Adapteritis III

Canon EOS 1D plus Pentax 3,5/55 und 1:2,4/105

Exakt tragen die beiden Objektive diese Bezeichnung: Super-Multi-Coated TAKUMAR/6x7 1:3,5/55 (Vorstellungsjahr 1971) und SUPER-TAKUMAR/67 1:2,4/105 (Vorstellungsjahr 1969). Beide gehören zur 1969 vorgestellten Mittelformat SLR Pentax 6x7, die auf Rollfilm Negative/Dias von 6x7 cm Größe belichtete.

Wer an solchen Kameras Freude hat, kann hier

http://www.cameramanuals.org/pentax_pdf/pentax_6x7.pdf

die Bedienungsanleitung der Pentax 6x7 als PDF in englischer Sprache runterladen

Beide Objektive sind für dieses Filmformat recht lichtstark. Aber diese Abmessungen!

Das 55 mm hat ein Filtergewinde von 100 mm Durchmesser und wiegt (selbst auf die Waage gestellt) nackt 947 g. Das 105 mm ist da deutlich gemäßigter mit 67 mm Filtergewinde und 626 g Gewicht. Alle Daten sind in Antique & Classic Cameras“ zu finden.

http://antiquecameras.net/pentax6x7lenses.html

Optische Leistung?

Gut versteckt im Original Pentax 6x7 Prospekt ein Rekord-Tele, dem die aktuellen Profi-Ausstatter Canon und Nikon nichts entgegenzusetzen haben. Zumindest nicht von der Brennweite und der dazugehörigen Lichtstärke. Ich musste mehrmals genau hinsehen, aber Pentax bot tatsächlich ein ultralichtstarkes 4/800 mm Super-Tele. Vier-Komma-Null bei 800 mm! Kein Wunder, dass dieses Monstrum 20 kg wiegt… Canon und Nikon können "nur" 5,6/800 mm. Das 4/800 mm Pentax67 wird zwischen 4 und 7000 Euro/Dollar angeboten…

Zur Qualität

Da dürfen keine Wunder erwartet werden. Ein Bekannter hat für Großformatkameras (Negativformat ab 9x12 cm!) gedachte Objektive auf seine 24 MP Vollformat Sony DSLM adaptiert und den Objektiven ganz schlechte Leistung attestiert. Der Mann ist Fotografenmeister und weiß, was er tut. Fürs riesige Filmformat musste das Objektiv einfach nicht höher auflösen. Aber bei 24 Millionen Bildpunkten, verteilt auf 24x36 mm Fläche war dann eben Ende. Einige seiner Zeiss Hasselblad (6x6 SLR) Objektiven schlugen sich auf der Sony aber hervorragend. 

Aufgrund der Massen und Abmessungen ging das monströse 55 mm Takumar nur kurz mit – mit Stativbenutzung. Das 105er ist da viel praxistauglicher.

Notwendige Umbauarbeiten am Pentax 6x7-/EOS-Adapter

Konverter ausgepackt, montiert, ausgelöst – ERROR…

Und jetzt? Nach einigem Rumprobieren konnte ich rausfinden, dass die Positionierung des Lochs/Schlitz', in den der Stift des EOS-Bajonetts einrastet, falsch gewählt ist. Entriegeln und leicht verdreht, und das Ganze funktioniert.

Adapter wieder einpacken und zurück (nach Hongkong) schicken? Nein!

Stattdessen habe ich zur Feile gegriffen und den Schlitz so verbreitert, dass des Adpapter sich um die zwei, drei Grad verdrehen lässt, damit die EOS zuverlässig arbeitet. Meine "Feinmechanik-Arbeit" sieht zwar furchtbar bis schwer kariös aus, verhindert aber sicher, dass mir das Objektiv von der Kamera fällt oder umgekehrt. Im schlimmsten Fall habe ich einen Error. EOS ausschalten, Adapter verdrehen – fertig… Natürlich ist dann auch die Stativbefestigung verdreht. Muss der Kugelkopf oder 3D-Neiger eben entsprechend justiert werden.

Übrigens

Adapter-Hersteller K&F Koncept interessierte sich weder auf der Photokina direkt am Messestand noch über mehrere Mails mit detaillierter Fehlerbeschreibung für das Problem des fehlerhaft gefertigten Adapters. Suchte aber auf der Photokina mit dem oben abgebildeten Aufruf Unterstützer. Offensichtlich ist man nur an positiven Bewertungen und Reviews in entsprechenden Internetportalen interessiert…

OK, wer billig kauft, kauft zwei Mal…

Für Adaptionsspielereien bin ich nicht bereit Größenordnung 200 Euro in Präzisionshersteller zu investieren. Zumal man nie sicher sein kann ist das jetzt wirklich "Made in Germany" oder nur "Assembled in Germany", qualitätskontrolliert in Deutschland.

Aber kein Problem: Es gibt neben K&F Koncept noch andere preiswerte Anbieter für Adapter…

Der Pentax 6x7-/EOS-Adapter liegt zwischen 40 und 70 Euro, das Nikon-Pendant ist für ähnliche Beträge zu haben.

Unterwegs mit den 6x7 Takumaren auf der Canon EOS 1D? Erstmal nicht…

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

Da um jeden Kubikzentimeter Gepäckplatz gerungen wurde, blieb der Pentax 6x7-/EOS-Adapter in den Herbstferien zu Hause. Dazu gesellte sich ein zweiter Grund. Die Nikon D800 unterstützt die manuelle Fokussierung mit Lichtwaage und Punkt. Auch OHNE Chip im Adapter! Bei der Canon bräuchte es einen anderen Adapter mit Chip und Kontaktierung für rund 60 Euro. Ich will mit den Takumaren auf modernen Digital-SLRs ja nicht ewig "arbeiten". Der Gang mit der EOS 1D und dem leichteren 2,4/105 mm gibt es irgendwann 2019… Denn mit etwas Übung aus lange vergessenen Zeiten der manuelle Fokussierung lässt sich das 2,4/105 mm Takumar auf der EOS 1D gut scharfstellen.

