Battle Nikon vs. Tamron – oder doch nicht?

Nikon NIKKOR Z DX 50-250/4.5-6.3 VR gegen Di II TAMRON 18-270mmF/3.5-6.3 Piezo Drive VC (auf dem FTZ). Und zum weiteren Vergleich das Nikon VR ED AP-P NIKKOR 70-300mm 1:4.5-5.6

Als Intro muss etwas weiter ausgeholt werden. Im Blogbeitrag "Spiegellos: Segen und Fluch" war unter anderem zu lesen: "Die so genannte Sensor-Selbstreinigung durch Ultraschall (…) erweist sich immer wieder als Marketing-Bullshit. Man tut so, als ob es sich bei dem Dreck um trockene Staubkörnchen handelt, die einfach abgeschüttelt werden können. Wohin eigentlich? Auf eine klebende Fläche, die irgendwann voll ist, oder einfach ins Kameragehäuse zum weiter vagabundieren? Tatsächlich erweisen sich die "Staubkörner" immer wieder als penetrant klebender Dreck (Pollen?), der nur mechanisch entfernt werden kann!

Aus dieser Erfahrung entstand ein weiterer Blogbeitrag "24-250 (375) mm mit zwei Objektiven und zwei Kameras" Dort war unter anderem zu lesen: "Das vorhandene 24-200 mm Nikon Z soll im kurzen Brennweitenbereich schwächeln und das aktuelle Tamron 28-200 gibt es nur mit Sony E-Anschluss. Deshalb zwei Gehäuse mit 24-50 mm FX und 50-250 mm DX (75-375 mm @KB). Die beim Nikon 24-200 mm Zoom mögliche Qualitätsschwäche herauszufinden oder vielleicht doch zu widerlegen, ist mir zu kostspielig!

Verlockende 18-270/27-405 mm Alternative zu 24-200 mm Vollformat?

Ja, die hat Nikon im November mit dem 18-140 DX Z vorgestellt. Umgerechnet aufs Kleinbild-Vollformat ein 27-210 mm Zoom. Wäre also eine Überlegung für die vorhandene Nikon Z50 mit ihrem 15 x 23 mm APS-C-/DX-Halbformat-Sensor. Wenn beim Fotorundgang partout nur eine Nikon DSLM und ein Objektiv mit sollen! Kaufen würde ich dieses Nikon-Zoom aber nur bei nachlassendem Straßenpreis und frühestens Ostern 2022 …

In diese Überlegungen tauchte eine vom Brennweitenbereich interessante Alternative auf. Ein Di II TAMRON 18-270mmF/3.5-6.3 Piezo Drive VC

Dieses aufwändig konstruierte 15-fach Zoom folgte 2010 dem Vorgänger 18-270mm F3,5-6,3 Di II VC von 2008. Es wurde unserem Museum in sichtlich wenig bis gar nicht gebrauchtem, praktisch Neuzustand gestiftet!

Was zur Verwendung auf der spiegellosen Nikon Z natürlich dann per FTZ adaptiert werden muss. Gesagt getan. Erste Überraschung: Starke Vignettierung durch Objektivfassungsteile bei Verwendung auf der Vollformat Nikon Z6. Die simple Erklärung: Der Tamron-Chip des 18-270 mm ist nicht in der Lage der Vollformat Z zu melden: "Ich bin ein Halbformat-Sensor- DX-Objektiv. Also die Z6 übers Menü in den DX-Modus geschaltet … Kein Problem.

Zweite, dann aber wirklich negative Überraschung. Während die stabilisierten Nikon Zooms 50-250 mm Z und das per FTZ adaptierte 70-300 mm ohne Sucherbildgewackel blitzartig auf den Punkt fokussieren, passiert mit dem 18-270 Tamron erst mal nichts, dann "flippt" die Antiwackel-Mechanik/-Steuerung auf penetrantes Weiterantippen  des Auslösers regelrecht aus. Und erst nach "Beruhigung" bequemt sich der Tamron-Autofokus "irgendwann" seine Arbeit aufzunehmen. Es ist nicht bei jedem Versuch so, aber einmal ist mir bereits 1x zu oft. Und wenn es ohne Gewackel startet, braucht der Tamron AF von unscharf auf scharf gefühlt die doppelte bis dreifache Zeit, wie die beiden genannten Nikon-Zooms.

Hier stößt das "Reverse-Engeneering" offensichtlich an seine Grenzen. Der Versuch Tamrons, die Inhalte der Nikon-Protokolle, die zwischen Objektiv und Kameracomputer ausgetauscht werden müssen, durch Trial & Error zu erraten und nachzubauen, funktionieren nicht hundertprozentig. Zumindest nicht auf der spiegellosen Z-Nikon in Kombination mit dem notwendigen FTZ-Adapter. Dafür ist das Tamron vermutlich zu alt – 11 Jahre. Auf der Halbformat (DX) Nikon D2Hs und meiner Vollformat Nikon D4 verhält sich das Tamron 18-270 mm unauffällig. Wenn bei der D4 die DX-Erkennung aktiviert ist, schaltet die D4 nach Ansetzen des Tamrons auch sofort in den DX-Modus. Der Fokus scheint zu stimmen, was ich nicht weiter kontrolliert habe.

Wie ging es weiter? Mit einem 1:1 Brennweitenvergleich – theoretisch

Alle Aufnahmen mit Blende f/8 und ISO 400

Trotz Stativeinsatz waren die Aufnahmepositionen nicht identisch. Hervorgerufen durch durch den notwendigen Wechsel der Stativplatte vom FTZ auf die Kamera — mit FTZ ließ sich die Platte nicht unter die Z50 schrauben. Dazu gesellte sich noch eine weitere nicht erklärliche Diskrepanz. Trotz Wahl und Einstellung der gleichen auf dem Zoomring aufgedruckten Brennweiten – bitte beachten Sie die einmontierten Exifs der Aufnahmen – waren die Ausschnitte nicht identisch – aber dennoch aufschlussreich.

Während ich bei 50 mm Brennweite in der Abbildungsschärfe Gleichstand sehe, ist das 50-250 mm Nikon Z bei 200 mm Brennweite besser und verzeichnet (sicher auch durch Elektronik-Hilfe des Z5-Kameracomputers) weniger als das Tamron bei gleicher Brennweite. Auf einen Vergleich mit dem abgebildeten 70-300 habe ich danach sofort verzichtet. Ebenso auf den möglichen 1:1 Vergleich mit den 50 mm des 24-50 mm Z FX Zooms.

Fazit

Besonders durch das wiederholte hektische Stabilisator-Gewackel, den ganz sicher nicht nur subjektiv lahmeren Autofokus und die bessere Abbildungsqualität des Zooms mit Nikon Z-Bajonett bei 200 mm werde ich das Tamron Zoom nicht mehr adaptieren! Denn Brennweitenbereich unter 50 mm sehe ich mir später bei anderer Gelegenheit an – siehe Schlusssatz.

Die Nikon Zooms 24-50 mm FX Z, 50-250 mm DX Z und das adaptierte AF-P 70-300 mm haben abgesehen von ihrer Lichtstärke ihre AF-Schnelligkeit und Genauigkeit sogar in der Basketballhalle bewiesen. Da werde ich mir das Tamron sicher nicht antun!

Das 18-270 mm wird in den nächst möglichen Skandinavienferien 2022 ausgelagert und dann im ganzen Brennweitenbereich auf der guten 12 MP Nikon D300 probiert. Für unbewegte Landschaft, Natur und 12 MP sollte es reichen.

Ralf Jannke

 

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben