Spiegellose 14 Megapixel Systemkamera Samsung NX100/NX11 als "Digital Back" für alte Objektive

Versteckt, ja verliert sich fast zwischen den historischen Spiegelreflexkameras mit M42-Objektiv-Schraubanschluss, die Samsung NX 100.

Links eine Ricoh Singlex TLS von 1967 mit 2/50 mm Pentax Auto-Takumar 1:2 f = 55 mm von ca. 1964, rechts die Praktica IVb von 1961 mit einem Meyer Trioplan 1:2,9/50. Da wird die NX zum Objekt(iv)träger, zum  "Digital-Back" für adaptierte Analog-Objektive, hier 4/20 mm Nikkor (1974, montiert) und 1,8/50 mm AIS (1981). Der Adapter für die M42-Objektive wurde in der Zwischenzeit angeschafft!

"Beispielfotos, aufgenommen mit der Samsung NX100 und adaptierten M42-Objektiven folgen in einem späteren Update", hieß es am Ende des ersten Praxisberichts über die Samsung NX100, wo das 4/20 mm Nikon Weitwinkel adaptiert war.

Dabei wurde als kleinen Vorgeschmack das 3,5/35 mm Pentax Super-Takumar gezeigt:

Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass ich ein 1400 Euro 50 mm Objektiv…

… nicht nur im Bestand, sondern bereits abgelichtet habe!

Nein, wir haben nicht April ;-)

100 Jahre nach Vorstellung der ersten Version des Trioplans wurde das Meyer Görlitz 2016 per Crowdfunding-Kampagne neu aufgelegt. Es soll(te) für rund 1400 Euro unters Volk gebracht werden.

Diese Crowdfunding-Kampagne hat sich mittlerweile von selbst erledigt, denn der Initiator ist pleite. Die älteste deutsche Seite zum Thema Digitalkamera hat dazu den unbedingt lesenswerten Bericht veröffentlicht: "Warum wir nicht mehr über Crowdfunding berichten – Erfahrungen mit Crowdfunding-Kampagnen"

Ein paar Objektiv-Exemplare muss es aber gegeben haben, die dann – vergeblich – für 600 Euro verramscht werden sollten. Vermutlich hat der eine oder andere Lichtbildner gemerkt, dass es eben nicht genügt zur "Geheimwaffe" Bokeh zu greifen, wenn sich der fotografische Erfolg einfach nicht einstellen will. Dann hilft auch nicht der gefällige Unschärfeverlauf vor und hinter dem freigestellten Motiv, das Bokeh. Auch nicht ein „unverwechselbares, einzigartiges Seifenblasen-Bokeh", was aus dem Optikfehler des simpel gebauten Meyer Görlitz-Dreilinsers „Kunst“ machen soll. Das sagenhafte "Seifenblasen-Bokeh" probiere ich dann doch für lumpige 10 Euro aus! So viel kostete auf einem Flohmarkt die Praktica IVb, auf der das Trioplan steckte. Dazu kommt noch ein Adapter nach Wahl.

2,9/50 mm Meyer Görlitz auf der Samsung NX100: Testreihe 14 Megapixel

Entfernungseinstellung

Ich hätte nicht erwartet, welchen Einfluss die Entfernungseinstllung auf die Bildwiedergabe hat. Im linken Foto lag der Fokus bei Offenblende f/2,9 auf den Kameragehäusen, die Rücken der US-Magazine sind unscharf. Beim Bild daneben liegt der Fokus wie gewünscht auf den Magazinen, mit einer überraschenden Nebenwirkung. Beachten Sie bitte die Objektiv-Beschriftungen/Gravuren.Mehr darüber weiter unten im Text.

Eindruck

Speichern in der NX100 im Samsung Rohdatenformat. Entwicklung mit Adobe Lightroom 5.7.1. Die Schärfe wurde in Lightroom auf Null geschoben. Beschriftung mit Photoshop, Speichern in JPEG-Qualität 10.

