Kodak DC 20 – die erste erschwingliche Digitalkamera

Mit rund 600 DM war die DC20 1996 nach dem Logi Fotoman von 1991 die zweite, für den Privatanwender gedachte und im Vergleich zum rund 2000 DM teuren Fotoman einigermaßen erschwingliche Digitalkamera. Wobei die Kodak bereits 1995 auf der amerikanischen Comdex Herbstmesse 1995 als baugleiche Chinon Pocket Digital ES-1000 vorgestellt wurde. Aus heutiger Sicht ein Wahnsinnspreis, für das, was da von dieser 102 x 61 x 31 mm großen und 130 g schweren DC20 Billigplastik-Digitalkamera „geboten“ wurde: Ein Festspeicher von 1 MB für wahlweise 16 Fotos der sagenhafte Bildgröße von 320x240 oder 8 Fotos mit 493x373 Pixel – 0,18 Megapixel. In Druckgröße bei 150 ppi: 8,3x6,3 cm.

Die DC 20 bietet keinerlei Bildkontrolle über einen Monitor, das Umschalten der Auflösung ist nur über die Software und die kabelverbundene Kamera möglich. Zum Auslöser gesellen sich nur noch zwei Schalter: Ein/Aus und Löschen ALLER Bilder, signalisiert über drei LEDs.

Der CCD-Sensor soll von Sony sein und hat eine Empfindlichkeit von ISO (Automatik) 800 bis 1600. Das f/4 lichtstarke Fixfokus-Objektiv wird in einem Verschlusszeitenbereich von 1 bis 1/4000 s per Programmautomatik bis f/11 abgeblendet. Die Brennweite beträgt umgerechnet auf Kleinbild 47 mm, zwischen 0,5 m und Unendlich ist alles scharf. Soweit man da von Schärfe sprechen kann. Einen eingebauten Blitz sucht man vergeblich. Der musste extra als DC20 Flash Kit dazugekauft werden.

Mit Energie versorgt wird die DC20 über eine 3V Lithium-Batterie. Als größte Herausforderung erwies sich 2015 die Übertragung der Fotos von der Kodak DC20 in den Computer. Hatte ich zu Beginn noch geglaubt auf mit der DC 20 1996 aufgenommenen Archivbilder zurückgreifen zu müssen, kam Hilfe in Form eines 2 Euro Windows 98 PCs aus einem bekannten Online-Auktionshaus. Und was für ein Erlebnis: Ein USB-loser Rechner, Tastatur und Maus mit PS2-Anschluss, "Datenübertragung" per 3,5" Diskette – zum Glück habe ich das externe Diskettenlaufwerk nie entsorgt.

Hier ein paar Beispielfotos, aufgenommen 1996 mit der seinerzeit frisch erworbenen DC20 und 493x373 Pixels:

Unvergessen: Herbst 1996 in Köln gekauft, ausgepackt, Batterie eingelegt und auf dem Rückweg vom Bonner Hauptbahnhof gleich losgeknipst. Und dann zu Hause die Spannung "ob was drauf war", auf dem virtuellen Film…

Fotos 2015

Oben noch ein vorabendlicher Rundgang mit der Kodak DC20 durchs "Dorf", den Stadtteil, anno Februar 2015. Die Fotos sind "ooc" – out-of-the-cam, unbearbeitet

Auflösung?

Wenn man sich die "Treppenstufen" an den schrägen Linien so ansieht, muss die Frage erlaubt sein, ob der verwendetet Sensor nicht niedriger auflöste, und zumindest die 493x373 Pixel durch Interpolation hochgerechnet wurden. Dem Weißabgleich und der Farbwiedergabe kann auch heute eine ordentliche Leistung attestiert werden! Wer sich für die erste Volks-Digitalkamera interessiert, findet unter diesem Link weitere Informationen.

Alles virtuell...

Und um das Ganze auf die Spitze zu treiben, wurde die Kodak DC20 aus reiner Neugier auch an den Mac gehängt. Betrieben über Windows 98, das versuchsweise parallel neben Windows 7 installiert wurde und dann ebenfalls in der kostenlosen VirtualBox auch unter Mac OS X läuft. Die schon seit langem nicht mehr aktuelle serielle COM-Schnittstelle, ohne die via Kabel kein Bild aus der speicherkartenlosen DC20 in den Rechner kommt, ging über einen USB-Adapter in den Mac, bzw. ins Windows 98. Alles unter sagenhaften 640x480 Pixel VGAMonitorau Auflösung bei 16 Farben ;-) Spannend das 20 Jahre alte, angedeutete „Tethering" (Screenshot unten rechts) im "Fernsteuer"-Versuch des "Selfies" ;-)

Heutiger Wert der Kodak DC20? Boris beschreibt und taxiert die Kodak auf 15 Euro

Ralf Jannke, 1996, 2015, Neufassung Frühsommer 2018 nach dem Umzug von Google ins Digicammuseum.de

 

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