Reparaturbericht Pentacon Auto 1,8 / 50mm M42 von Christian Zahn
In diesem Bericht geht es um die Reparatur eines ca. 55 Jahre alten Manuellfokus-Normalobjektivs. Die Reparatur und Reinigung erfolgte im Rahmen eines langen Wochenendes, in dem ich mit einem Freund eine größere Anzahl von Objektiven aus seinem Bestand überholte. Da er das Objektiv danach wieder mitnahm, zeige ich kein Bildbeispiele, sondern verweise auf meinen Test des Objektivs in einer modernisierten Fassung für Praktika-B-Bajonett an der Nikon Z5. Diese jüngere Version wurde größtenteils in Kunststoff gefaßt, die hier gezeigte Version ist fast vollständig aus Metall und wesentlich besser vom Anfaßgefühl. Optisch ist die jüngere dank modernerer Vergütung etwas besser.
Pentacon Auto 1,8 / 50mm (Meyer Görlitz Oreston 1,8/50 / Prakticar 1,8/50)
Das Objektiv basiert auf dem Meyer Görlitz Domiron 2/50 aus dem Jahre 1950 für die Exakta-Kameras mit Druckblende, Mitte der 1960er Jahre entstand daraus das etwas lichtstärkere Oreston mit M42-Anschluß und Springblende. Es ist ein Doppelgruß-Typ mit 6 Elementen in 4 Gruppen, Front- und Rücklinse sind einzelstehend, Linse 2 und 3 sowie 4 und 5 sind jeweils miteinander verkittet. Die erste Version hatte eine Fassung mit Zebrastreifen-Ringen, 1969 wurde auf eine rein schwarz eloxierte Fassung umgestellt, die hier gezeigt wird. Um 1979 wurde die Version mit Praktika-B-Bajonett in preiswerter Kunstoff-Fassung entwickelt.
Reparatur
Eine dringende Warnung
Die Hinterlinsengruppe ist mit drei kleinen Madenschrauben in der Fassung montiert. Diese dienen nicht nur der Befestigung, sondern auch der Zentrierung der hinteren drei Linsen zu den drei vorderen, so daß beide Linsengruppen in einer optischen Achse liegen. Diese Schrauben dürfen nicht gelöst werden, da danach die Einstellung nur mit Hilfe einer optischen Bank möglich ist!
Die Reparatur der berüchtigte „Sticky Aperture“, also die durch Schmiermittel des Schneckenganges verklebten Blendenlamellen, dürfen nur von Vorne erfolgen!
Die Demontage der restlichen 4 Linsen ist problemlos, zur Reinigung des gezeigten Exemplars reichte es, diese zu Demontieren, der Blendenantrieb war in perfektem Zustand, genauso wie die hintere verkittete Linsengruppe.
Die Demontage der von ca. 1970 bis 1980 gebauten Variante ist zu Anfang etwas trickreich. In dem trichterförmigen Lichtbrecher-Vorsatz ist eine kleine Madenschraube, sie muß gelöst und etwas herausgedreht werden, dann kann dieser Vorsatz herausgeschraubt werden.
Die Frontlinse wir mit einem Nutring gehalten. Der größere Nutring hält die gesamte Linsengruppe in der Fassung. Beim Zusammenbau muß auf eine Nut geachtet werden, die in eine Schraube in der Fassung greift und auf den Blendenantriebshebel, der mit einer Gabel bewegt wird. Auf der Linsengruppe ist ein Aluring lose angebracht, seine Orientierung ist beim Zusammenbau wichtig. Verkehrt herum montiert stimmen die Entfernungsangaben der Einstellschnecke nicht.
Die Hinterlinse wird ebenfalls mit einem Nutring gehalten, ist er herausgedreht, kann die Linse mit einem Vakuumheber herausgenommen werden. Der Ring mit der Entfernungsskala ist an der Fassung angeklebt, normalerweise löst er sich bei der Demontage nicht. Wir mußten jedoch das gesamte verharzte Fett des Schneckenganges entfernen, dabei geriet Isopropanol zur Klebestelle und löste die Verbindung. Die gelbliche Masse hielten wir zunächst für Fettreste des Schneckenganges, bis wir bemerkten, daß es ein aufgelöster Klebstoff war. Er wurde komplett entfernt und der Ring mit 2K-Klebstoff wieder fixiert.
Glücklicherweise ist das Fett zwar weit im Objektiv „herumgekommen“, aber die Blende hatte es nicht verklebt, so daß dieses oft auftretende Problem nicht beseitigt werden mußte.
Die Reportage ist einfach, alle Linsen zentrieren sich entweder in der Fassung selbst bzw. die exakt mittige Ausrichtung erfolgt durch den jeweiligen Nutring, der beim Anziehen die Glaslinse in die optische Mitte drückt.
Fazit
Nach der Reinigung der Front- und Rücklinse von der jahrzehntealten Luftverschmutzung bzw. den Ausdünstungen des Schneckengang-Schmiermittels, die sich vor allem auf der Innenseite von Front- und Hinterlinse abgesetzt hatten, ist das Objektiv wieder für etliche Jahrzehnte nutzbar, seine optische Qualität entspricht der der meisten 6-linsigen Doppelgauß-Normalobjektive. Wird ein passendes Objektiv-Fett für die Nachschmierung eingesetzt, läuft der Schneckengang wieder mit der richtigen Friktion, obwohl seine beiden Teile aus Aluminium gefertigt wurden und die ideale Materialpaarung Messing-zu-Aluminium aus Kostengründen bei der Herstellung nicht genutzt wurde. Das Oreston-Bokeh ist etwas Besonderes, bei offener Blende erzeugt es eine Bildwirkung, die momentan sehr in Mode ist und gerne als „Filmlook“ bezeichnet wird. Abgeblendet auf f/4-8 ist die Schärfeleistung vielen alten und neuen Normalobjektiven sehr ähnlich.
Christian Zahn, August/September 2026
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| Autor: | Christian Zahn |
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| Erstellt: | 26.08.2026 |










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