Die ewige Nummer Drei und die erste neue "Minolta" – Pardon – Sony Alpha 100 (Teil 2)

2006 auf der Photokina präsentiert, ist Sonys erste DSLR Alpha 100 ganz unverkennbar eine etwas gefälligere, rundere und höher auflösende (statt 6 jetzt 10 Megapixel) Minolta Dynax, die jetzt eben Alpha heißt, den Namen Sony trägt und über das Minolta A-Bajonett verfügt!

Denkt man sich die Schriftzüge und sonstige Gehäusebezeichnungen weg, ist die Ähnlichkeit der KonicaMinolta Dynax 5D und Sony Alpha 100 unverkennbar.

Alle technischen Angaben zur Sony Alpha 100:

Deutsche Bedienungsanleitung (kurz) zur Sony Alpha 100

Deutsche Bedienungsanleitung (lang) zur Sony Alpha 100

Was die Möglichkeiten und Unterscheide der speziellen ISO-Einstellungen Lo(wkey)80 und Hi(ghkey)200 angeht, lesen Sie das bitte im Erfahrungsbericht zur KonicaMinolta Dynax 5D nach.

Motorzooms

Im Gegensatz zur KonicaMinolta Dynax 5D wurde diesmal das auch noch im Bestand vorhandene Minolta 3,5-4,5/28-105 xi Zoom eingesetzt. Wo nicht nur der AF, sondern auch die Zoom-Mechanik per im Objektiv eingebautem Elektromotor angetrieben wird. Speziell das Motorzoom löste nicht überall Begeisterung aus: "The powered xi lenses are simply terrible to use. Forget about any kind of precision when zooming or trying to manual focus." – etwa: "Die xi Objektive sind einfach nur schrecklich in der Benutzung. Vergiss jegliche Präzision bei der Auschnittswahl oder den Versuch "manuell" zu fokussieren."

Es existieren sechs Minolta XI- oder Maxxum Power Zoom Objektive: 35-80 f/4-5.6; 28-80 f/4-5.6; 28-105 f/3.5-4.5; 80-200 f/4.5-5.6; 35-200 f/4.5-5.6; 100-300 f/4.5-5.6, die 1991 mit der Minolta Dynax 7xi vorgestellt wurden.

Das vorhandene 3,5-4,5/28-105 XI ging mit in die Basketballhalle. Unterm Korb 28 x 1,5 Crop = 42 mm Brennweite, auf die Distanz 105 x 1,5 Crop 158 mm Brennweite.

Mit der Überlegung die Brennweite motorisch zu verstellen, stand Minolta nicht allein. Unter anderem auch Canon unterlag zumindest mit einem Objektiv der Irrung, dass ein Zoomobjektiv mit motorischer Brennweitenverstellung für Neueinsteiger attraktiv sein könnte.

Canon spendierte der 1990 vorgestellten analogen Einsteiger-SLR EOS700 ein 4-5,6/35-80 mm Zoom. Bis dahin nichts ungewöhnliches, aber die Machart des Zooms. Ein geschlossenes System ohne Ring zum Fokussieren, das beim Zoomen seine Größe nicht verändert. Die Brennweite wird über zwei Tippschalter verändert.

Letzteres prinzipiell nichts Neues, denn auch in meinen Augen besonders scheußliche analoge Bridgekameras mit fest eingebauten Zooms hatten keinen Drehring zum Verstellen der Brennweite. Wie natürlich auch die große Mehrzahl der digitalen Pendants.

Der Kunde, Markt hat schnell entschieden, dass diesem Konzept zumindest bei der (D)SLR KEIN Erfolg beschieden war. Ein interessantes Detail der analogen Canon EOS 700 verdient aber noch eine Erwähnung:

Der "blutige Anfänger" konnte auf dem Modusrad eine passende Motivwahl einstellen, um sich dann um nichts mehr zu kümmern. Weiter fortgeschritten, kann das Moduswahlrad demontiert und umgedreht werden. Womit sich die Auswahl auf eine reine Programmautomatik und eine Blendenautomatik mit Verschlusszeitenvorwahl reduziert. Beachten Sie bitte das einmotierte Modus-Wahlrad.

