Sony Mavica in der schwedischen „aktuell fotografi“, Ausgabe November 1982

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Neben alten Digitalkameras sammele ich auch schwedische Fotofachmagazine der 1950er bis 1990er Jahre. Ohne diese Blätter hätte ich auch keine uralten Anzeigen reproduzieren können, die im Digicammuseum.de-Beitrag „2017 – Nikon wird 100“ gezeigt wurden. Irgendwie waren die Skandinavier lockerer, zeigten andere Bilder als die natürlich auch vorhandenen deutschen Blätter, die ich seit den 1990ern aber komplett links liegen lasse. In den deutschen Magazinen wurde in den 1950er Jahren auch nicht über japanische Erzeugnisse berichtet.

In der "aktuell fotografi" (ja, das "e" fehlt" wirklich) 1982-Ausgabe berichtete das Magazin unter der Überschrift: „Testpatrullen har provat Sony Mavica – Framtidens Elektroniska Presskamera“ – etwa: „Die Test-Patrouille hat die Sony Mavica ausprobiert – die elektronische Pressekamera der Zukunft“ auf zwei Seiten über die Sony Mavica-Weiterentwicklung. Das MAVICA steht für MAgnetic VIdeo CAmera. Wikipedia hat die Geschichte der Ur-Mavica und real existierenden (digitalen!) Mavica-Modellen sehr schön aufbereitet.

Obwohl Sony auf der Photokina 1982 die Pressekonferenz abgesagt hatte. Weil man nicht zu viel Aufmerksamkeit auf eine neue Technik lenken wollte, bevor man nicht alle Probleme gelöst hätte. Laut „aktuell fotografi“ soll die Sony Mavica teilweise auf Canon-Patenten basieren!

Damit gehört diese Sony Mavica in die Reihe der Stillvideo-Kameras, wo Standbilder analog auf spezielle Video-Disketten gespeichert wurden/werden. Klicken Sie doch bitte auf "Erfahrungsberichte" und suchen Sie dort die Beiträge zu den verschiedenen Canon ION-Stillvideo-Kameras.

Trotz Sonys Absage berichtete die „aktuell fotografi“ ausführlich über die Sony Mavica und sprach mit den beiden Männern hinter dem Mavica-System, Etsuro Saito und Takashi Fukushima.

Der Mavica Graustufen CCD-Sensor löst 1982 350.000 Bildpunkte auf und hat eine Empfindlichkeit von ISO 500, die auf ISO 1000 verstärkt werden kann. Gespeichert wird analog auf Video-Diskette. Der Schlitzverschluss bietet Belichtungszeiten von 1/30 bis 1/1000 s. Die Belichtung wird mittenbetont gemessen. An Objektiven stand ein 2,8/9 mm (vermutlich ca. 28 mm Brennweite @KB) Weitwinkel, ein besonders lichtstarkes 1,4/16 mm (ca. 50 mm @KB) Normalobjektiv sowie ein 2,8/12,5-75 mm (ca. 35/40-225 mm @KB) Zoom zur Verfügung.

Dazu ein so genannter „Image Processor“ mit der Möglichkeit zu Vergrößern (Ausschnitte zu erstellen), Nachzuschärfen, das Gamma zu korrigieren und Rauschen zu reduzieren. Mit Hilfe des „Mavigraph“ können Fotos gedruckt und mit Hilfe des „Telephone Photo Transmitters MTX-01“ per Telefon an einen zweiten MTX-01 übertragen werden. Für ein SW-Foto brauchte es 2,5 Minuten.

In der selben „aktuell fotografi“-Ausgabe war auch zu lesen: „Hasselblad setzt auf elektronische Bilder.“ Die Idee einer "Press-(Hasssel)Blad“, einer filmlos aufzeichnenden Hasselblad kam vom in Kanada lebenden Schweden Bernhrad Hjortsberg, der Kontakt mit Hasselblad aufgenommen hatte, um ein System mit verdoppelter Auflösung vorzuschlagen. Standard war zunächst Fernseh-Auflösung mit etwa 350.000 Bildpunkten. Deren schlechte Qualität (aus Aktualitätsgründen) aber nur von Tageszeitungen akzeptiert wurden. Was auch ein Grund der abgesagten Sony-Pressekonferenz 1982 (siehe oben) gewesen sein dürfte. Mit den 700.000 Bildpunkten in einer „Press-Blad“ wäre man schon weitergekommen... Dass es nicht dazu kam, dürfte an den großen Problemen gelegen haben, die Hasselblad mit seinem neuen Modell 2000 hatte.

Trotz der geringen Auflösung wurden 1984 zur Sommer-Olympiade in Los Angeles mit einer elektronischen Canon aufgenommene Farbfotos per Telefon aus den USA nach Japan gesendet. Pro Bild brauchte es dazu 30 Minuten...

Ralf Jannke, Februar 2017

 

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