Dias digitalisieren

Ob’s selbst gemachte Bilder sind oder die von den Eltern oder Großeltern: In den meisten Haushalten gibt es eine Lagerstätte mit alten Fotos. Teils Papierabzüge, die ordentlich in Alben eingeklebt sind, noch in den damals üblichen Papieretuis vom Fotohändler stecken oder ihr Dasein als großes Durcheinander in einer Schublade fristen.

Deutlich weniger zugänglich sind Dias oder Negativstreifen. Falls der Projektor überhaupt bis zum heutigen Tage überlebt hat, wird er doch nur alle Jubeljahre einmal aufgebaut.

Was also tun mit den Dokumenten der Familiengeschichte, der eigenen Kindheit und Jugend, den Erinnerungen an frühere Reisen und andere Abenteuer? Man kann sie natürlich einfach aufbewahren, setzt sie aber damit dem Risiko des allmählichen Verfalls aus. Neben immer mehr verblassenden Farben kann sich auch das Trägermaterial zersetzen und die Bilder so gänzlich unbrauchbar werden.

Abhilfe kann eine Digitalisierung schaffen, für die es glücklicherweise gleich mehrere Möglichkeiten gibt, die sich in Qualität, Einstiegskosten und Arbeitsaufwand unterscheiden. Einige sollen hier vorgestellt werden und am Ende stehen Tipps, welche sich für wen am besten eignen.

Vorab aber noch ein paar Worte zur Bildqualität: Die Anbieter von Scannern und Digitalisierungsdiensten überbieten sich in den Angaben zur Auflösung der Abtastung. Die digitalen Bilder erreichen dann Auflösungen in der Größenordnung moderner Digitalkameras. Es gab sicherlich zu analogen Zeiten Kameras und Fotografen, die Bilder in einer derartigen Qualität aufgenommen haben. Häufig waren es aber schlichte Apparate mit Fixfokus-Objektiv oder mit geschätzter Entfernungseinstellung. Die Objektive einfacher Kompaktkameras waren mit modernen nicht im Ansatz vergleichbar und die Alterung des Bildmaterials hat auch nicht gerade zur Verbesserung beigetragen. In solchen Fällen ist die Bildqualität mau. Und sie bleibt es auch, egal ob ein Billigscanner oder ein hochprofessioneller Scanservice die Digitalisierung übernimmt. Wo nur die Bildinformation von 0,5 Megapixeln drinsteckt, ist es völlig gleichgültig, ob man 3, 5 oder 20 Megapixel daraus macht.

Mit solch eher schlichtem Gerät dürften die meisten historischen Familienbilder aufgenommen worden sein. Wie man diese digitalisiert, ist eigentlich egal - das Limit setzt die Auflösung des Dias, nicht die des Scanners.

Auflösungsfragen

Bei sorgfältigem Arbeiten und voller Scanauflösung 7200 dpi wären theoretisch/rechnerisch Bildgrößen von 10.200 x 6.800 Pixel = 69 Megapixel möglich. Das dürfte etwa dem 10-fachen entsprechen, was ein ISO 100 Film auflöst und hat mit der Realität wenig zu tun. Dass ein analoger Kleinbildfilm 35 Megapixel liefert, entspringt der simplen Umrechnung der 200 Linien pro Millimeter, die ein niedrigempfindlicher (!) Film auflöst. Bei höheren Empfindlichkeiten sinkt die Auflösung rapide. Diese theoretische Auflösung nützt jedoch wenig, wenn das Objektiv diese Auflösung gar nicht erreicht oder die Auflösung (zusätzlich) durch Fehlfokussierung bzw. Verwackeln zunichte gemacht wird. Ein Mac-Magazin schrieb 2002 anlässlich der Vorstellung der Canon EOS D60 zu Recht, dass mit den 6 Megapixel der D60 der Kleinbildfilm erreicht sei.

