Um (zunächst) nicht mit den speziellen Medical Nikkor Vorsatzlinsen hantieren zu müssen, wird aktuell ein stabiles Balgengerät probiert. Das Balgengerät war bereits erfolgreich im Einsatz und kam mit dem alten Canon FD-Objektivanschluss. Unproblematisch, da sowohl ein Canon FD-/Nikon Z-Adapter als auch der Nikon F-auf-Canon FD-Adapter im Depot sind.
Die bisherigen Beiträge zum Medical Nikkor
- 2023: Medical-NIKKOR Auto 1:5.6 f=200mm Nippon Kogaku Japan
- 2026: Medical-NIKKOR Auto 1:5.6 f=200mm Nippon Kogaku Japan Nummer zwei. Start mit Hindernissen
- 2026: Medical-NIKKOR Auto 1:5.6 f=200mm Nippon Kogaku Japan Finale
Das Hantieren mit dem exotischen Medical Nikkor ist durchaus eine gewisse Herausforderung. Alles sinnvoll nur vom Stativ aus! Für einen Test, wie stark die Beugungsunschärfe tatsächlich auf die Gesamtschärfe wirkt, wurde ein Testmotiv mit einer gewissen Ausdehnung platziert, die mit der kleinsten Blende f/45 des Medical Nikkors theoretisch komplett erfasst würde. Um die Schärfe nach ein paar Testreihen gegen eine Fokus-Stacking Aufnahme zu vergleichen.
Im Gegensatz zu diesen beiden ersten Fotos habe ich zunächst auf die Nikon Z 6 und das wenig stabile Balgengerät mit Nikon F-Anschluss verzichtet und das Medical Nikkor im ersten Durchgang direkt auf die 16 Megapixel Vollformat DSLR Nikon D4 montiert. Um die alte Exakta so gut wie möglich ins Bildfenster einzupassen, kam die 1/4 Vorsatzlinse zum Einsatz. Die laut Tabelle für eine Distanz von 0.89 m gerechnet ist. Die 1/6 ist für 1,34 m.
Nach einigem Gefummel kam auch die Erkenntnis, dass man auf Grund der Bauweise, der Handhabung und des Einsatz' die Idee des Fokus-Stacking für das 200 mm Medical Nikkor ziemlich vergessen kann.
Warum?
Durch die festen Abbildungsmaßstäbe der Vorsatzlinsen muss zum Fokussieren ja das komplette Objektiv, was keine Entfernungseinstellung hat, samt Kamera vor und zurück bewegt werden. Eben ganz anders als ein Objektiv mit konventioneller Fokussierung.
Wenn ich dann zum Gewinn an Schärfentiefe statt zu starkem Abblenden beim Fokus-Stacking ein Nahpunkt für den Fokus, einen mittleren Punkt und den am weitesten entfernten Messpunkt fokussiere, hat das Objektiv im Vergleich zu "normalen" Objektiven mit Entfernungseinstellung immer eine geringfügig andere Position, die sich auch aufs Motiv auswirkt. Wieweit das das Photoshop-Fokus Stacking ausgleichen kann, habe ich nicht probiert.
Ausführlich beschrieben und gezeigt im Beitrag: Nikon Z6/7 Fuji X-E1 mit Tokyo Kogaku Japan RE Auto-Topcor 1:3:5 f=13,5 cm, Schnelltest
Abgesehen davon, war es sehr mühselig mit der D4 trotz Novoflex-Einstellschlitten manuell zu fokussieren. Selbst im aktivierten Liveview mit Monitorbildvergrößerung war es für mich trotz +3,5 Dioptrien "Frickelbrille" schwierig die Schärfe für die drei Einzelfotos 100 Prozent sicher zu erkennen. Da ist die spiegellose Nikon Z6/7 der D4 weit überlegen.
Was tun? Abblenden!
