Kodak DCS760 Studiokamera bei ISO 800

Erfahrungsbericht Teil 1

Hohe Empfindlichkeit...

... aus einer Kamera, die das serienmäßig gar nicht bietet. Als Testobjekt wurde die aktuell in die Sammlung aufgenommene 6 MP Kodak DCS760 gewählt, die auf Nikons analoger F5 Profi-SLR basiert. Eine hoch interessante DSLR, die mich sicher eine Weile beschäftigen wird, der ich mich gerne noch ausführlich widmen werde, deshalb die Teilung des Erfahrungsberichts. Ein ausführlicher Teil 2 wird folgen!

Der Empfindlichkeitsbereich der DCS760 erstreckt sich von ISO 80 bis 400 in 1/3 Stufen wählbar. Uwe Steinmueller von Outbackphoto setzte seine DCS760 2001 mit maximal ISO 320 ein. In einer anderen Quelle wurde berichtet, dass sich aus der DCS760 auch noch ISO 800, ja 1600 herauspressen ließen, wenn die Kodak Rohdateien mit dem damals verfügbaren Kodak PhotoDesk und zusätzlich dem damals wohl besten Tool Quantum Mechanic "entwickelt", behandelt würden/wurden.

Um die bei ISO 400 gewollte Belichtungskorrektur von - 1EV, was dann ISO 800 entspricht, auszugleichen. Ob das jetzt das erste Mal war, wo die Empfindlichkeit einer Kamera so weiter gepusht wurde, ist nicht bekannt. Ist aber letztlich nichts besonderes, denn die Methode wurde auch später angewendet, wenn bei anderen Kameras die Empfindlichkeit, zum Beispiel um eine schnellere Verschlusszeit zu erzielen, erhöht werden musste. Die Vollformat Canon EOS 5D konnte 2005 „nur“ ISO 3200. Mehr konnte auch hier über die beschriebene Methode erzwungen werden.

Bis ISO 1600!

Rob Galbraith ging sogar noch weiter und pushte die ISO 400 der DCS760 weiter auf ISO 1600. Er hat die Wirkung gut beschrieben: "Zwei Stufen Unterbelichtung, ausgeglichen mit Kodak Photo Desk erzeugt Bilder, die den Look eines durch Spezialentwicklung extrem von ISO 400 auf ISO 1600 gepushten (chemischen) Films haben." "Vergleichen Sie die beiden Vergleichsfotos, die im Abstand von 75 Sekunden aufgenommen wurden."

ISO 400 ohne Belichtungskorrektur

ISO 400, zwei Stufen unterbelichtet und mit Photo Desk korrigiert = ISO 1600

R. Galbraiths Foto hatte ich versuchsweise mit Lightroom geöffnet. Problemlos lässt sich das Farbrauschen verringern! Möglicherweise boten Kodak PhotoDesk sowie Quantum Mechanic diese Einstellmöglichkeit noch nicht...

Das Ganze funktioniert(e) zufriedenstellend aber nur, wenn der Kamera-Sensor groß genug ist. Also mindestens ein 15x23 mm APS-C-Sensor, idealerweise ein 24 x 36 mm Vollformatsensor. Der Kodak DCS760 APS-H-Sensor liegt mit 19,1 x 28,7 mm Größe dazwischen. Also wurde die DCS760 kurzerhand in die gewohnte Basketballhalle mitgenommen. Fürs 2,8/70-200 mm Zoom bei offener Blende und 1/1000 s Verschlusszeit werden ISO 1600-2000 gewählt, was für moderne DSLRs überhaupt kein Problem ist. Mit der 1,8/85 mm Festbrennweite genügen bei offener Blende und 1/1000 s dann ISO 800. Und genau das wurde an der Kamera in manueller Belichtungssteuerung eingestellt. ISO 400 plus - 1EV Korrektur/Unterbelichtung = ISO 800. In der Hoffnung, das aus den im Rohformat gespeicherten Fotos beim "Entwickeln" mit Adobe RAW/Lightroom rauszuholen. ISO 1600, wie oben gezeigt, wollte ich der Kamera nicht zumuten.

Das ist dabei herausgekommen:

Kodak DCS760 auf ungewohntem Terrain

36 MP 24x36 mm Vollformat Nikon D800 Baujahr 2012 mit dem 2,8/70-200 VR I Nikkor gegen 6 MP 19,1x28,7 mm APS-H Sensor (Cropfaktor 1,3) Kodak/Nikon F5/DCS760 Baujahr 2001 mit dem 4/16-35 mm VR Nikkor.

Geht nicht, gibt's nicht! Bevor es ans Pixel-Peepen, an die Erbsenzählerei geht, sollte man sich diese auf den Boden gelegte Papierabzüge ansehen. Fernab jeder Theorie liegen da reale 32 x 48 cm A3+/B3-Abzüge! Und die wurden mitgenommen, um Interessierten zu zeigen, zu was eine 15 Jahre uralte DSLR fähig ist, wenn man sie lässt ;-)

DAS – Sport- oder Reportgefotografie – war sicher nicht das Arbeitsgebiet, wofür die nur 1,5 B/s "schnelle" 6 Megapixel Kodak DCS760 vorgesehen war. Zu ihrer Zeit ideal waren dafür die mit 2 MP niedriger auflösenden Kodak-Modelle DCS620x (3,5 B/s) und DCS720x (4,3 B/s) , deren Sensorempfindlichkeit sich kalibriert zwischen ISO 400 und 4000 bewegt, aber bei Bedarf noch höher gewählt werden kann. Bei der DCS 620x bis ISO 6400, beim Nachfolger DCS720x angeblich bis ISO 25.600. Trotzdem wurde die DCS760 eingepackt und bestückt mit dem 1,8/85 mm AF-S FX Nikkor mitgenommen.

Was auf dem Monitor in 1:1/100 Prozent Darstellung nicht berauschend aussieht, kommt im Druck – siehe oben – so gut, dass es problemlos aufs Papier zu bringen ist. Verkleinert man auf Zeitungsfotogröße, reichen rund 25 cm Bildbreite: ein Fünfspalter. Die beiden 1:1 Ausschnitte von oben wurden beim "Entwickeln" mit Adobe RAW auf 11 MP Größe gebracht. Die letzte Nachbearbeitung besorgte Photoshop.

Weitere Bildbeispiele aus der Basketballhalle

Farblich anders abgestimmte Variante, aber von der Pixel-Größe Ausgangsmaterial für die A3+/B3 Drucke von oben

Die Fotos vom "Timeout" wurden mit dem 4/16-35 mm AF-S VR FX Nikkor aufgenommen.

War das für die Kodak DCS760 jetzt die Pflicht oder Kür?

Ordnet man die DCS760 als "Pflicht"-Kamera fürs Studio ein, kann der Ausflug in die ungewohnte Basketballhalle zu Recht als "Kür" bezeichnet werden. Damit soll das Quälen der DCS760 ein Ende haben. Diesen Bereich meiner Fotografie übernimmt dann wieder die Nikon D2X, auf der sich das 1,8/85 mm Nikkor im Highspeed-Mode (Cropfaktor 2, 7 MP, 7 B/s) ebenfalls sehr wohlfühlt. Im Teil 2 zur Kodak wird es "artgerechte" Fotografie geben. Soweit die DCS760 mitmacht. Denn sie hat sich als "Diva, die stark zu Überhitzung" neigt, erwiesen. Was es mit der Überhitzung auf sich hat, lesen Sie in Teil 2.

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