Die Digitalkamera, die keine sein wollte (durfte?) - oder: Konnte man Irrsinn noch steigern?

Vorne analog, hinten digital…

Kein Problem! Man konnte - 2000. Die Antwort lautet(e): Kodak Advantix Preview

Als ob der für diese in "schickem Plastikdesign" gehaltenen Kamera benötigte und schnell untergegangene APS-Film als Totalflop der Fotogeschichte nicht schon Strafe (mehr zu APS) genug wäre, ist diese Kodak mit einem doppelten Aufnahme-, aber nur einem Speichersystem ausgestattet. 

Aufgenommen wird u.a. durch ein 25-65 mm Zoom, das durchs kleinere Format des APS-Films im besten Fall (H-Format, siehe unten) einem 31-81 mm Kleinbildkamerazoom oder nur einem 38-98 mm (C-Format, siehe unten) entspricht. UND ein weiteres Objektiv, das nicht auf Film, sondern auf einen digitalen Bildsensor unbekannter Größe und Auflösung belichtet. Gezoomt wird dabei parallel zum Hauptobjektiv mit ziemlicher Sicherheit nur digital. Und die Qualität des digitalen Fotos? Vollkommen unerheblich.

Das gerade aufgenommene Foto kann auf einem ca. 36 x 27 mm großen LCD (ca. 2" Inch/Zoll = 5 cm Formatdiagonale) vermutlich niedriger (geschätzt 320x240 oder 640x480 Pixel) Auflösung nur betrachtet werden, ist aber "flüchtiger" Natur. Das Betrachten dient ausschließlich der Kontrolle – Kind hat in der Nase gebohrt ;-) oder Person hat beim Auslösen weggeschaut – und Formatwahl (siehe unten) des gleichzeitig auf den APS-Film belichteten Fotos, das aber später noch entwickelt und auf Papier vergrößert werden kann. Was dann doppelt gemoppelt ist, denn fast jede APS-Kamera bot die Formatauswahl auch ohne den Schnickschnack der digitalen Bildvorschau. Man spart lediglich das Vergrößern eines misslungenen Fotos.

Das APS-System bot diese Formatvarianten: H („Vollformat“): 16,7 x 30,2 mm, C (Classic-Format KB 3:2): 16,7 x 23,4 mm, P (Panoramaformat) 9,5 x 30,2 mm. Haben Sie auf die Buchstaben geachtet? „H“ und „C“! In Anlehnung wird der ca. 19 x 27 mm Sensor mit Cropfaktor 1,3 als APS-H bezeichnet, der ca. 15 x 23 mm Sensor als APS-C Sensor (bei Nikon DX).

Kodiert wurde die Formatwahl des Fotografen in einer APS-Kamera auf einem auf dem APS-Film aufgebrachten Magnetstreifen. Dazu wird aber gar keine zusätzliche Digitalkamera im Kameragehäuse benötigt, denn den Eintrag auf dem Magnetstreifen bot fast jede bessere APS-Kamera. So bleibt eigentlich nur übrig, dass ein bereits auf dem Monitor als misslungen erkennbares Foto - Person schaut weg, bohrt in der Nase ;-) - zwar zwangsentwickelt, aber nicht auf Papier vergrößert wird. Was für ein Schwachsinn! Spätestens beim nächsten Auslösen ist das zuvor auf dem Monitor gezeigte (digitale) Foto weg. Es wird nicht gespeichert!

War die Verzweiflung über den Flop des APS Formats bei Kodak schon so groß, dass man allen Ernstes glaubte den Niedergang von APS mit dieser völlig kranken Plastik-Kamera und noch unsinnigeren Technik noch aufhalten zu können? Oder waren das nur wahre, unverstandene Marketing-Koryphäen, die an einem Tag schlechtes Zeug geraucht haben? 

Ich habe etliche üble Digitalkameras dachte aber, es könne nicht mehr viel tiefer gehen. Die Kodak Advantix Prewiew hat das Gegenteil mit Leichtigkeit bewiesen!

Englische Bedienungsanleitung zur Kodak Advantix Preview

Hier zerlegt einer eine Kodak Advantix Preview. Vielleicht eine sinnvolle Verwendung für diese Kamera?

Zu meiner Freude steckten sowohl noch funktionierende nicht (!) ausgelaufene Batterien und ein APS-Film in der Kodak, dass ich damit etwas rumspielen konnte. Den Film lasse ich NICHT entwickeln. Soweit kommt es noch ;-)

Ralf Jannke Juli/August 2017

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