Zum Zeigen waren zwei Anläufe nötig

Obwohl auch im ersten Durchgang, von dem ich nur eine Aufnahme zeige, auf die Rücken der US-Magazine fokussiert wurde, lag der Fokus auf den Kameras. Trotz Monitorkontrolle per 3 dpt. Lesebrille und Zuhilfenahme der Samsung NX100 Scharfeinstellhilfe: Die über Menü wahlbare M(anual)F(okus)-Hilfe bietet Auswahl zwischen „Erweitern“ – Der Fokusbereich wird vergrößert, wenn Sie den Fokusring drehen – und "F(ocus)A(id)": Wenn Sie den Fokusring drehen, steigt der Balken für die Fokusunterstützung mit verbesserter Scharfeinstellung an.

Diese NX100-Sucherbildvergrößerung funktioniert aber vermutlich nur bei Objektiven mit entsprechender CPU. Bei der M42-Uraltlinse tut sich nichts.

Im zweiten Testdurchlauf hat es dann geklappt – Fokus auf den Magazinen. Aber verbunden mit einer Überraschung. Schauen Sie sich bitte die Doppelkonturen auf der Objektivbeschriftung an. Ich hatte auf Verwacklung getippt. Was NICHT der Fall war. Es wurde vom stabilen Stativ mit Selbstauslöserbenutzung (10 s Vorlaufzeit) fotografiert. Das ist wohl der Tribut, der an dieses fast 60 Jahre alte Objektiv gezahlt werden muss. Die Praktica IV B, auf der das Meyer steckte, wurde zwischen 1961 und 1964 produziert.

Erst bei Blende 11 war dieser Doppelkonturen-Effekt verschwunden. Ubrigens: Eins scheint man bei diesen Spielereien vergessen zu können - die Schärfentiefeskala der Objektive. Das haute bei analogen Filmen mit umgerechnet maximal 6 Megapixel Auflösung noch hin. Bei hochauflösenden Systemkameras scheint das nicht mehr richtig zu funktionieren. Ich liebe als Techniker im Unruhestand solche Spielereien, aber jetzt reicht's. Raus mit dem 2,9/50 Meyer Trioplan in Stadt und Natur!

STOPP

Während es im trüben Januar 2018 auch draußen kein Problem war, das Motiv auf dem Monitor der Samsung NX100 und dem adaptierten 20 mm Nikon-Superweitwinkel zu erkennen, könnte das im Sommer trotz des guten NX100-Monitors schon problematisch werden. Statt nach dem möglichen und teuren (*) E-Sucher zur NX100 Ausschau zu halten, wurde die Kamera für 60 Euro sozusagen ein zweites Mal für die Sammlung erworben. Diesmal aber MIT serienmäßig eingebautem Sucher als Modell NX11. Die NX11 wurde 2011 vorgestellt und hat die gleichen Daten wie die NX100.

 (*) Aktuell wird ein EVF10 E-Sucher der NX100 für rund 110 Euro angeboten…

Dem 3,5/35 mm Pentax Super-Takumar traue ich auch einen höhere optische Abbildungsqualität zu. Und von der Brennweite liefert es schon von der Physik mehr Tiefenschärfe. Das wird also nach dem 4/20 mm MF Nikkor auf der Samsung DSLM der nächste Rundgang! Dann aber nicht aber der ohne Zubehör sucherlosen NX100 sondern auf der NX11, die zusätzlich zum großen Display über einen E-Sucher mit 921.000 Pixels verfügt. Die Daten der Samsung NX11 stimmen mit denen der NX100 weitgehend überein. Da kann dann auch bei Sonnenschein mit dem 35 mm Takumar fotografiert werden! Heißt: Man erkennt das Motiv sogar…

3,5/35 mm Pentax Super-Takumar auf der Samsung NX11: 14 Megapixel

2 Megapixel

Objektiv-Version

Das 35 mm Pentax Objektiv gab es in 5 verschiedenen Versionen. Das auf der Samsung montierte müsste lt. Pentax Forum die dritte, zwischen 1966 und 1971 produzierte Version sein

3,5/20 mm UD Nikkor auf der Samsung NX11: 2 Megapixel

2,9/50 mm Meyer Görlitz Trioplan Seifenblasenbokeh, 4 Megapixel

Trioplan 2 Megapixel

Nochmal 2,9/50 mm Meyer Görlitz Trioplan – oder: Mein 400er lag zu Hause…

Und weil ich noch Lust dazu hatte…

Langweiler 50 mm Normalobjektiv?

