4/2,1 cm (21 mm) Nikkor von 1959: Das einzige Objektiv, das sich nicht "digitalisieren" lassen will …

Angefangen hat es mit einem Forenbeitrag: „An dem Objektiv von 1959 beisse ich mir digital die Zähne aus".

Wir sind im Sommer 2020, und das Nikon-Superweitwinkel von 1959 wurde in der Zwischenzeit erfolgreich „ausgeführt“!

Der im ersten Praxisbericht zum 2,1 cm Nikkor gezeigte primitive Klapp-Rahmensucher, der nur für 50 mm Brennweite ausgelegt ist, musste einem russischen "Revolversucher" weichen, der neben 135 mm, 85 mm, 50 mm und 35 mm auch noch 28 mm wählen lässt. Was eine große Hilfe zum Abschätzen war, was das 2,1 cm Superweitwinkel wohl mehr an Motivfläche erfasst und aufnimmt...

Alle Zutaten beisammen

Eine tolle Hilfe beim Entwicken der SW-Filme war die iOS-App Develop! Im Screenshot sehen Sie auch meine Film- und Entwicklungschemiewahl und die Verarbeitungszeiten! 

Die fertig entwickelten SW-Negativfilme wurden wie im Beitrag „Nikon ES-28 KB Negativ-/Diakopierer/-digitalisierer“ mit der Coolpix 4500 und dem Diakopieraufsatz ES-E28 digitalisiert. SW-Negativfilm bereitet mit seinen schwer durchdringbaren diffusen Silberkornwolken jedem Digitalisierungsverfahren Probleme. Dafür hat die Kombi Coolpix 4500/ES-E28 ihre Sache sehr gut gemacht!

Nach einigen Versuchen bin ich schließlich bei dieser Arbeitsweise gelandet

Im Menü der Coolpix 4500 habe ich nach Aktivierung des ES-E28 die Wahl Farbdia- oder Farbnegativfilm. Auch wenn es mit Photoshop nur eines Mausklicks bedarf, die im Dia-Modus aufgenommenen und dann tatsächlich auch als digitales SW-Negativ dargestellten Analog SW-Negative umzukehren, scheint die Wahl Farbnegativfilm die bessere Alternative. Die störende Orange-Maskierung, die dann auch das SW-Negativ überlagert, ist schnell entfernt. Speichern lassen habe ich die Coolpix 4500 im unkomprimierten TIFF-Format, weil die CP 4500 keine Rohdatenspeicherung bietet.

Der wichtigste, entscheidendste Schritt der finalen Konvertierung in einen virtuellen, bei Bedarf druckbaren "Papierabzug" bestand im Wechsel von Photoshop zu Lightroom! Mit Lightroom war das wirklich störende und unschöne Filmkorn, das beim konventionellen analogen Vergrößern/Belichten auf Papier kaum stört oder sogar erwünscht ist, sehr gut unter Kontrolle zu bringen.Unter „Details“ wurde unter „Rauschreduzierung“ ein „Luminanzwert“ von 40 gewählt, was das in diesem Verfahren störende Silberkorn unsichtbar macht. Und das unter einem vertretbar geringen Schärfeverlust! Der mit „Schärfen – Betrag“ 10 minimiert wurde. Die Orange eingefärbten Vorlagen wurden dann je nach Gefühl und Geschmack unter „Vorgaben“ S/W versuchsweise mit S/W Landschaft, S/W Hoher Kontrast, oder S/W Niedriger Kontrast nach SW konvertiert und final mit der Gradationskurve und deren Reglern nach persönlichem Geschmack fertig bearbeitet.

Als Endergebnis bekommt man mit dem kompletten Verfahren realistische 2 Megapixel. Ausreichend für eine SW-Vergrößerung, einen Druck in A3, ca. 30 x 40 cm.

Damit steht meine zukünftige Arbeitsweise fest, wenn es gelegentlich Analog und selbst unabhängig verarbeitbar SW sein soll. Coolpix und ES-E28 müssen mit ins Urlaubsgepäck!

Hier die Ausbeute, analog aufgenommen mit dem 4/2,1 cm Nikkor auf der Nikon F2

Ein Objektiv, das sich nicht "digitalisieren" lassen will?

Doch! Mit Einschränkungen

Trotz der "Weigerungen" wurde das 2,1 cm Nikkor auch behelfsmäßig in die moderne Digitalwelt gezwungen. Aber leider nicht als 1959 Superweitwinkel, sondern nur als Makro-Objektiv. Problem des Uralt-Objektivs, das aus Messsucherkamerazeiten stammende 2,1 cm wurde nur so umgearbeitet, dass es kein konventionelles Nikon F SLR-Bajonett wurde. Einwandfrei montier- und sicher verriegelbar ist das 2,1 cm nur auf die Nikon F und F2. Spätere Versionen ab Seriennummer 225.001 sollen auch auf die Nikkormat passen, die auch ein Hochklappen und Verriegeln des SLR-Spiegels gestattet.