Ab 2400/3600 dpi scannt man nur noch das Filmkorn… Bei 3600 dpi ergeben sich 5.100 x 3.400 Pixel, immer noch (zu hohe) 17 Megapixel. In Druckgrößen: 43 x 29 cm (300 ppi, etwa A3) oder 86 x 57 cm (150 ppi, etwa A1). Das kommt eher hin, denkt man an analoge Poster vom Dia. Trotzdem ist es immer eine gute Idee mit 3600 dpi Auflösung zu scannen. Für gewisse Ausschnittskorrekturen und die anschließende Verkleinerung. Die Scans zum Schluss probeweise von 3600 dpi/5.100 x 3.400 Pixel auf 3.000 x 2.000 Pixel (6 MP), 2.400 x 1.600 Pixel (4 MP) oder  1.800 x 1.200 Pixel = 2 Megapixel reduzieren, bringt immer einen Gewinn, manchmal sogar Wunder. Ich will nicht ausschließen, dass ein kontrastreicher, "messerscharfer" Kodachrome 25/64 oder Fuji Velvia 50 mit 3600 dpi digitalisiert mehr brauchbare Pixel liefern würde. Immer unter der Voraussetzung, dass mit idealen Blenden und verwacklungssicheren Verschlusszeiten oder noch besser vom Stativ aus fotografiert wurde...

Ralf Jannke

Einfach abfotografieren...

Wer Besitzer einer Digitalkamera, eines Diaprojektors und eines Stativs ist, kann seine Dias ganz ohne Einstiegshürde digitalisieren. Dazu muss nur der Projektor mit einer möglichst guten Leinwand (bitte keine Raufasertapete!) aufgebaut werden. Die Kamera ist dann per Stativ so zu montieren, dass sich das Objektiv in möglichst geringem Abstand ober- oder unterhalb des Objektivs des Projektors befindet. Es bietet sich also an, die Kamera ein kleines Stück vor dem Projektor zu platzieren, so dass sie gerade unterhalb des Lichtkegels sitzt. Oder hinter dem Projektor, so dass sie gerade über den Projektor hinwegfotografieren kann. Beides vermeidet Verzerrungen im Bild, die man hinterher herausrechnen müsste.

Danach sollten alle Bilder im Magazin so eingelegt werden, dass sie im Querformat an die Wand geworfen werden. Sonst müsste man die Kamera ja bei jedem Formatwechsel um 90 Grad drehen. Nun muss die Kamera nur noch auf das erste Bild sauber eingestellt werden und danach geht die Digitalisierung mit wenigen Sekunden pro Bild vonstatten.

Die Qualität des Resultats ist natürlich von der Güte des Projektors, der Leinwand und der Kamera abhängig. Nach meiner Erfahrung reicht es aber dicke aus, wenn das zu digitalisierende Material von mittelmäßiger Qualität ist, d.h. mit einer einfachen Kamera aufgenommen wurde.

Eine weitere Spielart sind Aufsätze für Kameras oder gar für Smartphones, in die man Dias oder Filmstreifen direkt einlegen kann. Eine Leuchtfläche sorgt für das nötige Licht. Solche Lösungen sind relativ günstig erhältlich.

Man kann sich so etwas aber auch selbst basteln. Voraussetzung ist eine Kamera, die die Fläche eines Dias großflächig erfassen kann, d.h. die gute Makrofähigkeiten mitbringt. Außerdem vorteilhaft ist es, wenn sie HDR-Aufnahmen machen kann, weil Dias einen größeren Kontrastumfang haben als die Sensoren in Digitalkameras. Die Kamera sollte auf einem Stativ befestigt werden. Das Dia benötigt nun noch eine Hinterleuchtung, die möglichst nur die Diafläche beleuchtet. Das kann ein Leuchttisch sein, den man mit einer Maske aus dunklem Karton um das Dia herum abdeckt. Ich habe stattdessen mein Smartphone verwendet und dieses ein Bild anzeigen lassen, das komplett schwarz mit einem weißen Rechteck in Größe des Dias ist. Dann die Helligkeit maximal aufgedreht und das Dia auf den Bildschirm gelegt. Das Smartphone sollte aber eine hohe Pixeldichte haben, sonst sieht man das Raster des Bildschirms hinterher im digitalisierten Bild. Mit diesem Verfahren habe ich bei meinen Experimenten mit Hausmitteln die besten Ergebnisse erreicht - siehe die Demobilder weiter unten.

Dia auf dem Smartphone, das als improvisierter Leuchttisch verwendet wird. Daneben der Aufbau zum Abfotografieren des Dias.

