14 MP Vollformat 2004, Kodak DCS ProSLR/c: Großes Update

 

Richtigstellung: Mit seiner ursprünglichen Bezeichnung DCS Pro 14n suggerierte Kodak gerne, dass es sich um eine 14 Megapixelkamera handelt. Exakt gerechnet sind es 4500 x 3000 Pixel, also "nur" 13,5 Megapixel...

Grundlage für die 14 MP Vollformat Kodak DCS ProSLR/c mit Canon EOS-Bajonett, die Sigma SD9(10).

Im ersten Beitrag noch gefaked, jetzt "in echt": die Kodak DCS ProSLR/c.

Bananenware...

Was die Interessenten mit der ersten Kodak DCS Pro 14n bekamen, war ein „Bananen-Produkt, das erst beim Kunden reifte“ :-( So hat es auch die schwedische „KAMERA BILD – Allt om DIGITALFOTO“ (etwa „Alles über Digital(e) Foto(grafie)“ unter „En dröm för detaljintresserade“ (etwa: „Ein Traum für an Details interessierte“) in seiner Juni 2004 Ausgabe geschrieben. Ein Auszug:

"Es gibt nur einen wirklich guten Grund, eine Kodak DCS Pro SLR/n vor anderen digitalen Spiegelreflexkameras wählen: die Schärfe. In diesem Bereich ist sie mit ihren 13,5 MP besser als alle Wettbewerber. Aber die Kamera erfordert große Speicher und eine gewisse Geduld des Fotografen.

Trotzdem wurde die Kodak DCS Pro SLR/n kein „Blockbuster“, was unter anderem am schlechten Marketing lag. 2002 vorgestellt und NICHT verfügbar. Um bei Verfügbarkeit den Preis dann gleich von 4- auf 5000 Dollar anzuheben. Dazu stellte Kodak Musterbilder online. Sie sahen schrecklich aus. Verrauscht und unscharf, und mit einem seltsamen Plastik-Look aufgrund zu starker Rauschreduzierung. Jemand in der Marketingabteilung von Kodak hatte ein bemerkenswert schlechtes Urteilsvermögen bewiesen.

Aber dann war der Schaden bereits geschehen. Irgendwo starb der Traum vieler Menschen von einer digitalen SLR mit einem Full-Size-Bildsensor (24 x 36 mm Kleinbildformat) für einen einigermaßen erschwinglichen Preis. Stattdessen bekam die doppelt so teuere Canon EOS 1Ds sehr positive Aufmerksamkeit. Die auch einen 11 MP Vollformat-Sensor hat. Die Canon-Kamera funktionierte viel besser als die Kodak. Besonders bei hohen ISO rauschte sie viel weniger, und sie war auch robuster gebaut. Kodaks Flaggschiff geriet in Vergessenheit.

Aber Kodak gab nicht auf

Durch die kontinuierliche Aktualisierung der Kamera-Software wurde die Kodak Bildqualität in relativ kurzer Zeit deutlich verbessert. Alle paar Monate stellte Kodak (Firmware-)Updates zur Verfügung. Die Kamera wurde langsam aber sicher immer besser. Im Februar 2004 stellte Kodak die Kamera in einer völlig neuen Version mit einem neuen Bildsensor, weniger Rauschen, doppelter Empfindlichkeit und viel besserer Bildqualität als bei ihrem Vorgänger vor.

Den Besitzern der alten Modelle bot Kodak einen Sensor-Austausch zu etwa einem Drittel des ursprünglichen Preises für die SLR/n. Diese renovierte Kameras sind als Kodak DCS Pro 14nx bekannt."

Langer Rede kurzer Sinn, die DSLR, die hier präsentiert wird, ist mit der letzten 2004 verfügbaren Kodak-Technik bestückt: verbesserter Sensor, überarbeitete Elektronik, 512 MB Arbeitsspeicher.

Was mir auf Anhieb auffiel und an der ProSLR/c gefiel – das Gewicht. Auf dem Papier scheinen 160 g nicht viel zu sein, aber beim Tragen draußen merkt man es. Die 12 MP Vollformat Nikon D700 wiegt 1055 g, die 13,5 MP Kodak DCS ProSLR/c nur 895 g.

Die Bedienung der Kameras gibt keine Rätsel auf, auch wenn die Menüs sehr umfangreich sind. Sämtliche Details zur Kodak ProSLR/c in der (englischen) Bedienungsanleitung, die fälschlicherweise unter „sensorcleaning“ abgelegt ist.

Reparatur einer Kodak DCS Pro

Es ist vielleicht nicht völlig auszuschließen, dass ein kleiner Fehler an einer Kodak DCS Pro doch noch zu reparieren ist. Aber wo in Deutschland und zu welchen Kosten? Ich habe keine Quelle gefunden. Sollte ein Leser eine Werkstatt wissen, die eine Kodak noch reparieren kann, werden wir das sofort veröffentlichen!

