Die erste Kamera der Welt mit "Digital-Soft-Fokus": Casio QV-4000

Sichtlich benutzte Raucher- = Stinkerkamera, aber voll funktionierend!

Woran erinnert mich diese Casio? Mit der Auflösung - 4 MP - und dem Canon-Zoom ist sie eigentlich kaum etwas anderes als eine stark abgespeckte Canon Powershot G2, der neben dem Klappmonitor und der Möglichkeit in 36 bit Farbtiefe im Rohformat zu speichern, schließlich noch die Verstärkung der Sensorgrundempfindlichkeit von ISO 100 auf 200 oder 400 fehlt. Das stark gebrauchte Exemplar kam für 1 Euro in die Sammlung.

Die 2001 präsentierte Casio QV-4000 ist 118 x 75 x 65 mm groß und wiegt 475 g. Der 1/1,8" 7,2 x 5,3 mm CCD-Sensor löst maximal 2.256 x 1.504 Pixel = 4 MP im 4:3 Seitenverhältnis auf. Bei Bedarf kann unter Verlust entsprechender Pixel kann auf die vom Kleinbildformat vertrauten 3:2 umgeschaltet werden. Der Sensor hat eine feste Empfindlichkeit von ISO 100. Gespeichert wird in 24 bit Farbtiefe unkomprimiert als TIFF oder komprimiert als JPEG in den Qualitätsstufen Hoch („Fine“ 6:1), Normal (9:1) und Economy (15:1). Videos können mit maximal 320 x 240 Pixel Auflösung und 30 B/s für maximal 30 s im AVI-Format aufgenommen werden. Gespeichert wird auf Compactflashkarte.

Objektiv ist ein 2-2,5/7-21 mm (34 bis 102 mm @KB) Canon 3-fach Zoom, das ein 58 mm Filtergewinde zur Aufnahme von Vorsätzen hat. Die Entfernung kann manuell eingestellt werden oder eben per Autofokus. Im Automatikbetrieb werden für die Entfernungsmessung drei von neun Punkten abgefragt. Diese neun Punkte können bei Bedarf manuell angewählt werden. Der AF arbeitet im Einzelbetrieb (AF-S) oder kontinuierlich (AF-C). Ein (abschaltbares) AF-Hilfslicht kann bei wenig Licht unterstützen.

Besonders erwähnenswert die Möglichkeit aus einer 3x3 AF-Sensor-Matrix den fürs Motiv gewünschten Sensor gezielt auszuwählen oder mit dem mittleren Spot-AF zu arbeiten. Die in der Überschrift so besonders erwähnte "Digital-Soft-Fokus" (Funktion) wird über die Einstellung "B(est)S(hot)" und "Soft Fokus" gewählt. Dabei werden zwei Fotos unmittelbar hintereinander aufgenommen, wovon eins (vermutlich) bewusst unscharf aufgenommen wird. Außerdem wird die Belichtung auf +0,7 EV korrigiert. Das Ganze ergibt es dann einen Weichzeichnereffekt. Wer's braucht...  

Das Motiv kann stromsparend über einen optischen Sucher (mit Dioptrienausgleich) oder in Liveview über den 1,8" TFT LCD Monitor mit 122.100 Bildpunkten erfasst werden. Bei Bedarf können zum besseren Ausrichten des Motivs Gitterlinien eingeblendet werden. Über den Monitor erfolgt auch die Menüsteuerung.

Die Belichtung kann mittenbetont, integral, über mehrere Felder (Matrix) oder punktförmig als Spot gemessen werden. Gesteuert wird die Belichtung manuell oder per Programm-, Blenden- oder Zeitautomatik. Die Belichtungszeiten liegen zwischen 60 und 1/1000 s. Bei Langzeitbelichtungen jenseits 1 Sekunde Belichtungszeit nimmt die Kamera parallel zum eigentlichen Bild ein zweites "dunkles" Bild auf, das dann vom ersten Bild rechnerisch abgezogen wird. Dark Frame Substraction nennt sich das Ganze. So werden so genannte "heiße“/"tote" Pixel und das verstärkte Bildrauschen bei Langzeitbelichtungen rausgerechnet.

Selbstauslöser mit 2 oder 10 s Vorlaufzeit. Belichtungskorrekturmöglichkeit im Bereich +/- 2EV ind 1/3 EV Schritten. Der eingebaute Blitz reicht maximal 3,5 m weit und bietet die Funktionen an/aus, Automatik, Langzeitsynchronisation, Blitzen auf den zweiten Verschlussvorhang und Rote-Augen-Reduktion. Zusätzlich bietet die Casio QV 4000 einen Anschluss für einen externen Blitz. Weißabgleich automatisch oder mit den Einstellungen: Wolken, Sonne, Blitzlicht, Leuchtstofflampe, Glühlampenlicht

Komplette Informationen in der deutschen Bedienungsanleitung zur Casio QV-4000

Beispielfotos, aufgenommen Oktober 2016 mit der Casio QV 4000

Das Positive vorweg. Die Casio QV-4000 hat eine gute Automatikbelichtung und eine nicht übertriebene, ja natürliche Farbwiedergabe.

Bildschärfe?

Wer genau hinsieht, bemerkt eine gewisse Unschärfe in der Oberflächenstruktur des Holzpfahls. Bei den nächsten Fotos in 1:1 Darstellung ist das – ich nenne es mal – Zuschmieren von Details nicht mehr zu übersehen:

Die 1:1/100 Prozent Monitordarstellung offenbart: Das ist "in die Hose" gegangen :-(Im Original noch besser zu erkennen: Die Figurendetails im Giebel (oberes Foto) und die Dachstruktur (Ziegel, beide Fotos) wirken zugeschmiert. Im mittleren Foto ist die regelmäßige Ziegelstrulktur auch nicht durchgehen scharf. Als hätte jemand Wachs aufs Bild getropft. Wo immer es dran liegt. Am Objektiv? Glaube ich nicht und sicher nicht, nur weil Canon drauf steht. Wer weiß, was für ein 4 MP-Sensor in der Casio werkelt und wie die Daten aufbereitet werden. Trotz Wahl der besten JPEG-Qualität, der niedrigsten Komprimierung. Neben guten Bildpartien verschmierte Strukturen, mit denen die Kamerasteuersoftware offensichtlich nicht klar kam.

Wie schon oben bemerkt: Mit Belichtung und Farbe hat die Casio QV-4000 keine Probleme. Der Stärke des "Regenbogens" der Fontäne wurde per Gradationskurve "ein wenig" nachgeholfen ;-)

Vom Millionen-Objekt 2016 zurück ins frühe 20. Jahrhundert: Pixlr-o-matic macht's möglich...

Auf einen Test der oben im Text beschriebenen "Digital-Soft-Fokus" (Funktion) habe ich angesichts dieser kaum erklärlichen "Schmierstellen" in bestimmten Motivstrukturen verzichtet.

Ganz zu Beginn noch als stark abgespeckte Canon Powershot G2 bezeichnet, ist die einzige Gemeinsamkeit das Canon Zoom der Casio QV-4000. Sensor und Elektronik können nicht ansatzweise mit der gleichauflösenden 4 Megapixel Canon G2 mithalten. Mit ihren Schwächen bleibt der Casio auch ein Eintrag in die Bestenliste: "Auch heute zum Fotografieren brauchbare (alte) Digitalkameras" verwehrt.

Ralf Jannke

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