Flachbettscanner

Die meisten Haushalte haben bereits einen Flachbettscanner, allerdings integriert in einem Multifunktionsgerät. Und diese Sorte ist sehr selten mit einer Durchlichteinheit ausgestattet. Normalerweise beleuchtet ein Scanner das Dokument ja von unten und erfasst dann das reflektierte Licht. Bei Dias und Filmstreifen funktioniert das nicht, weil diese ja durchleuchtet werden müssen. Eine Durchlichteinheit ist daher einfach eine im Deckel des Scanners eingebaute, flächig leuchtende Lampe. Die Beleuchtung von unten wird stattdessen abgeschaltet. Experimente mit einer zusätzlichen Lichtquelle, die oben auf das Dia gelegt wird (in meinem Fall erneut das weiß leuchtende Smartphone) sind nicht erfolgreich verlaufen. Da der Scanner nichts von der zusätzlichen Lichtquelle weiß, nutzt er zusätzlich seine eigene Lampe. Das Resultat waren seltsamerweise schwarzweiße Bilder mit seltsamen Störungen und daher völlig unbrauchbar.

An einer Durchlichteinheit führt also kein Weg vorbei. Derartige Scanner verfügen normalerweise auch über eine sehr hohe Auflösung. Die ist auch notwendig, weil so ein Dia mit 23 x 35 mm ziemlich klein ist. Bei 2400 DPI wird aus einem Dia eine Bilddatei mit ca. 3300 x 2150 Pixeln, also etwa 7 Megapixeln. Bei halber Auflösung sind es nur noch 1,75 Megapixel, bei doppelter Auflösung satte 28 Megapixel.

Leider sind die DPI-Angaben nur von begrenzter Aussagekraft, weil es bei vielen Scannern bereits deutlich unterhalb der Maximalauflösung keine Qualitätssteigerungen mehr gibt. Welche DPI-Zahl maximal sinnvoll ist, muss daher für jeden Scanner ermittelt (oder aus Testberichten herausgelesen) werden. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Bildfläche eines Dias durch den Plastikrahmen und eventuell das Glasscheibchen ein Stück vom Scannerglas entfernt ist. Scanneroptiken sind jedoch für direkt aufliegende Dokumente optimiert und je nach Bauform unterschiedlich gut für nicht aufliegende Objekte geeignet.

Einen guten Scanner vorausgesetzt, sind gescannte Dias qualitativ besser als abfotografierte. Dafür muss mit einem deutlich aufwendigeren Workflow gerechnet werden. Die Dias müssen in eigens dafür vorgesehene Rähmchen eingelegt werden. Bei preiswerten Scannern sind das meist nur vier Stück auf einmal, nur teure Exemplare nutzen für den Diascan einen flächigen Rahmen, da dafür auch eine ungleich größere Lichtquelle benötigt wird. Also müssen jeweils die Dias eingelegt, der Scanner zugeklappt, der Scan gestartet und abgewartet werden, die Bilder gespeichert und die Dias wieder herausgenommen werden. Dafür übernimmt die Scansoftware meist bereits elementare Bearbeitungsschritte wie Lageerkennung, Beschnitt und die Entfernung von Staub und Kratzern. Letzteres kann aber auch mal das eine oder andere Bilddetail als vermeintliche Bildstörung wegoptimieren.

Spezielle Diascanner

Gelegentlich tauchen sehr günstige Diascanner beim Discounter auf, zu Preisen um 50 – 70 Euro. Für etwas mehr kann man sie aber auch im Elektrofachmarkt kaufen. Technisch handelt es sich dabei normalerweise um ein Kästchen mit einer Lichtquelle im Boden. Darüber ist ein Schlitz, durch den seitlich Dia oder Filmstreifen zugeführt wird. Darüber ist im Gehäuse ein Objektiv samt Bildsensor montiert. Im Grunde ist es also nichts weiter als eine sehr spezialisierte Digitalkamera. Je nach Modell kann das Gerät mit einem PC verbunden werden oder es ist gleich ein kleines Display und ein Speicherkartenschacht vorhanden. Die Bilder werden also ohne Verbindung zu einem PC direkt auf die Karte gespeichert.

Für die Zuführung der Dias gibt es meist eine simple Halterung, die einen kleinen Diastapel aufnehmen kann. Mit einem Handgriff wird das zuunterst liegende Dia in den Scanner befördert, wobei das zuvor dort befindliche auf der gegenüberliegenden Seite ausgeworfen wird. Die Dias im Stapel rücken dann nach. So geht der Scan schnell und unkompliziert vonstatten.

Qualitativ bekommt man, wofür man bezahlt hat. Bei einem so geringen Verkaufspreis ist meist ein Bildsensor von 5 Megapixeln an Bord und die verbaute Optik ist von überschaubarer Qualität. Meist dürften die Resultate kaum besser sein als bei einer abfotografierten Leinwand, dafür ist das Handling schön unkompliziert.

