Jubiläum: Ein Jahr Olympus OM-D: Nach der E-M10 jetzt die E-M1 und mein Steckenpferd Autofokus-Leistung. Und gleichzeitig: Lebewohl Olympus OM-D System…

Neuzugänge Herbst 2018: Olympus OM-D E-M1, 2,8-3,5/14-54 mm Olympus FourThirds (per Adapter auf der E-1) und 1,7/25 mm Panasonic microFourThirds – die wichtigen Gegenlichtblenden fürs Foto demontiert.

Und schon Geschichte

Die schöne Olympus OM-D E-M1 wurde beim Olympus Service in Hamburg "kostenlos umweltfreundlich entsorgt". Mehr übers Wieso und Warum am Ende dieses Beitrags. Aber deshalb den ganzen schönen Praxisbericht ebenfalls entsorgen? Nein!

"Trotz Vorbehalten: Mit der Olympus OM-D E-M10 zum Basketball"

hieß es vor einem Jahr im Herbst 2017. Im Beitrag auch der Screenshot einer (Excel) Tabelle mit dem Versuch anhand vom Wert "Sportfaktor in Prozent" zu zeigen, dass der Autofokus einer digitalen Spiegelreflexkamera dem der spiegellosen Systemkamera überlegen ist, was heute so nicht mehr der Fall ist. Denn moderne Systemkameras ohne Spiegel haben den in der so erfolgreichen Spiegelreflexkamera arbeitenden Phasen-Autofokus direkt auf den Bildsensor implementiert.

Zur Ermittlung des "Sportfaktors in Prozent" wurde das Funktionsprinzip zugrunde gelegt. Die ersten Generationen spiegelloser Systemkameras (DSLMs) verfügten nur über einen zwar hochgenauen und schnellen, aber für unterschiedlich schnelle und unregelmäßige Bewegungen in verschiedenen Richtungen untauglichen Kontrastautofokus. Der bauartbedingt bei der Spiegelreflexkamera (durch den Spiegel im Strahlengang) nicht möglich ist, hier arbeitet der Autofokus nach dem Phasendetektionsprinzip. Nicht so 100 Prozent exakt wie der Kontrastautofokus, der Sensoren direkt auf dem Bildsensor abfragt, aber dafür war/ist es mit der DSLR möglich, bewegte Objekte zuverlässig zu verfolgen, vorauszuberechnen und mit hoher Trefferquote zu autofokussieren.

Bevor ich mich mit Details zu den beiden Autofokusdetektionen abmühe, verweise ich gerne auf die älteste deutsche Seite, die sich mit digitalen Kameras und digitaler Fotografie/Bildbearbeitung befasst: Digitalkamera.de. Unter der Überschrift "Vor- und Nachteile der verschiedenen Autofokus-Systeme" wird alles erklärt, was man zu Kontrast- und Phasen-AF wissen muss.

Die alte Tabelle wurde überarbeitet – AF-Verfahrensfaktor für DSLMs = 8

Ein paar Kameras wurden gestrichen, aktuelle(re)  spiegellose Systemkameras dazu gefügt. Die Rot-Hintergrund-markierte Nikon D5 als Referenz-Kamera bekam nach meinen Kalkulationen den Berechnungen einen Sportfaktor von 100 Prozent. Mit hohen Werten nicht weit dahinter weitere Profi-Boliden von Canon und Nikon. Mit blauer Schriftfarbe die spiegellosen DSLMs. Mit roter Schriftfarbe die frühen DSLMs, die nur über Kontrast-AF verfügen. Mit gelbem Hintergrund markiert, die Panasonic-DSLMs mit DepthFromDefocus – DFD-Technik.

DFD

Anhand zweier leicht unterschiedlich fokussierter Bilder berechnet die Panasonic wie weit und in welche Richtung der Fokus verschoben werden muss, damit ein abbildungsscharfes Bild entsteht. Damit versucht die DFD-Technologie den Phasen-Autofokus zu simulieren. Auf diese Weise soll sich die Bildrate im AF-C-Modus verdoppeln lassen. Das Ganze soll nur mit Panasonic-Objektiven funktionieren, wobei die Objektivcharakteristik, heißt Brennweite und Lichtstärke mit in die DFD-Berechnung eingehen.

