Faszination Profikamera

Auch ohne "Profi-Objektiv"…

Bereits 2016 groß unter der Überschrift : "Nikon D2X, der überflüssige Erfahrungsbericht" vorgestellt, jetzt ein Update zur D2X.

Die Faszination Profikamera begleitet wohl jeden braven Amateur sein Leben lang ;-)

Ich wollte neben der 2018 sechs Jahre alten, absolut nicht unprofessionellen Vollformat Nikon D800 unbedingt eine "richtige" Profi-Nikon aus der einstelligen D-Reihe haben. Übers Sammeln war das eine Zeit lang die schon recht betagte Nikon D1X. Die trotzdem gelegentlich benutzt wird!

Der D1X folgte 2016 eine D2X. Dass es nie eine 12 Megapixel Vollformat D3/D3s wurde, liegt an den zu Ende gegangenen Ersatzteilen zur D3/s. Versagt deren Verschluss, wird die Kamera zum Totalschaden. Das trifft natürlich auch auf die D2X zu, der finanzielle Verlust ist aber viel, viel niedriger als bei einer D3, die gebraucht bei rund 600 Euro beginnt. Natürlich ist die D2X "nur" eine DX-Nikon mit 15x23 mm APS-C Sensor, aber auch mit 12 Megapixel Auflösung und ansonsten Profi durch und durch.

Der D2X zu Seite steht eine 4 Megapixel D2Hs, die dann den Vorzug bekommt, wenn höhere ISO-Empfindlichkeiten Pflicht sind. Die D2X ist ohne weitere ISO-Verstärkung bis ISO 800 ausgelegt, fühlt sich aber bei ISO 400 bedeutend wohler. Nichts desto trotz kann die D2X ISO 800 und notfalls ISO 1600/3200, was dann aber nicht zu übersehen ist. Die D2Hs "macht" ISO 1600 und geht dann bis ISO 3200/6400. Auch die D2Hs fühlt sich bei halber Nenn-ISO 1600 : 2 = 800 am wohlsten. Bisher hatte ich die D2X, D2Hs überwiegend in der Sportfotografie im Einsatz, wobei die D2Hs aber auch schon in die freie Natur durfte ;-) Und jetzt kommt auch die D2X endlich an die frische Luft!

Ab 2019 steht im Digicammuseum.de aus meiner Sicht die Systemkamera im Vordergrund. Und spätestens dann wird auch die großartige Canon EOS 1D re-aktiviert. Die DSLR mit ihrem großen 19x27 mm APS-H-Crop-Sensor! Was die nur 4 Megapixel der Nikon D2Hs und Canon EOS 1D angeht: Deren Sensoren sind so gut, dass sich per Adobe Raw aus den Canon/Nikon-Rohdaten problemlos 11 Megapixel generieren lassen, deren Herkunft durch Interpolation nicht erkennbar ist! Wenn es denn nicht nur fürs Internet, sondern gedruckt/auf Fotopapier belichtet für die Wand sein soll.

Profi-DSLRs

Muss es immer die aktuelle Version sein? Natürlich nicht!

In Gesprächen berichten die Kollegen, die ihren Lebensunterhalt mit Fotografie verdienen, dass die Trauben für die Hersteller nicht mehr tief hängen. Da erzählte der Nachbar, dass man ihm unlängst bedeutet habe, er möge doch bitte seinen Profistatus aktualisieren, sonst könnte es ihm passieren, zurückgestuft zu werden... Hieß im Klartext: Investiere gefälligst ins aktuelle Flaggschiff. Hat er nicht und das "seiner" Marke auch mitgeteilt. Dann wird er halt zurückgestuft und die Reparatur dauert dann eben eine Woche und nicht mehr drei Tage. Der reale Profi hat ja schließlich nicht nur ein Kameragehäuse! Der andere Mitstreiter hat statt die letzte Version der Profi-DSLR zu erwerben, "nur" den ausgereiften und deutlich preiswerteren Vorgänger gekauft. Und Kollege Nummer drei benutzt sogar noch den Vor-Vorgänger...

Und bei Nikon? Zählt man die "S"-Versionen mit, ist die D2X eben der Vor-Vor-Vor-Vor-Vor-Vorgänger der aktuellen D5 ;-) Und? Ein "Vor" kann man streichen, da die D2X nach einem Firmware-Update fast eine Nikon D2Xs wurde.

