Rollei d 30 flex

         

Wenn man die Rollei d 30 flex nur auf einem Bild sieht, wirkt sie wie eine dieser typischen silbernen Noname-Dreifachzoom-Knipsen aus Fernost, die sich bekanntermaßen gerne mit den Namen verblichener europäischer Kamerahersteller schmücken. Hält man sie dann in der Hand, ändert sich der Eindruck sofort: Das Ding ist ganz schön groß – wie eine Mittelklasse-DSLR. Der Korpus ist aus Aluminium-Druckguss, die Anbauteile größtenteils aus Plastik. In Summe sieht das recht hochwertig aus und fasst sich auch so an. Das kann man allerdings auch erwarten – immerhin hat die Kamera einmal satte 2000 Euro gekostet.

Der deutsche Traditionshersteller Rollei hatte hier tatsächlich selbst Hand angelegt und eine Spiegelreflex-Kamera mit fest verbautem Dreifach-Zoom-Objektiv entwickelt. Technisch ähnelt die Kamera somit den Modellen C-1000L oder C-1400L von Olympus. Wäre sie im Jahr ihrer ersten Vorstellung – 1998 – auf den Markt gekommen, wären das die wichtigsten Mitbewerber gewesen und die d 30 flex hätte gegenüber diesen gar keine schlechte Figur gemacht. Leider dauerte es dann noch bis zum Jahr 2000, bis man die Kamera tatsächlich kaufen konnte. Damals traf die 1,3-Megapixel-Kamera auf Mitbewerber, die ein vergleichbares Objektiv mit einem ähnlich großen Sensor mit 3 Megapixeln kombinierten – und das zum halben Preis. Nur auf die Spiegelreflex-Optik musste man verzichten.

So steckte die d 30 flex von Anfang an in einer ziemlich kleinen Nische. Für eine Spiegelreflex-Kamera war sie ziemlich günstig, hatte aber keine Wechselobjektive. Und für eine Kompaktkamera war sie zu groß und zu teuer. Neben langjährigen Rollei-Enthusiasten fand die Kamera offenbar vor allem bei deutschen Behörden eine gewisse Verbreitung. Das könnte damit zusammenhängen, dass das RAW-Format der Kamera nur von dieser geschrieben werden kann. Rollei bezeichnet dies als "digitales Negativ", das einen gewissen Schutz gegen digitale Bildmanipulationen bietet.

Ursprünglich hatte Rollei noch die Einführung einer d 24 flex und einer d 7 flex geplant. Erstere sollte ein Zweifach-Zoom-Objektiv (12 – 24mm) haben und wurde noch vor der Markteinführung wieder abgekündigt. Die d 7 flex sollte eine feste Brennweite mit 7mm Weitwinkel haben, wurde jedoch nur in homöopahischen Stückzahlen verkauft. Der Kritik der zu niedrigen Auflösung begegnete Rollei 2002 mit der ganz in schwarz gehaltenen d 530 flex, die mit einem 5-Megapixel-Sensor ausgestattet war.

Eine besondere Anwendung erfuhr die Kamera in den Varianten d 7 metric und d 7 metric5. Sie war Teil des RolleiMetric-Systems, das zur Vermessung von Tatorten in der Polizeiarbeit genutzt wird. Dabei wird erstens ein Vergleichsmaßstab mitfotografiert und zweitens Aufnahmen aus verschiedenen Perspektiven gemacht. Später am Computer werden dann wichtige Objekte markiert und die Software berechnet daraus dann die genaue Position im Raum.

Die Handhabung der d 30 flex orientiert sich sehr stark an analogen Vorbildern. Der ziemlich große Bildschirm auf der Rückseite wird nur zur Bildanzeige genutzt, ansonsten ist er abgeschaltet. Die Bedienung stützt sich auf das kleine Schulterdisplay. Das ist auch deswegen seltsam, weil die Navigationstasten dafür direkt neben dem Bildschirm sitzen. 1998 wäre die Kamera mit diesem Bedienkonzept noch in guter Gesellschaft gewesen. Im Jahr 2000 war der Mitbewerb schon deutlich weiter.

Das Objektiv ist komplett elektronisch gesteuert, hat aber zwei Objektivringe für Zoom- und Fokuseinstellung. Diese kann man in jeder Richtung nur ein kleines Stück drehen, den Rest macht ein Elektromotor – „Power-Zoom“ nennt man dies gelegentlich. Der aufklappbare Blitz hat einen imposanten Abstand zum Objektiv und wirkt doch erstaunlich robust. Trotzdem gibt es einen Blitzschuh, für den man mit dem Rollei f 28 auch einen passenden elektronisch gesteuerten Blitz kaufen konnte. Ein herkömmliches Modell mit Kabel oder Mittelkontakt tut es zur Not aber auch.

Die Kamera kann intern keine JPG-Dateien erzeugen. Die Bilder werden in einem proprietären RAW-Format mit ca. 1,7 MB pro Bild gespeichert und erst am PC dann "entwickelt". Leider war bei meiner Kamera die originale Software nicht dabei, so dass ich mich mit freier Software behelfen musste. XnView und XnConvert können das Format lesen. Interessanterweise wandelt die PC-Version von XnConvert und der neuen Version von XnView die Bilder in ein 650 x 515 Pixel großes Bildchen um, während die Mac-Version mit 1300 x 1030 Pixeln deutlich bessere Qualität liefert. Nach einigen Experimenten hat Ralf herausgefunden, dass es die Klassik-Variante von XnView für den PC auch richtig macht. Die Bilder sind für 1,3 Megapixel recht ordentlich, haben aber einen auffälligen Farbstich. Vermutlich konnte man in der Original-Software einen Weißabgleich durchführen, da die Kamera selbst keine Einstellung dafür hat. Heute reicht ein Klick auf Photoshops "Auto-Farbkorrektur".

Die d 30 flex ist eine solide, große Kamera mit einigen schönen Ansätzen und eigenständigem Design. Aber leider ist das Bedienkonzept krude und die Bildspeicherung im RAW-Format umständlich. Die Bildqualität war im Jahr 2000 für eine so teure Kamera nicht mehr angemessen. Da konnte man für viel weniger Geld deutlich besseres bekommen.

Beispielbilder

rote Schuhe, unbearbeitet, 09.12.2018
bunte Schuhe, unbearbeitet, 09.12.2018
Schubert Rechenmaschine, unbearbeitet, 09.12.2018
rote Schuhe, bearbeitet, 09.12.2018
bunte Schuhe, bearbeitet, 09.12.2018
Schubert Rechenmaschine, bearbeitet, 09.12.2018

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