War gar nicht eingeplant, stellt aber die "Höchststrafe" für (ur)alte Objektive dar!

Das 3,5/55 mm Pentax 6x7 Takumar adaptiert auf die 36 Megapixel Vollformat DSLR Nikon D800

Zum Test mit Höchstanforderung wurde ein zweiter Adapter geordert, der die Verwendung von 6x7 Pentax Takumaren auf einer Nikon gestattet. Natürlich NICHT bei K&F Koncept!

Wenn schon, denn schon…

Nur die Vollformat Nikons D850 und Z7 übertreffen die Auflösung der D800. Die digitale Spiegelreflekamera D850 und die spiegellose Z7 bieten 45 Megapixel. Aber auch 36 MP dürften zum "Test" des 1971 vorgestellten 55 mm Takumars ausreichen. Zum Vergleich wurde das selbe Motiv mit dem 1986 präsentierten 1,4/50 mm AF vom Stativ aus abgelichtet. Beide Objektive mit Offenblende und dann f/5,6, f/8, f/11 und f/16.

Wenn man sich denn an die Formel

Förderliche Blende = Pixelabstand (Pixelpitch) x 2

hält oder fest daran glaubt. Im Fall der Nikon D800 Pixelpitch 4,9 µm x 2 = Blende f/9,8. (Weit) über den Bereich dieser theoretischen Blende 8 bis 11 sollte man also nicht gehen, damit sich die Schärfe durch weiteres Abblenden durch Beugung nicht wieder verschlechtert. So jedenfalls die Theorie. Gespeichert wurde in voller Auflösung im Nikonrohdatenformat (RAW) NEF und parallel als JPEG Fine und JPEG-Komprimierung "Optimale Bildqualität".

Entwickelt wurde mit Adobe Lightroom 5.7.1

Das nur halb so schwere 2,4/105 mm Takumar bot sich dann für mobilen Einatz OHNE Stativ an! Mit seiner Lichtstärke ist es sogar rund 1,5 mal schneller als ein f/2,8 lichtstarkes Objektiv.

Warum die Vollformat Nikon D800 statt der betagten Kodak DCS ProSLR/c mit EOS Bajonett?

Eine Begründung steht schon in der Überschrift: betagt. So 100 Prozent scheint mir meine DCS ProSLR/c nicht mehr in Ordnung zu sein, und da wollte ich einfach auf Nummer sicher gehen. Außerdem hätte ich hier auch das Problem mit der falschen Positionierung der Pentax6x7/EOS-Adapter-Rastung.

3,5/55 mm Pentax 6x7 Takumar vs. 1,4/50 mm AF Nikkor, beide Blende 11

In der 1:1/100 Prozent Ansicht, muss sich das 3,5/55 mm Mittelformat Takumar von 1971 dann doch dem Kleinbildformat 1,4/50 mm AF Nikkor von 1986 geschlagen geben

Nochmal das 3,5/55 mm Takumar auf der Nikon D800, 6 Megapixel Ausschnitte

Nicht nur getestet ;-)

Augen auf beim Rundgang durch die Altstadt! Zum Glück hatte ich da statt des behäbigen und rund 1 kg schweren 3,5/55 Takumars das schnelle 1,4/50 mm AF Nikkor auf der D800…

2,4/105 mm Pentax 6x7 Takumar auf der Nikon D800

Qualitätseindruck

Ja, man merkt das Alter der fürs 6x7 cm Mittelformat gerechneten Pentax-Objektive. Dennoch hat es großen Spaß gemacht, damit zu "arbeiten". In diesem Fall lasse ich als reiner Hobbyfotograf mal das Verb "arbeiten" gelten. Denn es war richtig Arbeit, das schwere 55 mm Pentax Takumar samt Nikon D800 und Stativ zu transportieren/schleppen!

Und ich gestehe und schäme mich ;-)

Das sind die ersten Fotos, die ich selbst mit den beiden Takumaren gemacht habe. Denn die schöne Pentax 6x7 werde ich erst 2019 aktivieren. Und dann die gebunkerten Fuji-Sofortbildfilme belichten.

Es macht einfach Spaß gelegentlich mit den alten Linsen zu spielen. Wobei sich das 2,4/105 nicht nur aufgrund der Abmessungen als das praxisgerechtere Objektiv erwiesen hat. Mit Blende f/2,4 ist es fast 1,5 mal so lichtstark wie ein f/2,8 Objektiv. Diesem Takumar gönne ich auf jeden Fall noch einen Tripp. Dann auf der Canon EOS 1D, wie eigentlich vorgesehen.

Für die 6x7 Takumare gibt es sogar einen T(ilt)S(hift)-Adapter, mit dem die Objektive auf einer Nikon für Architekturaufnahmen zur Vermeidung von stürzenden Linien verschoben (englisch to shift) oder für Sachaufnahmen gekippt (englisch to tilt) werden können, um die Schärfentiefe ohne Abblenden zu erhöhen. Angesichts der Preise für meine deutlich von vielen (?) Vorbesitzern benutzen Takumare – jeweils Größenordnung 80 Euro – keine wirkliche Idee. Der Adapter kostet rund 270 Euro. Aber immerhin, die verschieb- und verstellbaren 2,8/85/90 mm TS-Objektive von Canon und Nikon liegen bei 1300 bis 1600 Euro! Wobei sich das Shiften ja sehr komfortabel mit der EBV erledigen lässt…

Ralf Jannke, Herbst 2018

 

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