Pentax *istD L2

56 Jahre liegen zwischen der 1959 vorgestellten Asahi Pentax H2 (ganz links, mit dem Aufsteckbelichtungsmesser "Pentax Meter") und dem Plastikteil, Pardon der Digitalkamera ganz rechts, die nur noch den Namen Pentax trägt. In der Mitte ein analoger Bestseller, eine echte (!) Pentax Spotmatic von 1964. Warum so kritisch? Weil es die Pentax *ist D L2 fast identisch auch als Samsung GX-1L gibt. OK, eine digitale Pentax sollte mit in die Digitalkamerasammlung, auch wenn nur Pentax draufsteht. 

Nach Canon, Fujifilm, Kodak, Nikon und Sigma (in alphabetischer Reihenfolge) präsentiert auch Pentax 2003 seine erste, englisch (f)i(r)st, *ist D(igital-Kamera). Die Herleitung des seltsamen „ist“ in der Pentax-Kamerabezeichnung ist frei erfunden. Es gibt Versuche, die den Stern „*“ als Kennzeichnung für ein besonderes High-End-Produkt erklären und mit „ist“ den Pentax-Anwender zum Pentax-ist(en) zu ernennen ;-) So wie der Nikon-ist, der Canon-ist oder passender der Fotojournal-ist ;-) Genug von dem Quatsch. Auf jeden Fall  gelang es Pentax mit der *ist D der Welt die bis dahin kompakteste und kleinste DSLR zu präsentieren. Als Hersteller mit großer, langer Geschichte sollte auch eine Pentax DSLR in die Sammlung. Die Wahl fiel auf die 2006 vorgestellte *ist D L2, die zunächst gar nicht für Europa vorgesehen war.

Die böse Bemerkung von oben: „(...) dem Plastikteil, Pardon der Digitalkamera (...)“ hat ihre Berechtigung, denn was außer dem Namen da an der Kamera noch von Pentax ist, kann man wirklich hinterfragen.

Laut Wikipedia 1919 als Asahi Kogaku Kogyo Goshi-gaisha (deutsch etwa: „Optikwerke Asahi KG“, engl. Asahi Optical Joint Stock Co.). gegründet, baute Asahi ab 1952 „Asahiflex“ Spiegelreflexkameras, die ab 1957 unter der Bezeichnung „Asahi Pentax“ vermarktet wurden. 2005 ging Pentax für digitale Spiegelreflexkameras eine Entwicklungskooperation mit Samsung ein. Entsprechend gibt es die Pentax *ist D L2 praktisch baugleich auch als Samsung GX-1L. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Pentax

2008 wurde Pentax vom japanischen Spezialglas-Hersteller Hoya erworben und 2011 schließlich an den Büroelektronik-Hersteller Ricoh verkauft. Quelle: http://www.heise.de/foto/meldung/Pentax-an-Ricoh-verkauft-1271471.html

Selbst lichtstarke Zooms oder das einzigartige Pentax 3,5-4,5/10-17 mm Fisheye-Zoom sind nicht mehr von Pentax, sondern mehr oder weniger fast identisch zu entsprechenden Tokina-Objektiven!  

Detaillierte Technik-Informationen im englischen *st D L2 Manual

oder der deutschen Samsung GX-1L Bedienungsanleitung

Dpreview-Vorstellung der Pentax *ist D L2 (englisch)

Was bleibt?

Eine in Form der Pentax *ist D L2 gut ausgestattete 6 Megapixel DSLR mit kleinem ca. 15 x 23 mm APS-C Sensor. Gleichbedeutend mit einer scheinbaren Brennweitenverlängerung (Cropfaktor) von 1,5, die die Brennweiten entsprechend verlängert. Das 18-50 mm Zoom entspricht einem 27 - 75 mm 24 x 36 mm Kleinbild Zoom.

Die Details der *ist D L2

125 x 92 x 67 mm groß bei einem Gewicht von 553 g (inkl. Speicherkarte und Batterien)

Der CCD-Sensor löst maximal 3008 x 2008 Pixel = 6 MP auf. Die Empfindlichkeit kann per begrenzbarer ISO-Automatik maximal zwischen 200 und 3200 gesteuert oder in ganzen Werten zwischen diesen Grenzen eingegeben werden. Aufgezeichnet wird mit 36 bit Farbtiefe im Rohformat (RAW) oder komprimiert mit 24 bit Farbtiefe als JPEG in drei Komprimierungs- gleich Qualitätseinstellungen. Nach dem Update auf Firmware Version 1.02 speichert die *ist D L2 problemlos auf SDHC-Karten. Auf eine 4 GB passen 359 Fotos im Rohdatenformt (RAW) oder eine unbekannte vierstellige Zahl (das Zählwerk endet bei 999) JPEGs in bester (3-Sterne) Qualität.