Auf der nicht mehr existierenden Kodak Seite wurde weiter auf einen midwestcamera.com verlinkt, wo unter anderem folgendes zu lesen war: "We will no longer service and ship internationally on these models." Etwa: "Wir bieten keinen internationalen Service mehr." Und weiter auf der Seite: Die Standard Reparatur (was immer das bedeuten mag) für eine Pro SLR-n, Pro-14n, SLR-c liegt bei 295.00 US$. Womit nochmals klar wird, was von Preisen für eine Kodak DCS Pro weit jenseits der 300 Euro zu halten ist!

Wenn ich auf die erste Vorstellung der Kodak DCS Pro Linie zurückgehe, sollte man zumindest von der Produktionscharge, als die Kodak schlicht DCS 14n hieß, Abstand nehmen. Lt. des Beitrags im schwedischen Magazins tragen die DCS 14n Modelle, deren Sensor/Hauptplatine ausgetauscht wurde, die Bezeichnung DCS 14nx. Wer ganz sicher gehen will: Nehmen Sie eine DCS ProSLR/n auf Basis der Nikon F80 mit Nikon-F-Bajonett oder eben die ProSLR/c mit Canon EOS-Bajonett. Alles in allem (für 300 Euro): "No risk, no fun" – oder: Spaß haben, solange die Kodak läuft! Damit fotografieren! Und bei Ausfall dann eben den Ehrenplatz in der Vitrine reservieren...

Wobei das 300 Euro Preis-Limit meine ganz private Ansicht ist. Während dieser Beitrag entstand, wechselte eine Kodak DCS ProSLR/c in eBay für sage und schreibe 833 Euro den Besitzer. Wobei ich mich erinnere, dass da sogar nach Seriennummern gefragt wurde... Offensichtlich wird der Sammlerirrsinn, Kameras und Objektive mit aufeinanderfolgenden Seriennummern zu horten, ins Digitalzeitalter übertragen...

Objektive für die Kodak DCS ProSLR/c

Mit ziemlicher Sicherheit würden Canon L-Objektive – die mit dem roten Ring – dieser Kamera gerechter, aber ich stehe im Nikon-Lager und werde deshalb keine hohen Summen in Canon-Hochleistungsobjektive investieren. Also wurde die Kodak DCS ProSLR/c mit vorhandenen Objektiven bestückt.

Zur Verfügung standen ein aus meinen Canon-Zeiten übrig gebliebenes 3,5-5,6/28-80 mm Canon EF USM und ein 35 Euro 4-5,6/35-135 mm Canon EF USM.

Die vermutlich beste Qualität liefert das 3,5-5,6/28-80 mm, das 1991 als Kit-Zoom zur EOS Elan/100 angeboten wurde. Erstaunlicherweise ist es im Canon-Museum unter http://www.canon.com/c-museum/en/lens-ef-series.html nicht gelistet! Eine Beschreibung des 28-80 mm Zooms gibt es hier.

Es soll das erste Canon Zoom sein, das eine gepresste, asphärische Linse enthält! Wer Freude an MTF-Zahlen und Diagrammen hat, kann hier nachschauen: 3,5-5,6/28-80 mm EF USM

Photodo MTF Bewertung 3,2

Zum Vergleich das Canon 2,8-4/28-80 EF L USM: Photodo MTF Bewertung 3,8

und das 4-5,6/35-135 EF USM: Photodo MTF Bewertung 3,1

Neben den Zahlen hatte ich einen Blick auf die Photodo-MTF-Diagramme geworfen und mich dabei mit einem Lineal „bewaffnet“. Das damalige Premium-Zoom 2,8-4/28-80 L hat erwartungsgemäß die beste Photodo-MTF-Bewertung, das vorhandene 28-80 ist aber nicht soooo schlecht, dass man es nicht zum Fotografieren benutzen kann ;-) Es käme mir jedenfalls nicht in den Sinn 300 Euro aufwärts in ein heute irreparables 26 Jahre altes 2,8-4/28-80 Canon L USM zu investieren! Von Linien sollte man sich eh nicht verrückt machen lassen, sonst wird man ganz schnell zum „Verbalfotografen“. Also: Einfach losziehen mit den vorhandenen Objektiven!

Optimierung von Objektiven für die Kodak DCS ProSLR-Serie

Um dem Anwender die Möglichkeit zu bieten, das Maximum aus den verwendeten Objektiven herauszuholen, bot Kodak einen (englischen) „User’s Guide – Lens Optimization Section“ Dort wurde auf rund 20 Seiten aufwändig beschrieben, wie (Zoom-) Objektive aus einer vorhandenen Liste gewählt, geändert oder neue (Zoom-) Objektive in die Datenbank eingefügt werden können.

