Minolta Dimâge RD 3000 zum Zweiten – oder: Die unfreiwillige FourThirds (FT) Minolta...

Analog der größte Flop der Kamera-/Filmherstellergeschichte - APS (nicht nur bei Minolta!). Digital kaum überzeugender: Minolta DSLR Dimâge RD 3000 mit dem "Prime"-Objektiv 3,5/50 mm Makro (links) auf Basis der analogen Minolta Vectis S1 SLR mit dem 22-80 mm Vectis Zoom (rechts) für APS-Film. Dazu noch die Objektive 22-80 mm (auf der Vectis S1), 28-56 mm, 56-170 mm, 80-240 mm APO und 50 mm Makro (auf der RD 3000) sowie der Blitz Vectis SF-1.

Während APS Spiegelreflexkameras von Canon und Nikon das vorhandene EOS- bzw. Nikon F-Bajonett auch für ihre je zwei APS-SLRs , Canon EOS IX und IX7 und Nikon Pronea S, 600i übernahmen, und damit vorhandene Objektive kompatibel waren, konstruierte Minolta für die zwei APS-SLRs gleich ein neues Bajonett, sowie 5 lichtschwache Zoom-Objektive 

V 22-80 mm f/4-5.6

V 25-150 mm f/4.5-6.3

V 28-56 mm f/4-5.6

V 56-170 mm f/4.5-5.6

V 80-240 mm f/4.5-5.6 Apo

und drei als „Prime“ bezeichnete Festbrennweiten:

V 17 mm f/3.5 RD

V 50 mm f/3.5 Macro (1:2)

V 400 mm f/8 Reflex

Alles in allem scheiterte das analoge APS-System „grandios“. Bestens nachzulesen als: „APS: Vom Scheitern eines Format-Putsches

Zurück zur Kamera dieses Beitrags, der digitalen Minolta RD 3000 DSLR. Warum „Die unfreiwillige FourThirds (FT) Minolta“

Das Kleinbildfilmformat und gleich große so genannte Vollformat-Sensoren haben eine Fläche von 24 x 36 mm. Kleinere Bildwandler, die als APS-C- oder bei Nikon als DX-Sensoren bezeichnet werden, haben eine Fläche von ca. 15 x 23 mm. Das Schlusslicht dieser vergleichsweise noch großen APS-C-Sensoren bildet FourThirds- (FT) oder 4:3 (aktuell microFourThirds mFT) mit seinen ca. 13 x 17 mm Fläche. Was als Sensor in der Minolta Dimâge RD 3000 eingesetzt wird, ist kleiner, entspricht und wirkt (!) aber etwa wie der 15 x 23 mm APS-C-Sensor. Diese Fläche halbiert, ergibt einen mit 11,5 mm x 15 mm sehr großzügig gerundeten (m)FT-Sensor. Denn nur etwa diese Aufnahmefläche steht mir in der hier vorgestellten Minolta Dimâge RD 3000 zur Verfügung. 

Grund: Irgendein Fremdkörper oder loses Teil ragt bei diesem Exemplar in den Strahlengang und halbiert die Fläche. Ein Zerlegen dieser RD 3000 scheitert bisher an nicht zu beschaffenden Reparaturunterlagen, um die Kamera ohne Beschädigung zu öffnen, den Fremdkörper (?) zu entfernen oder das lose Teil wieder zu fixieren und die RD 3000 anschließend wieder voll funktionsfähig zusammen zu montieren.

Daher an dieser Stelle die Frage an mitlesende Sammler, ob ein Kollege vielleicht eine Quelle für Reparaturunterlagen oder entsprechende Erfahrungen hat.

Problem ist der Hauptdrehschalter, der wirkungsvoll verhindert, dass die komplette Kamera-Oberkappe abgenommen werden kann. Es ist nicht erkennbar, wie der befestigt/gesichert ist. Es ist keine (winzige) Stift(maden)schraube, kein Federring oder dergl. um eine Achse zu entdecken, nach deren Lösung man den Drehschalter herausziehen und die Gehäuse-Oberkappe der RD 3000 abziehen könnte. 