Möglicherweise habe ich den AF-Verfahrensfaktor für die DFD-Technik mit 0,5 zu niedrig festgesetzt. Aber so ganz traue ich der Sache nicht. Denn warum setzen mittlerweile alle anderen Hersteller spiegelloser Systemkameras auf Hybrid-Autofokus, bestehend aus Kontrast- und Phasen-AF.

Warum ist der AF-Verfahrensfaktor 8 für DSLMs mit Phasen-AF so niedrig?

Ich habe ihn so angepasst, damit der Sportfaktor 100 der Referenzkamera Nikon D5 nicht unbewiesen erreicht oder gar überschritten wird. Die in "10 Jahre spiegellose Systemkameras – DSLMs" kurz in Bildform vorgestellte FUJIFILM X-T2 und X-T3 erreichen mit meiner neuen Berechnungsgrundlage (Verfahrensfaktor 8) mit Sportfaktoren von 87 und 100 die digitale Spiegelreflex Nikon D5. Unrealistisch? Das kann man erst beantworten, wenn in wenigstens 2 Jahren mehr Ergebnisse aus spiegellosen Systemkameras vorliegen.

Die spiegellose Vollformat Canon EOS R liefert mit 5655 AF-Sensoren, verteilt über das komplette 24 x 36 mm Bildfeld nicht nur hier den Weltrekord, sondern erreicht nach meiner Rechnung einen mehr als doppelt so hohen Wert wie die Nikon D5! Nikon D5 = 100, Canon EOS R = 242 – sehr unwahrscheinlich, wie Sie weiter unten sehen.

War/ist die ganze Berechnungsgrundlage also Blödsinn?

Nein! Unabhängige Tester schrieben vor Jahren zur Olympus PEN E-P3: „Die gute Nachricht für Sport- und sonstige Schnell-Fotografierer: Die E-P3 hat einen wirklich schnellen Autofokus und schlägt, was das angeht, selbst die Topmodelle aus dem professionellen Spiegelreflex-Lager.“ Und ich war seinerzeit so naiv das zu glauben. Nie „performte“ eine Systemkamera in der Basketballhalle schlechter als die hochgelobte PEN E-P3. Eine tolle Kamera, deren Vorgänger PEN E-P2 ich gerne in meine Sammlung aufgenommen habe. Aber eben nichts für Action!

Wenn ich auf die Tabelle schaue, finde ich in den Zahlen die Bestätigung:

  • Olympus PEN E-P2 (DSLM mit Kontrst-AF) Sportfaktor 2
  • Olympus PEN E-P3 (DSLM mit Kontrst-AF) Sportfaktor 4
  • Canon EOS D30 (DSLR mit Phasen-AF) Sportfaktor 11
  • Nikon D70/100 (DSLR mit Phasen-AF) 21

Selbst meine erste Canon selbstproduzierte DSLR, die 3 Megapixel EOS D30 von 2000, lieferte nicht nur theoretisch eine fast drei Mal so hohe Trefferquote wie die "ach-so-schnelle" Olympus PEN E-P3! Zugegeben nie statistisch erfasst, aber nach tausenden Basketballfotos subjektiv genau so gefühlt und auf dem Monitor gesehen!

Noch zwei Beispiele für eine Fehleinschätzung

Der sagenhafte und rein rechnerische Sport(tauglichkeits)faktor der Canon EOS R liegt bei 242. Das steht im totalen Widerspruch zu ersten Eindrücken von Leuten, die die EOS R ausprobiert haben. Dort wurde berichtet, dass die Bildfrequenz der EOS R bei der Verfolgung bewegter Motive auf 3 Bilder pro Sekunde Frequenz einbrechen soll. Das kann ich selbst als Nikon-Fan nicht glauben. Wie hat der Fotograf gearbeitet? Hatte er vielleicht alle 5655 Sensoren aktiviert? Dann könnte ich die schwache Leistung nachvollziehen, denn woher soll die EOS R wissen, was das zu verfolgende Hauptmotiv ist? Damit ist auch ein leistungsstarker Kamera-Computer überfordert! 

