Nikon Z5 mit Vivitar 135mm 1:2.8 nach Reinigung von Christian Zahn
In diesem Erfahrungsbericht geht es um ein etwa 50 Jahre altes Manuellfokusobjektiv adaptiert an die spiegellose 24-Megapixel-Systemkamera Nikon Z5 sowie die Reinigung der beschlagenen Linsenflächen.
Das Objektiv wurde von Komine mit Anschlüssen für verschiedene manuelle Spiegelreflexkamerasysteme gefertigt und von Vivitar weltweit verkauft. Das gezeigte Exemplar hat einen Anschluß für das weitverbreitete Pentax-K-Bajonett.
Vivitar wurde 1938 als Ponder und Best, Inc., in Hollywood, USA gegründet und vertrieb zunächst vor allem deutsche Fotoartikel in der Region. 1945 wurde P&B offizieller Rollei-Vertrieb an der US-Westküste und verkaufte auch die ersten japanischen Objektive und Kameras. Als Ponder&Best 1963 die Vertriebsrechte von Rollei abgeben mußte, suchte sich das Unternehmen ein neues Standbein, indem man unter dem Markennamen „Vivitar“ japanische Spiegelreflexobjektive in Japan als OEM-Produktion in Auftragsfertigung herstellen ließ und weltweit verkaufte. Dabei handelte es sich anfangs um vom Lieferanten entwickelte Objektivrechnungen, später hatten Vivitar-Objektive amerikanische Rechnungen als Grundlage, die vom Lieferanten in reiner Lohnfertigung gebaut wurden. 1979 wurde Ponder&Best in Vivitar Inc. umfirmiert.
Vivitar entwarf auch andere Fotogeräte, z. B. einen Farbvergrößerer mit einer „Lightpipe“, einem Lichtleiter, der die Wärmestrahlung der Halogenlampe von Negativ fernhielt. Ab etwa 1980 gab es sehr viele gute Objektive von Mitbewerbern am Markt, so daß Vivitars Marktanteil allmählich sank und spätestens mit dem Aufkommen der Autofokus-Objektive begann der Abstieg. 1986 wurde das Unternehmen an den Konkurrenten Hanimex aus Australien verkauft, danach wechselten die Besitzer schnell und oft. Seit 2008 ist Vivitar nur noch ein Markenname der Sakar International und kein eigenständiges Unternehmen mehr.
Vivitar hat im Lauf der Zeit von fast allen japanischen und fernöstlichen Objektivherstellern zugekauft und unter dem Eigennamen verkauft, zu den Lieferanten zählten Olympus, Petri, Mamiya, Komura, Kiron, Komine, Cosina, Chinon, Tokina, Makina, Samyang und etliche weitere.
Legendär sind die Wechselobjektive der ab etwa 1970 hergestellten „Vivitar Serie 1“, deren optische Qualität den Objektiven der Kameraherstellern nahekamen oder diese teilweise sogar übertraf.
Objektive aus dem Zeitraum etwa 1970 bis ca. 1990 lassen einen Rückschluss auf den wahren Hersteller zu, die ersten Stellen der Seriennummer codieren den Lieferanten. In der Olypedia findet sich eine Liste zur Aufschlüsselung.
„28“ kennzeichnet Komine als Lieferant dieses Objektivs, wobei es eine ältere Version mit kürzerer Naheinstellgrenze, 5 Linsen, 8 Blendenlamellen und höherem Gewicht gibt sowie die hier gezeigte jüngere Variante.
Der Hersteller Komine ist ein wenig „neblig“, im Gegensatz zur gut dokumentierten Firmengeschichte beispielsweise von Chinon, Cosina, Tamron oder Tokina gibt es nur wenige nachrecherchierbare Fakten zu Komine. Es gibt einige Objektive mit diesem Label und etliche von Vivitar verkaufte Objektive. „Komine“ ist ein japanischer Nachname und kommt recht häufig vor, deshalb gab bzw. gibt es auch viele Formen, die diesen Bestandteil im Namen tragen.
Wahrscheinlich wurden die Vivitarobjektive von Komine Company, Shinagawa, Tokyo, hergestellt. Diese Firma wurde um 1950 herum gegründet und stellte irgendwann zwischen 1985 und 1995 den Betrieb ein, vermutlich aufgrund von Absatzschwierigenkeiten bedingt durch den nicht vollzogenen Wechsel in der Produktion hin zu Autofokusobjektiven, so wie es vielen kleineren Objektherstellern in dieser Zeit ging, denn die Entwicklung von AF-Objektiven erforderte ganz andere Fertigkeiten als die Herstellung von manuell-Fokus-Objektiven.