Das Motiv wird wie bei einer „anständigen“ Kamera per Spiegelreflexsucher mit 96 % Bildabdeckung und Dioptrienausgleich (-2,5 bis +1,5 dpt) erfasst. Ob es sich beim Sucher um ein echtes Pentaprisma, wie in der Bedienungsanleitung der baugleichen Samsung GX 1L beschrieben, oder nur um einen (lichtschwächeren) Pentaspiegel handelt, war nicht herauszufinden. Auch scheint es ein Märchen zu sein, dass die Mattscheiben bei der *ist D L2 wechselbar sind.

Durch das Pentax K-AF-Bajonett können KAF2-, KAF- und KA-kompatible Objektive verwendet werden. Ältere K-Objektive funktionieren mit Funktionseinschränkungen, wenn die Verwendung des Blendenrings im Kameramenü zugelassen wird. 

Die Entfernung wird per 5-Punkt-Autofokus (der Vorgänger *ist D L hat nur 3 AF-Sensoren) erfasst und automatisch geregelt und auf Wunsch gespeichert. Im Einzel-Autofokus (AF-S) oder bei bewegten Motiven per Nachführung (AF-C). Wahlweise mit zentralem kleinem Spot-AF oder „wide“. Auf Wunsch bzw. Verwendung eines Pentax K Objektivs ohne Autofokus natürlich auch manuell. Um den Schärfenbereich (oder Schärfentiefe/Tiefenschärfe) zu beurteilen, bietet die Pentax sogar einen Abblendhebel, der das Objektiv auf die gewählte Blende schließt! Die Bildkontrolle (nach der Aufnahme, kein Liveview!) und Kamerasteuerung erfolgt über einen 2,5" TFT LCD Monitor mit 210.000 Bildpunkten.

Die Belichtung wird mittenbetont, integral, per 16-Feld-Matrix oder als Spot gemessen. Gesteuert wird per Motiv-, Programm-, Blenden- oder Zeitautomatik oder manuell. Die Belichtung kann +/- 2 EV in 1/3 EV-Schritten oder in Reihenfunktion mit maximal 3 Aufnahmen in 1/3 oder 1/2 EV-Schrittweite korrigiert werden. Der eingebaute Klappblitz bietet die üblichen Funktionen: Blitz ein/aus, Automatik, Aufhellblitz, Langzeitsynchronisation, Rote-Augen-Reduktion. Über den Blitzschuh können kompatible Blitzgeräte auf die Pentax montiert werden. Weißabgleich automatisch oder per Auswahl: Wolken, Sonne, Schatten, Blitzlicht, Leuchtstofflampe mit 3 Voreinstellungen, Glühlampenlicht, sowie manuell.

Der Verschluss bildet Zeiten von 30 bis 1/4.000 s plus B (Bulb/Beliebig). Der Selbstauslöser bietet 2 oder 10 s Vorlaufzeit. Serienbilder über 5 Fotos sind mit 2,8 Bilder/s möglich. Die *ist D L2 kann per Infrarot fern ausgelöst werden.

Ihre Energie bezieht die Pentax *ist D L2 aus vier 1,2/1,5 V Akkus oder Batterien der Größe AA oder alternativ 2 x 3 V CR-V3 Lithiumbatterien/-akkus.

Fotorundgang mit der Pentax *ist D L2 im Herbst 2015

Hat noch so eben mit ISO 200 hingehauen. Warum die aktivierte (!) ISO-Automatik der Pentax *ist D L2 in dieser Situation die Empfindlichkeit nicht hochgefahren hat, ist mir ein Rätsel. Das ist aber bei vielen Kameras ein typisches Fehlverhalten einer ISO-Automatik, die ihren Namen nicht verdient! Natürlich rauscht es bei höheren Empfindlichkeiten. Und? Besser etwas Rauschen als ein verwackeltes, unscharfes Foto. Das ist aber auch der einzige Minuspunkt, den ich der Pentax ankreide. Ansonsten Fotovergnügen pur! Das Ergebnis stimmt auch bei dieser Indoor ISO 200 Aufnahme. Unter dem Foto der 1:1/750 x 750 Pixel Ausschnitt. Weißabgleich – Neonlicht – in Adobe Lightroom korrigiert.

Pixelbreite 750. Bitte einfach auf die Fotos klicken...

1:1/750 x 750 Pixel Ausschnitt der 6 MP Pentax *ist D L2 Aufnahme.

High ISO mit der Pentax *ist D L2

Alle ISO 1600/3200 Aufnahmen im Pentax Rohformat gespeichert und mit Adobe Lightroom "entwickelt". Wie weit man das Rauschen per Rauschreduzierung/Luminanz-Reglereinstellung glättet, ist sicher Geschmacksache. Der 1:1/750 x 750 Pixel Ausschnitt der ISO 1600 Aufnahme ist NICHT entrauscht! 

ISO 3200

ISO 3200 ohne (links) und mit (rechts) Adobe Lightroom Entrauschung. 1:1/750 x 750 Pixel-Ausschnitte. Bitte aufs Bild klicken.

