Fuji X-E2 mit drei M42-35mm-Weitwinkelobjektiven, Erfahrungsbericht von Christian Zahn

In diesem Erfahrungsbericht geht es um die Benutzung von manuellen Alt-Objektiven an einer 16-Megapixel Systemkamera.

Diesmal stelle ich drei unterschiedliche „leichte“ Weitwinkelobjektive vor, die zum Verkaufszeitpunkt das untere Ende des „Objektivtripels“ 35-50-135 bildeten. 28mm oder noch stärkere Weitwinkel waren für den Hobbyfotografen der 1960er und frühen 1970er Jahre fast unbezahlbar. Erst Mitte der 1970er Jahre wurden 28er-Objektive deutlich preiswerter und auch bei den „Handelsmarken“ Porst/Neckermann/Revue gelistet.

  • 2,8/35 Flektogon „aus Jena DDR“
  • Porst Weitwinkel MC 2,8/35mm
  • Auto Cosinon 2,8/35

Benutzung der X-E2 mit manuell zu fokussierenden alten M42-Objektiven

Die Kamera unterstützt die Verwendung von alten Manuellfokusobjektiven durch eine digitale Schnittbildkeil-Simulation oder durch farbliche Hervorhebung scharfer Bildkanten (Fokus-Peaking) in verschiedenen Farben. Ich persönlich komme mit dem „Schnittbild“ der X-E2 nicht klar (es wird Schwarzweiß in der Bildmitte eingeblendet), die Hervorhebung von scharfen Bildkanten in starkem Rotton hingegen ist deutlich sichtbar, insbesondere wenn durch Druck auf das Daumenrad die Sucherlupe hinzugeschaltet ist.

Zur Geschichte des M42-Bajonetts habe ich im Bericht über 50mm-Normalobjektive etliches geschrieben.

Beispielaufnahmen

Alle Aufnahmen entstanden freihand, wurden gespeichert als RAF, gewandelt mit Adobe Camera RAW und bearbeitet mit Photoshop CS6. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten sowie Schärfe wurden korrigiert, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In einige Aufnahmen sind 100%-Ausschnitte vergrößert einmontiert. Die Aufnahmeparameter habe ich diesmal weggelassen, da insbesondere die eingestellte Blende nicht in den EXIFs der Fuji-RAWs gespeichert wird. Eingestellt habe ich je nach Motivhelligkeit etwa f=1:4 bis f=1:8, wobei die Kamera auf ISO-Automatik bis 800 stand.

Nachfolgend die einzelnen für diesen Bericht genutzten Objektive. Alle sind Retrofokus-Weitwinkel-Konstruktionen.

Ein Retrofokusobjektiv hat eine längere Schnittweite als seine eigentliche Brennweite. Diese Bauweise war für Spiegelreflex-Kameras notwendig, da „echte“ Weitwinkelobjektive (üblicherweise für Meß-Sucherkameras hergestellt) eine sehr nah an der Filmebene liegende Hinterlinse haben und somit mit dem Spiegel einer SLR kollidieren. Zu Anfang behalfen sich die Spiegelreflex-Kamera-Hersteller mit Spiegelarretierung und Aufstecksucher, um Weitwinkelobjektive mit weit in das Gehäuse ragenden Objektiv-Hinterlinsen an SLRs nutzen zu können.

Ein Nebeneffekt der Retrofokus-Bauart ist, das die Bildstrahlen die letzte Linse nicht extrem schräg verlassen, sondern relativ parallel, was für die heutigen digitalen Bildsensoren wesentlich besser ist, während es dem Analogfilm fast völlig egal ist, aus welcher Richtung die Strahlen auftreffen.

Näheres zum Retrofokus in der Wikipedia (Link:https://de.wikipedia.org/wiki/Retrofokus).

2,8/35mm Flektogon „aus Jena“

Das gezeigte 2,8/35mm stammt aus der Zeit, als der VEB Pentacon den Markennamen „Carl Zeiss“ im Handelsverkehr mit dem Westen nicht benutzen durften, nachdem die Zeiss Stiftung (West, Oberkochen) Anfang der 1950er Jahre ein entsprechenden Gerichtsbeschluss erreichen konnte. Darum trägt das gezeigte Exemplar lediglich die Aufschrift „aus Jena“ als Hinweis auf den Fertigungsort und die Objektivbezeichnung „Flektogon“. Vermutlich stammt es aus einem Beroflex-Import. Die Bauform deutet auf die 1960er Jahre hin, spätere Objektive haben Entfernungsring sowie Blendenring komplett in Schwarz gefertigt.

