Olympus E-330

Wozu nach der Evolt E-300 noch eine auf den flüchtigen Blick ganz ähnliche E-330? Die Olympus E-330 ist 2006 die erste digitale Spiegelreflexkamera (*), die eine Liveview-Einstellung bietet, die bei Bedarf im Dauerbetrieb arbeitet, denn der Liveview der Fujifilm FinePix S3 Pro von 2004 ist auf Schwarzweiß-Wiedergabe beschränkt und wie bei der für Astrofotografie vorgesehenen Canon EOS 20Da von 2005 – hier in Farbe – auf 30 s Laufzeit begrenzt. Nach diesen 30 s hat sich der Bild-Sensor so aufgeheizt, dass es bei der Aufnahme zu Rauschen führen würde. Möglich ist das in der Olympus E-330 durch einen zweiten CCD-Sensor, der nur für die Bildwiedergabe zuständig ist. Seine Erwärmung spielt für die Aufnahme keine Rolle! Dazu bietet die E-330 ein Schwenkdisplay, was für bestimmte Aufnahmegebiete (Makro Bodennähe, Froschperspektive) ein nützliches Ausstattungsmerkmal darstellt.

(*) Exakt muss es heißen, die erste digitale Spiegelreflexkamera – MIT WECHSELOBJEKTIVEN –, die eine Liveview-Einstellung bietet. Denn die Ehre der ERSTEN DSLR mit Liveview gebührt der Olympus E10 von 2000! Die aber mit einem fest montierten Zoom ausgestattet ist, wofür es Vorsatz-Objektive gibt. Und streng genommen ist die Olympus E-10 dank fehlendem Reflexspiegel auch gar keine D(S)LR. Gewöhnlich wird aber so eingeordnet. Über die Olympus E-10 wird es einen eigenen, ausführlichen Bericht geben.

Die Olympus E-330 ist 140 x 87 x 72 mm groß und wiegt 550 g. Der 4:3/FourThirds 17,3 x 13,0 mm CMOS-Sensor löst maximal 3136 x 2352 Pixel = 7,4 MP auf, was bei 150 ppi Auflösung 53 x 40 cm Drucke/Vergrößerungen auf Papier erlaubt. Der Sensor hat eine Empfindlichkeit von ISO 100 bis 1600, die im Unterschied zur E-300 in 1/3 Stufen wählbar sind. Die ISO Automatik arbeitet im Bereich ISO 100 bis 400, für die Empfindlichkeiten jenseits der ISO 400 muss wie bei der E-300 im Kameramenü die Empfindlichkeitserweiterung aktiviert sein. Um den Sensor vor Staub zu schützen und zu reinigen gibt es einen entsprechenden Schutzfilter und eine Ultraschall-Selbstreinigungsfunktion.

Aufgezeichnet wird in 24 bit Farbtiefe unkomprimiert als TIFF oder komprimiert in verschiedenen JPEG-Qualitäten. Alternativ kann auch mit 36 bit Farbtiefe im Rohformat (RAW) erfasst werden. Paralleles Aufzeichnen/Speichern als RAW und JPEG in wählbaren Qualitäten ist möglich. Die Bildablage erfolgt auf xD-Karte, Compactflashkarte oder Microdrive. Eine vorhandene 32 GB Compactflash-Karte wird problemlos gelesen. Bei Bedarf können RAW-Fotos noch in der Kamera in JPEG konvertiert werden. Darüberhinaus ist es möglich in der Kamera direkt oder nachträglich SW-Fotos zu generieren oder „auf alt“ in Sepia zu färben und die Bildpixelgröße in festen Stufen zu verkleinern.

Serienaufnahmen sind unabhängig vom Speicherformt (RAW, JPEG) für 4 Fotos höchster Auflösung (3136 x 2352 Pixel = 7,4 MP) hintereinander mit 3 B/s möglich. Wird die Auflösung in der Einstellung SQ auf 2560 x 1920 Pixel = 4,9 MP reduziert, und die Kompression von 2,7:1 geringfügig auf 4:1 erhöht, kann mit 3 B/s serienfotografiert werden, bis die Speicherkarte voll oder der Akku leer ist!