Die US-Seite dpreview ist von der "Autofocus Performance (Leistung)" der Nikon Z7 wenig begeistert. Was mich aber als Anwender der Nikon Vollformat DSLR D4 erst mal wenig berührt. Das, was dpreview bemängelt, können andere DSLMs besser. Abgesehen davon war der Dpreview-Test der Z7 in meinen Augen nicht wirklich realistisch. Die Kamera sollte einen sozusagen Slalom fahrenden Radler verfolgen. Mit fester Kameraposition, nur mit dem Objekt-Verfolgungs-AF. Nie käme ich auf die Idee, so meinen Basketball zu fotografieren. Da wird der ballführende Spieler verfolgt und die Kamera entsprechend mitgezogen!

Tabelle mit AF-Verfahrensfaktor für DSLMs = 50

Ob eine Vollformat Canon EOS 1DX MK II mit einem Sportfaktor 63 rein rechnerisch so deutlich hinter den 100 Prozent der Referenzkamera Nikon D5 zurückliegt, kann man sicher anzweifeln! Nicht ohne Grund teilen sich Canon und Nikon die professionelle Sport- und Reportagefotografie unter sich auf!   

Ganz unwahrscheinlich, ja unrealistisch wird es, wenn die Nikon D5 von diesen spiegellosen Systemkameras so deutlich übertroffen wird, weil ein AF-Verfahrensfaktor von 50 einfach übernommen würde: 

  • Nikon D5 (Spiegelreflex!) 100 Prozent
  • Nikon Z7 133 Prozent
  • Sony A7 MK III 212 Prozent
  • Fuji X-T2 218 Prozent
  • Fuji X-T3 249 Prozent
  • Canon EOS R 606 Prozent

Mit AF-Verfahrensfaktor 8 erscheint mir das Ganze wesentlich wirklichkeitsnäher – siehe oben. Die Realität wird wohl irgendwo in der Mitte liegen. So oder so: Die Geschichte der spiegellosen Kamera beginnt nach 10 Jahren Anlaufzeit erst jetzt Fahrt aufzunehmen!

Was in dieser und der alten Tabelle nicht berücksichtigt wurde, das ist die Rechenleistung des jeweiligen Kamera-Computers, die Anordnung und – ganz wichtig – die  Kombinationsmöglichkeit der einzelnen AF-Sensoren.

Autofokus Auswahlmöglichkeiten

Die oben stehend Menüs sind aus der digitalen Spiegelreflexkamera Nikon D4. AF-C für Nachfolge- Autofokus, Gruppierung von 20 oder 50 Sensoren um den in diesem Fall gewählten (schwarz markierten) mittleren Sensor. Es können auch 8 Sensoren um den gewählten Sensor gruppiert werden. Und dazu noch alle Sensoren in der Einstellung 3D. In der zweiten Nikon D4-Menüreihe noch "Schärfenachführung mit Lock-ON", wozu ich weiter unten noch etwas sage.

Under der D4 die Auswahlmöglichkeiten der spiegellosen Systemkamera (DSLM) Olympus OM-D E-M10. "C-AF" und "(TR") wurden nachträglich einmontiert und stehen für C(ontinuous)-AF (kontinuierlichen/Nachfolge-AF) und TR für Tracking. Gemeint ist Gesichtserkennung oder Festlegung auf ein Motivdetail, was bei Bewegen durch das Sucherbild verfolgt wird. Das sieht bei anderen Herstellen ganz ähnlich aus!

