Ohne (Wechsel-) Objektiv ist die beste Systemkamera nichts wert…

Was für eine Erkenntnis, fünf Euro ins Phrasen-Schwein ;-)

In den 1950er Jahren war der Fotograf, die Fotografin froh, zur Systemkamera für 35 mm Kleinbildfilm mit 24 x 36 mm Filmformat zum obligatorischen 50 mm Normalobjektiv ein leichtes 35 mm Weitwinkel und ein 90 oder 135 mm Tele zu haben. 90 mm, wenn die Systemkamera "spiegellos", sprich eine Messucherkamera war, 135 mm bei der Spiegelreflexkamera. Mehr Weitwinkel und Tele? Gab es, aber teuer und noch selten. Und Objektive mit veränderbarer Brennweite?

1936 kommt ein 1:2,8/25-80 mm Busch-Vario-Glaukar für 16 mm Filmkameras von Siemens. Das Format der Einzelbilder beträgt 10,3 mm x 7,5 mm. 1952 wird stellt Zeiss mit dem 2/30-120 mm Pentovar ein erstes Zoom für 35 mm Filmkameras vor. Dazu muss man allerdings wissen, dass das Format des Einzelbildes des 35 mm Kinofilms nur 18x24 mm beträgt. Dieses Objektiv wird das volle 24x36 mm Format des 35 mm Kino-/Kleinbildfilms sicher nicht auszeichnen. Sieben Jahre später ist es soweit, Voigtländer präsentiert 1959 sein Zoomar 2,8/36-82 mm fürs Kleinbildformat. Ebenfalls 1959 betritt die legendäre Nikon F die Weltbühne. Unter den Objektiven 1959 auch das 4-4,5/8,5-25 cm Zoom.

Zwei Jahre später stellt Tamron 1961 sein 6,3/95-205 mm vor. Dieses Objektiv gilt als erstes industriell - heißt vergleichsweise preiswert - in hohen Stückzahlen gefertigtes Zoom, was ihm 1964 diesen Annoncentext in einem schwedischen Fachmagazin einbrachte: “Ein makelloses Objektiv zu einem sensationell niedrigen Preis!" 550 Kronen kostete das Zoom 1964 in Schweden, umgerechnet auf heutige Kaufkraft müssten das etwa 650 (!) Euro sein. "Sensationell niedrig"? Na ja…

1961: Tamron 6,3/95-205 mm

Aufbau

Das 95-205 wurde bis 1969 produziert und hat einen Aufbau aus 7 Linsen in 6 Gruppen. 1965 kam ein etwas lichtstärkerer Nachfolger 5,6/95-205 mm

Adaption I

Furchtbar unausballanciert – auf der spiegel- und E-Sucher-losen 14 MP Sony NEX3. Mittlerweile wurde ein Adapter MC-/MD-Bajonett auf Minolta/Sony A besorgt, um das 57 Jahre alte Tamron auf die Sony Alpha 100 zu montieren.

Adaption II

Was die Kombination Tamron/DSLR Sony Alpha 100 bringt, lesen Sie diesen Sommer 2018

Warum nicht die höher auflösende spiegellose 20 Megapixel Sony Alpha 3000? Das war/ist Sonys unterste Einsteiger DSLM mit eingebautem E-Sucher. E-Sucher und Monitor lösen mit Größenordnung 200.000 Bildpunkten so miserabel auf, dass ich da nichts manuell fokussieren möchte. Ungeachtet dessen, erstelle ich mit genau dieser Sony Alpha 3000 99 Prozent aller Fotos, die ich von den vorzustellenden Kameras anfertige. Mit dem 3,5-5,6/18-55 mm Kitzoom!

Neben der Kombination Tamron/Sony Alpha 3000 noch das 1,7/50 mm Minolta MC auf dem MC-/MD-/SonyMinolta A-Bajonett Adapter.

Tamron-Zoom und Minolta 1,7/50 mm gehen mit in die Sommerferien! 

Woher ist das historische Tamron?

Es kam aus dem schwedischen eBay-Ableger Tradera. Mit Minolta MC-Bajonett. Umgerechnet 20 Euro habe ich dafür spendiert. Ein noch realistischer Preis, wenn ich dagegen sehe, was aktuell an (Ur-)Alt-Objektiven unters Volk gebracht werden soll. 

Seit es die unterschiedlichsten Adapter gibt, schnellen die Preis für Alt-Glas rasant in die Höhe. Beim superlichtstarken Minolta MD 1,2/58mm MC Rokkor, dem Canon Objektiv FD 1:1,2 / 50mm L oder dem Olympus Zuiko 50 mm f/1,2 handelt es sich sicher um Spitzenobjektive. Niemals würde ich dafür aber über 500 oder gar 600 Euro investieren. Besonders albern wird es, wenn beispielsweise ein (Photo) Porst 1,2/50 mm als „Bokehwunder“deklariert für 250 Euro angeboten wird. Dann doch eine beliebige SLR mit M42-Objetivanschluss samt 2/50 mm Normalobjektiv für 10 Euro vom Flohmarkt!

Gibt's nicht?

Ganz wichtig: Flohmarkt, NICHT Fotobörse! Ich habe am ersten Juli-Wochende auf einem kleinen Flohmarkt für 5 Euro ein "Bokehwunder" erworben. Ein 1,8/85 mm Soligor aus den Mitte 1960er Produnktionsjahren, das mit T2-Anschluss (kostet je nach Anschluss Größenordnung 10 Euro) dann an so gut wie jede Systemkamera passt. Linsen-PILZFREI, denn Fungus macht jedes Objektiv schrottreif. 

Ralf Jannke, Sommer 2018

 

 

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