Ich habe darauf verzichtet und es beim Menü-Eintrag "Lens Optimization" in der Auswahl "Auto" belassen. Zur Parametrierung der Objektive wird Kodaks Software Photo Desk benötigt, die nicht mehr unter Mac OS 10.11 („El Capitan“) läuft. Zur Rohdatenentwicklung habe ich stattdessen aufs bewährte Adobe Lightroom zurückgegriffen, zumal da ja bei Bedarf Verzeichnung, Vignettierung und Farbsäume (CA) korrigiert werden können.

Da der deutlich gealterte 1,8 Zoll 130000 Punkte Monitor zwar ein lesbares Histogramm liefert, aber sonst keine Farbbeurteilung (Stichwort Weißabgleich) und trotz Zoom-Möglichkeit auch keine Schärfekontrolle zulässt, wurde auf das von Kodak bereits in der Kamera zur Verfügung gestellte parallel aufzuzeichnende JPEG verzichtet und im Kodak Rohformat gespeichert.

Beispielfotos, aufgenommen mit der Kodak DCS ProSLR/c im Dezember 2015

Wer meine Erfahrungsberichte verfolgt hat, wird das Motiv sicher gleich wiedererkennen: Der Autowaldfriedhof im Kyrkö Moor (Kyrkö Mosse) unweit der südschwedischen Kleinstadt Ryd. Dort dürfen die Autos mit Wissen und Duldung der Behörden weitgehend ungestört verrotten. Die Natur holt sich alles nach und nach zurück. Im total verregneten Oktober 2012 war ich das erste Mal da, und dokumentiere seitdem den Verfall mit verschiedenen Kameras, wenn ich in Schweden bin. Einfach nur so, für mich ;-) Diesmal ging die 13,5 MP Vollformat-DSLR Kodak DCS ProSLR/c mit, bestückt nur mit dem oben beschriebenen 3,5-5,6/28-80 mm Canon EF USM. 

Es war natürlich sehr optimistisch, der ProSLR/c ISO 1000 zuzumuten, um für unverwackelte Verschlusszeiten aus der Hand und etwas Abblendmöglichkeit (Tiefenschärfe) Reserven zu bekommen: es rauscht! Was eben deutlich mehr Nacharbeit in Adobe Lightroom bedeutete.

Dem mittlerweile stark verblassten Blau des Volvo Bus' für den bis September 1967 in Schweden vorgeschriebenen Linksverkehr wurde mit Lightroom "Direktpositiv" neues Leben eingehaucht.

Wie gewöhnlich sind die quadratischen Bilder 1:1/750 x 750 Pixel-Ausschnitte aus den 13,5 MP Fotos der Kodak DCS ProSLR/c. Mit Adobe Lightroom und Photoshop bearbeitet. "SIMCA" und Fahrradreste an der Mauer mit ISO 1000, das durch den Kotflügel wachsende Bäumchen mit ISO 640.

Linkes Foto: Keine EBV-Spielerei, um den Effekt zu "zaubern". Um den verrotteten Saab zu glorifizieren, musste einfach nur mit dem 3,5-5,6/28-80 EF USM Canon im "richtigen" Winkel in die Sonne gehalten werden, um diese hier gewollte und wunderbare Überstrahlung zu erzielen. ISO 640. Fürs Fahrrad wurde einfach mit den Lightroom-Möglichkeiten gespielt. Bei Lufttemperatur um 2 Grad und gefrorenem Boden, war es wichtig, genügend Akkus für die DCS ProSLR/c dabei zu haben. Nach Größenordnung 30 Min ging der erste Akku in die Knie. Wobei Körperwärme (Jackeninnentasche) mit Sicherheit wieder zu mehr Leben verholfen hätte, aber ich hatte gleich alle drei vorhandenen Kodak-Akkus eingesteckt. Keine wirkliche Kritik und Überraschung, moderne Akkus halten da kältemäßig eben mehr aus.

Zwei hier gezeigte Fotos wurden mit "nur" ISO 640 aufgenommen. Das scheint eine realistische Grenze für die DCS ProSLR/c zu sein. Ob ISO 400/500 jetzt noch einen "Tick" besser sind, habe ich nicht "getestet". Einen sichtbaren Gewinn brachte die 2-fache Nennempfindlichkeit 2 x 160 = ISO 320:

Keine Überraschung, dass die Qualität mit reduzierten ISOs zunimmt! Der Schuss in die Sonne musste natürlich entsprechend bearbeitet werden, aber bei 36 bit Farbtiefe gibt es genug Reserven für solche Spielchen. Diese beiden Fotos wurden mit dem 4-5,6/35-135 mm EF USM Canon aufgenommen, ISO 320. Unten 1:1/750 x 750 Pixel Ausschnitt aus der 13,5 MP Kodak-Datei.