Dennoch will auch ich weiter unten ein paar improvisierte Aufnahmen mit dem 22-80 mm Zoom auf der RD 3000 präsentieren. Immer in der Hoffnung diese RD 3000 in nicht zu ferner Zukunft reparieren zu können! Die Minolta RD 3000 ist einfach eine ebenso exotische wie hochinteressante Kamera, deren erstes Exemplar ich nach einem kleine Heftprojekt über digitale Fotografie unglücklicherweise verkauft habe.

„Vollständige“ Aufnahmen, die Boris Jakubaschk geschossen hat, können Sie sich inklusive einer weiteren Beschreibung und allen technischen Daten hier anschauen.

Minolta Dimâge RD 3000 (1999)

Die furchtbar klobige RD 3000 wurde gewöhnlich ebenso geschickt wie „schamhaft“ abgebildet/fotografiert, dass man die wahren Abmessungen nicht auf den ersten Blick erkannte. Die "brutale" Wirklichkeit dann im Foto unter der Titelseite der Minolta Bedienungsanleitung...

Es war aber vermutlich gar nicht diese Unförmigkeit, denn die Minolta liegt gut in der Hand, dass die RD 3000 KEIN Erfolg werden konnte. Denn ebenfalls 1999 präsentierte Nikon seine 2,7 MP D1, und nur ein Jahr später kamen 2000 die 3 MP Canon EOS D30 und die 6 MP Fujifilm FinePix S1 Pro mit Nikon F-Bajonett.

Die Minolta Dimâge RD 3000 kam 1999 viel zu spät und lieferte mit einer maximalen System-Lichtstärke von nur f/6,7 das Killer-Argument gleich mit. Die mögliche Steigerung der ISO 200 Grundempfindlichkeit direkt auf ISO 800 konnte da auch nicht viel retten. In einem Studio oder überhaupt für Sachaufnahmen spielte die Bauart keine große Rolle. Aber für reportageähnliche Einsätze? Unbrauchbar :-( Und das zweite „NoGo“ war die Abkehr vom bewährten Objektiv-Anschluss. Statt beim eingeführten Minolta Dynax A-Bajonett zu bleiben, was nach Einstellung des Kamerabaus durch (Konica) Minolta aktuell in Sony Digitalkameras weiterlebt, engte sich Minolta bei der RD 3000 sofort ein, und wählte das exotische Vectis „Amateurkamera“-Bajonett mit seiner eingeschränkten Objektiv-Auswahl – siehe oben! Das 17 mm trug übrigens die Bezeichnung „RD“ für RD 3000. Hier gibt es ein SYSTEM CHART (Schaubild), das die Zusatzteile für die Dimâge RD 3000 zeigt. Unter dem Schaubild der Hinweis: „Die Objektive V 56 – 170mm f/4.5 – 5.6, V Reflex 400mm f/8 und V 25 – 150mm f/4.5 – 6.3 können auf die RD 3000 montiert werden, bringen dort aber nicht 100% ihrer Leistung. Irgendwo an andere Stelle war zu lesen, dass das 17 mm Objektiv speziell für die RD 3000 vorgesehen war, aber auch an den analogen APS SLRs Vectis S1 und S 100 verwendet werden kann.

Warum überhaupt diese Klimmzüge und das eigentlich unnötige Vectis-Bajonett?

Möglicherweise um (Sensor-)Kosten zu sparen, nahm Minolta für seine RD 3000 keinen ca. 15 x 23 mm großen APS-C-Sensor, sondern ging einen anderen Weg. Wie schon in Minoltas erster DSLR, der 1,75 MP RD 175, setzte auch die RD 3000 mehrere kleine Sensoren ein, aus denen das fertige Bild zusammengerechnet wird. Sind es in der RD 175 drei Sensoren, werden in der RD 3000 zwei 1/2“ CCD-Sensoren von 6,4 x 4,8 mm Größe und 1,5 MP Auflösung eingesetzt, die später das fertige 2,7 MP Bild ergeben. Durch entsprechende Relais-/Vergrößerungsoptiken entspricht das Ganze zum Schluss dem Format des 15 x 23 mm APS-Sensors.