Ein Versuch das 2,1 cm auf die Nikon D4 im Liveview-Modus - heißt hochgeklapptem Spiegel - ohne Verriegelung zu montieren, wurde ganz schnell abgebrochen, da irgendetwas im D4-Inneren anstößt.

Bastelarbeiten mit Zwischenringen

Eine gefahrlose Montage auf der D4 funktioniert nur unter Verwendung von Zwischenringen, womit die Unendlicheinstellung verloren geht. Man kann damit nur im Millimeter-, Zentimeterbereich hantieren, fotografieren. Und auch auf den Zwischenringen ist das 2,1 cm nicht zu verriegeln. Immerhin passt das 2,1 cm, muss aber mit Klebeband gegen Herausfallen gesichert werden. Der im oberen Foto angeschnittene, kurze Zwischenring kann nicht verwendet werden. Denn auch da schlägt etwas im D4-Inneren an!

Dieses Foto entstand auf engste Tuchfühlung mit dem montierten Zwischenring:

Von der Abbildungsqualität des wegen der winzigen Schärfentiefe im Makrobereich natürlich auf maximal f/16 abgeblendeten Superweitwinkels gab es nichts zu beanstanden. Und für maximale Qualität sollte das Uraltweitwinkel auf f/16 abgeblendet werden, schaut man auf diese Tabelle:

Papier ist geduldig!

Am Einzelblatt ließ sich der Jahrgang der schwedischen "FOTO" Ausgabe, aus der der Test ist, nicht mehr feststellen. Da nur das 4/2.1 cm Nikkor getestet wurde, lässt sich darauf schließen, dass es vor/bis 1967 gewesen sein muss, denn bis dahin wurde nur das 2,1 cm angeboten. Es wurde  erst im November 1967 durch die komplette Neukonstruktion in Retrofokusbauweise für die moderne Spiegelreflexkamera ersetzt, das 3,5/20 mm UD Nikkor. Nikons Uraltkonstruktion kann erst maximal auf f/16 abgeblendet einigermaßen mithalten. Sieger noch vor dem Leitz Super Angulon 3,4/21 mm ist das noch weitwinkligere Canon FL 3,5/19 mm!

Geht digital noch mehr? Ja, ein bisschen …

Prädestiniert für Objektivadaptionen – Spiegellose Systemkameras, DSLMs

Hier hat das 2,1 cm Nikkor mehr Platz!

Aber es reicht immer noch nicht zur Montage ohne Zwischenring :-( Aber es wird mehr abgebildet. Durch den Cropfaktor 1,5 der verwendeten Samsung NX11 wird das 2,1 cm natürlich zum 32 mm Objekitiv. Qualitativ kann das Objektiv von 1959 aber auch mit der Pixeldichte von 35 Megapixel (hochgerechnet auf 24 x 36 mm KB) mithalten!

Das digitale Maximum. Mehr geht nicht!

Im Nikon Zwischenringsatz "K", bestehend aus den Ringen K1 bis K5, hat der Ring K1 nur eine Stärke von etwas über 6 mm. Den K1 auf den Nikon F-/Fuji X-Adapter montiert und darauf das 2,1 cm Nikkor, geht die Unendlicheinstellung des Superweitwinkels verloren. Immerhin konnte mit dieser Kombination bei Blende f/16 die gezeigte, von Mamiya im Auftrag für Nikon produzierte Nikkorex F samt Zoom im gezeigten Ausschnitt abgelichtet werden. In Anbetracht des 1959 vorgestellten 2,1 cm Objektivs eine sehr gute Leistung. Die Pixeldichte des Systems entspricht einer 65 Megapixel Digitalkamera mit Vollformatsensor!

Damit hat sich der Kreis geschlossen! Aus den 1980ern bis 2020

Der Autor mit seinem ersten, längst verflossenen 2,1 cm auf der Nikon F Eyelevel (Standard-Prisma)

Damit ist das nur fünf Jahre als der Autor jüngere 2,1 cm Superweitwinkel nun wirklich ausgiebig honoriert! Sollte sich in Zukunft noch eine vollständige Adaption auf eine Nikon Z oder Sony A7 gelingen, wird es eine Fortsetzung geben!

Ralf Jannke, Frühsommer 2020

 

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben