Leider ist das 2,1 cm Nikkor von 1959 aufgrund der Bauweise digital nicht adaptierbar …

… war im Blogbeitrag zum Carl Zeiss Jena Flektogan 4/25 zu lesen.

Wobei ich da noch eine Idee hatte

Die Rechnung und Konstruktion Nikons erstes Superweitwinkelobjektivs stammt noch aus Messsucherkamerazeiten. Da die Messsucherkamera keinen Spiegel besitzt, kann das Objektiv weit ins Kameragehäuse ragen, im Extremfall bis kurz vor den Verschluss. Was hier der Fall ist. Um dieses 2,1 cm Superweitwinkel auf der Nikon Spiegelreflexkamera nach entsprechender Bajonett-Modifikation nutzen zu können, muss der Spiegel hochgeklappt und verriegelt werden. Wie bei der Messsucherkamera muss das Motiv mit einem externen Sucher erfasst werden.

Erster erfolgreicher Versuch, das Objektiv vom 1959 an der Nikon Z6 "anzubringen" (sicher einzurasten)

Bis zum September/Oktober 2021 scheiterten alle Versuche, das Objektiv von 1959 auf die spiegellose Vollformat Nikon Z6 zu montieren. Jetzt ist es gelungen!

Die Schritte und Erkenntnisse

Selbst als am Tubus der 2,1 cm Nikkors ein spezieller Mitnehmer einfach abgeschraubt wurde – unten im großen Foto "Um- und Rückbau" rot markiert –, ließ sich das Objektiv nicht in einen Nikon F-/Nikon Z-Adapter einklinken. Das mag bei einem anderen Hersteller des Adapters funktionieren, nützt aber nichts, wie wir weiter unten noch sehen werden. Sobald ein dünner Zwischenring aus einem Nikon-Satz montiert wurde, ließ sich das 21 montieren. Was aber kontraproduktiv ist, da bereits feststand, dass das Objektiv zu weit weg vom Sensor ist, um auf Unendlich fokussiert werden zu können. Eigentlich unverständlich, denn der Nikon F-/Nikon Z-Adapter soll ja die richtige Distanz zwischen einem Objektiv mit Nikon F-Bajonett und dem Sensor der spiegellosen Z-Nikon herstellen. Entsprechend waren mit Adapter und Zwischenring nur Fotos im Nahbereich möglich, wie oben demonstriert.

Also musste die Frage beantwortet werden, wie das 2,1 cm dichter, so dicht an den Vollformatsensor der Nikon Z6/7/II zu bringen ist, dass das Superweitwinkel auf Unendlich zu fokussieren ist.

Sieht furchtbar aus, aber funktioniert – weitgehend…

Die Lösung bestand schließlich aus diesem Aufbau:

Ein 18 mm Zwischenring mit beidseitigem Z-Bajonett, einem durchgebohrten Z-Gehäusedeckel, zwei Distanzscheiben, zusammen 3 mm stark und einem von einem alten Balgengerät entnommenem Nikon F Gehäuse-Bajonett. Deutlich zu erkennen, dass die Hinterlinse des 21ers hinten aus der "Konstruktion" ragt. OHNE dem Sensor gefährlich nahe zu kommen!

Um- und Rückbau

Bildbeispiel 4 MP

Nicht zu übersehen, wie die Schärfe nach links immer schlechter wird …

Bildbeispiele 2 MP

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Es ist und bleibt ein hässliches, aber funktionierendes Provisorium. Mit einigem Aufwand könnte man sicher einen auch vom optischen Aussehen ansprechenderen und präziseren Adapter bauen, wo optische Achse und Planität stimmen. Der mit ziemlicher Sicherheit ein besseres Ergebnis liefern würde, wobei selbst ein perfekter Adapter an der grünlichen Vignettierung auch kaum etwas ändern würde. Bei der alten Bauweise dieses Superweitwinkels treffen die Lichtstrahlen aus den Bildecken noch schräger auf den Sensor als beim Retrofokusprinzip der anderen, modernen 20er. Dem analogen Film war/ist das egal, nicht aber dem digitalen Bildsensor. Diesen auch als "Corner Smearing" — etwa "Verschmieren, Verwischen der Bildecken — bezeichneten Effekt hat Christian Zahn auch in seinem Beitrag unter anderem über das Voigtländer Super Wide Heliar F4.5 Aspherical beschrieben. Zu "corner smearing" einfach mal googeln.

Aber großen Aufwand zu enormen Kosten für Dreh-, Fräs- und Feinmechanikarbeiten, 3D-Drucker und so weiter und so weiter, um das 2,1 cm zu "modernisieren" … Wozu?

Das 2,1 cm bleibt digital ein störrisches Teil. Ganz sicher hat der von mir demontierte Mitnehmer (roter Kreis) eine Funktion. Es verhindert unter anderem ein Verdrehen des Tubus an dessem inneren Ende ein Kragen sitzt, der auch die hintere Linse schützt. Während das 2,1 cm auf meiner Nikon F2 vom Verdrehen eher immer in Position und leicht fokussierbar ist, verdreht es sich adaptiert auf der Z6 immer wieder. Weil der Mitnehmer, der die Montage auf der Z6 verhindert, fehlt. Dadurch verdreht der Kragen und vignettiert ins Bild. Auch geht die Fokussierung beim Verstellen der Blende unbemerkt weg. Vermutlich auch der Grund für den nicht sicher sitzenden Fokus. So gering der Einstellweg ist, so schnell ist auch die Schärfe weg … Trotz der vorgewählten Blende f/11 und entsprechender Schärfentiefe. Es ging mir nur um den technischen Beweis, das erste Superweitwinkelobjektiv der über hundertjährigen Nikon-Firmengeschichte zu „digitalisieren“. Was ich für gelungen halte.

20er (21er) Parade

Das 2,1 cm wurde in seinen Originalzustand zurückversetzt, und es darf weiter dem wohl verdienten Ruhestand frönen. Vielleicht 2022 mal wieder auf der analogen Nikon F (siehe Foto) oder F2, dann mit Colornegativ- oder Diafilm geladen. Bei der mitgezeigten Nikkormat FT2 und EL kann der Spiegel ebenfalls hochgeklappt und verriegelt werden. Mein 2,1 cm lässt sich trotzdem nicht montieren. Es soll spätere Versionen des ersten Superweitwinkelobjektivs geben, die eine Verwendung ermöglichten.

Wenn ich 20 (21) mm Superweitwinkel möchte, kann ich bei mir unter vier/fünf Alternativen wählen:

  • Nippon Kogaku Japan NIKKOR-UD Auto 1:3.5 f=20 mm (1967)
  • Nikon NIKKOR 20mm 1:4 Geht aufgrund der Bauhöhe noch als Pancake durch ;-) (1974)
  • Nikon NIKKOR 20mm 1:3.5 (1977), mein Zauberobjektiv mit beschädigter Front- und Hinterlinse
  • Nikon DX VR AF-P NIKKOR 10-20mm 1:4.5-5.6 G (2017) 15-30 mm @KB
  • Oder unter Brennweitenverzicht: Nikon NIKKOR Z 24-50/4-6,3

Ralf Jannke

 

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