Die Kodak DCS ProSLR/C bei ISO 160 Nennempfindlichkeit

Bei ISO 160 Nennempfindlichkeit und gutem Licht läuft die Kodak DCS ProSLR/c dann wirklich zur Hochform auf. Alle Fotos aus der Ronneby Altstadt mit dem oben beschriebenen 3,5-5,6/28-80 mm Canon EF USM und Zeitautomatik. Speichern im Kodak-Rohformat, "Entwickeln" und Nachbearbeitung mit Adobe Lightroom. Bildverkleinerung, 1:1-Ausschnitte, Bild-Einmontagen mit Adobe Photoshop.

Um die Qualität allerdings wirklich beurteilen zu können, hätte man bei konstantem Licht mit (langweiligen) Testmotiven/-aufbauten vergleichen müssen. Die mit der 13,5 MP Kodak, der 11 MP Canon EOS 1Ds und ggf. der Nikon D1X in der 10 MP Einstellung abfotografiert werden. Das Letzte, wozu ich Lust hätte.

Denn neben der bei ISO 160 wirklich tollen Qualität - und das nur mit uralten, für analog gerechneten Zoom-Objektiven - hat meine Kodak auch ein paar Macken. Die vermutlich in Richtung Kontaktprobleme gehen. Nicht immer lassen sich beispielsweise ISO-Empfindlichkeit oder Blende zuverlässig mit dem Rädchen wählen. Dazu gesellten sich auch wiederholte Error-Meldungen unabhängig von der eingesetzten Speicherkarte, die jedoch und zum Glück nie zu Daten-, gleich Fotoverlusten führten!

Was bleibt?

Ich bin froh eine weitgehend funktionierende 13,5 MP Vollformat Kodak in der Sammlung zu haben, würde aber bei Lust auf Nostalgie trotz des kleineren 15 x 23 mm APS-C-/DX-Bildsensors wahrscheinlich doch zur Nikon D1X greifen. Nicht nur wegen der vorhandenen Objektive.

Weil die Nikon D1X aufgrund ihres „merkwürdigen“ Sensors, der netto 4024 x 1324 Pixel = 5,3 MP liefert, mehr als ordentliche 10 MP generieren kann. Aus den 4024 x 1324 Pixel interpoliert die Kamerasoftware (Firmware) gewöhnlich 3008 x 1960 Pixel = 6 MP. Als NEF-Rohdatei gespeichert und mit Adobe Lightroom, Raw Therapee oder Nikons eigener Software Capture NX geöffnet, werden daraus 4016 x 2616 Pixel = 10 MP. Die vertikale Vergrößerung liegt mit gerundet 200 % Interpolation absolut „im grünen Bereich“. Diese Möglichkeit der Nikon D1X und die exzellente Canon EOS 1Ds mit ihrem 11 MP Vollformat-Sensor dürften Kodaks Ende ziemlich beschleunigt haben.

Ralf Jannke

PS.: Bei Gelegenheit werde ich mit der Kodak DCS ProSLR/c doch mal eine ISO-Testreihe erstellen, wo man die Grenze der Nutzbarkeit ISO-Schritt für ISO-Schritt erkennt. Unabhängig davon, waren die ISO 1000 Fotos ja nicht unbrauchbar!

Testobjekt...

... für die folgende ISO-Reihe: OLYMPUS WIDE von 1955 mit fest eingebautem 3,5/35 mm Weitwinkelobjektiv

ISO Reihe

Komplett unbearbeitete 1:1/750 x 750 Pixel Ausschnitte des Testmotivs. In Adobe Lightroom wurde automatischer Weißabgleich (7500) gewählt und die Regler fürs Schärfen und die Rauschreduzierung auf Null geschoben. Keine Belichtungs-, Tiefen-/Lichter-Korrektur. Was ist rausgekommen? Sehen Sie selbst. Diese ISO-Reihe hat das bestätigt, was ich "outdoor" schon geahnt hatte: Über ISO 1000 sollte man nicht gehen. Ein sichtbarer Qualitätssprung kommt bei max ISO 640, dann noch mal bei max ISO 320 und klar am besten Nennempfindlichkeit ISO 160.

Bangemachen gilt nicht: ISO 1600

Mit der im Screenshot gezeigten Lightroom-Einstellung ist sogar dem Rauschen bei ISO 1600 beizukommen. Alle Aufnahmen der ISO-Testreihe mit dem 4-5,6/35-135 mm Canon EF USM bei 135 mm Brennweite und Blende 16.

 

 

Sie finden diesen Beitrag besonders gelungen, vollkommen verunglückt oder möchten noch etwas ergänzen? Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion!

Dieser Beitrag wurde noch nicht kommentiert.

Kommentar schreiben