Zurück zur Sony Alpha 100 oder: ISO 1600: MISERABEL

Da wurden Erinnerungen an die Nikon D80 und D200 wach. Die sich mit möglicherweise dem gleichen 10 MP Sony Sensor jenseits der ISO 800 genau so schwer taten! Bei ISO 800 ist (qualitativ) Schluss. Hieß seinerzeit Einsatz eines 1,8/85 mm Objektivs bei ISO 800 und schneller Verschlusszeit Richtung 1/1000 s. Aber was machen, wenn nur ein 3,5-4,5 lichtstarkes Zoom mit Minolta A-/Sony Alpha-Bajonett zur Verfügung steht? Dann müssen es eben ISO 1600 sein, wenn die Verschlusszeit nicht unter die 1/500 s fallen soll...

Der direkte Vorgänger der Alpha 100, die KonicaMinolta Dynax 5D tat sich mit ihren nur 6 MP und ISO 1600 deutlich leichter.

Übrigens

Der bei zahlreichen Konsumerkameras immer wieder genannte Pixelabstand ("Pixelpitch") greift hier nicht. Der in der Konsumerklasse kritische Abstand von 3,0 µm wird weit überschritten. Die 6 MP Dynax 5D hat einen Pixelabstand von 7,8 µm und die Alpha 100 6,0 µm.

Dafür ging die Alpha 100 nicht nur vom Autofokus her merklich schneller zur Sache. Im Gegensatz zur Dynax 5D wurden die 3 B/s bei der Alpha 100 (gefühlt, ohne zu Messen) auch erreicht. Was das erhöhte Rauschen angeht, fanden trotzdem etliche Sony Bilder den Weg auf die Internetseite des Vereins, denn maximal 1000 Pixel Breite/Höhe lassen auch das Rauschen weiter verschwinden...

Sehen Sie selbst:

Machen Sie den Vergleich: Das Originalfoto mit 3.872 Pixel Breite und die Internetversion von nur 1.000 Pixel Breite. Selbstverständlich ist das Rauschen nicht weg, aber schlicht und einfach nicht mehr zu erkennen! Das trifft natürlich auch auf die kleinen Abbildungen hier zu, bevor sie sich auf einen Klick/Tipp zu voller Größe entfalten...

Stichwort Antiwackel

Von 10 auf 2 MP runtergerechnet. Aber die Wirkung der Stabilisierung bleibt unübersehbar! 

Beim KonicaMinolta Sony Alpha Anti-Shake-System (AS-System) wird die Bewegungsrichtung und Beschleunigung der Bewegung der Kamera über zwei Gyroskopsensoren gemessen. Aus deren Daten berechnet die Elektronik die Korrekturbewegungen, wo der Bildsensor mit Piezoelemente entsprechend verschoben wird. Je nach Aufnahmesituation werden bis zu drei Zeitstufen längere Belichtungswerte für eine verwacklungsfreie Aufnahme möglich. Die KonicaMinolta CCD-AS-Technologie ist mit fast allen KonicaMinolta AF-Objektiven kompatibel. Bei älteren Minolta-Objektiven und Fremdobjektiven (z.B. Sigma, Tamron, Tokina) soll der Anti-Shake abgeschaltet werden. Angeblich auch bei XI-Objektiven, was nicht stimmt. Siehe oben!

Probleme mit dem AS

Im dpreview-Forum gab es dazu eine Diskussion

Dort führte ein Fall der Dynax 5D zum Ausfall des Anti-Shake-Systems. Was sich beim Einschalten der Dynax durch eine hörbare und starke Vibration der Kamera bemerkbar macht. Die (heute vermutlich mangels Ersatzteilen gar nicht mehr mögliche) Reparatur übersteigt den Wert der Dynax 5D bei weitem... Was für den Nachfolger Sony Alpha 100 mit ziemlicher Sicherheit genau so zutrifft.