Weil das ein wichtiges Thema ist, etwas ausführlicher

Eine hohe Trefferquote auf schnell und unregelmäßig bewegte Motive wird durch gezielte AF-Sensorwahl und noch mehr durch ganz gezielte Zusammenfassung erreicht. Leicht einzusehen, dass ein einzelner AF-Sensor schon mal versagt, wenn er zum Beispiel auf dem einfarbigen Trikot eines Ballspielers keinen Kontrast findet. Ist der Autofokus aber so eingestellt, dass zum gewählten Sensor zusätzlich die 8 oder 20 unmittelbar benachbarten Sensoren zusätzlich abgefragt werden können, wenn der gewählte Sensor keinen Kontrast findet, steigt die Trefferquote! Einfach durch die Wahrscheinlichkeit, dass einer der zusätzlich aktivierten Sensoren statt des einfarbigen Trikots eine Falte, die Spielernummer oder das Vereinsemblem erwischt. Und schon sitzt der Fokus. Ebenso kann aber auch die Wahrscheinlichkeit steigen, dass bei zuviel AF-Sensorfläche auf das falsche Motiv(detail) scharfgestellt wird. 

Dieses Gefühl hatte ich beispielsweise bei der Olympus OM-D E-M10, die beim Basketball mit einer zu großen 3x3 Matrix bereits zu viel Fläche abdeckt und dann prompt aufs falsche Detail fokussiert. Ganz unabhängig davon, dass die OM-D E-M10 nur über einen Kontrast-AF verfügt. Nur die Reduzierung auf einen Sensor mittlerer Größe brachte bei der E-M10 Besserung! Bei den im OM-D E-M10 Praxisbeitrag gezeigten Surfbildern hatte sich die 3x3 Matrix als am praktikabelsten erwiesen!

Zu diesen Kombinationsmöglichkeiten gesellt sich noch 3D-AF-Tracking. Ich erinnere mich an eine gelungene Serie einer anfliegenden Eule in dichtem Schneetreiben. Zuverlässig regelte der AF durchs Erfassen der braun gefärbten Eule vor dem mehr oder weniger weißen Vorder- und Hintergrund (das Schneetreiben!) den einwandfrei sitzenden Fokus. Das funktioniert natürlich nur bei solchen Situationen. In einer Ballsportart kann 3D-Tracking nicht richtig funktionieren, denn woher soll der Kamera-Computer wissen, welchen Spieler er einfangen soll, haben doch alle Spieler das gleiche Trikot an...

Die Schärfenachführung mit Lock-ON 

legt fest wie schnell der Autofokus auf plötzliche Veränderungen der Entfernung zum angemessenen Objekt reagiert. Wie lange die Schärfe bei einem kurzzeitig verdeckten Haupt-Motiv nachgeführt wird, bevor die Kamera wieder auf das verdeckte Objekt scharfstellt. Der AF soll nicht auf den durchs Bild laufenden anderen (gegnerischen) Spieler oder Schiedsrichter fokussieren, sondern auf den gewünschten, ballführenden Spieler.

Waren dem unabhängigen Canon EOS R-Tester die vielfältigen AF-Möglichkeiten mangels Erfahrung nicht bewusst, oder wurde aus Zeitmangel zu wenig probiert. Anders kann ich mir den eigentlich vernichtenden Ersteindruck: "bricht auf 3 B/s ein" nicht erklären.

Von der Olympus OM-D E-M10 zur OM-D E-M1

Von der Theorie stehen sich da ein Sportfaktor von 6 und 28 Prozent gegenüber. Die OM-D E-M1 sollte mit ihrem zusätzlichen Phasen-Autofokus also Größenordnung fünf Mal so gut wie die OM-D E-M10 sein, die nur über einen Kontrast-AF verfügt.

Ist das so? 

Um das herauszufinden ging die Olympus OM-D E-M1 in die bekannte Basketballhalle. Der Vergleich 2,8/60 mm Sigma Art = 2,8/120 mm umgerechnet auf 24x26 mm Kleinbildformat zum 2,8/70-200 mm Zoom mit schnellem Ultraschall-Motor-AF-Antrieb ist vielleicht etwas unfair, aber ich habe keine andere vergleichbare microFourThirds_brennweite der Lichtstärke f/2,8. Immerhin gesellt sich seit dem Basketball-Test der Olympus OM-D E-M10 mittlerweile das neu erstandene 1,7/25 mm Panasonic dazu. Umgerechnet aufs 24 x 36 mm Kleinbildformat also ein 1,7/50 mm.