Raus ins Freie mit der Nikon D2X

Lange überfällig, ein Ausflug mit der vernachlässigten Nikon D2X. Ein kleiner Kreis Hobby-FotografInnen, der sich seit Jahren einmal im Monat zum zwanglosen Erfahrungsaustausch und dem Zeigen ein paar Bildern per Beamer trifft, hatte zum Ausflug in den Stöffel-Park eingeladen.

Wikipedia schreibt dazu (in Auszügen):

"Der Tertiär- und Industrie-Erlebnispark Stöffel ist ein Freilichtmuseum im Westerwald. (...) Auf dem Gelände befindet sich ein (...) Ensemble von historischen Industriebauten der 2000 eingestellten Basaltverarbeitung und eine Fossillagerstätte aus dem späten Paläogen (früher als „Tertiär“ bezeichnet) vor 25 Millionen Jahren. (...) Der bekannteste Fund (dort) ist die gleitfliegende „Stöffelmaus“ Eomys quercyi. Man fand auch Krokodilzähne, Insekten und Amphibien (Frösche, Kaulquappen und Salamander), Säugetiere und Pflanzen."

Also genug Fotofutter auf einem Tagesausflug ;-)

Mit ging nur die Nikon D2X, bestückt mit dem 3,5-5,6/16-85 mm AF-S VR Nikkor. Umgerechnet aufs Kleinbildformat ein Brennweitenbereich von 24-128 mm. Das musste genügen, denn so einem Foto-Objekt muss man nicht mit seinem kompletten Equipment zu Leibe rücken. Zumal man das ja dann auch tragen, schleppen (!) muss. Auch wenn der Großteil im Fotorucksack verschwindet. Und schnell kann zu viel Fotoausrüstung die Motiventdeckung gedanklich ausbremsen.

Da das Wetter bei solchen Aktionen gerne - nicht - mitspielt, hatte ich schon vorher im Kopf, wie man - 5 Euro ins Phrasenschwein - dem "morbiden Charme verfallener Industrieanlagen" in Mittagslicht mit senkrecht stehende Sonne und reichlich Dunst per Bildnachbearbeitung auf die Sprünge helfen kann. Wenn analog mit Film, dann hätte ich in so einer Situation bei den Außenaufnahmen sicher SW-Film mit passenden Filtern verwendet. Gelb- und Rotfilter, die den Dunst abmildern.

Alle Aufnahmen im Nikon Rodatentyp NEF gespeichert. Entwicklung, SW-Konvertierung, Tonung und Verfremdung mit Adobe Lightroom 5.7.1, Adobe Photoshop CS5 und Pixlr-o-matic.

In der "Maschinenhalle"

Beim Besuch der Ausstellung war dann kein "Retro" nötig, da war alles authentisch. Ich war aber heilfroh, das Zoom mit objektivinterner Stabilisierung gewählt zu haben, denn es war in der dargestellten "Maschinenhalle" verdammt dunkel. Und die Nikon D2X ist wahrlich kein ISO-"Monster". Für die Bilder wurde bis ISO 800 gegangen. Nachbearbeitung inkl. Entrauschen mit Lightroom.

Schlepperei? Das wichtigste Zubehör!

Weg mit den serienmäßig beiliegenden "Angeberstrippen" – Kamerariemen, die nicht nur weit sichtbar und unerwünscht signalisieren: teure Profikamera. Und einem dazu die ganze Zeit ungebremst auf die Schulter oder ins Genick hauen. Beides wird wirkungsvoll durch neutral schwarze Neopren-(Gummi)Riemen reduziert! Alternativ ein HUGU-Kameragurt, dessen Schulterteil aus elastischem Material besteht. Für die Namensnennung bekomme ich nichts! Fand es aber erwähnenswert, da einer der Mitstreiter beim Fotoausflug auf diesen HUGU-Gurt schwört. Der Mann ist in den 70ern und hatte seine brandneue Nikon D850 samt 28-300 Zoom dabei. Keine leichtgewichtige Kombination!

Mehr gibt es nach Basketball und Ausflug zur D2X nicht zu sagen. Für sie, wie die anderen in meinem Kanon gelisteten Systemkameras gilt: Immer wieder mal benutzen! Ganz nach Lust und Laune, Tagesform, Jahreszeit, Mondphase und so weiter ;-)

Ralf Jannke, Frühsommer 2018

 

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