Die Flektogon-Rechnung wurde 1950 von Carl Zeiss Jena patentiert, die im Westen als Distagon von Zeiss Oberkochen sehr ähnlich ab 1953 gebaut wurde.

Ich bekam das gezeigte Objektiv zusammen mit einer passenden Praktica-Kamera geschenkt.

Der Entfernungs-Einstellweg ist mit ca. 330° erfreulich lang, die Naheinstellgrenze mit 0,18m sehr kurz. (Gemessen wird ab der Sensorebene, darum liegt die Bildebene bei maximalem Auszug sehr nah an der Frontlinse.)

Da sich bei solch extremen Naheinstellungen die effektive Blende stark verändert, weil das Bildfeld des Objektivs immer größer wird und somit weniger Licht auf den Sensor bzw. den Film fällt und immer mehr daneben, hat das gezeigte Flektogon einen Blendenausgleich. Bei Offenblende verstellt sich der Blendenring (im Bild sehen wir etwa 1:3,5 angezeigt), um den Fotografen auf diesen Umstand hinzuweisen. Bei allen anderen Blendenzahlen wird die Blende so weit geöffnet, daß die resultierende Blende mit der eingestellten Blende übereinstimmt. Diese Verstellung wird durch eine schräg gefräste Führung im Objektiv erzeugt und war notwendig, da damals noch sehr oft mit externen und nicht mit in der Kamera eingebauten Belichtungsmessern, die das durch das Objektiv fallende Licht messen, gearbeitet wurde.

Der Entfernungsring läuft leider nicht mehr seidenweich, da das Schmierfett seine Wirkung verloren hat. Der Blendenring läuft satt mit halbstufigen Rastungen, allerdings sind nur 5 Lamellen vorhanden. Die Springblende arbeitet einwandfrei, die öfters auftretende „sticky aperture“, also die in Offenblendstellung „hängende“ Blende hat mein Exemplar nicht. Die Blende kann auch durch Drücken eines Hebels manuell geschlossen werden, z. B. beim Einsatz an einem Balgengerät. Mir fehlt leider der originale Deckel.

Das Objektiv erzielt bei Blende 5,6-8 gute Ergebnisse, die von einem Flektogon erwartet werden können. An einer 2018 für wenige Wochen ausgeliehenen Sony alpha 7 (spiegelloses Vollformat, 24 Megapixel) waren die Bildecken bei Blende 8 noch ausreichend scharf, jedoch die chromatischen Aberrationen deutlich sichtbar.

Beispielfotos mit dem 2,8/35mm Flektogon

Porst Weitwinkel 2,8/35mm auto

Das gezeigte 2,8/35 mm ist ein Import aus Fernost („Lens made in Japan“ steht auf der Außenseite). Foto Porst importierte für seine Fotogeschäfte und den Versandhandel viele verschiedene Kamerasysteme und Objektive, gerüchteweise immer diejenigen, die aktuell am billigsten im Einkauf waren. Im Laufe der Jahrzehnte gab es russische, koreanische, ostdeutsche und japanische Lieferanten, darunter so bekannte Namen wie Fujica, Zenit, Pentacon, Chinon, Cosina, Tokina uvm. Der Hersteller des gezeigten Objektivs ist nicht endgültig geklärt, es wird aber mit recht hoher Wahrscheinlichkeit von Sankyo Koki (bekannter als Komura, nicht identisch mit der Elektronikfirma Sankyo) hergestellt worden sein.

Ich bekam das gezeigte Exemplar zusammen mit einer M42-Kamera (Porst Compact Reflex OS) und weiteren Objektiven geschenkt.

Der Entfernungs-Einstellweg ist mit ca. 300° erfreulich lang, die Naheinstellgrenze mit 0,5m recht lang.

Mein Exemplar ist fast ladenneu, vermutlich wurde es nur wenig genutzt.

Der Entfernungsring läuft seidenweich. Der Blendenring läuft satt mit halbstufigen Rastungen, allerdings sind nur 5 Lamellen vorhanden. Die Springblende arbeitet einwandfrei. Es ist ein Umschalter zwischen automatischer und manueller Blendenfunktion vorhanden, z. B. zum Einsatz an einem Balgengerät. Der originale Schutzdeckel ist ein Aufstecktyp mit Samtauskleidung des festhaltenden Ringes. Das Objektiv ist sowohl laut Beschriftung als auch durch Augenschein kontrollierbar „MC“, also Multicoated, was nicht nur das Streulichtverhalten entscheidend verbessert und auf ein Herstelldatum in den 1980ern hinweist.