Die 16 Megapixel Vollformat Nikon D4 hat auf dem Sensor einen Pixelabstand/Pixelpitch von 7,3 µ. Nach Theorie beginnt die Beugungsunschärfe beim Produkt Pixelpitch x 2, also 7,3 x 2 = Blende f/14,6. Nach den Erfahrungen gehen auch f/16 noch problemlos. Und wenn ich mir die Dreiervergleiche ansehe, kann ich getrost sogar noch f/22 nehmen. Danach ist bei der Nikon D4 Schluss, wenn man sich die 2:1, 3:1, 200/300 Prozent Monitorvergrößerungen ansieht. Auf keinen Fall f/32 oder gar f/45! Blende 16, 22 müssen eben reichen einen ausgewählten Bereich des Motivs in der Schärfe zu haben. Bei der Nikon Z6 und Z7 mit ihren Pixelabständen von 5,9 bzw. 4,3 sollte man bei Blende 16 bzw. Blende 11 schlussmachen!
Fokus-Stacking mit der Starrheit des Medical Nikkors: Siehe oben — nein. Im Unterschied zum unlängst getesteten Tokyo Kogaku Japan RE Auto-Topcor 1:3:5 f=13,5 cm auf der Nikon Z6.
Schärfentiefe hin und her, wenn es im Garten zu Blühen beginnt, geht das Medical Nikkor auf die Z6! Mit Balgengerät und Einstellschlitten!
Die folgenden Fotos wurden mit der 16 Megapixel Vollformat DSLR Nikon D4 aufgenommen. Auf dem 200 mm Medical war die 1/4 Vorsatzlinse montiert
Das Ergebnis ist eigentlich simpel
Vorweg
Wenn es um das Thema Beugungsunschärfe geht, ist eine sichere Beurteilung nur in der 1:1/100 Prozent-Monitorwiedergabe möglich. Wenn mit Blenden von 22 bis 64 aufgenommene Bilder von zweistelliger Megapixelauflösung auf 1,5-2 Megapixel für die Internetwiedergabe verkleinert werden, wird die Beugungsunschärfe kaum noch erkennbar. Dagegen ist nichts einzuwenden. Nur sollte dann nicht behauptet werden, das Beugung, Beugungsunschärfe bei kleinen Blenden, großen Blendenzahlen keine Rolle spielt. Doch, tut sie!
Die eingesetzte 24 Megapixel Vollformat Nikon Z6 hat auf dem Sensor einen Pixelabstand/Pixelpitch von 5,9 µ. Nach Theorie beginnt die Beugungsunschärfe beim Produkt Pixelpitch x 2, also 5,9 x 2 = Blende f/11,8. Nach den Erfahrungen gehen auch f/16 noch problemlos. Und wenn ich mir die Dreiervergleiche ansehe, würde ich sogar noch f/22 nehmen. Danach ist Schluss. Bei genauem Hinsehen verschwinden feinste Details. Auf keinen Fall auf f/32 oder gar f/45! abblenden. Was analog noch funktionierte. Und wenn f/16 f/22 nicht reichen, um das Motiv komplett scharf abzubilden bleibt theoretisch nur der Weg über Fokus-Stacking. Ein aus mehreren unterschiedlich fokussierten Einzelfotos zusammengerechnetes Foto. Was bei dem Medical Nikkor aufgrund seiner Bauweise nicht wirklich zufriedenstellend durchfürbar ist. Und natürlich nur bei unbewegten Motiven vom Stativ aus funktioniert. Siehe auch: "Nikon Z6/7 Fuji X-E1 mit Tokyo Kogaku Japan RE Auto-Topcor 1:3:5 f=13,5 cm, Schnelltest".
Gerne habe ich für die Exakta-Bildchen von oben die Nikon D4 genommen. Um dabei aber auch zu sehen, wie mühevoll dort (für mich) das manuelle Fokussieren ist. Trotz Liveview und Monitorbildvergrößerung.
