Der zunächst verhinderte, dann ausgefallene Teil 1 mit final doppelter wundersamer Wendung

Der Teil 2 endete mit dem Satz: "Wenn die erneute Bestellung des Petri-Bajonett-/microFourThirds-Adapters geklappt hat, mache ich einen Rundgang mit dem 35er auf der Olympus OM-D E-M5. Als 70 mm Kurztele, Porträt-Objektiv …"

Nachdem sich in meiner Analogsammlung drei Petri SLRs und zwei Objektive befinden, wollte ich mir ansehen, was die Objektive dieses kaum bekannten japanischen Herstellers heute an Abbildungsqualität liefern.

  • Problem 1: Meine zwei Petri SLRs mit dem exotischen Petri-Bajonett sind defekt, die Verschlüsse kaputt. Auf Film fotografieren fällt also aus.
  • Problem 2: Während es mittlerweile für fast jeden je gebauten Objektivanschluss Adapter gibt, mit denen sich Objektive beliebiger Hersteller auf moderne, spiegellose Systemkameras adaptieren lassen, fällt das exotische Petri-Bajonett fast komplett raus :-(

Nach wie vor bei eBay angeboten wird ein Adapter eines US-Lieferanten, der sich im Nachhinein dann doch als kulant erwiesen hat. Der bezahlte Adapter wurde verschickt, die Sendung ließ sich auch verfolgen. Das Teil muss laut Verfolgung noch in Frankfurt angekommen sein, um dann von der Bildfläche zu verschwinden. Auf Reklamation via eBay bot der US-Lieferant an, ein zweites Exemplar kostenfrei zu verschicken. Was dann nach drei Wochen Warten auf das Ersatz-Exemplar doch bei mir eintraf. Ich hatte den Adapter, die 50 Euro, schon abgeschrieben …

Im Grunde hätte ich hier aufhören können zu schreiben, denn es gelang zumindest das 55 mm Petri mit einer wüsten, aber funktionierenden Bastelarbeit zufriedenstellend in die digitale Vollformatwelt zu transferieren. Nur das 35 mm Petri wollte nicht so wirklich - siehe Teil 2.

Damit die gerne ausgeführten Vorarbeiten zum Einsatz der beiden Petri-Objektive auf der Olympus aber nicht ganz für die Katz waren, dieser von Anfang an so geplante Bericht. Denn zum Üben des manuellen Fokussierens mit der Olympus OM-D E-M5 wurde die DSLM mit zwei MF Altglas-Objektiven gleicher Brennweite bestückt … Um sich bei dieser Gelegenheit wieder in die Olympus OM-D E-M5 zu "verlieben" ;-)

Bevor es losgeht

Neben dem Petri-/mFT-Adapter gab es auch einen viel interessanteren Petri-/Fuji X-Adapter. Der in den Annoncen eine Zeitlang die Bemerkung (sinngemäß) enthielt: "Nicht mehr lieferbar". Jetzt, Mitte Mai habe ich nochmal recherchiert und dabei einen Adapter Petri-/Fuji X-Adapter gefunden und sofort geordert.

Jetzt erstmal die (verhinderte) Petri/Olympus Story

Petri, der wenig bekannte japanische Hersteller – Zwei zu adaptierende Objektive: EE Auto C.C Petri 1:2.8/35 und …

Ich könnte nicht behaupten, dass ich mich nicht darüber gefreut hatte, dass das 35er mit Original Petri-Deckeln kam ;-)

… C.C Auto Petri 1:1.8 f=55mm

Die beiden Petri-Objektive auf den angestammten Petri SLRs

Leider sind meine beiden Petri-SLRs defekt :-( Sonst hätte ich der PETRI FLEX V oder der PETRI FLEX (Penta) V6 vielleicht einen SW-Film spendiert, den ich selbst verarbeiten könnte.

Petri System 1969

Vorbereitungen – oder: Ober sticht Unter …

Um das 55 mm Petri in die digitale Welt zu überführen, musste neben einem entsprechenden Adapter probiert, geübt werden mit welcher meiner in Frage kommenden mFT-Systemkameras sich am besten manuell fokussieren lässt:

  • Olympus PEN E-P2
  • Panasonic Lumix DMC-G2
  • Olympus OM-D E-M5

Dazu wurden die beiden M42 Schraubanschluss-Objektive Meyer-Optik Görlitz Trioplan 1:2,9/50 V und Asahi Opt. Co, (Pentax) Super-Takumar 1:3.5/35 auf alle drei Kameras adaptiert. Welche Kamera bietet die besten Hilfen zum manuellen Fokussieren. Was ja dann auch für kommende Petri-Objektive zutrifft.

Und da kristallisierte sich nach den Fokussier-Versuchen mit den beiden M42-Objektiven dann ein eindeutiger Sieger raus. Leider bietet keine meiner mFT Kameras Fokus-Peaking (Kantenverstärkung). Aber eine dringend benötigte Hilfe ist die Sucherbildvergrößerung! Für die schicke Olympus PEN E-P2 habe ich keine Möglichkeit gefunden das Sucherbild zu vergrößern. Was nicht bedeutet, dass es nicht geboten wird. Ich habe es jedenfalls nicht gefunden. Die 12 Megapixel Panasonic G2 bietet Sucherbildvergrößerung. Die Olympus OM-D E-M5 bietet die Digital-Lupe nach etwas Suchen aber auch. Und darüber hinaus 16 Megapixel und einen stabilisierten Sensor! Womit der "Sieger" feststand: die OM-D E-M5.

