Medical-NIKKOR Auto 1:5.6 f=200mm Nippon Kogaku Japan Finale

Von der völlig unnötigen und überhasteten Frickellösung zum serienmäßigen Betrieb der Ringleuchte des 200 mm Medical

In meiner Ungeduld hatte ich vollkommen übersehen, dass das Original Nikon-Batterieteil für das Medical alles bot, um zumindest die Einstellringleuchte des Medical auszuprobieren und erfolgreich in Betrieb zu nehmen! Das benötigte Vebindungskabel für Batterieteil und Objektiv war beim Kauf meines zweiten Medical Nikkors mit dabei. Dessen Steckkontakt war aber so gut hinter dem Riemen des Batterieteils "getarnt", dass ich es unverzeihlicherweise übersehen und stattdessen das Originalkabel ganz unnötigerweise zerschnitten habe.

Grund: Das Batterieteil hatte unübersehbar einen weiteren Kontakt, auf dessen fünf Pins natürlich kein vierpoliger Stecker passen konnte. Immerhin konnte ich nach Einlegen der benötigten vier 1,5 Volt Monozellen (Batterien der Größe D) messen, dass zwei Pole/Pins 3 Volt Spannung lieferten. Sicher für die Einstelllicht-Ringleuchte in der Frontpartie des Medicals.

Und das funktionierte auch prompt. Nach Drücken des Schalters am Objektiv leuchteten drei der vier Spezialglühbirnen – eine war durchgebrannt. "Spezial" weil gewöhnliche Birnchen platzmäßig nicht montiert werden können.

Der Birnchenwechsel war kein Problem, im Koffer lagen noch drei Ersatz-Birnchen. Ansonsten: Der Schaden war schnell behoben, die vier Kabel geflickt und das Ganze sicher unter Schrumpfschlauch gepackt — fertig.

Jetzt aber doch noch etwas en detail

Das Batterieteil ist nicht mehr im Originalzustand!

Sammlerkollege und Mitautor Christian Zahn hatte es sofort gesehen. Neben dem sauber gestanzten Loch für den Kippschalter in der Lederhülle des Batterieteils war ein zweites Loch, das eher wie mit der Nagelschere ausgeschnitten wirkt – im Foto oben im roten Kreis markiert. Den Steckkontakt dahinter hat es im Batterieteil nie gegeben. Dieser Kontakt wurde also nachträglich montiert. 

Dafür gibt es nur eine Erklärung

Über den, genauer die drei übrigen Kontakte des Fünfersteckers und ein weiteres Zusatzaggregat muss das Medical statt der 240 Voltbatterie mit der nötigen Energie für den Ringblitz versorgt worden sein. Dieses unbekannte Aggregat muss die Zündspannung von 240 Volt für den Blitz geliefert haben! Ich werde nicht versuchen, da etwas zu improvisieren. 240 Volt sind schon eine Ansage!

Was diese unter Umständen schon lebensgefährliche Spannung angeht, habe ich die KI ChatGPT befragt und das als Antwort bekommen — etwas überarbeitet:

>> Das Nikon Medical-Nikkor 200 mm f/5.6 hat einen integrierten Ringblitz, der von einer externen Hochspannungs-Batterie (ca. 240 V Gleichspannung) gespeist wurde. Diese hohe Spannung war nötig, um die Blitzröhre zuverlässig zu zünden.

War das wirklich gefährlich?

  • Spannung: 240 V sind grundsätzlich potenziell lebensgefährlich.
  • Die Batterie ist jedoch strombegrenzt und für kurze Blitzimpulse ausgelegt.
  • Bei normaler, intakter Nutzung war das System sicher.
  • Bei defekten Kabeln, geöffneter Batterieeinheit oder unsachgemäßer Handhabung konnte es jedoch schmerzhafte Stromschläge geben.
  • Medizinischer Einsatz: Gerade deshalb war das System stark isoliert und für den Einsatz nahe am Menschen konzipiert.

Die Batterie kann keinen Dauerstrom liefern wie eine Steckdose! Trotzdem galt sie nicht als harmlos – Nikon warnte ausdrücklich vor:

  • Öffnen der Batterie
  • Feuchtigkeit
  • beschädigten Steckverbindungen
  • Heute gelten solche Lösungen als veraltet, moderne Ringblitze arbeiten mit deutlich niedrigeren Spannungen.
  • Nicht „tödlich bei Berührung“, aber definitiv nicht ungefährlich. Respektvolle Handhabung war zwingend notwendig. <<

Zweite Frage an ChatGPT: Wie war diese 240 Volt Batterie technisch aufgebaut?

>> Sie war technisch gesehen keine einzelne Hochspannungszelle, sondern ein recht clever aufgebautes Hochspannungs-Batteriepaket speziell für Blitzanwendungen. Ein Batteriepaket mit vielen in Reihe geschalteten Zellen. Verwendet wurden dazu sehr kleine Primärzellen (meist alkalisch oder silberoxid-ähnlich, je nach Version), typischerweise von 1,5 V pro Zelle. Für 240 V bedeutete das also 160 Zellen in Serie. Jede einzelne Zelle hatte eine sehr geringe Kapazität und einen relativ hohen Innenwiderstand.