Irgendwie haben beide Aufnahmen etwas. Links mit, rechts ohne Blitz. ISO 2.000, Blende 16
Als Testmotiv musste die schwarze Aufbewahrungsbox des Messsshiebers (früher Schieblehre) herhalten. Alle Parameter für eine Aufnahme mit der 1/4 Vorsatzlinse, ISO 800, Blende f/22 und Auswahl A (Beleuchtungsstärke der Einbelichtung. A sorgt für die stärkste Helligkeit der Einblendung! Laut Manual ist A eigentlich für die </= ISO 32 (SW) oder ISO 64 Color, B für ISO 40-200 (SW) oder ISO 80-400 color und C für ISO >/= 250 (SW) oder ISO >/= 500 color. Zur Verdeutlichung hier A, die anderen Einstellungen waren mir zu dünn/schwach. Bei "D" wird übrigens gar nichts einbelichtet.
Statt der Vergößerungsmaßstäbe können auch Zahlen von 1 bis 39 gewählt werden. Wo eine 16 oder 22 dann auch für die Blende stehen könnte. Am sichersten bleibt aber der Vergrößerungsmaßstab, mit dem sich auch nachträglich auf dem Medical Nikkor jederzeit die Blende anzeigen/ermitteln lässt!
Wie funktioniert die Dateneinbelichtung eigentlich?

Das Foto des zerlegten 200 mm Medical Nikkors lässt da keine Rückschlüsse zu. Die Abbildung ist einfach zu klein. Und mein funktionierendes Exemplar werde ich sicher nicht zelegen, um nachzuschauen!
Aber ein kleiner Hinweis: Da "spielt die Musik" ;-)
Wenn man hinten ins 200 mm Medical schaut, kann man die Minioptik entdecken, über die die gewählten Zahlen auf den Film bzw. den Sensor belichtet werden!
Zum Thema Dateneinbelichtung des 200 mm Medical Nikkors befragt, hat ChatGPT einigen Unsinn zusammengedichtet …
Das Objektiv lässt die Wahl zwischen keiner Einbelichtung oder Belichtung der montierten Vorsatzlinse oder Zahlen von 1-39. ChatGPT nennt noch Blendeneinbelichtung – klar 16 könnte für f/16 stehen. Und Einbelichtung einer Objektivkennung? Unsinn!
Was die Dateneinbelichtung an sich angeht, behauptet ChatGPT, dass dazu die Stromquelle des Objektiv-Ringblitzsystems benötigt würde: Ohne Strom → keine Daten im Bild … Und weiter: An digitalen Kameras funktioniert die Dateneinbelichtung nicht. Das Objektiv selbst kann zwar adaptiert werden, aber die optische Einbelichtungsfunktion bleibt tot. Komplett falsch, wenn man sich die mit der digitalen Nikon D4 aufgenommenen Fotos ansieht. ChatGPT: Beim Medical Nikkor gibt es im Objektiv (bzw. im zugehörigen System) eine kleine interne Lichtquelle. Das wurde garantiert mit dem Medical-Einstelllicht der vier Glühbirnchen verwechselt. Diese "interne Lichtquelle" projiziert Ziffern/Informationen als Lichtbild direkt auf den Film, meist an den Rand des Bildes. Nicht "meist" sondern immer an die gleiche Position. Und das funktioniert ganz ohne "interne Lichtquelle" — einfach so.
Qualitäts- und sonstiger Eindruck
Ich würde sagen, dass das Nippon Kogaku Japan Medical-NIKKOR Auto 1:5.6 f=200mm damit ausgereizt ist. Der Überschrift "(Vor-) Frühling mit …" werde ich dann im Frühjahr Rechnung tragen und weitere Blümelein mit dem Medical auf der Nikon Z und einem Balgengerät ablichten ;-) Oder doch mit der D4 und Vorsatzlinsen?
Abbildungsqualität
Ich bin mir ganz sicher, dass das Medical von der Abbildungsqualität her mit keinem modernen Makro-Objektiv mithalten kann. Dennoch habe ich Herausforderung gerne angenommen, mit diesem weit über 1/2 Jahrhundert alten Exoten "normal" zu fotografieren.
Das Medical zum Blitzen zu bringen, wird jetzt erstmal aufgegeben …
Ralf Jannke, Februar 2026
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| Autor: | Ralf Jannke |
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| Erstellt: | 1.02.2026 |




















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