Rheinischer Karneval – Pardon ;-)

Zum Thema Karneval: Obwohl an einem Karnevalssonntag (!) im Rheinland (!) geboren, kann ich dem närrischen Treiben nicht wirklich etwas abgewinnen. Aber es gibt kaum ein "Entkommen", und es sind farbige Motive, und dann darf man die Kamera auch mitnehmen.

Alle Fotos vom Dorf-Umzug mit dem 3,5-4,5/28-105 XI Minolta auf der Sony Alpha 100. Programm- und ISO-Automatik, Spot-AF und AF-A. Bei AF-A wählt die Kamera von selbst ob es sich um ein statisches oder bewegtes Motiv handelt, um bei letzterem automatisch auf AF-Nachführbetrieb umzuschalten. Die ISO-Automatk bequemte sich nur beim "Hunnen-Krieger" mal gerade auf ISO 160 zu gehen. ISO zwischen 200 und 400 wäre vielleicht besser gewesen! Denn in dem Foto scheint ein Hauch Bewegungsunschärfe oder Verwacklung meinerseits drin zu sein. Der Antishake (AS) war abgeschaltet, möglicherweise ein Fehler. Ich hatte aber nur einen Akku dabei, und der AS soll ordentlich Strom ziehen... Also beim nächsten Mal zwei Akkus UND AntiShake! Auch bei dieser Fotosituation konnte ich mich mit der motorischen Brennweitenverstellung des 28-105 Zooms nicht richtig anfreunden. Wahrscheinlich nur Erfahrungssache. Von der Abbildungsleistung gibt es bei diesem 3,8-fach Zoom nichts auszusetzen.

Reiseausrüstung für den skandinavischen Sommer

Diesmal ein geprüftes langes Zoom!

Obwohl sich das für die KonicaMinolta Dynax 5D und die Sony Alpha 100 angeschaffte 4,5-5,6/35-200 mm xi-(Motor-)Zoom von 1991 durch eigene Dummheit  – nicht richtig geprüft, Blende defekt, schließt nicht – als Flop erwies, habe ich ein weiteres Minolta 4,5-5,6/100-300 mm xi-(Motor-)Zoom investiert. Und für 39 Euro ein funktionierendes (!) Zoom erworben. Analog hätte ich ein derartiges Zoom nie gekauft, wenn beim ISO 100 Diafilm zu schnell Verwacklung droht. Aber bei den möglichen ISO 200/400 der Sony Alpha 100 in Kombination mit dem wirksamen (CCD-Sensor-) Anti-Shake-System ging das Zoom in Ordnung. Was zudem für die Brennweite auch noch einigermaßen kompakt und unauffällig ausgefallen ist. Dazu noch das brave 18-55 mm Sony Kit-Zoom und der Trip konnte los gehen.

Schönwetterkamera

Dänische Farben Rot und Weiß überall…

Überschrift und Bild nehmen vorweg, was die Sony Alpha zu liefern imstande ist. Viel Licht, ISO 100/200, und alles bleibt gut. Ich habe keine Lust und Zeit für 1:1 Vergleiche (mit anderen Kameras), sehe aber, dass die Alpha 100 bereits bei ganz mäßigen ISO 400 beginnt, in dunkleren, leicht unterbelichteten Motivbereichen Strukturen zu zeigen, die in einfarbigen Flächen nicht vorhanden sind: so genanntes Luminanz- oder Helligkeitsrauschen. Schwache Leistung! 

Was nützt da der gehäuseinterne CCD-Shift, um Verwacklung bei zu langer Belichtungszeit auszugleichen, wenn schnelle Verschlusszeiten = höhere ISOs benötigt werden.