Um bei Aufnahmen vom Stativ Erschütterungen der Kamera weiter zu verringern, kann der Spiegel in festlegbaren Zeiten vor der Aufnahme hochgeklppt werden.

Der Spiegelreflexsucher (Porro-Prismensucher) zeigt 95 % des Motivs und bietet  Dioptrienausgleich (-3,0 bis +1,0 dpt), der 2,5" TFT LCD Monitor mit 215.250 Bildpunkten im Liveview-Modus B 100 %. Je nach Liveview-Modus ist eine Passfotoschablone (Modus A) oder ein Gitter (Modus B) einblendbar.

Bei der Bildkontrolle auf dem Monitor kann für die Farben Weiß, R(ot), G(rün), B(lau) ein Enzelhistorgramm gezeigt werden, auf Wunsch ein komplettes Histogramm, oder (ausgefressene) Lichter und (abgesoffene) Schatten.

Die Belichtung wird wahlweise per Matrix/Mehrfeld-Messung über 3 Felder, mittenbetont integral oder punktförmig als Spot (2 % des Bildfeldes) gemessen. Die Belichtung wird per Programm-, Blenden- oder Zeitautomatik oder manuell gesteuert. Belichtungskorrektur im Bereich +/- 5,0 EV. Belichtungsreihenfunktion mit maximal 3 Aufnahmen, Abstufung 1/3 bis 1 EV pro Bild. Der Verschluss bildet Zeiten von 60 bis 1/4000 s, sowie B. Selbstauslöser mit 2 oder 12 s Vorlaufzeit.

Der Gehäuseblitz bietet Leitzahl 11 und die üblichen Funktionen: Blitz ein/aus, Automatik, Aufhellblitz, Langzeitsynchronisation, Blitzen auf den zweiten Verschlussvorhang, Rote-Augen-Reduktion. Ein Blitzschuh für stärkere Systemblitzgeräte ist vorhanden.

Der Autofokus arbeitet im Bereich 0-19 EV.

Energieversorgung über 7,4 V, 1500 mAh Lithiumionen-Akku, der auch in der E-300 und der hier schon gezeigten Olympus Camedia C-5060 Wide-Zoom werkelt.

Als „anständige“ DSLR bietet die E-330 einen eingebauten Okularverschluss sowie einen Abblendhebel, der übers Menü aktiviert wird.

Hier gibt es Prinzip-Skizzen, die den Liveview und mehr zeigen

Unbedingt studieren sollte man sich die Vorstellung der E-330 in dpreview, wo E-330 und E300 direkt verglichen werden.

Hier gibt es die deutsche Bedienungsanleitung zur Olympus E-330

Die beiden Liveview-Modi A und B der E-330

Liveview-Modus B. Das Bild kommt direkt vom Bildaufnahme-MOS-Sensor. Mit eingeblendetem Gitter.

Da im Modus A das Bild von einem zweiten CCD-Sensor aufgenommen wird, bleibt der schnellere TTL Phasenkontrast-AF erhalten. Der Sensor zeigt allerdings nur 92 % des Bildfelds. Wie schon zu Beginn beschrieben, hat das Erwärmen dieses CCD-Sensors keinen Einfluss auf die Bild-(Daten-)Qualität! Bei wenig Licht kann die Liveview-Wiedergabe über das Menü geschaltet, verstärkt werden. Wenn das zur Motiverkennung noch nicht reicht, schaltet die Anzeige von Farbe auf SW um!

Im Modus B steht der Autofokus wegen des dabei hochgeklappten Spiegels nicht zur Verfügung. Dass nach einem Update der Firmware von 1.0 auf 1.2 (und höher) lt. dpreview Autofokus angeblich auch im B-Modus möglich sein soll, konnte ich nicht feststellen! Im B-Modus muss manuell direkt auf den 7 MP MOS-Bildsensor fokussiert werden. Der B-Modus ist für unbewegte Motive bevorzugt vom Stativ (z.B. Makro- oder Architekturaufnahmen) bei manueller Scharfstellung vorgesehen. Bewegte Motive scheiden schon deshalb aus, weil weil der Spiegel vor dem Belichten erst in die Ausgangsstellung springen muss, bevor er zur Belichtung wieder aus dem Strahlengang verschwindet. Das führt zu einer deutlichen Auslöseverzögerung. Im B-Modus zeigt das Klapp-Display 100 % des Motivs. Bildausschnitte können gezielt gewählt und 10-fach vergrößert werden, was eine besonders exakte Fokussierung ermöglicht. Im Modus B erwärmt sich auch in der Olympus E-330 der Bildaufnahme-Sensor, dass in der Bedienungsanleitung nicht ohne Grund zu lesen ist: "Wird der B-Modus über längere Zeit verwendet, dann erhöht sich die Temperatur des Bildwandlers. Aufgrund dessen scheinen Bilder mit hoher ISO-Empfindlichkeit verrauscht, und die Farbe wirkt ungleichmäßig verteilt. Verringern Sie in diesem Fall die ISO-Empfindlichkeit, oder schalten Sie die Kamera eine Zeit lang ab."

Die E-330 wurde mit einigen Auszeichnungen für ihre innovative Technik bedacht, darunter auch den begehrten TIPA Award für "The Best Imaging Innovation in Europa 2006". Eine vor 10 Jahren gut ausgestattete DSLR, die gerne in die Sammlung darf und auch immer wieder benutzt wird! Trotz einer unverzeihlichen Macke!

Olympus E-300, E-330 und deren ISO-Automatik

Ich verstehe unter ISO-Automatik eine Steuerung, die in JEDER Belichtungsautomatik die Sensorempfindlichkeit automatisch bis auf einen u.U. vom Anwender festgelegten Grenzwert erhöht, idealerweise noch mit einer ebenfalls vom Anwender festgelegten noch verwacklungsarmen/-freien Verschlusszeit. Nicht so bei der Olympus E-300/E-330. Obwohl die beiden DSLRs nach ISO-Erweiterung bis ISO 1600 können, ist die ISO-Automatik auf ISO 100 bis 400 begrenzt. Und anzuwenden ist sie ausschließlich in der Motivautomatik "Sport". Dort versucht die Kamera 1/500 s vorzugeben. Genügt das nicht, wird die Objektivblende maximal geöffnet. Genügt auch das nicht, um die 1/500 s Verschlusszeit zu halten, regelt die ISO-Automatik zwischen 100 und 400. Sind ISO 400 und offenen Blende erreicht, wird die Verschlusszeit für eine korrekte Belichtung entsprechend unter die 1/500 s verlängert. Selbst eine nach "Freischaltung" der ISO-Erweiterung im nächsten E-330 Kameramenüpunkt auf ISO 800 begrenzte Empfindlichkeit kommt in der Motivautomatik Sport nicht zum Einsatz! Und nach viel Rumprobieren rausgefunden: Auch in der Motivautomatik "Makro" kommt die ISO-Automatik zum Einsatz, die hier aber auf maximal ISO 200 begrenzt ist. Wer programmierte so ein unsinniges Verhalten?

Gerade bei schwindendem Licht ist eine ISO-Automatik sehr nützlich! Ich weiß nicht, welchen Fehler ich möglicherweise mache, bei welcher anderen Konstellation das vielleicht doch funktioniert. Trotz intensivem Studium der englischen und deutschen Bedienungsanleitungen! Selbst der dürre, mit einem Minuszeichen versehene Hinweis in digitalkamera.de: "ISO-Automatik auf Blitzbetrieb eingeschränkt" gibt keine Aufklärung. Ob ins dunkle Zimmer oder lichtlose Badezimmer geblitzt: KEINE ISO-Änderung. Stur bleibt die E-330 bei ISO 100 :-( Wenn ein Leser dieses Fehlverhalten erklären, aufklären kann, sehr gern!

Ansonsten kann man mit der E-330 prima fotografieren, "früher" ging es ja auch ohne ISO-Automatik...