Vivitar 135mm 1:2,8 Auto Telephoto Reinigung
Ich fischte mein Exemplar aus der Grabbelkiste eines Fotohändlers, es lag dort in der „Defekt ohne Garantie - Alles für 1 bis 5 Euro“ - Ecke. Schon im Laden war klar: es muß gereinigt werden. Im Laufe der Jahrzehnt hat sich im Inneren ein weißlicher Belag auf den Linsenflächen gesetzt, es ist kein Glaspilz. Der „Nebel“ ist zum einen „Ausdünstung“ der im Schneckengang eingesetzten Schmierfette und zum zweiten Dreck aus der Luft. Wer einen starken Raucher in der Familie hat, weiß wo überall der gelbliche Nikotin-Niederschlag „hinkriecht“…
Das Vivitar ist sehr leicht zu reinigen, denn es ist sehr gut konstruiert. Schon bei der Montage waren keinerlei dünne Beilagscheiben oder Ausgleichsringe erforderlich, weil die Fassung mit hoher Präzision gedreht und gefräst wurde. Außerdem haben alle einzelnen Linsen angeschliffene „Zentrierfasen“, so daß die Klemmringe die Linsen zentrieren, also in die optische Achse drücken. Somit läßt es sich zerlegen, reinigen und wieder zusammenbauen, ohne daß eine optische Bank zur Kontrolle erforderlich ist.
Als Demontage-Hilfsmittel dienen die üblichen Zerlegewerkzeuge: ein verstellbarer Klingenschlüssel, ein Satz Silikonringe, ein Silikon-Linsen-Saugheber sowie puderfreie Eimal-Handschuhe. Außerdem noch ein schwarzer Markenstift, weil die Glasaußenflächen nicht schwarz lackiert waren. Über den Sinn letzterer Maßnahme mag gestritten werden, aber die Premiumhersteller wie Leica oder Zeiss machen das seit Jahrzehnten, um mögliche Reflexionen an den Linsenaußenkanten zu vermindern.
Übrigens: den Belag sieht man bei direktem Hindurchsehen meist nicht oder nur schwer. Erst das Hineinleuchten mit einer LED-Taschenlampe zeigt die Trübung der Glasflächen deutlich. Dabei ist darauf zu achten, daß man nicht direkt in den Lichtstrahl schaut, denn dieser ist bei den heutigen LED-Strahlern so hell, daß das Auge geschädigt werden kann! Immer nur seitlich hineingucken, so daß der Taschenlampen-Strahl am Kopf vorbeigeht!
Das Objektiv besteht aus vier einzelnen Linsen, die sich einzeln aus dem Objektiv ausbauen lassen. Für die Demontage der Frontlinse muß nur der beschriftete Ring aus dem Filtergewinde geschraubt werden, die zweite Linse wird mit einem Zwischenring von der ersten geklemmt und läßt sich nach der zweiten herausheben. Die Demontage der dritten Linse habe ich mir gespart, denn ihre Oberseite ließ sich im eingebautem Zustand reinigen und ihre Unterseite nach Herausnehmen der Hinterlinse.
Diese ist von hinten mit einem Ring fixiert, ist dieser herausgeschraubt, so kann die Linse herausgehoben werden.
Die Reinigung war etwas aufwendig, normalerweise reicht es, die Linsenflächen mit in Isopropanol getauchte Linsenreinigungsstäbchen zu putzen, wobei das Isopopanol möglichst rein sein sollte, damit beim Trocknen möglichst wenig Fremdstoffe auf der Oberfläche verbleiben. 99,9% ist die im Handel käufliche Variante, noch reiner muß im Chemikalienhandel gekauft werden und ist ziemlich teuer. Beim Einsatz muß eine Schutzbrille getragen werden und es ist auf ausreichende Belüftung größter Wert zu legen!
„Wattestäbchen“ sind übrigens für die Reinigung nur wenig geeignet, denn sie fusseln, so daß zwar der Belag weg ist, aber mehr oder minder viele Fädchen verbleiben.
Die Linsen aus dem hier gezeigtem Objektiv blieben auch trotz mehrfachem Putzen mit Isopropanol und Stäbchen „belegt“, ein „Baden“ in Wasserstoffperoxid war ebenfalls nicht erfolgreich. Somit entschied ich mich, zu „härteren Mitteln“ zu greifen und Brillenputztücher zu verwenden. Diese sind zwar nicht ideal, denn sie sind für die Reinigung hartvergüteter Brillengläser gedacht und die Vergütung der inneren Glasflächen von Objektiven ist oftmals weich, die sie ja keinerlei mechanischer Belastung ausgesetzt sind, so daß die Objektivhersteller meist nur Front- und Linierlinse hartvergüten. Deshalb kann ein Brillenputztuch durchaus die Vergütung von Objektivlinsen beschädigen. Aber beim vorliegenden Objektiv klappte es, vorsichtig an einer Fläche probiert, ergab sich keine Beschädigung, so daß ich alle Linsen damit abrieb und den Belag fast vollständig beseitigt bekam. Der verbliebene Rest ist optisch kaum noch relevant.
