Mit der Nikon D2Hs in die "Drachenhöhle"

... und gleichzeitig Start meines "Kanons", sprich die 10 Lieblingskameras jedes Digitalkamera-Sammlers. Wobei ich mir die Freiheit genommen habe, meinen persönlichen Kanon auf ca. 20 Kameras zu erweitern, die ich in der Zukunft je nach geplantem Einsatzzweck immer mal wieder zu benutzen gedenke. Den Anfang macht die Nikon D2Hs. Aber keine "Angst", neben dem Kanon-Start wird es hier noch einige, noch nicht vorgestellte, historische Digitalkameras geben!

Die Rhöndorfer Dragons (Drachen), PRO-B-Süd-Liga-Basketballer spielen in ihrem "Dragon Dome", einer Halle, gelegen am Fuß des Drachenfels', die auch so dunkel wie eine "Drachen-Höhle" ist.

Während in den Erstligahallen Fernsehlicht vorgeschrieben ist, übernehmen in den unteren Spielklassen oft unterschiedlich alte Fluoreszenzleuchten, besser bekannt als Neonröhren, die Ausleuchtung. Die „brennen“ bis sie flackern und kaputtgehen. Vorher wechselt keiner auch schon alterstrübe Leuchten. Das sind dann Bedingungen, wo ISO 3200 aufwärts und Objektive mit Lichtstärke f/2 und besser angesagt sind. Beides ist mit der Nikon D2Hs und einem uralten 1,4/50 mm AF mit Stangenantrieb und dem modernen, aktuellen 1,8/85 mm AF-S im Bestand. Mehr dazu weiter unten…

Das Übersichtsbild wurde mit dem 3,5-5,6/18-55 mm Einsteigerkamera-Plastik-Kitzoom aufgenommen, das eine Überraschung barg:

Ungeplanter Zusatznutzen!

Das selbe Objektiv, aber viel mehr Weitwinkel! Wie kann das sein? Das 18-55 mm DX Nikkor ist für die kleinen 15x23 mm APS-C- bei Nikon DX-Sensoren gerechnet. Multipliziert mit dem Cropfaktor 1,5 entspricht das 18-55 im 24x36 mm Kleinbildformat einem 27-82,5 mm Zoom. Ganz offensichtlich hat der Bildkreis nicht nur dieses Einsteigerzooms soviel Reserven, dass er mehr Bild füllen kann. Nicht nur die Vollformat Nikon D800 hat eine Automatik, die erkennt, dass ein DX-Objektiv montiert wurde. Diese Automatik schaltet aufs kleine Bild-/Sensorformat um, was im Sucher entweder durch entsprechende Linien oder Maskierung angezeigt wird. Gleichzeitig reduziert sich die Auflösung von 36 Megapixel im Vollformat auf knapp 16 MP im DX-Format. Die DX-Automatik der Nikon D800 lässt sich aber auch abschalten! Und da zeigt sich im Sucher beim aufgesetzten 18-55 mm DX-Zoom sofort eine gewaltige Abschattung (Vignettierung) durch in den Strahlengang ragende Objektivfassungsteile. Zoomt man aber durch, verschwinden die Abschattungen bei 24 mm Brennweite fast vollständig! Mit ganz kleinen Abstrichen bietet das preiswerte Einsteigerzoom somit 24 mm Brennweite, deutlich mehr als die 27 mm im maskierten DX-Format. Die Auflösung wurde von 36 auf 6 Megapixel reduziert. Bitte aufs Foto klicken.

Timeout, Auszeit

Der Trainer nennt Fehler, gibt neue Anweisungen für die nächsten Spielzüge. Gerne wird die "Auszeit" auch aus taktischen Gründen genommen, um den Spielfluss des Gegners, der gerade "in Fahrt" gekommen ist, zu unterbrechen… Aufnahme mit dem 3,5-5,6/18-55 Zoom, ISO 1000. Bitte aufs Foto klicken.

1,8/85 mm AF-S Nikkor auf der Nikon D2Hs

1,4/50 mm AF auf der Nikon D2Hs

Das uralte, genauer die erste zwischen 1986 und 1991 produzierten Autofokus-Version des  1,4/50 mm Nikkors überraschte positiv. Wobei das Objektiv auf dem 4 Megapixel 15x23 mm APS-C/DX-Sensor der D2Hs längst nicht so gefordert wird wie auf der 24x36 mm Vollformatsensor DSLR mit zweistelliger Megapixelauflösung! Direkt under dem Korb genügt auch ein 50er, das dank Cropfaktor 1,5 dann wie ein 75 mm Tele wirkt. Bitte auf die Fotos klicken.

Bezogen auf ihr Vorstellungsjahr - 2005 - ist die D2Hs sicher kein ISO-Monster, aber ISO 3200 sollte noch drin sein. Maximal schafft die D2Hs ISO 6400, aber das wollte ich ihr dann doch nicht zumuten. Was gut war – siehe oben… 

Gespeichert wurde im Nikon NEF-Rohdatenformat. Die Nikon NEF-Rodateien wurden nur hinsichtlich Farbe, genauer Weissabgleich etwas nachkorrigiert und 1/3 EV aufgehellt. Damit wurde genau die minus 1/3 EV Korrektur wieder genullt. Schuld war der D2Hs Monitor, der die Fotos etwas zu hell darstellte. Der Schärferegler in Adobe Lightroom 5.7 blieb auf (Voreinstellung) 25 Prozent, der Regler Rauschreduzierung Luminanz wurde nach Gefühl zwischen 10 und 25 Prozent bewegt. Es gilt die maßvolle Balance zwischen Glätten (des Rauschens) und Schärfeverlust zu finden. Aus den 2.464 x 1.632 Pixel = 4 Megapixel der D2Hs wurden die gezeigten Ausschnitte hergestellt.

