Vom 60 Jahre alten analogen Normal8 Schmalfilm zum digitalen Video und Foto
Ganz weit ab von der heutigen Perfektion in digitaler Fotografie und Videoaufnahme!
Das Foto von 1966 zeigt Vater Hans-Joachim Jannke samt Kindern Ralf (ich), Hans-Werner und Christiane auf dem vor 100 Jahren an der Nordspitze der südschwedischen Ostseeinsel Öland gestrandeten Dreimastschoner Swiks. Damals wurden übrigens alle Besatzungsmitglieder gerettet! Die Film-/Foto-Rekonstruktionstechniken werden weiter unten im Beitrag ausführlich beschrieben.
Es stand an das Projekt Digitalisierung von zwei Familien-Normal8 Schmalfilmen
Über eine Facebookgruppe werden Fotos und Gedanken zur südschwedischen Ostseeinsel Öland ausgetauscht. Seit 1972 ist die rund 137 km lange und maximal 16 km breite Insel per Brücke mit dem Festland und der Stadt Kalmar verbunden. Die Brücke hat eine Länge von ca. 6,1 km.
Ich war 1966 das erste Mal mit den Geschwistern und Eltern auf der Insel Öland. Von Beginn an hat mein Vater fotografiert und von 1966 bis 1972 auch gefilmt — auf so genannten Normal8 Schmalfilm. Die zwei vorhandenen Filme stellen eine kleine Zeitkapsel dar, die jetzt 60 Jahre später geöffnet wird.
Für diese beiden und weitere Filme der Jannke Familien-Saga wurde ein Scanner für bewegte Bilder/Schmalfilm geordert. Ich wollte die mir wertvollen Filme nicht aus der Hand zum Dienstleister geben und auch kein Gebrauchtgerät erwerben. Was da bei eBay als "gebraucht" angeboten wird, erweist sich allzuoft als Leihgerät zu unverschämten Kautionen/Leihgebühren …

Gefilmt wurde mit einer Nizo auf das damalige Normal8-Format. Super8 Schmalfilm kam erst später. Die einzelnen Bilder, aus denen sich die bewegten Szenen schließlich zusammensetzen, sind nur ca. 3,6 x 4,8 mm groß. Pro Sekunde nimmt die Nizo 18 Bilder auf. Auf einen Meter Film kommen dann rund 285 Einzelbildchen, die Bild für Bild von einem Schmalfilmscanner abfotografiert und dann zu einem MP4-Video zusammengesetzt werden. Wobei der Scanner diese Geschwindigkeit meiner Meinung nach nicht schafft. Gefühlt erfasst er nur jedes zweite oder dritte Einzelbild. So oder so: Für einen ca. 15 Minuten langen Schmalfilm werden dazu rund 4,5 Stunden Digitalisierungszeit benötigt! Gerne auch in "Nachtarbeit" ;-) Zusammen mit dem Alter der Filme – bis zu 60 Jahre – eine Herausforderung.
Die erste Idee war, sich mit einem 10 Euro Analog-Redigierer für Schmalfilm aus eBay/Kleinanzeigen Einzelbilder auszusuchen, um die dann mit dem oben gezeigten FUJICA Standard 8 Filmkopierer abzufotografieren. Der FUJICA kam mit M42-Anschluss und zwei Masken für die Filme. Die größere Maske dürfte für 16 mm Film sein.
Eine Idee, die schnell verworfen wurde. So wäre ich nie fertig geworden!
Stattdessen wurden die Filme mit einem der unter verschiedenen Namen (Kodak, Reflecta, Somicon) angebotenen Schmalfilmscanner digitalisiert. Ich vermute, dass in allen die gleiche Technik steckt.
Wobei man da keine Wunder erwarten darf! Die beiden bis zu 60 Jahre alten Filme haben farblich schwer gelitten. Woran nicht viel zu verbessern ist. Dazu später mehr.
Zum nebenstehenden Foto, genauer dem Monitorbild
Es zeigt den 1954 geborenen Autor mit seiner Mutter. Aufgenommen vom stolzen Vater in Schwarzweiss mit der oben gennnten Nizo Filmkamera. Die noch heute in meinem Besitz ist und tadellos fuktioniert!
Als größtes Problem beim Digitalisieren der Normal8 Schmalfilme erwiesen sich die bis 60 Jahre alten Klebstellen, die beim Schneiden des Films entstanden waren. Viele Klebungen liefen unbemerkt problemlos durch. Waren sie aber zu dick, blieb der Film einfach stehen oder riss an der Stelle gleich ab.
Prinzipell kein unlösbares Problem, weil man unter Verlust von ein paar Einzelbildern einfach weitermachte.
Aber
Ein autarkes Digitalisieren zum Beispiel unbeobachtet über Nacht war so ausgeschlossen. Natürlich muss man für die rund 4,5 Stunden Digitalisierzeit nicht daneben sitzen, sollte den Scanner aber dann tagsüber im Blick haben, um bei Blockade/Filmriss gleich eingreifen zu können.
Der erste Familienfilm hatte geschätzt 10 Fehlstellen, die Eingreifen erforderten, der zweite nur eine Fehlstelle. Langer Rede kurzer Sinn: Am Ende waren beide Filme digitalisiert!
Wer möchte, hier eine kleine Zwei-Minuten Kostprobe
Geschnitten und vertont wurde der Stummfilm mit dem im Vergleich zu Adobe Premiere (Abo-Verpflichtung) noch bezahlbaren Programm Movavi Video Editor 26. Mit Davinci AI Video Tool komme ich einfach nicht zurecht.
Movavi bringt neben den Standardfähigkeiten noch die Möglichkeit, Farben, Kontraste und Schärfe etwas zu verbessern mit. Dazu ist das Programm in der Lage "wackeligen" Szenen etwas zu "beruhigen". Für die Familienerinnerung, den Familiengebrauch genügt es.
Soweit die Möglichkeiten am bewegten Bild aus dem jahrzehnte alten Schmalfilm.
Aber da war ja noch die Aufgabe einzelne 3,6 x 4,8 mm Fotos aus dem Schmalfilm zu extrahieren und ansehnlich zu präsentieren.
Fotos aus den winzigen 3,5 x 4,8 mm Einzelbildchen des Schmalfilms generieren
Wie oben beschrieben, wurde der Versuch mit dem Analog-Schmalfilmredigierer und dem FUJICA Standard 8 Filmkopierer schnell abgebrochen. Die Lösung war dann viel einfacher und schneller. Aus den vom Somikon Digitalisierer erzeugten MP4 Videos wurden beim Durchspielen einfach angehalten, um die gewünschten Einzelbilder per Copy-and-Paste in Photoshop zu überführen.
Bei der Gelegenheit: Die Einzelbilder haben eine Größe von 1.440 x 1.080 Pixel. 1.920 x 1.080 wäre FullHD, aber das gibt das ca. 4:3 Seitenformat des Normal8 Schmalfilms nicht her. Um es vorwegzunehmen: Die Qualität der Einzelbilder ist überwiegend miserabel. Das fiel im laufenden auf Leinwand projizierten Film jedoch kaum auf. Der brave 8 mm Schmalfilmamateur war damit zufrieden. Denn die nächsten Filmgrößen 9,5 und 16 mm Film konnten sich nur wenige leisten …
Übrigens
Die wenigen Versuche Einzelbilder mit dem oben gezeigten FUJICA Standard 8 Filmkopierer zu extrahieren, zeigten trotz Nikon Z-Einsatz keine bessere Qualität! Von dem nervigen Gefummel ganz abgesehen …
Vom unvollständigen Panorama zum (fast) vollständigen Schiffswrack
Nach Errechnung des Panoramas aus 10 genügend überlappenden Einzelbildern durch Photoshop wurde im zweiten Schritt der Horizont begradigt. Im dritten Schritt wurden die leeren, weißem Flächen mit dem Zauberstab markiert und mit der Photoshop-Funktion "Generatives Füllen" gefüllt. Wobei da immer die Auswahl aus drei Varianten besteht. Ich habe die am realistischsten aussehende Variante genommen. Das Foto wurde dann auf die gewünschte Größe gebracht. Durch den Schwenk beim Filmen ist das Endergebis natürlich ein "Schalformat". Die Bildhöhe dann maßvoll vergößert, lässt das Ganze dann schon etwas gefälliger aussehen. Final wurden die 3.600 x 1.000 Pixel auf 3.600 x 1.800 Pixel nach oben (!) erweitert, um dort den Himmel aufzufüllen. Zum Schluss machte ChatGPT daraus ein Foto im typischen Postkartenlook. Wie weit man das als Fake durchgehen lassen will, überlasse ich anderen. Ich bin damit hochzufrieden und wollte einfach die Möglichkeiten eines für mich sinnvollen KI-Einsatz zeigen.
Weitere Bildbeispiele gezogen aus den 3,5 x 4,8 mm Einzelbildchen des Normal8 Schmalfilms, bzw. fertigen MP4-Videos
Von diesem ehemaligen Holzverladesteg ist nach über 50 Jahren fast nichts mehr übrig!
Mein Vater und ich hatten ihn als willkommenen Angelsteg auf Aal, Barsch und Hecht benutzt. Links das Einzelbild aus dem Film, rechts die ChatGPT-Verbesserung. Wo ChatGPT und viele KI's noch Probleme haben, dass ist die Erkennung und richtiger Wiedergabe von Schrift, Buchstaben, Wörtern. Daher ins ChatGPT-Bild das Original Warnschild einmontiert. Der Text lautet: Warnung. Der Steg ist baufällig. Betreten auf eigene Gefahr …
Qualitäts- und sonstiger Eindruck
Qualität? Schulnote "Ausreichend Minus" – für die digitalisierten Schmalfilme
Ich hatte auch nicht ernsthaft mehr erwartet. Bei einem Mix verschiedener Filmsorten pro 15 Minuten Spiellänge-Rolle konnte nicht viel mehr herauskommen. Alles konsequent auf Kodachrome gefilmt, wäre es wahrscheinlich besser gewesen. Aber sicher auch keine Garantie. Und meinem Vater war Kodachrome vermutlich zu teuer … Also kamen auch Hausmarken wie Revuechrome aus dem damaligen Versandhaus Quellle zum Einsatz. Die nie die Stand-/Archivfestigkeit von Kodachrome hatten!
Immerhin schien die zweite Filmrolle bis – 4 - 5 - 6 Jahre jünger – deutlich besser zu sein. Die Sicherung des ersten Teils der Familiensaga ist gelungen. Die sonst eh niemanden interessiert. Aus dem Material entstand ein ca. 25 Minuten Video, das noch vertont werden muss. Wobei ich mich beim "Vertonen" auf Musikuntermalung beschränken werde. In der YouTube Audio-Mediathek findet sich mit etwas Suchen passendes Material …
Nach Fertigstellung der beiden für Facebook interessanteren Filme/Einzelfotos schiebe ich jetzt noch die restlichen vier Filme durch. Mindestens zwei davon sind komplett in SchwarzWeiss gefilmt und mit Mitte der 1950er Jahre also noch älter. Teile des ersten Films aus 1954 ließen sich nicht digitalisieren. Sie klemmten auch ohne erkennbaren Grund/Klebstellen dermaßen, dass der Transport blockierte. Allzuviele Versuche habe ich damit nicht mehr unternommen. Was sich digitalisieren ließ, wird archiviert.
Ich kann nicht schließen, ohne zum Ende nochmal die phänomenale Rekonstruktionsqualität von ChatGPT zu demonstrieren
Erstaunlicherweise hatte mein Vater 1954 der Nizo einen Farbfilm spendiert. Um damit unter anderem die Durchfahrt eines Dampf-angetriebenen Schleppers auf dem Rhein unter der heutigen Kennedy-Rheinbrücke festzuhalten. Zum Dampfantrieb gesellte sich noch der Schaufelradantrieb. Schaufelräder auf beiden Seiten des Schleppers! Zur Durchfahrt unter der Brücke mussten die langen Schornsteine des Schleppers umgelegt werden, bis die Brücke passiert war.
Im Gegensatz zu den Dutzenden Einzelbildern aus den Schmalfilmen hatte dieses Einzelbild eine höhere Qualität. Warum auch immer. Aber was ChatGpt daraus rekontruierte, ist schlicht und einfach genial.
Dann werden die Roh-Videos mehrfach gesichert. Wobei die Filme danach eigentlich entsorgt werden können. Die werden durch weiteres Liegen nicht besser ;-) So wie ich auch alle 1500 bis 2000 Dias nach Digitalisierung und mehrfacher Sicherung auf mehreren unterschiedlichen Datenträgern entsorgt habe.
Mit den gezeigten Verbesserungsmöglichkeiten und AI-Techniken ist mir jetzt auch klar, wie in der Vergangenheit zahlreiche klassische Spielfilme mit modernster KI-AI-Technik auf erstaunliche Qualität gebracht wurden. Wobei bei Spielfilmen auf 35 mm Film — die Einzelbilder sind dann 18 x 24 mm groß — dann eine enorme Rechenleistung = Großrechner dahinter stehen muss! Aber so kann man die "Wunder" verstehen! Mir genügen die ChatGPT-"Wunder"!
Eigentlich könnte ich den Somicon Schmalfilmdigitalisierer nach Einsatz verkaufen. Aber da ist "irgendwo" noch ein Film, den ich unbedingt noch suchen muss. Main Vater hatte beim Besuch des äthiopischen Kaisers Haile Selassie in Bonn 1954 einige Szenen am Bonner Rathaus gefilmt. Und in Schweden liegen noch 2 unbelichtete Normal8 Schmalfilme, die ich schon lange mit einer NIKKOREX-8F belichten wollte. Zur im Blogbeitrag gezeigten NIKKOREX-8F gesellte sich in der Zwischenzeit noch ein komplettes Exemplar, sogar mit Zoomobjektiv! Die Entwicklung der beiden Schmalfilme wird zwar ein Vermögen kosten – das kann ich nicht selbst –, aber damit ist das Thema Schmalfilm dann abgearbeitet.
Ralf Jannke, September 2026
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| Autor: | Ralf Jannke |
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| Erstellt: | 14.09.2026 |































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