Praktica Genius 1.0

     

Um die Jahrtausendwende stolperte man allenthalben über Digitalkameras mit diesem charakteristischen Design: Von vorn betrachtet sind sie fast quadratisch, nur die rechte obere Ecke ist abgerundet. Diese Kameras zierten die unterschiedlichsten Namen, es waren also typische OEM-Produkte, in diesem Fall des taiwanesischen Herstellers „Minton Optic Industry Co., Ltd.“. In Deutschland am bekanntesten waren wohl die Modelle JD11 Entrance und JD 12 von Jenoptik.

Die Praktica Genius 1.0 hat ein leicht abgewandeltes Design, an der Lage von Objektiv, Sucher, Blitz und den Tasten ist die Herkunft aber unschwer zu erkennen. Während die meisten dieser Minton-Klone mit einem 0,3 MP CMOS-Sensor ausgestattet sind, hat dieses Exemplar immerhin einen 0,9 MP auflösenden CCD von Sony. Leider hilft das der Bildqualität nur sehr eingeschränkt auf die Sprünge. Ein primitives Objektiv in Kombination mit einer lausigen Bildaufbereitung in der Kamera führt zu Bildern in einem seltsamen Retro-Stil. Obwohl digital gespeichert und damit des Ausbleichens gänzlich unverdächtig, wirken die Aufnahmen farblich etwa so wie die von Oma seit Jahrzehnten in der Wohnzimmerschrankschublade gehorteten Familienbilder.

Aufnahmen werden durch das Fixfokus-Objektiv erst ab einer Entfernung von mehr als 90 cm halbwegs scharf, wobei man manuell auch in den Makromodus schalten kann, bei dem der Schärfebereich bereits bei 40 cm beginnt. Die Bilder werden auf Smart-Media-Speicherkarten gespeichert, wobei die Auswahl auf Modelle mit 4 oder 8 MB beschränkt ist. Dabei spart sich die Kamera ein Dateisystem und speichert die Bilder in einem gänzlich proprietären Verfahren auf die Karte. Das führt dazu, dass bereits vorhandene Daten schonungslos überschrieben werden. Wesentlich unangenehmer ist allerdings, dass man die Speicherkarte mit einem Lesegerät nicht auslesen kann. Der einzige Weg zum Bild führt über die mitgelieferte Software und die direkt mit dem PC verbundene Kamera.

Zur Datenübertragung stehen eine serielle und eine USB-Schnittstelle zur Verfügung. Letztere verfügt über eine USB-A-Buchse, die eigentlich für USB-Hosts (also meist den PC oder Notebook) vorgesehen ist. Das beiliegende Kabel mit zwei USB-A-Steckern widerspricht der Spezifikation und kann ziemliches Unheil anrichten, wenn man damit zwei PCs miteinander zu verbinden versucht.

Praktica ist eine Marke der Dresdner Firma Pentacon. Seit dem zweiten Weltkrieg wurden in der DDR Spiegelreflexkameras dieses Namens angeboten. Exportierte Modelle wurden häufig unter anderem Namen verkauft, beispielsweise von Quelle als deren Hausmarke „Revue“. Insofern hatte Pentacon bereits Erfahrung mit der OEM-Produktion, nur dass bei den Digitalkameras dann die Rollen vertauscht waren.

Eine Zeitlang dürfte das auch eine passable Einnahmequelle gewesen sein. Allerdings waren die Kameras qualitativ so himmelweit von den ambitionierten Produkten anderer Hersteller wie Olympus oder Fuji entfernt, dass das Markenrenommee rasch Schaden nahm.

Pentacon hat den Digitalkameramarkt inzwischen verlassen und Praktica ist damit Geschichte. Die Firma hat sich der Fertigungstechnik zugewandt. In der heutigen Produktpalette erinnert allerdings noch die industrielle Bildverarbeitung an die Wurzeln als Kamerahersteller.

Kommentar von Udo:
"Ach ja, diese Kamera. Das war mein Einstieg in die Welt der digitalen Fotografie. Weiß gar nicht mehr, wann ich sie genau gekauft hatte, war sicher so 2002 herum als Abverkauf, glaube ich. Na ja, ein knapper wackerer Megapixel, da konnte man nicht so viel von erwarten, und Bildstabilisierung gab es natürlich auch nicht. Irgendwo liegen noch Aufnahmen herum, die im Laufe der Zeit von Platte zu Platte gewandert sind. Aber so schlecht war das Ding auch nicht, gerade im Vergleich mit irgendwelchen absoluten Billigteilen der Ära, die falsch belichteten und wo der Autofokus vielleicht alle vier Bilder mal getroffen hat - hier dank Fix-Fokus ja kein Problem, hehe. Das Smartmedia-Gedöns war aber echt nicht so toll - und daß man die Karte nicht mal eben in einen Kartenleser stecken konnte, weil der PC sie als leer ansah, machte es nicht besser. Aber gut, irgendwie konnte man damit doch noch klarkommen. Immerhin war das Teil relativ genügsam bei den Batterien, die ja auch Standard-Format sind und kein Eigengewächs. Schwachpunkt war der lapperige Ein- und Ausschalter - irgendwann war der so ausgeschlackert, daß das Teil nicht mehr anging, nachdem es eine Weile davor schon immer so eine Sache war. Da hatte das Ding auch schon gut 5 Jahre auf dem Buckel, meine ich. Darum liegt das Teil hier jetzt als funktionsunfähiges Fossil herum. Nun ja. Ob sich da wieder irgendwie eine Funktion herstellen lassen würde, bezweifle ich...wobei die Bildqualität auf meinem heutigen FullHD-Monitor sicher noch grottiger wäre als damals auf dem Röhrenmonitor... ;-)"

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