Da sich die Verschlusszeiten durch die leichte Abblendung des 50ers auf f/1,8 und beim 85er auf f/2 bis f/2,2 bei ISO 3200 im Bereich 1/500 bis 1/1250 s bewegten, sollte am zweiten Tag des Basketball-Tourniers beide Objektive bei Offenblende und die D2Hs bei ISO 1600 laufen.

Saisonvorbereitung, Testspiele – auch für die Kamera…

Von den Spielergebnissen sind solche Tourniere völlig unwichtig, aber fürs Einspielen der nach jeder abgelaufenen bzw. neu beginnenden Spielsaison gewöhnlich zumindest in Teilen neu zusammengestellten Mannschaft sind diese Spiele für Trainer und Mannschaft nach der langen Sommerpause sehr wichtig. Es wird getestet, Spielzüge ausprobiert und so weiter.

Warum nicht das selbe mit der Kamera machen?

Und folglich wurde nichts wie geplant aus Offenblende und ISO 1600! Ich hatte es irgendwo im Hinterkopf, dass beim 1,4/50 mm Vorsicht angesagt ist. Und so stellte sich wieder heraus, dass man die Urversion des AF-50ers tunlichst abblendet. Möglicherweise ist das von Exemplar zu Exemplar verschieden, aber mein uraltes 1,4/50 ist bei Offenblende weich, ja unscharf. Das mag damals bei Fotografieren auf Film unproblematisch gewesen sein. Der digitale Bildsensor verzeiht nichts, nicht mal der mit 4 Megapixel vergleichsweise niedrig auflösende und kleine Nikon D2Hs Sensor! Langer Rede kurzer Sinn, die schon zuvor probierte und gewählte Abblendung um 2/3 EV auf f/1,8 löste das Problem. Ich bezweifle nicht, dass ein aktuelles 1,4/50 MM AF Nikkor bei Offenblende einsetzbar ist. Aber wozu so eine völlig unnötige Geldausgabe, wenn Lichtstärke abgeblendet f/1,8 OK ist.

Beim aktuellen 1,8/85 mm AF-S FX Nikkor die gleiche Erkenntnis! Auch hier wurde aus dem Bauchgefühl ganz leicht abgeblendet – auf f/2,2. So begonnen zeigte sich ganz schnell, dass ISO 1600 einfach zu wenig für schnelle Verschlusszeiten waren. Also wieder ISO 3200 mit der Nikon D2Hs. Schade, dass man von ISO 1600 direkt auf ISO 3200 gehen muss. Drittel-Stufungen sind meist hilfreich, weil sich auch hier zeigt, dass vielleicht ISO 2000 oder ISO 2500 gereicht hätten. Gut, bietet die D2hs nicht, also ISO 3200. Hier noch ein paar mit Adobe Lightroom 5.7 bearbeitete Bildbeispiele vom zweiten Tourniertag:

Interpolation von 4 auf 6 Megapixel mit Adobe RAW

Schwierig, aber trotz der hohen ISO 3200 noch machbar. Ich halte das Interpolationsergebnis zumindest im vergleichsweise groben Tageszeitungfotoraster (40 Linine pro Zentimeter/200 lpi) für noch druckbar. Die drei Fotos haben 3.072 x 2.035 Pixel = 6 Megapixel Größe, die vom Ausschnitt aber noch korrigiert gehörten… Komplett in einer Zeitung gedruckt, wären die 25x39 cm groß. So groß druckt keine Tageszeitung! Zur Demonstration der Möglichkeiten sollte es aber gezeigt werden. Bitte auf die Fotos klicken.

Ein nur mit ISO 1600 aufgenommenes D2Hs Foto wurde mit Adobe Raw versuchsweise noch eine Stufe höher auf Stufe 4.096 x 2.713 = 11 Megapixel hochinterpoliert. Das Ergebnis stimmt optimistisch! Bei anderen Motiven und vor allen Dingen gemäßigten ISOs bis 200/400 dürfte die Hochrechnung noch besser ausfallen. Auf jeden Fall einen Versuch wert – demnächst!

So, das war der erste "Kanon".

Gerne werde ich die Nikon D2Hs für solche Gelegenheiten wieder mitnehmen. Interessant wäre ein direkter Vergleich zu meiner 12 Megapixel Nikon D2X/s. An dieser dusteren Spielstätte wäre interessant, ob die D2X/s mit ISO 3200 überhaupt noch brauchbar ist – in 365 Tagen… Denn bei der D2X/s beginnt die ISO-Erweiterung schon bei ISO 1600, eine Stufe weniger als bei der D2Hs. Die D2X/s ist aber bei anderer Gelegenheit in überschaubarer Zeit dran… Außerhalb der Basketballhalle ;-)

Ralf Jannke, September 2017

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