Durch die Aufspaltung des einfallenden Lichts per Teiler und anschließende Projektion auf die zwei Sensoren geht so viel Licht verloren, dass es als Resultat eben die geringe System-Lichtstärke von f/6,7 gibt. Die Fotodioden des einen RD 3000-Sensors „schauen“ durch ein Grünfilter, die des zweiten Sensors haben eine rotblaue Filtermatrix vorgeschaltet. Anders als die übliche Bayer Filter-Matrix vor einer Einsensor-Digitalkamera. Daraus errechnet die Kamerasoftware das fertige 1984 x 1360 Pixel = 2,7 MP Bild. Gespeichert wird in der Minolta Dimâge RD 3000 unkomprimiert als TIF oder in verschiedenen JPEG-Komprimierungsstufen auf eine Compactflashkarten bis zum dicken IBM-Microdrive; Bildanzahl entsprechend Speichervolumen. Damit erübrigt sich der „sperrige“ SCSI-Anschluss der Kamera über das Kabel an den Rechner, um an die Bilder zu kommen! Ein einfacher Kartenleser, der eine Compactflashkarte bis hin zum dickeren IBM Microdrive aufnimmt, genügt.

Über die glücklicherweise noch aktive Konica Minolta Support-Internetseite lässt sich nicht nur die deutsche Bedienungsanleitung runterladen, sondern bei Bedarf auch Software und mehr.

Imaging Resource bietet eine ausführliche und schön bebilderte Beschreibung der RD 3000.

Minolta Dimâge RD 3000 mit 3,5/50 mm Makro und den Zoom-Objektiven 22-80 mm und 80-240 mm APO. Das als "Prime"-Objektiv deklarierte 3,5/50 mm Makro ist aber wenig "prime" = "vorzüglich", "erstklassig", wenn man sich die Objektiv-Rückseite ansieht – ein Plastik-Bajonett...

Der Einsatz des silbernen Gewebebands sorgt für eine einigermaßene Dichtigkeit des Gehäuses. Der klebrige, brüchige Gummi wurde beim ersten vergeblichen Versuch, das Gehäuse zu öffnen entfernt, könnte aber bei erfolgreicher Reparatur der RD 3000 – siehe oben – wieder aufgeklebt werden. Denn wie vermutet, sitzt eine Schraube, um die Kameragehäusefrontseite zu entfernen, hinter dem Gummi...

Der Vectis SF-1 Blitz passt perfekt und soll lt. System Chart auch mit der RD 3000 funktionieren, zündet bei mir aber nicht. Was aber nicht an der braven RD 3000 liegt, sondern am Blitz. Er funktioniert auch auf der analogen Vectis S-1 nicht.

"Standesgemäßes" Speichermedium: Der 340 MB IBM Microdrive. Kostete bei Erscheinen 1000 - EINTAUSEND – D-Mark, 500 Euro...

Wer sagt, dass man mit einer defekten Kamera nicht fotografieren kann?

Mit einer flammneuen, funktionierenden Kamera kann es ja jeder ;-) Das "Ergebnis" von oben liefert meine Minolta Dimâge RD 3000 derzeit.

Also beim Fotorundgang den Wegfall an Bildfläche einfach einkalkulieren... Und bei gewünschten Querformaten mit der RD 3000 eben hochformatig komponieren und auslösen.

Was so ungewöhnlich gar nicht ist, musste ich doch augenblicklich an eine analoge Halbformat-Kamera denken. Fotos im Kleinbildformat haben Abmessungen von 36 x 24 mm. Die Halbformatkamera nimmt (36:2=18) 18 x 24 mm Fotos auf! Ganz "normal" = quer wie jede Kamera gehalten, nimmt die im Foto gezeigte Fujica Half 1.9 18 x 24 mm Hochformatfotos auf. Am im Foto rot markierten "Hochformat"-Sucher leicht zu erkennen. Möchte ich mit dieser Fujica 24 x 18 mm Querformatfotos schießen, muss die Kamera um 90 Grad hochformatig gehalten werden. Von da her logisch, wie mit der defekten Minolta Dimâge RD 3000 fotografiert werden musste...

Gute Farbwiedergabe und ordentliche Schärfe ohne Nachbearbeitung!

Das Rosenfoto wurde mit dem 3,5/50 mm Makro-Objektiv aufgenommen. Das sollte als Festbrennweite von der Theorie her eine bessere Abbildungsleistung bringen als das 22-80 mm Zoom, mit dem alle anderen hier gezeigten Fotos aufgenommen wurden. Alle Aufnahmen mit Programmautomatik und ISO 200 Nennempfindlichkeit.

ISO 200 und 800

Entsprechend bezeichnete Pärchen. 1:1 Ausschnitte nur ganz leicht bearbeitet. Bitte auf die Bilder klicken oder tippen. Alle Aufnahmen mit dem 3,5/50 mm Vectis Makro, Zeitautomatik, abgeblendet auf f/11. In die mit den roten Kreisen markierten Stellen der Mansarde muss man schon sehr genau hinschauen, um bei der ISO 800 Variante die "bunten" Pixel durchs Rauschen zu erkennen. Ein sehr gutes Ergebnis für die ISO 800 Einstellung der RD 3000! ISO 800 würde ich ohne zu zögern einstellen, wenn die Verschlusszeiten der Minolta Dimâge RD 3000 in den Keller gehen, was bei System-Lichstärke f/6,7 ja schnell der Fall ist.

Reparatur, Fehlerbehebung der hier vorgestellten Minolta Dimâge RD 3000

Zum Schluss noch mal ein paar Worte zum Fehler dieser Minolta Dimâge RD 3000. Hilfe ist in Sicht! Auf der Internetseite Manualsparadise.com werden gegen Bezahlung für viele Kameras Reparaturanleitungen angeboten. Für die RD 3000 gab es zwar keine Anleitung, aber eine Explosionszeichnung der RD 3000 mit Teile-Liste, die ich (als PDF) für 10 US Dollar runtergeladen habe! Aber, ob ich mich allerdings wirklich ans komplette Öffnen der RD 3000 wage?

Der entscheidende Hinweis zu einer Reparaturanleitung (nicht nur) zur Minolta RD 3000 kam über die Seite Nikonweb und das dortige Vintage DSLR-Forum, wo man sich nicht nur über Nikon- und Kodak/Nikon-DSLRs austauscht, sondern auch die Kodak/Canon DSLR-Pendants sowie die Minolta RD 175/AGFA ActionCam und die RD 3000 eine Heimat finden. Dazu gesellen sich auch die vordigitalen Still-Video-Kameras von Nikon und Canon (ION). Unbedingt mal die Foren des Nikonwebs besuchen.

Nico van Dijk gab auf mein Posting im Nikonweb zum Thema defekte Minolta RD 3000 den Tip zur Seite ManualsParadise.com. Ein Besuch Nico van Dijks Seite ist besonders als Nikon Fan Pflicht ;-)

Nach Nicos Tip hatte ich mir für 10 US Dollar eine komplette RD 3000 Explosionszeichnung mit Teile-Liste runtergeladen, die mir schon sehr viel weiter hilft!

Einfach mal selber schmökern

Ralf Jannke

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  1. Dirk
    Dirk vor 3 Wochen
    Ein sehr informativer Beitrag mit wertvollen Tipps! Ich kann mich von meinen alten RD 175 und 3000 einfach nicht trennen. Beide haben ihre Vorzüge: Die RD 175 in Bezug auf ihre Farbwiedergabe für Portraits und Landschaft und die RD 3000 in Zusammenhang mit der Vectris bei schlechtem Wetter draußen.

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