Dadurch konnte die Batterie eine hohe Spannung, aber nur sehr geringe Ströme liefern. Die „eingebaute Sicherheit“ ergab sich aus einem hohen Gesamt-Innenwiderstand, Keine Möglichkeit für Dauerstrom und Energieabgabe nur in kurzen Impulsen (Blitzauslösung). Ein direkter Kurzschluss führte eher zu Spannungseinbruch als zu Hitze oder Lichtbogen und war unangenehm, aber nicht lebensgefährlich!

Der eigentliche Blitzkondensator saß nicht in der Batterie, sondern vorne im Objektiv. <<

Das halten Christian Zahn und ich für falsch. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein voluminöser Kondensator gut geschützt und isoliert im Batterieteil steckt. Im Objektiv ist dafür kein Platz. Ich werde das Batterieteil aber NICHT aufschrauben!

>> Warum hat Nikon 1969/1970 so gearbeitet?

Es gab keine kompakten DC/DC-Wandler wie heute. Hochspannung aus vielen Zellen war zuverlässig und eine medizinisch akzeptierte Lösung. <<

Ja, man könnte etwas basteln. 2 x 80 1,5 Volt Knopfzellen in Reihe kontaktiert beispielsweise in zwei passende Kunststoffrohre füllen, um am Ende die benötigten 240 Volt zu haben. 

EINHUNDERTSECHZIG Knopfzellen?

Der Zehnerpack bei Amazon für 2,59 Euro würde in Summe dann schon etwas jenseits 40 Euro machen. Nur um zu testen, ob damit der  Ringblitz zündet? Nein Danke!

Übrigens

Haben Sie bei den Vierer-Kontakten genau hingesehen? Immer nur je zwei haben den gleichen Durchmesser! Ich hatte mich nämlich gefragt, wie Nikon dafür gesorgt hat, dass die Stecker immer in der richtigen Position montiert werden. Genau durch die unterschiedlichen Kontakt-/Pindurchmesser!

Damit beende ich das Thema Blitzen im Zusammenhang mit dem Medical-NIKKOR Auto 1:5.6 f=200mm Nippon Kogaku Japan. Oder doch nicht?

Des – sehr wahrscheinlich – Rätsels Lösung!

Frage an ChatGPT: Könnte dieser fünfpolige Stecker von einer Studioblitzanlage stammen?

Ja – das ist gut möglich, aber nicht mit absoluter Sicherheit nur anhand dieses Fotos.

Was man hier sieht: Der Anschluss ist mit „CANNON“ geprägt

Das ist die alte Markenbezeichnung von Cannon Electric, dem Vorläufer der XLR-Steckverbinder. Es handelt sich um einen 5-poligen Rundsteckverbinder in einer Gerätebuchse. Solche 5-poligen Cannon/XLR-Stecker wurden sehr häufig bei älteren Studioblitzanlagen von Broncolor, Balcar, Multiblitz, frühe Bowens-Systeme der 1950er–1970er Jahre) verwendet. Für die Verbindung Generator – Blitzkopf mit getrennten Leitungen für Zündimpuls, Steuerspannung und ggf. Einstelllicht. Der daneben sitzende Netzschalter (ON / 0) passt ebenfalls gut zu einem Blitzgenerator oder Netzteil. Einschränkung: 5-polige Cannon-Stecker wurden auch bei Messgeräten, Industrieelektronik, Rundfunk- und Medizintechnik eingesetzt.

Jetzt brauche ich also "nur" noch einen Blitzgenerator samt passendem Kabel ;-) Ziemlich illusorisch …

Wie geht es mit dem Medical-NIKKOR Auto 1:5.6 f=200mm Nippon Kogaku Japan weiter? Vielleicht so im Frühjahr?

Das ist jetzt nur eine Denkidee. Statt Hantieren mit den Vorsatzlinsen gleich ein Balgengerät zwischen Kamera und Medical Nikkor. In diesem Fall meine 16 Megapixel Nikon D4 DSLR. Wobei das abgebildte Balgengerät arg "fimschig" für die große DSLR und das voluminöse Medical ist. Ein "Wackeldackel" ;-) Da muss noch was Stabileres her. Ausprobieren werde ich das aber erst in der wärmeren Jahreszeit. Auf Indoor habe ich aktuell keinen Bock ;-)

Aber dieses sehr spezielle "Makro" Objektiv verdient gelegentliche Einsätze.

Das zweite Medical-NIKKOR Auto 1:5.6 f=200mm Nippon Kogaku Japan geht innerhalb der nächsten Tage an den geschätzten Sammlerkollegen und Mitautor Christian Zahn. Ich bin mir sehr sicher, dass er noch akribischer an/in das Medical schauen wird. Speziell die Dateneinbelichtung sollte noch besser dokumentiert werden!

Zum vorläufigen Abschluss nochmal die drei bisherigen Beiträge zum Medical-NIKKOR Auto 1:5.6 f=200mm Nippon Kogaku Japan:

Ralf Jannke, Januar 2026

 

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