An der Abbildungsleistung des mit einem preiswerten Kunststoffspritzgussteil-Bajonettanschluss versehenen 3,5-5,6/18-55 mm Kitzooms gibt es ebenso wenig auszusetzen wie an der des 26 Jahre alten 4,5-5,6/100-300 mm xi-(Motor-)Zooms. Von den unvermittelt auftauchenden Schweinswalen war aber KEINE Aufnahme wirklich gestochen scharf. Grund war vermutlich die nicht funktionierende A(uto)F(okus)-A(utomatik), die nicht zuverlässig genug erkennt, ob sich ein Objekt bewegt, um von AF-S(ingle = Einzelaufnahme für unbewegte Motive) auf AF-C(ontinous = Nachführ-AF für bewegte Motive) umzuschalten. Beim Basketball hat es ja hingehauen. Aber eben mit von vornherein aktivierter AF-C Einstellung für bewegte Motive!

Auch die gebotene ISO-Automatik hinterlässt Zweifel. Ich will aber doch nur fotografieren und mich aufs Motiv konzentrieren und nicht auf nicht sicher funktionierenden Automatiken, um dort dauernd einzugreifen...

Alle hier gezeigten Aufnahmen aus Dänemark wurden mit den 18-55 und 100-300 mm Zoom aufgenommen, im Sony-Rohformat gespeichert, mit Adobe Lightroom "entwickelt" und mit Lightroom und/oder Photoshop nachbearbeitet. Und bei der Lightroom-Prozedur gleich auf maximal 3000 mm Pixellänge (von 10 auf 6 MP und weniger) verkleinert und einheitlich ca. 500 KB pro 6 MP Datei vorgegeben.

Kerteminde

Am Eingang in den Kerteminde Fjord, der in den Großen Belt (Bælt) mündet liegt die dänischen Kleinstadt Kerteminde auf der Insel Fünen. Kerteminde beherbergt Fjord & Bælt, seit der Eröffnung 1997 eine Kombination aus Touristenattraktion und Forschungseinrichtung. Nicht mit einem tiefen norwegischen Fjord zu vergleichen, liefert Wikipedia liefert die Erklärung für die Namenswahl "Fjord": "Ein Fjord ist ein weit ins Festland hineinreichender, durch einen seewärts wandernden Talgletscher entstandener Meeresarm. Desselben etymologischen Ursprungs sind das deutsche Wort Förde (...) Die Förden an der Ostseeküste entstanden durch landwärts wandernde Zungen eines glazialen Eispanzers, womit Förden nicht unter die geologische Definition eines Fjords fallen. So würde ich auch den Kerteminde "Fjord" sehen..."

Fjord und Großer Belt

Je nach Ansicht Einfahrt/Ausfahrt Kerteminde Fjord (oberes Foto) und auf dem unteren Foto in einiger Entfernung die Brücke über den Großen Belt, die die dänischen Inseln Fünen und Seeland, wo Kopenhagen liegt, verbindet.

Kerteminde Fjord & Bælt, Walprogramm…

Kein (Tipp-)Fehler, es geht um Wale, genauer Schweinswale, mit denen zu Forschungszwecken trainiert wird.

Kerteminde Fjord & Bælt

Der Rest…

Besonders wegen des bereits bei ISO 400 einsetzenden Helligkeitsrauschens möchte ich der Sony Alpha 100 trotz der hohen Auflösung von 10 Megapixel erstmals für eine DSLR KEINE Empfehlung aussprechen! Das war ein holperiger Start in den DSLR-Bau für die heutige Nummer Zwei in den USA – Sony.

Kommt dazu doch auch noch eine Autofokus-Automatik, die ihren Namen nicht verdient. Die kann man durch gezielte Wahl von AF-S oder eben AF-C passend zu den Motiven zwar "aushebeln", aber das Rauschen bleibt. Zumal ich weitere Systemkameras mit kleinerem (!) Sensor im Urlaubsgepäck habe/hatte, die sich als weniger rauschanfällig erwiesen.

Ralf Jannke, Sommer 2017

Praxistest Sony Alpha 100 von Andreas Krappweis

Foto © Andreas Krappweis

Auch Andreas hat die Sony Alpha 100 in einem sehr interessanten und bebilderten Praxistest auf ihre Stärken und Schwächen untersucht.

Ralf Jannke, Februar 2018

 

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