Scanservices

Wer sich die Arbeit nicht selbst machen möchte und/oder Wert auf die bestmögliche Qualität legt, kann einen auf den Scan von Dias spezialisierten Dienstleister beauftragen. Dort werden die Dias in einen professionellen Scanner eingelegt, der mit sehr hoher Auflösung scannt und sich über einen Autofokus optimal auf die Lage des Dias in seinem Rähmchen einstellt. Gegebenenfalls werden die Dias vor dem Scan auch automatisiert gereinigt, so dass die Bilder am Ende soweit möglich keine Störungen durch Staub enthalten.

Beispielbilder

Nachstehend das Ergebnis meiner Experimente. Von links nach rechts zeigen die Bilder ein Foto von einer Leinwand (mit Canon EOS 50D), ein Scan per Flachbettscanner mit Durchlichteinheit (HP Scanjet G2710) und zwei direkte Fotos des Dias mit einem weißen Handydisplay als "Leuchtkasten". Das erste ist ohne HDR aufgenommen, das zweite mit (beide mit Panasonic DMC-G81).

Die unterschiedliche Farbwiedergabe könnte man per Bildbearbeitung noch angleichen. Den Dynamikumfang des Bildes haben die Aufnahme von der Leinwand und die HDR-Aufnahme direkt vom Dia am besten erfasst. Letztere hat auch die meisten Bilddetails erhalten.

Was für wen?

Wer die nötigen Gerätschaften bereits besitzt, kann ja einfach mal ausprobieren, ob das Abfotografieren von der Leinwand oder direkt vom Dia für die eigenen Qualitätsansprüche und die Qualität der Vorlagen ausreicht. Wenn nicht, kommen andere Faktoren ins Spiel: Wie viele Dias warten denn auf Digitalisierung? Je mehr es sind, desto eher lohnt die Anschaffung von Hardware für diese Aufgabe. Wobei dann auch die zu investierende Arbeit ein Faktor ist. Was sich anfangs nach einer netten Abendbeschäftigung anhört, artet beim hundertsten oder gar tausendsten nachzubearbeitenden Bild in Arbeit aus und kann einen je nach gewünschter Perfektion über Wochen oder Monate beschäftigen.

Als kleine Entscheidungshilfe haben wir ein Rechenprogramm gebastelt, in dem Sie Ihre persönlichen Rahmenbedingungen eingeben können und das Ihnen dann eine Kostenaufstellung und eine persönliche Empfehlung ausgibt.

Ich besitze einen Projektor mit Leinwand
Ich besitze eine Digitalkamera mit Stativ
Ich besitze einen Scanner mit Durchlichteinheit
Ich besitze einen speziellen Diascanner
Angabe in Sekunden. Bitte nur eine Zahl eingeben. Wenn Sie z.B. nur jedes zehnte Bild bearbeiten, dafür aber fünf Minuten (= 300 Sekunden) investieren, sind das im Schnitt 30 Sekunden.0 = keine Nachbearbeitung
Angabe in € pro Stunde. Bitte nur eine Zahl eingeben. Der Wert soll angeben, wie viel sie jemandem bezahlen würden, damit Sie die Arbeit nicht selbst machen müssen. 0 = Ich will alles selbst machen.


Foto von Leinwand/DiaScanner mit DurchlichteinheitDiascannerScanservice
Dauer Aufnahme / Scan pro Dia5 s30 s10 s0 s
Einstiegsinvestition
Gesamter Zeitaufwand
Rechnerische Arbeitskosten
Dienstleistungskosten
Qualität des Ergebnisses
Gesamtkosten

(*) Qualität abgewertet aufgrund schlechterer Qualität des Ausgangsmaterials

Anmerkung zur Arbeitszeit: Der von Ihnen angegebene Wert für die Nachbearbeitung kommt nur bei Fotos von Leinwand oder Dia voll zum Tragen, weil dort alle Nachbearbeitungsschritte von Hand erfolgen müssen. Bei Scannern übernimmt die Software bereits den Zuschnitt und die Staubentfernung, so dass hier nur ein Teil des Aufwandes anfällt. Ein Scanservice sollte bereits sehr gute BIlder liefern, so dass hier nur die halbe Zeit für die Nachbearbeitung angesetzt wird.

Tipp zum Weiterlesen: Ralf seine Erfahrungen mit dem Digitalisieren von Dias und Negativen aufgeschrieben.

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