ISO 3200 ohne (links) und mit (rechts) Adobe Lightroom Entrauschung. 1:1/750 x 750 Pixel-Ausschnitte. Bitte aufs Bild klicken.

Gerne wird mal darüber gelästert, wenn man sich an hohen ISO-Einstellungen erfreut. Die Antwort ist dann ganz einfach: "Leute, wenn ihr mit High-ISO Begeisterung Probleme habt, lasst das Fotografieren oder aktuell Videografieren bei ganz wenig Licht doch einfach sein..." Ich schätze Kameras, mit denen man quasi 24 h am Tag aus der Hand – ja, ich habe und benutze auch Stative – fotografieren und ein paar bewegte Szenen einfangen kann! Für eine fast 10 Jahre alte Kamera bietet die Pentax *ist D L2 eine tolle Leistung bei ISO 3200! Wenn Verwacklung droht, und ein Stativ nicht möglich oder so hinderlich ist, dass man das Fotografieren gleich sein lässt.

Ob die in Foren gerne diskutierte Serienstreuung bei Objektiven der Realität entspricht, kann ich nicht sagen. Sollten dem so sein, dann gehört dieses Exemplar des simplen SMC PENTAX-DAL 3,5-5,6/18-50 mm AL Kitzooms auf jeden Fall in die höheren "Spielklassen". An dem "Plastik-Teil" gibt es nichts auszusetzen! Alle hier gezeigten Fotos wurden damit aufgenommen. Und die Kamera selbst? Die Pentax *ist D L2 würde ich glatt zum Geheimtipp deklarieren. Wenn man sich denn immer wieder vor Augen ruft, was mit "nur" 6 MP Auflösung möglich ist. OK, wessen Drucker größer als 32 x 48 cm auf A3+ Papier verarbeitet, oder in dieser Größe auf Fotopapier belichten lässt, um das dann sauber gerahmt an die eigenen Hauswände zu hängen, der muss sich nach mehr Megapixel umsehen.

Unauffällige Kombi

Weil die Pentax so viel Freude macht und noch ein bisschen mehr Tele sein sollte, kam noch ein total unauffälliges SMC PENTAX-F 1:4-5,6/35-80 mm dazu. 6 MP stellen keine besonderen Anforderungen ans Kitzoom aus Analogzeiten wie eine Vollformat DSLR mit Auflösungen jenseits der 24 MP. Hier die damit aufgenommenen Fotos:

Vom Rundgang mit dieser Kamera-/Objektivkombination am Bonner Post Tower vorbei in die herbstlichen Rheinauen an einem sehr trüben Oktober-Sonntag ein paar Bildchen. Belichtet mit Zeitautomatik, ISO 800 oder 1600, gespeichert im Pentax-Rohdatenformat, "entwickelt" in Adobe Lightroom. An den Farben wurde nichts "gedreht", der automatische Weißabgleich der Kamera belassen.

1:1/750 x 750 Pixel-Ausschnitt aus der 6 MP Pentax *ist D L2-Aufnahme mit dem 35-80 mm Zoom: ISO 800, Zeitautomatik, f/6,3 1/25 s 35 mm Brennweite.

Adobe Lightroom Einstellung

Wie weit ich das Rauschen bei ISO 800 auf Kosten von ein paar Details glätte und die Rohdatei schärfe, ist Geschmacksache. Hier wurde nichts entrauscht, bei ISO 1600 mit Luminanz-Werten zwischen 20 und 50 experimentiert.

Übrigens: ALLE hier mit der Pentax *ist D L2 aufgenommenen Fotos wurden im von mir generell nicht besonders geliebten (Pentax) Rohdatenformat gespeichert und mit Adobe Lightroom "entwickelt".

Ralf Jannke

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  1. Robert Brending
    Robert Brending am 24.04.2018
    Sehr unterhaltsamer, praxisnaher und aufschlussreicher Bericht über dieses Kamera-Mauerblümchen. Ich hatte mal eine *ist DS, mit der es mir Spass gemacht hat loszuziehen, auch besonders wegen des guten Handlings mit angesetzten Uralt-Pentax-Linsen. Nach dem Bericht hat es mich wieder gejuckt und ich hatte kurze Zeit später eine gebrauchte Samsung GX-1L ersteigert. Sie gefällt mir noch ein bisschen besser als der Vorgänger, vor allem wegen des softeren "Shutter-Sounds". Der kleinere Pentaspiegelsucher ist verschmerzbar, da ich (weitsichtiger Brillenträger) ihn zumindest komplett einsehen kann; das ist immer das Wichtigste. Zur Zeit nutze ich das etwas billig anmutende aber schön leichte, optisch gute 28-70/f4 daran. Mir fehlt damit allerdings doch der Weitwinkelbereich. Die damalige DA 18-55 Kit-Linse hatte ich mal, möchte ich nicht wieder haben.

    Viele Grüße
    RB

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