Kodak EasyShare V570, die zweiäugige Digitalkamera (Dual Lens)

Abmessungen, Gewicht: 101 x 49 x 20 mm, 125 g.

Eine „stylische“, und mit ihrem 23 mm (umgerechnet auf Kleinbild) Zusatz-Superweitwinkelobjektiv hochinteressante Kamera von Kodak, die 2006 vorgestellt wurde

Wenn in der Fotografie von einer zweiäugigen Kamera die Rede ist, ist diese Kameraklasse gemeint, wo ein Vertreter zum Test der Ricoh RDC 7 herhalten musste.

Zweiäugig bedeutet bei diesem Kameratyp in der Regel zwei Objektive gleicher Brennweite übereinander montiert. Das obere Objektiv ist vom Aufbau einfacher gehalten, hat von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, keine Blende, und ist oft lichtstärker. Es dient nur dazu, das vom Fotografen gesehene Motiv über einen Spiegel auf die Mattscheibe zu werfen. Nur das zweite Objektiv enthält zur Steuerung der Belichtung die Blende und den Verschluss. Durch dieses Objektiv wird das Motiv auf den Film belichtet...

Bei der vorgestellten Kodak sind zwei Objektive unterschiedlicher Brennweite übereinander montiert, was mangels Strahlenteiler/Umlenkung auch zwei Sensoren erfordert! Das obere Objektiv ist ein konventionelles 2,8-4,4/39-117 mm (@KB) Schneider-Kreuznach C 3-fach Variogon, das untere Objektiv ist eine Kodak-Exklusivität, das oben schon erwähnte 2,8/23 mm Fixfokus Superweitwinkelobjektiv. Die Verzeichnung der beiden Objektive kann bei Bedarf automatisch rausgerechnet werden. 

Die beiden Sensoren im 4:3 Format lösen 2576 x 1932 Pixel = 5 MP auf oder alternativ im vertrauten 3:2 Kleinbildformat 2576 x 1716 Pixel = 4,4 MP. Weitere, niedrigere Auflösungen sind möglich. Gespeichert wird in 24 bit Farbtiefe im komprimierten JPEG-Format, was sich der 16:1 Grenze nähert, ab der JPEG-Störungen zumindest bei der 1:1/100 Prozent Monitorkontrolle sichtbar werden. Keine Frage, dass sich aus den von der Kodak V570 erzeugten Dateien ordentliche Postkartenvergrößerungen (10 x 15 cm) und auch A4 (20 x 30 cm) anfertigen lassen, aber gewisse Schärfeeinbußen fallen im Vergleich zu anderen Kameras, ja zum popeligen iPhone 4 (5 MP) eben auf. Möglicherweise liegt es auch an dem nur 1/2,5“ 5,8 x 4,3 mm (zu) kleinem Sensor. Wenn man sich bei der V570 auf den Begriff ordentliches Foto-Notiz-„Buch“ einigt, kann man mit der Kodak gut leben. Denn sie bietet von der Brennweite eben erheblich mehr als das aktuelle Smartphone! Leider durch den fehlenden Sucher aber auch die Unmöglichkeit, bei viel Tages-/Sonnenlicht ein Motiv einwandfrei zu erkennen. Was aber auch für die überwiegende Mehrheit der Kameras der wohl aussterbenden Kompaktkameraklasse zutrifft. Immerhin löst der 2,5“ TFT LCD der V570 230400 Bildpunkte auf. Zum besseren Ausrichten kann ein Gitter eingeblendet werden und für die Belichtungskontrolle ein Live-Histogramm.

Was hat die Kodak V570 sonst noch zu bieten? 

Videos mit Ton können in 640 x 480 Pixel VGA-Auflösung mit 30 B/s im MPEG4-Format aufgezeichnet werden. Das Zoom bleibt im Video-Modus bedienbar, der Autofokus aktiv. Bei Bedarf kann eine digitale Bildstabilisierung aktiviert werden. Aus dem Video können ganz gezielt 640 x 480 Pixel (Einzel-)Standbilder gezogen und als Foto gespeichert werden. Die Sensorempfindlichkeit kann automatisch im Bereich von 64 bis 160 geregelt werden, oder manuell in den Werten: ISO 64, 100, 200 und 400. Bei auf 1,8 MP reduzierter Auflösung sind ISO 800 möglich. Die Belichtung wird durch Programmautomatik oder zahlreiche Motivprogramme gesteuert. In der Panoramafunktion werden drei Aufnahmen automatisch zu einer 180 Grad Aufnahme zusammengesetzt.

Gemessen wird wahlweise mittenbetont, als Matrix/Mehrfeld- oder Spot-Messung. Die Belichtung kann +/- 2 EV in 1/3 Schritten korrigiert werden. Beim Weißabgleich kann zwischen Automatik, Wolken, Sonne, Leuchtstofflampe und Glühlampenlicht gewählt werden. Die Verschlusszeiten liegen zwischen 1 s und 1/1448 s, die maximale Bildfrequenz beträgt bei höchster Auflösung 2,3 B/s. Langzeitbelichtungen sind mit Vorwahl zwischen 0,5 und 8 s möglich. Der Selbstauslöser hat eine Vorlaufzeit von 10 s. Der Blitz mit Leitzahl 6 bei ISO 100 bietet die üblichen Funktionen Automatik, Blitz ein/aus, Langzeitsynchronisation, Rote-Augen-Reduktion und hat im Weitwinkelbereich eine Reichweite von 1,9 m. Fokussiert wird automatisch auf unbewegte Motive (AF-S) oder kontinuierlich auf bewegte Objekte (AF-C). Bereits in der Kamera kann eine einfache Bildbearbeitung durchgeführt werden. Auf Wunsch kann auch das Datum ins Foto belichtet werden. Intern verfügt die Kodak V570 über 32 MB Speicher, der durch SD-Karten fast beliebig erweiterbar ist.

Neben der Kodak V570 gibt es noch das Modell V705, das bei gleicher Sensor-Größe mit 3072 x 2304 Pixel = 7 MP der Bild-/Datenqualität nicht eben entgegenkommt.

Die V570 kostete 2006 ca. 250 Euro. Das hier vorgestellte Exemplar hat Größenordnung 20 Euro gekostet.

Weitere Informationen zur Kodak V570 hier im digicammuseum und in der englischen Bedienungsanleitung zur V570.

Ralf Jannke

Beispielfotos, aufgenommen mit der Kodak V570

1:1 Ausschnitte aus 5 MP Fotos. Oberes Foto mit der kamerainternen Sepia (Braun-) Tönung.

Vom Gegenlichtverhalten und der Automatik-(Programm-)Belichtung gibt es bei dieser Lichtsituation nichts zu kritisieren. 23 mm Superweitwinkel.

Das 23 mm Superweitwinkel der Kodak verführt ;-)

Mit reduzierter Auflösung von 1,8 MP: ISO 800. 1:1 Ausschnitt, unbearbeitet.

Übrigens:

In der Photoskala ist zum Thema Gerüchteküche aktuell (Juli 2015) zu lesen, dass Apple das nächste iPhone mit einem „Dual Lens“-System ausstatten könnte. Nun ja, Kodak hat gezeigt, wie man es machen könnte. Statt Superweitwinkel und Zoom, wäre ja auch die Kombination aus Superweitwinkel und ca. 60 mm Festbrennweite (bezogen aufs Kleinbildformat) denkbar...

NACHTRAG

digicammuseum.de Leser Harald Lenz schickte diesen Link. Er zeigt das Innenleben der Kodak V750, dessen zwei Objektive aus zwei im Gehäuse verborgenen Periskop-Optiken bestehen!

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  1. Giesela Schulze
    Giesela Schulze am 05.03.2018
    Ich habe diese Kamera auf vielen Reisen gerne mitgenommen und wunderschöne Fotos geschossen. Jetzt zeigt sie den Fehler E 45 und es tut sich nichts mehr.
    Meine diversen Versuche, mit Kodak in Verbindung zu treten, sind alle fehlgeschlagen. Es gibt keine Ansprechpartner mehr. Für eine Firma mit diesem bekannten Namen sehr traurig.
    Man hat mir nicht einmal sagen können, wer oder wo ich hier in Deutschland Kontakt aufnehmen kann und eventuell doch eine Reparatur durchführen zu lassen.
    1. Ralf Jannke
      Ralf Jannke am 05.03.2018
      Als erste schnelle Hilfe ein Youtube-Video: „How to fix Kodak camera error e45“
      https://youtu.be/LbRdXIaZbkg

      Und: „How do I resolve an error message on my camera?“
      http://support.en.kodak.com/app/answers/detail/a_id/1110/kw/Error/selected/true

      Ralf Jannke
    2. Boris Jakubaschk
      Boris Jakubaschk am 10.03.2018
      Hallo Frau Schulze,

      ich habe schon einiges an den Kodaks herumgebastelt. Sie haben zwei große Schwachpunkte: Erstens die Schwenkmechanik, die den Blechdeckel beim Einschalten zur Seite bewegt und beim Abschalten wieder schließt. Zweitens das Objektiv, welches offensichtlich extrem empfindlich ist. Inzwischen haben sich bei mir etwa 10 Kameras dieser Baureihe angesammelt. Keine davon funktioniert einwandfrei.

      So leid es mir tut, weil ich die Kamera vom Design und der Grundidee her sehr mag: Kodak hat da wirklich Mist gebaut und die komplizierte Mechanik offenbar nie richtig in den Griff bekommen. Ich rate Ihnen daher, doch den Umstieg auf ein anderes Modell zu erwägen. Ich empfehle gerne die Canon SX210 IS, weil sie schöne Bilder macht, unkompliziert zu bedienen ist und nicht so arg viel größer als die Kodaks. Außerdem ist sie gebraucht oft für wenige Euros zu bekommen.

      Viele Grüße und weiterhin viel Spaß beim Fotografieren.
      Boris Jakubaschk

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