Interessanterweise ist die Frontlinse des Porst-Objektives erheblich größer als die der anderen beiden gezeigten Exemplare. Der Grund ist höchstwahrscheinlich: Das Komura 2,5/35 wurde durch Einbau eines Ringes in der Blendenebene künstlich auf 1:2,8 begrenzt, entweder weil Porst kein lichtstärkeres Objektiv bezahlen wollte oder man den deutschen Fotografen die „krumme“ Offenblende 2,5 nicht zumuten wollte. (1:2,5 ist eine Drittelblende lichtstärker als 1:2,8).

Das Objektiv hat mich positiv überrascht, ich hätte die von ihm gezeigte Bildqualität nicht erwartet, sondern hätte es eigentlich auf dem letzten Platz der drei vorgestellten Objektive verortet. Allzu oft wurden Handelsmarkenobjektive billig eingekauft, somit billig produziert und selten nach Zusammenbau kontrolliert, was zu einer hohen Serienstreuung führte.

Beim gezeigten Exemplar sind sogar die Bildecken ausreichend scharf (dank Crop 1,5 des Fuji-Sensors),  der Unterschied zum Flektogon ist nur schwer erkennbar. An einer 2018 für wenige Wochen ausgeliehenen Sony alpha 7 (spiegelloses Vollformat, 24 Megapixel) waren die Bildecken bei Blende 8 nicht mehr ausreichend scharf, jedoch die chromatischen Aberrationen wesentlich geringer als beim obigen Flektogon.

Beispielfotos mit dem Porst Weitwinkel 2,8/35mm auto

Cosinon Auto 2,8/35mm

Dieses Objektiv wurde von Cosina gefertigt, der Firma, die heutzutage die von Ringfoto unter dem Markennamen Voigtländer vertriebenen Objektive herstellt. Das gezeigte Cosinon stammt vermutlich aus den 1970er Jahren. Ich erwarb es zusammen mit einer analogen M42-Kamera. Es wurde sichtlich oft benutzt.

Der Entfernungs-Einstellweg ist mit ca. 180° sehr kurz, die Naheinstellgrenze mit 0,5m recht lang.

Der Entfernungsring läuft seidenweich. Der Blendenring läuft satt mit halbstufigen Rastungen, allerdings sind nur 6 Lamellen vorhanden. Die Springblende arbeitet einwandfrei. Es ist ein Umschalter zwischen automatischer und manueller Blendenfunktion vorhanden, z. B. zum Einsatz an einem Balgengerät. Mir fehlt der originale Deckel, ich habe ihn durch einen China-Swap-In-Deckel ersetzt.

Das Objektiv ist erschreckend unscharf in den Bildecken (trotz Abblenden auf 1:8!), wobei die Fuji-Kamera mit ihrem APS-C-Sensor die Ecken des Kleinbildformates ja schon kräftig beschneidet. An digitalem Vollformat dürfte das Objektiv vermutlich völlig unbrauchbar sein, man kann es an einer mFT-Kamera, die nur das mittlere Bildviertel ausnutzt, möglicherweise so gerade noch benutzen, wobei es dann zu einem leichten Tele-Objektiv wird.

Ich hatte zuerst einen Defekt meines Exemplars vermutet, durch Recherche im Internet stellte ich jedoch fest, daß auch andere Fotografen mit anderen digitalen Kameras und anderen Exemplaren des Cosinons keine scharfen Bildränder erzielen konnten. Möglicherweise waren die Bildfehler früher auf Film nicht so ausgeprägt, da die zusätzliche Glasfläche des Sperrfilters vor dem Sensor die Randstrahlen verfälscht und selten Vergrößerungen jenseits von 13x18cm-Abzügen angefertigt wurden.

Ich werde dieses Objektiv nicht weiter einsetzen, sondern in einer Sammelkiste „versenken“.

Beispielfotos mit dem Cosinon Auto 2,8/35mm

​​​​​​​Fazit

Die Fujifilm X-E2 ist wie immer dank Fokus-Peaking zur Benutzung mit alten Manuellfokus-Objektiven sehr gut geeignet, zwei Objektive (das Porst Weitwinkel MC und das Jena Flektogon) sind sehr gut, lediglich das Cosinon fällt deutlich ab.

Bei den Testaufnahmen habe ich einen in der X-E2 leider nicht vorhandenen Bildstabilisator vermißt, eine spiegellose Vollformat-Kamera mit „IBIS“ = „In Body Integrated Stabiliser“, also beweglich gelagertem Sensor, steht weiterhin auf meinem Wunschzettel.

Christian Zahn, Dezember 2020

Museum für alte Kameras sowie Fotogalerie:
http://www.ChrZahn.de
Dort auch Tipps zum Entwickeln von Farb- und SW-Dias

 

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