Das Objektiv konnte nun in umgekehrter Reihenfolge wieder montiert werden, wie erwähnt, erfolgt die Linsenzentrierung automatisch durch die Befestigungsringe. Beim Zusammenbau ist darauf zu achten, daß kein Staub zwischen die Linsen gerät, ansonsten muß man später noch einmal auseinandernehmen…
Vivitar 135mm 1:2,8 Auto Telephoto „Verdreht montiert“
Ich hatte im Netz gelesen, daß das Komine-Vivitar durch „umgedrehtes“ Einbauen der Hinterlinse zu einem „Traumobjektiv“ würde, so wie es gerne mit dem russischem Zenith-Normalobjektiv gemacht wird. Das Komine-135er ist ein Teleobjektiv, d. h., seine Baulänge ist kürzer als seine Brennweite, während bei Fernobjektiven beides gleichlang ist. Durch den Einsatz von verkürzender Linsen hinter einem Fernobjektiv einsteht ein Teleobjektiv, wird diese verkürzende Linse weggelassen, muß das Objektiv weiter vom Sensor entfernt montiert werden. Die um 180° verkehrt herum eingebaute Hinterlinse verkürzt beim 135er-Vivitar die Schnittweite nicht mehr so stark wie richtig herum eingesetzt, für „unendliche“ Motive muß auf etwas 20 Meter scharfgestellt werden und nur die Bildmitte ist scharf, alles andere verschwindet in „duftiger“ Unschärfe. Bei 1:2,8 ist alles unscharf, auch die Bildmitte, bei Blende 8 gibt es einen runden scharfen Bereich in der Mitte umgeben von Unschärfe.
Für mich ist das nichts, ich habe es nur einmal „aus Spaß“ ausprobiert und dann die Linse wieder richtig eingebaut.
Ungleich dankbarer für solche "Verdrehungen", das russische HELIOS-44-2
Vivitar 135mm 1:2,8 Auto Telephoto
Das Objektiv wurde von 1976 bis 1982 hergestellt, der Verkauf erfolgte noch länger hinaus. Es hat vier einzelne freistehende Linsen.
Der geriffeltem Gummi ausgelegte Entfernungsring läuft nach fünfzig Jahren immer noch mit fast perfekter Friktion. Der Einstellweg ist mit etwa 270° erfreulich lang. Die Naheinstellgrenze ist mit 1,5 Metern für den Herstellzeitpunkt gut. Die Blende rastet halbstufig, es sind 6 Lamellen eingebaut. Die Streulichtblende kann um 17mm ausgezogen werden, bleibt aber leider nicht mehr von alleine in diesem Zustand, da der Samt inzwischen etwas flachgedrückt ist.
Das Objektiv hat einen Durchmesser von 64 mm, eine Baulänge ab Bajonett von 81 mm und wiegt 400 Gramm. Beim Nahfokussieren wird es ca. 15 mm länger. Das Filtergewinde beträgt 55mm, es dreht sich beim Fokussieren nicht mit. Der originale Objektivdeckel aus Metall wird aufgestülpt. An der Entfernungs-Skala sind sowohl Tiefenschärfemarkierungen als auch ein Index für die Infrarotfotografie vorhanden.
Das gesamte Objektiv macht einen wertigen Eindruck, es ist vollständig aus Metall gefertigt. Es ist durchaus auf der Qualitätsstufe von Originalherstellern.
Das Objektiv ist am Vollformatsensor der Z5 und Offenblende über fast die gesamte Bildfläche erwartungsgemäß unscharf, Abblenden auf 5,6-11 steigert die Schärfe, danach kommt es bereits zu Beugungseffekten. Die bei Offenblende vorhandenen chromatischen Aberrationen verschwinden ab Blende 2,8-4 fast völlig.
Das Objektiv ist heutzutage nur recht selten zu bekommen, eine Preiseinschätzung ist darum nur schwer möglich.
Alle Beispielaufnahmen entstanden freihand bei ASA-Automatik, Zeitautomatik, mit eingeschaltetem Bildstabilisator und bei Blende 8, gespeichert als NEF, gewandelt mit Nikon NX Studio und bearbeitet mit Photoshop CS6. Bildausschnitt, Helligkeit, Farben, Lichter / Schatten sowie Schärfe wurden korrigiert, die Größe wurde auf 1500 Pixel bikubisch verkleinert. In alle Aufnahmen sind 100%-Ausschnitte vergrößert einmontiert.
Fazit
Das Vivitar bildet bei Offenblende recht weich ab, ab etwa 5,6-8 wird es gut bis sehr gut. Es ist ein Geheimtipp, denn es ist bezogen auf seinen ursprünglichen Verkaufspreis ein sehr gutes Objektiv, sowohl optisch als auch mechanisch und braucht sich vor den 1:2,8/135ern der Originalherstellern durchaus nicht zu verstecken.
Christian Zahn, Juni 2026
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| Autor: | Christian Zahn |
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| Erstellt: | 22.06.2026 |
























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