Für Sportfotos wäre ein 2,8/40-150 (80-300 @KB) Olympus perfekt. Das Objektiv ist mir aber einfach zu teuer. Ob ein adaptiertes, lichtstarkes FourThirds-Telezoom 2,8-3,5/50-200 mm schnell genug fokussiert, kann ich mangels Vorhandensein nicht probieren. Über den Erwerb würde ich nur nachdenken, wenn sich das vorhandene 2,8-3,5/14-54 mm FourThirds-Zoom auf der Olympus OM-D E-M1 in Nachführ-AF (AF-C) als brauchbar erweist. Bei der Adaption auf der OM-D E-M10 stellte sich diese Frage erst gar nicht, da die nur mit Kontrast-AF ausgestattete OM-D E-M10 mit adaptierten Objektiven keinen AF-C Betreib ermöglicht. Sollte das 2,8-3,5/14-54 mm mit dem Phasendetektions-AF der OM-D E-M1 in der Basketballhalle bei späteren Versuchen die schnell bewegten Spieler verlässlich nachfokussieren, könnte ich über ein 2,8-3,5/50-200 nachdenken.

Bevor es losgeht noch ein paar Bemerkungen zum elektronischen, lautlosen Verschluss

Im ersten der drei kleinen Beispielbilder schlägt die 50 Hz Neonröhrenbeleuchtung unbarmherzig zu. Das Bild ist unbrauchbar. Und selbst im zweiten Foto zeigt das einmontierte kleine Foto immer noch die Streifen! Erst nachdem die Neon- exakter Fluoreszenz-Beleuchtung abgeschaltet wurde, gab es ein streifenfreies Bild! Wie auch beim letzen kleinen Foto. Die LED-Lampen sorgten für ein streifenfreies Bild! Elektronischer Verschluss also nur nach schneller Lichtart-Kontrolle am Aufnahmeort.

So sieht es bei einer anderen DSLM aus:

Auch hier nicht zu übersehen – Streifenbildung durch den elektronischen Verschluss!

Weitere Erklärungen im Praxisbeitrag Olympus OM-D E-M1 Firmwareupdate

PS.: Wenn der elektronische Verschluss der OM-D E-M1 nicht einzusetzen ist, bringt Einzelbildauslösung auch schon deutlich mehr Ruhe. Der mechanische Verschluss ist immer noch so leise, dass er kaum stört. Es gibt Motive, da muss man nicht mit 5 oder 8 Bilder pro Sekunde draufhalten. Lauern und Einzelfoto. Ging früher in Analogzeiten ja auch!

All das hier zum elektronischen Verschluss Gesagte, trifft natürlich auf jede DSLM zu, die die Wahl zwischen mechanischem und elektronischem Verschluss gestattet!

Olympus kaputt :-(

Erst nicht richtig wahrgenommen, spielte die OM-D E-M1 während des Basketballspiels immer mehr verrückt. Es fing damit an, dass sich das hintere Einstellrad zwar betätigen ließ, aber ohne jede Wirkung. Die aus irgendeinem Grund eingestellte Belichtungskorrektur von -2/3 EV ließ sich nicht mehr verändern. Ein schneller Versuch, die OM-D E-M1 noch in der Basketballhalle zu resetten, ließ die Olympus dann erst richtig abstürzen. Kurze Recherche im Internet: Bekannter Fehler bestimmter Baureihe (Seriennummer), gar nicht weiter irgendwas versuchen, ab zum Service mit der OM-D E-M1.

Reparatur der Olympus OM-D E-M1

Nach einer Woche hatte ich die OM-D wieder repariert in den Händen. Der sehr moderate Kostenvoranschlag von ca. 62 Euro wurde eingehalten!

Basketball mit der Olympus OM-D E-M1 High ISO

Alle Aufnahmen mit dem 1,7/25 mm Panasonic Lumix bei Offenblende

Und Action…

Alle Aufnahmen mit dem 2,8/60 mm Sigma Art bei Offenblende

Das unverkäufliche Sigma…

Von den drei Objektiven Sigma AF 19mm f/2.8 EX DN, AF 30mm f/2.8 EX DN und AF 60mm f/2.8 DN auf der spiegellosen 24 MP Sony Alpha NEX-7 (15 x 23 mm APS-C Sensor, Cropfaktor 1,5) getestet, wird dem SIGMA 60mm F2.8 DN A (Art) die höchste Abbildungsleistung nicht nur gemessen, sondern das Objektiv wird auch in einem Blog empfohlen.

Aber: Hat man das Sigma einmal, wird es praktisch unverkäuflich :-(

Das Objektiv ist insofern eine Fehlkonstruktion, weil es bei ausgeschalteter Kamera hörbar klappert. Erst wenn zumindest mein Exemplar 2,8/60 mm "unter Strom steht", sprich von der Kamera mit Strom versorgt wird, ist das Klappern weg. Nachfragen ergaben, dass dieses Verhalten "normal" sei.

Dazu gesellt sich aber eine weitere Unart – zumindest bei meinem Exemplar. Grundlos führt die Objektivblende ein Eigenleben, wenn man entsprechend von vorne ins Objektiv schaut. Sie öffnet und schließt unwillkürlich. Das hätte mir beim Versuch diese "Klapperschlange" zu verkaufen, nach 20 Jahren eBay fast die erste Negativbewertung eingebrockt! Also schleunigst zurückgenommen, das 60er. Und das Objektiv dafür benutzen, wofür es gebaut wurde – zum Fotografieren…

Denn völlig ungeachtet der beschriebenen Unarten, fokussiert und belichtet das SIGMA 60mm F2.8 DN A (Art) bei allen Blenden auf den Punkt. Und liefert mit Cropfaktor 2 ein preiswertes und superkompaktes 60 x 2 = 120 mm Tele. Alle oben gezeigten und entsprechend beschrifteten Fotos entstanden mit dem angeblich "kaputten" Sigma!

AF-Geschwindigkeitseindruck der OM-D E-M1: Um Klassen besser!

Es hat sich bestätigt, dass der Phasen-AF in der DSLM tatsächlich die höhere Trefferquote schafft!

Es wäre auch schlimm, wenn es nicht so wäre! Trotz der mit am besten ausgeleuchteten Basketballhalle in Deutschland, zeigen die Fotos den kleinen 13 x 17 mm microFourThirds-Sensor – es rauscht. Wenn du versuchst das eingesetzte 2,8/60 mm Sigma Art bei Offenblende in die Nähe der 1/1000 s zu zwingen. Besser nicht über ISO 1600/2000 gehen. Je nach Bereich der Spielfelds liefert die Zeitautomatik dann auch nur 1/320 s, was an Verschlusszeit schon zu lang ist. Ungeachtet dessen, war die Qualität bei ISO 6400 noch so gerade brauchbar. Wenn man nicht die vollen 16 MP ausnutzt, sondern runter auf 4 Megapixel geht. Bei 1000 Pixel Bildbreite/-höhe spielt das dann fast keine Rolle mehr.

Das mitgenommene 1,7/25 Panasonic ist da natürlich im Vorteil, was die ISOs angeht – dann genügen ISO 800/1000. Aber KB-umgerechnet bist du, was gewünschtes Freistellen angeht, mit 3,4/50 mm vermutlich nicht viel besser als beim 2,8/60 mm, umgerechnet aufs KB-Format 5,6/120 mm. Viele FT-/mFT-Jünger vergessen nämlich gerne, dass bei der Umrechnung aufs Kleinbild-Format eben nicht nur die Brennweite mit zwei multipliziert werden muss, sondern auch die Öffnung. Für die Lichtstärke ändert sich natürlich nichts, aber ein f/2,8 mFT-Objektivs hat dann gegenüber dem 24 x 36 mm Kleinbildformat eine Schärfentiefe von f/2,8 x 2 = f/5,6.

Damit ist meine Neugier, wie viel Einfluss das Autofokuserkennungsprinzip denn nun wirklich auf die Trefferquote hat, bestätigt.

Nochmal zur Erinnerung: Die Olympus OM-D E-M10 kommt nach meinen Kalkulationen mit ihrem Kontrastautofokus auf einen niedrigen Sportfaktor von 6 Prozent. Die OM-D E-M1 mit ihrem Phasendetektions-AF erreicht dagegen fast den fünffachen Wert: 28 Prozent. Das ist statistisch natürlich nicht zu untermauern, passt aber subjektiv zumindest für mich sehr gut.

Was das Autofokusfeld angeht, war das mittlere, vergrößerte Feld gewählt. Im Foto der Einstellungen auf dem Monitor das vierte Teilbild rechts unten. 

Finale

Wer keine Ambitionen in die Fotografie schnell und unregelmäßig bewegter Motive hat, und wem der kleine 13 x 17 mm microFourThirds-Sensor ausreicht, der ist mit der preiswerteren E-M10 gut versorgt. Wer bei microFourThirds mehr will, kommt um die OM-D E-M1 nicht herum. 

Um zu testen, wo das Autofokus-Limit der Olympus OM-D E-M1 liegt, müssten andere und entsprechend teure Hochkaräter her, wie beispielsweise ein 1,2/ oder 1,8/45 mm, 1,8/75 mm oder ein 2,8/40-150 mm. Vermutlich haben diese Objektive auch einen schnelleren AF-Antrieb. Eigentlich wollte ich auch noch probieren, ob das adaptierte 2,8-3,5/14-54 mm FourThirds Zoom zur Verfolgung bewegter Motive auf der OM-D E-M1 eine Chance hat.

Dazu kommt es nicht mehr!

Olympus kaputt zum Zweiten :-( Oder besser: TOTALSCHADEN und meinerseits lebewohl Olympus OM-D System…

Noch während meines zweiten Basketballspiels mit der Olympus „erfreute“ mich die OM-D E-M1 mit unerklärlichen Blackouts. Wortwörtlich! Kurzes Neustarten, schwarzer Bildschirm. Objektiv-, Akkus und SD-Speicherkartenwechsel – keine Änderung: Feierabend. Zu Hause noch mehrmals probiert – Blackout. Ab zur Reparatur!

Da die Kosten der zweiten Reparatur (380 Euro) den Wert der OM-D E-M1 überschreiten, begleitet von Garantieverweigerung seitens Olympus (auf die erste Reparatur) begründet durch Feststellung des "Versuch(s) einer Selbstreparatur bzw. einer Reparatur durch Dritte" war es dann von meiner Seite genug Wohlwollen für das Olympus OM-D System.

Olympus' Angebot, eine OM-D E-M1 in Chrom mit zwei Jahren Garantie für 714 Euro zu erwerben, habe ich dankend abgelehnt und stattdessen meine Schrott E-M1 angeboten durch Olympus "kostenlos und umweltfreundlich entsorgen" lassen.

Die E-M1 wäre eh meine letzte OM-D gewesen, aber das Aus hat mich auch vor einer unsinnigen Drittgleisigkeit bewahrt

Für den Basketball ist die Nikon D4 samt 2,8/70-200 mm VR Nikkor fest "gesetzt". Als zweites System wäre die kompakte und hallentaugliche OM-D E-M1 immer mal mitgegangen.

Es hat nicht sollen sein…

Zudem habe längst ein viel besseres Zweitsystem im Einsatz - von Fuji. Fürs 714 Euro Olympus-Angebot hätte ich fast drei gebrauchte Exemplare der ab sofort verwendeten 16 MP FUJIFILM X-E2 Zweitkamera bekommen und gebraucht sogar die aktuelle 24 MP/4 K Video 14 B/s schnelle FUJIFILM X-E3 vom Online-Händler mit Rückgaberecht!

Ganz unabhängig vom Ausfall hat sich das Olympus OM-D System im Nachhinein gegenüber der FUJIFILM X-E1, X-E2 und X-E3 gebraucht wie neu als zu teuer erwiesen. Ob das auf Dauer (in der Zukunft) für Olympus gutgeht?