Mit der OM-D E-M5 wurde das manuelle Fokussieren erfolgreich geübt. Mit dem Meyer-Optik Görlitz Trioplan 2,9/50 V und (statt des 35 mm Pentax Takumars) dem SUN WIDE YS-28 F:2.8 28mm

Es ist doch erstaunlich, was ohne Zoom mit zwei Festbrennweiten geht. Gehen muss! Aber es übt ungemein. Die Unschärfe des störenden Hintergrunds beim wunderbaren Alpha Romeo wurde per Photoshop generiert. Wobei die Kombination 28/55 mm auf dem microFourThirds-Sensor Cropfaktor 2 dann 56/110 mm sind. Mit den beiden Petri-Objektiven wären es dann 70/110 mm geworden. Um solche Alltags-/Allerwelt-Motive mit den Petri-Objektiven zu fotografieren. Es hat mangels Adapter auf der Olympus zunächst nicht sollen sein, aber dann …

Endlich: Das 35 mm Petri auf dem lange vermissten Petri-/mFT-Adapter

Eine Mitnahme des 55 mm Petri auf der 16 MP Olympus OM-D E-M5 habe ich mir geschenkt, da das Objektiv im Vollformat auf der 24 MP Nikon Z6 sehr gut "performte". Was das 35er angeht: Hier passt alles! Naheinstellung, Unendlich. Letzteres mit einer kleinen Reserve über Unendlich hinaus. Alle Beispielfotos mit dem 35 mm Petri auf der OM-D E-M5.

Beispielfotos 35 = 70 mm auf der Olympus OM-D E-M5, 6 Megapixel

Das lange Warten auf den Adapter hat sich gelohnt. Der erste Schuss gleich ein Volltreffer!

Was für ein wunderbares Seifenblasen-/Blubber-/Bubbel-Bokeh, Offenblende.

Mehr Beispielfotos mit dem 2,8/35 mm Petri im microFourThirds – mFT-Format. 6 Megapixel

Und noch ein Adapter: Petri-/Fuji X

Auch hier habe ich auf die Adaption und den Einsatz des 55 mm Petris verzichtet und mich ausschließlich dem 35 mm Petri gewidmet.

Beispielfotos 35 = 53 mm auf der Fuji X-E1

Profan …

Beim Chillen auf der Terrasse ;-) Schnell das Stativ aufgestellt und dann die Rinde unserer Kriechkiefer abgelichtet. Beim vorherigen Rumspielen zeigte sich direkt: Schärfe gibt es erst ab Blende 4. Was ja kein Makel ist. Zwischen zwei Stufen über Lichtstärke bis Beugungsgrenze (Blende = 2x Pixelabstand/Pixelpitch – im Fall der Fuji X-E1 4.8 µm, heißt Blende 9,6) abgeblendet liefert ein Objektiv seine beste Leistung. Den Unterschied zwischen f/2,8 und f/4 sieht man. Offenblende nur, wenn das nette Bokeh des 35 mm Petris gewünscht ist.

1:1 Crops, Offenblende 2,8 und Blende 4 (rechts)

35 mm Petri, Fuji X-E1, 16 Megapixel

Hausaufgaben gemacht. Pflichtaufgabe erfüllt! 35 mm Petri auf der APS-C Fuji X-E1, 4 Megapixel

Qualitäts- und sonstiger Eindruck

Dieser "erste" Teil war das Finale über die Abbildungsleistungen der beiden Petri-Objektive mit dem exotischen Bajonett. Nicht unbedingt Premium-Qualität, aber besser als nur "Hausmannskost"!  Bei 35 mm auf mFT werden die Randbereiche natürlich massiv ausgeblendet. Was bleibt beim 35er auf der Olympus? Der Bokeh-Geheimtipp. Voraussetzung: Offenblende f/2,8.

Ich will nicht ausschließen, dass sich irgendwann noch ein drittes Objektiv mit Petri-Bajonett dazugesellt. Wenn mir mal etwas Exotisches interessanter Brennweite über den Weg läuft. Aber ich kaufe nur noch zu Spottpreisen! Dann liegt das überteuerte Zeug eben weiter Ewigkeiten in realen und virtuellen eBay-Regalen.

Und noch was …

Die intensive Beschäftigung mit der 16 MP microFourThirds Olympus OM-D E-M5 und der 16 MP APS-C Sensor Fuji X-E1 haben mir beide Systemkameras wieder ans Herz wachsen lassen. Auch wenn die kommenden Sommerferien im Norden Nikon-lastig werden ;-) Die netten Kolleg*Innen werden in Zukunft öfter berücksichtigt!

Zum Abschluss noch ein "Wunder"! Petri-Werbung im deutschen Fotomagazin von 1964

Das – 1964 – dürfte der Zeitraum gewesen sein, wo die deutsche Fotoindustrie ihren Sinkflug begann. Und einem deutschen Magazin nicht mehr drohen konnte: "Wenn ihr japanische Produkte annonciert, ziehen wir unsere Anzeigen zurück …" Die Petri FT ist aus einem schwedischen Magazin des gleichen Zeitraums.

Ralf Jannke

 

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