Mag ja sein, aber preiswerte Lichtstärke, wenn man sie mal braucht! Abgesehen davon: Niemals lasse ich als Nikon Fan so ein Objektiv auf dem Flohmarkt liegen, wenn es lächerliche 5 Euro kostet…

1,8/50 mm Nikon Serie E auf der NX11, 4 Megapixel

Das war sicher nicht der letzte Einsatz der spiegellosen DSLM Samsung NX 11 mit adaptiertem Altglas!

Und ebenso sicher kommt auch die Olympus OM-D E-M10 noch als "Adapter-DSLM" zum Einsatz! Dort wird das Meyer Görlitz Trioplan 2,9/50 dann zum 2,9/100 mm @B und Tiefenschärfe bei Offenbelnde F/2,9 x 2 = f/5,8…

Ansprüche an Objektiv und Sensor

Je mehr ich mit den Größenordnung 50 Jahre alten Linsen hantiere – Ausnahme natürlich das viel jüngere 1,8/50 mm Serie E Nikon außer Konkurrenz –, desto mehr erscheinen mir die ständigen Neuerscheinungen hochpreisiger Objektive als reiner Markt-Verkaufszwang/Kaufzwang seitens der Hersteller/Kunden. Die 14 MP des 15 x 23 mm APS-C Sensors entsprechen der Pixelzahl von 35 MP auf einem 24x36 mm Vollformatsensor. Da kann man schon von Pixeldichte sprechen! Die 16 MP der Olympus OM-D E-M10 entsprechen sogar 62 MP im Vollfomat! Laut Forenmeinung können "Alte Objektive moderne Sensoren überhaupt nicht bedienen". Aha… Vielleicht sollte man es mal selbst probieren. Ganz sicher werde ich die M42 Linsen auch auf die 36 MP Vollformat Nikon D800 montieren – demnächst.

Bevor ich jetzt ernsthaft an "Adapteritis" erkranke ;-) erstmal eine kleine Pause…

Mit dem 2,9/50 mm Meyer Görlitz Trioplan bin ich noch nicht ganz glücklich, da müssen noch passendere Motive her, denen der simple Dreilinser gerechter wird. Das trifft auch für das nette 1,8/85 mm Soligor der Mitte 1960er Jahre zu, was noch gar nicht zum Zuge kam. Was auch fürs 85 mm MF Nikkor gleicher Lichtstärke und mein bisher vernachlässigtes 1,4/35 mm MF Nikkor gilt. Aber alles kein Problem, da 2019 ganz im Zeichen der Systemkamera stehen werden. Auch wenn es mühselig ist, mit den alten Objektiv-Schätzen zu hantieren, es macht Spaß! Und so werde ich vielleicht schon im Herbst einen richtigen Objektivbrocken adaptieren und herausfinden, wie sich das lichtstarke 2,4/105 mm 6x7 Pentax Mittelformat-SLR Objektiv auf der Canon EOS 1D macht... 2019 soll ja auch ein bisschen was geschrieben werden ;-)

Ralf Jannke, Sommer 2018

 

Comments (2)

  • Harald Lenz
    Harald Lenz
    at 20.08.2018
    Wenn die Sucherbildvergrößerung nicht aktivierbar ist, dann liegt das am Adapter.
    Bei 5 Uhr ist im Bajonett der NX (Sicht von vorne) ein kleiner silberner Mikroschalter.
    Ist der entsprechende Nocken/Steg des Adapters zu kurz, dann wird dieser Schalter nicht betätigt und die Kamera meldet "Objektiv abgenommen". Abhilfe lässt sich kurzfristig schaffen, indem man das Loch für den Arretierungsstift so erweitert, dass sich der Adapter etwas weiter im Uhrzeigersinn drehen lässt. Dann wird der Mikroschalter betätigt.
    • Ralf Jannke
      Ralf Jannke
      at 20.08.2018
      Besten Dank für den Tip! NX11 ist schon weggepackt, werde ich auf jeden Fall (zu Hause) kontrollieren, denn ich will die Samsung NX11 öfter benutzen. Wie auch die spiegellose Olympus OM-D E-M10. Ab Herbst/spätestens intensiv 2019.
      Ralf Jannke

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