Ralf Jannke

Beispielfotos, aufgenommen März 2016 mit der Olympus E-330

„Blindflug“, äh Blindfahrt. Vermutlich können die Kapitäne der Fährschiffe die Vogelflug-Route Puttgarden (Fehmarn)/Rödby (Dänemark) die ca. 45 min Passage mit verbundenen Augen fahren, aber in der dicken Nebelsuppe war das Radar dann wohl doch etwas sicherer ;-) Der wunderbaren Tisch an Deck wird von einer krummen Reling abgeschlossen. Leicht hätte man die Verzeichnung des 3,5-5,6/14-45 mm Olympus Zuiko Zooms rausrechnen können, ich habe drauf verzichtet.

Die beiden Brücken auf dem Weg von Deutschland nach Schweden über die Vogelfluglinie: Farö-Brücke bei Mön und die Öresundbrücke, die Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen mit Schwedens drittgrößter Stadt Malmö verbindet. 

Ostern werden die Segler "unruhig" ;-) Die Boote müssen endlich ins Wasser...

Und ewig grüßt Bullerbü...

Tadellos, die Olympus E-330. Eine weitgehend intakte Natur: Flechten auf den Bäumen.

"Produktfotografie" mit der Olympus E-330. Abgelichtet wurde die spritzwassergeschützte Kodak Outdoorkamera DC 5000 ZOOM.

Wenn's dunkel wird, ist bei der E-330 nicht Schluss. Für den relativ kleinen 13 x 17 mm FourThirds-Sensor eine gute Leistung bei ISO 1600. Bearbeitung mit Adobe RAW/Photoshop.

Diesen Test hätte ich mir eigentlich schenken können! Warum? Einfach benutzen, die E-330 ist eine moderne DSLR. Sie hat soviel Spaß gemacht, dass ich froh bin schon 2012 mit dem Kauf noch einer und noch einer und... (hochauflösenden Vollformat-)DSLR aus dem idiotischen Rennen "Wer hat den Dicksten, Längsten..?" ausgestiegen zu sein. Was wollen die Leute eigentlich mit manuell zu fokussierenden Festbrennweiten und Kameras, die 36, 42, 50 Megapixel auflösen, anderes fotografieren, als das, was mit der braven Olympus E-330 geht? OK, sie ist keine ausgesprochene Action-Kamera. Die E-330 wandert ab sofort vom Alu-Koffer ins "Benutzer-Regal"! Poster für die Wand sind mit den 7,4 MP problemlos möglich! Mehr Lob kann es nicht geben. Wobei die E-330 im Sommer im Regal stehen bleiben wird, was aber nur daran liegt, dass Olympus' erste Profi-DSLR, die E-1, auf einen langen Sommer-Urlaub wartet! Auch wenn die "nur" 5 MP hat...

Das Einzige, was ich an den Olys nicht mag, das ist das in meinen Augen total veraltete 4:3 Seitenformat des gleichnamigen Systems: FourThirds – FT –, aktuell 2016 microFourThirds – mFT. Spätestens seit Einführung des 16:9 Full-HD-Fernsehformats ist die Welt immer "breitbandiger" geworden. Wie befremdlich 4:3 ist, merkt man nicht nur, wenn man sich Fotos als Diaschau auf einem 16:9 Monitor anschaut oder bearbeitet... 1987 führte IBM den 4:3 VGA-Standard mit damals maximal 640 x 480 Pixel Monitorauflösung ein. Was soll das, heute, fast 30 Jahre später noch – 4:3? Ich bin 3:2 Kleinbildseitenverhältnis-Anhänger!

Alle Olympus E-330 Fotos wurden im Rohformat gespeichert. Solange man nicht glaubt, die Verwendung des jeweiligen Kamera-Rohdatenformats mache einen gleich zum Profi – "Ich arbeite nur in RAW" Forensprech – ist gegen die Verwendung nichts einzuwenden. Aus nichtssagenden Fotos machen auch keine 36/48 bit Farbtiefe gegenüber den "nur" 24 bit des komprimierenden JPEG-Formats Bilder mit Aussage. Zu Analogzeiten erreichte ja auch kein biederer Knipser "National Geographic"- oder "GEO"-Format, bloß weil er Kodachrome 25/64 in seine Kameras einlegte...

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