Klein, aber fein: Das verbleibende microFourThirds-/FourThirds-System

Nimmt der Olympus PEN E-P2 ihre Eleganz, erfüllt aber die Tauglichkeit auch unter vollem Tages-/Sonnenlicht fotografieren zu können: Der Aufsteck E-Sucher, in diesem Fall der VF-3, Nachfolger des VF-2. Er kann zwar einen Klappmonitor nicht ersetzen, ermöglicht durch seine Klappbarkeit auch die eine oder andere bessere Perspektive.

Vielfach wurde die PEN E-P2 serienmäßig mit dem gleich aussehenden E-Sucher VF-2 verkauft. Viele dieser PEN E-P2 Einheiten wurden über die Zeit aber getrennt und ohne den E-Sucher vergleichsweise preiswert angeboten. In der meist vergeblichen Hoffnung für die einzeln verkaufte Kamera und den Sucher so einen deutlich höheren Preis zu erzielen. Meine Olympus PEN E-P2 hat seinerzeit 75 Euro gekostet. Ich bin aber nicht bereit um 150 Euro für einen VF-2 zu investieren. Als jetzt ein Exemplar des kompatiblen E-Suchers VF-3 für 80 Euro zu haben war, habe ich die PEN E-P2 komplettiert. Der VF-3 löst etwas niedriger auf, hat aber einen Sicherungsstift, der verhindert, dass der teure (!) Sucher aus dem Zubehörschuh rutscht und verloren geht.

Auf der PEN E-P2 sitzt per China FT-/mFT-Adapter das von seiner optischen Abbildungsqualität angeblich umstrittene, aber im tropischen Sommer 2018 von mir hoch schätzen gelernte 10-fach „Suppen- Pardon Superzoom 3,5-6,3/18-180 mm Olympus FourThirds. Die Gegenlichtblende wurde fürs Foto abgenommen. Daneben die Panasonic Lumix DMC-G1, gleichzeitig die erste spiegellose Systemkamera der Welt und bereits mit Klappmonitor! Bestückt mit einem Geheimtipp zum Spottpreis (77 Euro), dem zwar lichtschwachen, aber von der Abbildungsleitung tadellosen Olympus (Body Cap) Lens 9 mm 1:8,0. Umgerechnet aufs 24 x 36 mm Kleinbild entspricht das einem 18 mm Fisheye, welches das komplette Bildformat auszeichnet. Der Preis für die Panasonic G1 lag in gleicher Höhe wie die Olympus PEN E-P2. Bis auf den Schönheitsfehler, der beginnend klebrigen und perfekt staubsammelnden Oberfläche funktioniert die G1 so einwandfrei wie die PEN E-P2. Wenns Kleben irgendwann zu stark wird: Talkum drüber und gut ist!

So macht sich das übriggebliebene 1,7/25 mm microFourThirds Panasonic und das Sigma mit der vermeintlichen Macke auf der verbleibenden Olympus PEN E-P2 und der Panasonic Lumix DMC-G1 sehr gut. Die PEN E-P2 fokussiert via Adapter ALLE meine restlichen FourThirds-Objektive! Gemächlich, aber nicht schlechter als die OM-D E-M10. 

Auch wenn die ab ISO 1600 wie ein Wald rauschende PEN E-P2 nicht an die OM-D E-M1/10 rankommt und auch nicht mit einem Handgriff für besseren Grip erweitert werden kann, genügt mir das für meine private Olympus microFourThirds-Zukunft. Spendiert habe ich der PEN noch den Untersatz "CS-10BBR Echtleder Bodenhülle", der dann ein wenig besseren Griff bietet. Abgesehen davon fühlen sich die FourThirds-Objetive auch auf meiner Olympus E-330 und meiner 5 Euro E-420 sehr wohl.

Aber Olympus OM-D-System: Never again – Farewell…

Ralf Jannke, Dezember 2018

 

Comments (0)

No comments found!

Write new comment