen Typ weder im ausführlichem Kameramanual steht noch heutzutage per Internetsuche herauszubekommen ist. Wie erwähnt, habe ich keinen Ersatztyp herausgefunden. Eine Ladeschale wurde nicht mitgeliefert, der Akku wird per USB-Netzteil in der Kamera aufgeladen.

Die Empfindlichkeit  beträgt 100 bis 400 ASA, was 2015 sehr wenig war. Aber vermutlich rauschte der Sensor bei 400 ASA schon so stark, daß 1600 ASA keine sinnvollen Aufnahmen ergeben hätten.

Die technischen Daten im Handbuch sind recht dürftig, die KB-äquivalente Brennweite wird nicht angegeben, auch die möglichen Belichtungszeiten werden nicht erwähnt.

Als Datenspeicher dienen SD-/SDHC-Karten bis 32 GB, im internen Speicher ist nur Platz für eine einzige Aufnahme.

Die Kamera ist aus recht billigen Komponenten zusammengebaut, um den niedrigem Verkaufspreis erreichen zu können.Ein Auslöser, ein Hauptschalter, eine Zoomwippe, ein Steuerkreuz mit vier Doppelfunktionen und zwei weitere Tasten müssen zur Bedienung ausreichen.

Das Display dominiert die Rückseite und liegt völlig frei und ungeschützt. Seine Auflösung scheint recht niedrig zu sein, das Startlogo sieht ziemlich pixelig aus.

Als Schnittstelle steht nur USB zur Verfügung, wobei eine Mini-USB-Buchse verbaut ist.

Der UVP der ViviCAM S425 in Deutschland ist mir nicht bekannt, in England soll sie 35 Pfund gekostet haben (das entsprach damals etwa 45-50 Euro). Der heutige Zeitwert dürfte mit Null bis ein Euro anzusetzen sein. Ich bekam das gezeigte Exemplar vom Editor dieser Zeilen geschenkt, auch er hatte keinen passenden Akku im Fundus.

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Die Kamera gehört zur Klasse der recht frühen OEM-Digitalkameras. Das Gehäuse der ViviCam ist komplett aus Kunststoff, alles was metallisch glänzt, ist nur lackiert. Erstaunlicherweise ist das Stativgewinde ein Metallteil. Wie üblich gab es die Kamera in verschiedenen Farben zu kaufen, neben dem abgebildetem Pink in Blau, Schwarz und Silber.

Die Bildqualität vermag ich aufgrund des Defekts nicht zu beurteilen, die wenigen zeitgenössischen Tests ergaben eher unterdurchschnittliche Qualität, die der Billigklasse und dem winzigem Sensor geschuldet war.

Fazit: eine digitalkamerahistorisch ziemlich uninteressante Kamera (höchstes als Beispiel für die späte OEM-Kamera-Ecke), heutzutage zum ernsthaften Bildermachen vermutlich aufgrund der Bildqualität größtenteils ungeeignet, aktuelle Smartphones machen bessere Fotos.

Christian Zahn

 

Kommentare (1)

  • H. Lenz
    H. Lenz
    vor 3 Wochen
    Die Kamera scheint auch als Agfa und Polaroid vermarktet worden zu sein, die Typen Polaroid iE826, iS426 sowie Agfa DC5200 sehen zumindest sehr ähnlich aus (teils mit anderem Sensor und ohne opt. Zoom) und die Polaroids verwenden ebenfalls einen Akku, der mit ZK-01 bezeichnet ist. Den Agfa-Akku kann man sogar noch als Ersatzteil bestellen.

    Daten und Kontaktleiste sind anscheinend auch sehr ähnlich zum Nokia-Akku BP-6M, der allerdings ein wenig länger ist.
    Zum Testen ev. leichter aufzutreiben.
    Es gibt auch Leute, die damit die Kamera wieder nutzen, indem sie den Akkudeckel etwas bearbeiten:
    https://www.youtube.com/watch?v=Zre7jshFLQ0

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